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Leselupe.de > Kurzprosa
Minenfeld
Eingestellt am 27. 02. 2008 18:56


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Oblomow
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2006

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Allmorgendlich tritt die Erinnerung auf den Plan und fordert ihre Opfer: Die Gedanken, die in den ersten benommenen Augenblicken nach dem Erwachen durch das Netz der Gehirnzellen geschleudert werden, erliegen ihr und der alte Leierkasten in meinem Kopf beginnt mit dem Abspulen des Gewesenen.
Es ist Sonntag. Sonntags haben wir gew√∂hnlich gemeinsam ... Ich versuche, an etwas anderes zu denken, nicht an Vergangenes, und finde Ablenkung in dem gleichm√§√üigen Atmen neben mir, zu dem ich in keinerlei Beziehung zu stehen meine. Angestrengt lausche ich dem best√§ndigen und warmen Ger√§usch ‚Äď voller Ekel vor mir selbst muss ich jedoch feststellen, dass mir das fremde Schnaufen unertr√§glich ist; also steige ich aus dem Bett und verlasse das Zimmer. Was hatte dieses Wesen hier verloren geglaubt, als es gestern mit wuchtigen Schritten meine Wohnung betrat? Ich rufe mir den gestrigen Abend ins Ged√§chtnis und komme zu dem bedr√ľckenden Schluss, dass alles auf eine mich beherrschende Gier zur√ľckzuf√ľhren sei, die ich mit meinen Mitmenschen nicht gemeinsam zu haben glaubte: die Gier nach Neuem, angesichts derer mir jetzt spei√ľbel wird. Gewiss, manch einer k√∂nnte wohl √ľber diese Gier als etwas Nat√ľrliches hinwegsehen und spr√§che dar√ľber hinaus von einer Leere, die es auszuf√ľllen gelte. Aber jene, um die sich meine Gedanken seit Monaten dunkel drehten, hinterlie√ü gar keine Leere, die ich mit einer Anderen h√§tte ausf√ľllen k√∂nnen. Sie hinterlie√ü ein Minenfeld. W√§hrend ich dar√ľber nachdenke und durch mein staubiges K√ľchenfenster den Sp√§therbst anstarre, legt mein Gast von hinten die Arme um mich und spricht zu mir. Mit schwerer Zunge und ohne sie anzublicken erwidere ich etwas. Ein kurzer Schrei, wenig sp√§ter das Zuschlagen der T√ľr ‚Äď und ich bin allein. Viel geblieben ist vom Samstag nicht.

Da ich mir √ľberlegt habe, dass mich frische Luft auf andere Gedanken bringen m√ľsse, streife ich einige Stunden sp√§ter ziellos durch die Stadt. Der Wind weht mir kalt ins Gesicht, aber ungeachtet meiner Frische-Luft-Theorie spuckt meine Gro√ühirnrinde unbeirrt scheu√üliche Bilder aus, die zu vergessen mir nicht verg√∂nnt ist. Sie tat mir einmal weh. Fernab des Stra√üenget√∂ses lasse ich mich auf einer Parkbank nieder und z√ľnde mir einen Joint an; es erscheint mir pl√∂tzlich sehr vern√ľnftig, mich ein wenig zu umnebeln. Der Rauch sinkt mir angenehm k√ľhl in die Brusth√∂hle hinunter und steigt gesegnet aus ihr empor. So sitze ich als lebendiges Denkmal im Freien und preise Zug um Zug das Vergessen, derweil meine Erinnerung in der K√§lte zerfasert ‚Äď bald wird, denke ich, der erste Schnee des Jahres fallen.
__________________
Damals, als es noch Galgen gab,
da, nicht wahr, gab es
ein Oben. (Paul Celan)

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Haki
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Hallo Oblomow,

zunächst einmal ein herzliches Willkommen! Ich hoffe du wirst viel Spaß hier auf der Leselupe haben und dich vor allem an der gegenseitigen Textarbeit erfreuen.

Nun zu deinem Werk:

Der Titel deiner Kurzprosa ist "Minenfeld". Damit asoziiere ich vor allem, dass jeder Schritt, jede Regung den Tod bedeuten kann.
Ich bin gespannt, inwieweit meine Asoziation auch im Text wiederzufinden ist.

