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Leselupe.de > Kurzprosa
Ministerliche Onanie-Probleme
Eingestellt am 18. 01. 2002 14:16


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Wird mal Schriftsteller
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Ich sitze in meinem Büro und bin unruhig. In meiner Intimgegend juckt und zwickt es. Mein Geist geistert lasterhaften Gedanken nach. Gedanken an meine Nachbarin, meine Steuerberaterin und andere Frauen, die ich nicht mal kenne. Und ich frage mich: ist es für einen Minister schicklich, sich einen runterzuholen? Natürlich werden sie, geschätzter Leser, nun mit einem eindeutigen „ja“ antworten. Schliesslich sind wir alle auch nur Menschen. Aber schickt es sich für ein Mitglied des Elternrates der örtlichen Schule, an sich selbst zu hantieren? Oder wäre es dem Ruhm eines Beisitzers des Kirchenrates zuträglich? Nehmen wir an, ich hätte einen Freund, was ich natürlich habe, aber natürlich nicht einen solchen, wie man es aufgrund meiner schlüpfrigen Eingangssätze vermuten könnte, sondern einfach einen Freund, einen Kameraden. Und dieser Freund, nehmen wir an, wäre auch Minister, wie ich. Und nehmen wir zudem an, er wäre nicht nur das, sondern auch Elternrat der Schule und Beisitzer des Kirchenrates. Nehmen wir weiter an, dieser Freund wäre in der eingangs beschriebenen Lage. Wie sollte er sich in diesem Moment verhalten. Frau und Kinder sind ausser Haus, die Vorhänge geschlossen, Fernseher und Computer laufen bereits, es hat sich kein Besuch angekündigt und die Familie kehrt frühestens in drei Stunden vom Ballett zurück. Was würden Sie meinem Freund raten?
Wenn ich angestrengt versuche, mich in diese Situation zu versetzen – rein gedanklich natürlich -, denke ich, dass es das Beste für meinen Freund und dessen Freund wäre, sich seiner überschüssigen Energie zu entledigen. Schliesslich kann dringendes Verlangen nach sexueller Tätigkeit im Ehebett zu später Nach-Ballett-Stunde zu erheblichen Verstimmungen zwischen zwei Menschen führen. Wäre es also nicht ratsam für meinen Freund, in trauter Heimlichkeit Hand an sich zu legen? Gehen wir rein hypothetisch einfach mal davon aus, dass wir alle uns in diesem Punkt einig wären. Gehen wir, wie bereits erwähnt, davon aus, dass sämtliche sachdienlichen Medien einsatzbereit wären. Stellen wir uns weiter einfach mal vor, dass mein Freund auch verschiedene Datenträger besitzen würde, die Inhalte bereitstellen, welche den Einsatz humaner Vorstellungskraft beim Erledigen der diskutierten Handlung auf ein Minimum beschränken und die optische und aktustische Realitätsnähe der manuellen Aktivität im Vergleich zur Ausübung der imaginierten zwischenmenschlichen Aktivität auf ein Maximum steigern würde. Wie würden Sie sich entscheiden? Ich muss vielleicht noch anmerken, dass mein Freund seit über drei Monaten nicht mehr mit meiner Frau geschlafen hat. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass die Tochter meines Freundes seit acht Wochen mit ihrem neuen Freund allabendlich rammelt, dass die Wände des gesamten Hauses krachen und die beiden dabei ein derartig lustvolles Gestöhne von sich