Der Ich-Erzähler reißt den Leser direkt in den Text hinein, man möchte wissen, wer hinter der Aussage "Allmorgendlich tritt die Erinnerung auf den Plan und fordert ihre Opfer" steht und fragt sich welcher Art wohl die Erinnerungen deines Prot sein mögen. So folgt im weiteren Verlauf eine Andeutung auf ein ehemaliges "gemeinsam". Da es sich um Vergangenes handelt, das der Ich-Erzähler zwanghaft zu verdrängen versucht, ist diese noch nebulöse Bezihung zwischen dem Prot und dem unsichtbaren Partner noch nicht nachzuvollziehen.
Jemand liegt neben dem Ich-Erzähler und atmet laut. Hier wird nicht ganz klar, ob es sich um einen anderen Menschen handelt oder um jene alte Bekanntschaft.
Der Ekel im Prot w√§chst und er fl√ľchtet.
Jetzt wird klar, dass es sich um eine "neue" handelt. Bildhaft wird dargestellt, dass die Person, mit welcher es kein gemeinsam mehr gibt, nicht wie √ľblich eine Leere hinterlie√ü, sondern vielmehr ein Minenfeld. Der Titel w√§re damit erkl√§rt, auch die Geschichte hat nun klare Z√ľge und Formen bekommen: Es handelt sich um einen Mann, der verlassen wurde, dessen Erinnerungen an ihm nagen und der sich gerne in Aff√§ren fl√ľchtet, sich selbst daf√ľr aber verabscheut und ekelt.
Der Prot. vertreibt die fl√ľchtige Bekanntschaft und geht spazieren.
Erneut quälen ihn Bilder aus alten Tagen und er glaubt im Konsum von Marijuana Erlösung zu finden.
Es wird beschreiben, wie sich der Rauch im K√∂rper verbreitet, und wie er √ľber die Erinnerungen einen Schleier wirft.
Der letzte Satz wei√ü durch seine Bildhaftigkeit zu √ľberzeugen. Der erste Schnee wird fallen... Ja, so ist es.

Liebe Oblomow,
hier ist dir m.E.n. ein sehr guter Einstieg gelungen. Du schreibst sehr verliebt in deine S√§tze(das gef√§llt mir, darf aber ab und an etwas gez√ľgelt werden) und zeichnest mit wenigen Worten einen plastischen Charakter.
Wirklich schöne Kurzprosa.

Gerne gelesen. Wenn du m√∂chtest, kann ich auch mal wegen der Sprache dr√ľberschauen, ob mein bescheidenes Ich vielleicht ein paar Verbesserugsvorschl√§ge bieten kann...

Liebe Gr√ľ√üe,
Haki


PS:
Hui, noch ein junger Spund. Wir werden mehr...!

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Oblomow
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Mit einer so wohlwollende Reaktion hatte ich nicht gerechnet; ich danke Dir daf√ľr ‚Äď und f√ľr die Ausf√ľhrlichkeit. Es ist ein interessantes Gef√ľhl, sein Erzeugnis auf diese Weise besprochen zu sehen.

Als ich den Text das erste Mal selbst gelesen habe, gefiel er mir schon nicht mehr. Da ist der ¬Ľalte Leier¬ę-Kasten und das Bild des Minenfelds ... aber sonst war ich nicht zufrieden.
Ich h√§tte den Protagonisten vielleicht l√§nger im Bett liegen lassen sollen und die Anwesenheit des ¬ĽBest√§ndigen und Warmen¬ę einige Augenblicke l√§nger efahren lassen sollen, bevor's umschl√§gt. Auch der Stadtspaziergang bietet wohl mehr M√∂glichkeiten. Es wird wohl daran liegen, dass der Protagonist keine sprichw√∂rtlichen Augen f√ľr all diese Dinge hat, aber zufrieden bin ich doch nicht. Daher w√§re ich Dir auch sehr dankbar, wenn Du noch den einen oder anderen Vorschlag machen k√∂nntest.
Vielleicht holst Du mehr heraus. √Ąrmel hoch und frisch ans Werk!

Gruß vom neuen Spund!

Nachtrag: Angemeldet habe ich mich schon vor Ewigkeiten, auch oft gelesen ‚Äď unter anderem einiges von Dir. Zum Schreiben kann ich mich nur alle 2 oder 3 Jahre bequemen; ich hoffe, das wird sich nun √§ndern.
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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Oke, Obmolow,

dannn versuche ich mich mal an deinem Text...Vielleicht hilft dir das ein oder andere ja...

quote:
Allmorgendlich tritt die Erinnerung auf den Plan und fordert ihre Opfer: Die Gedanken, die in den ersten benommenen Augenblicken nach dem Erwachen durch das Netz der Gehirnzellen geschleudert werden, erliegen ihrhier ist der Bezug nicht mehr klar, erst nach genauerer Pr√ľfung wird klar, dass es sich bei dem "ihr" um die Erinnerung handelt. Daher schlage ich vor, das "ihr" mit "der Nostalgie" zu ersetzen. Erinnerung zu wiederholen w√§re auch ungeschickt. und der alte Leierkasten in meinem Kopf beginnt mit dem Abspulen des Gewesenen.Hier w√ľrde ich den Satz ein wenig anders enden lassen, etwa so:"...und der alte Leierkasten in meinem Kopf spult das Gewesene ab.
Es ist Sonntag. Sonntags haben wir gew√∂hnlich gemeinsam ... Der Bruch muss deutlicher, das Abbrechen der √úberlegungen kr√§ftiger gezeichnet werden. Mein Vorschlag: Nein, ich versuche an anderes zu denken, verdr√§nge die Vergangenheit und finde Ablenkung in dem gleichm√§√üigen Atmen neben mir, zu dem ich in keinelrei Beziehung zu stehen meine.Ich versuche, an etwas anderes zu denken, nicht an Vergangenes, und finde Ablenkung in dem gleichm√§√üigen Atmen neben mir, zu dem ich in keinerlei Beziehung zu stehen meine. Angestrengt lausche ich dem best√§ndigen und warmen Ger√§usch Hier w√ľrde ich auch anders schreiben: Angestrengt lausche ich dem rhythmischen Ger√§usch(jetzt schlage ich vor, die Entwicklung von einem sch√∂n anmutenden Atmen hin zum Ekel und der Unertr√§glichkeit etwas auszuf√ľhren), beobachte den Brustkorb, wie er sich hebt und senkt, sehe die Lippen, wie sie immer wieder hei√üe Luft aussto√üen, das wohlklingende Ger√§usch wird zu einem Schnaufen, ein montones, pennetrantes Schnaufen, voller Ekel vor mir selbst muss ich feststellen, dass mir das fremde Atmen unertr√§glich ist...‚Äď voller Ekel vor mir selbst muss ich jedoch feststellen, dass mir das fremde Schnaufen unertr√§glich ist; also steige ich aus dem Bett und verlasse das Zimmer. Was hatte dieses Wesen hier verloren geglaubt, als es gestern mit wuchtigen"wuchtig" erscheint mir hier unpassend, sicher, im Nachhinein k√∂nnte es dem Prot. wuchtig vorkommen, jedoch f√§nde ich pers√∂nlich ein "entschlossenen" oder "zielstrebigen" besser Schritten meine Wohnung betrat? Ich rufe mir den gestrigen Abend ins Ged√§chtnis und komme zu dem bedr√ľckenden Schluss, dass alles auf eine mich beherrschende Gier zur√ľckzuf√ľhren sei, die ich mit meinen Mitmenschen nicht gemeinsam zu haben glaubteDieser Satz gef√§llt mir gar nicht. Der Prot denkt also dar√ľber nach, was gestern Abend geschehen ist und schlussfolgert dann, dass im Allgemeinen(von Einzelfall zur Gesamtheit...)die Gier nach Neuem die Ursache von allem sei... Nun gut, ich versuche mich mal: Ich lasse den gestrigen Abend revue passieren, und erkenne, dass mein Verhalten erneut der Gier nach Neuem unterworfen war, angesichts derer mir jetzt spei√ľbel wird. : die Gier nach Neuem, angesichts derer mir jetzt spei√ľbel wird. Gewiss, manch einer k√∂nnte wohl √ľber diese Gier als etwas Nat√ľrliches hinwegsehen und spr√§che dar√ľber hinaus von einer Leere, die es auszuf√ľllen gelte. Aber jene, um die sich meine Gedanken seit Monaten dunkel drehten, hinterlie√ü gar keine Leere, die ich mit einer Anderen h√§tte ausf√ľllen k√∂nnen. Sie hinterlie√ü ein Minenfeld. Dieses "Gewiss, manch einer..." ist mir zu gestelzt, wirkt krampfhaft intellektuell. Wie w√§re dieser entscheidende Part denn so: "Diese Gier als etwas nat√ľrliches hinzustellen, als einen inneren Trieb, dem es danach lechzt eine innere Leere auszuf√ľllen, w√§re schlichtweg falsch. Denn sie hinterlie√ü in mir gar keine Leere, die ich h√§tte ausf√ľllen k√∂nnen, vielmehr hinterlie√ü sie ein Minenfeld..." Auch das "jene" finde ich gestelzt...vielleicht kannst du mit meiner Version ja etwas anfangenW√§hrend ich dar√ľber nachdenke und durch meinwenig sp√§ter verwendest du wieder das Wort"mein", daher w√ľrde ich hier "das" w√§hlen.. staubiges K√ľchenfenster den Sp√§therbst anstarre, legt mein Gast von hinten die Arme um mich und spricht zu mir. Mit schwerer Zunge und ohne sie anzublicken erwidere ich etwas. Ein kurzer Schrei, wenig sp√§ter das Zuschlagen der T√ľr ‚Äď und ich bin allein. Viel geblieben ist vom Samstag nicht.Hier w√ľrde ich umstellen: Viel geblieben vom Samstag ist nicht. Aber nur Geschmackssache

Da ich mir √ľberlegt habe, dass mich frische Luft auf andere Gedanken bringen m√ľsse, streife ich einige Stunden sp√§ter ziellos durch die Stadt. Nein, so funktioniert das nicht recht, ist mir zu schulm√§√üig, dieses "da ich mir √ľberlegt habe"...Wer sonst soll denn gedacht haben, und denkt der Prot nicht die ganze Zeit? Also mein Vorschlag s√§he so aus: Einige Stunden sp√§ter streife ich ziellos durch die Stadt. Die frische Luft soll mich auf andere Gedanken bringen."Der Wind weht mir kalt ins Gesicht, aberdieses "aber" steht in meinen Augen nicht richtig da. So stellt zwar der Wind eine Verbindung her, aber finde ich es trotzdem komisch, dar√ľberhinaus finde ich den Wind unn√∂tig, hier k√∂nnte man k√ľrzen. In etwa so: Ungeachtet meiner Frische-Luft-Theorie spuckt meine Gro√ühirnrinde weiter scheu√üliche Bilder aus(ungeachtet, unbeirrt ist irgendwie doppeltgemoppelt) ungeachtet meiner Frische-Luft-Theorie spuckt meine Gro√ühirnrinde unbeirrt scheu√üliche Bilder aus, die zu vergessen mir nicht verg√∂nnt ist. Sie tat mir einmal weh. "Sie tat mir einmal weh" kann man, denke ich, streichen, ist schon klar, dass sie ihn verletzt hat, au√üerdem ist es f√ľr mich zu platt.Fernab des Stra√üenget√∂ses lasse ich mich auf einer Parkbank nieder und z√ľnde mir einen Joint an; es erscheint mir pl√∂tzlich sehr vern√ľnftig, mich ein wenig zu umnebeln.Zusatz mit "es erscheint mir" streichen Der Rauch sinkt mir angenehm k√ľhl in die Brusth√∂hle hinunter und steigt gesegnet aus ihr empor. So sitze ich als lebendiges Denkmal im Freien und preise Zug um Zug das Vergessen, derweil meine Erinnerung in der K√§lte zerfasert ‚Äď bald wird, denke ich, der erste Schnee des Jahres fallen.


Vielleicht kannst du mit dem ein oder anderen schon mal etwas anfangen, ich gucke auch gerne ein zweites Mal dr√ľber...

Liebe Gr√ľ√üe,
Haki

PS: Huch, das ist zu viel des Lobesm so gut bin ich noch lange nicht, lebe noch von der Hilfe anderer, zum Beispiel Franka, dir viele Hilfestellungen in der Vergangenheit gegeben hat. Durch solche Menschen will ich dazu lernen...

PPS: Ob das Ende gestrichen werden sollte oder nicht vermag ich noch nicht zu sagen, w√ľrde vorher lieber noch mal die √ľberarbeitete Version sehen, um dann an das erhebliche K√ľrzen gehen zu k√∂nnen...

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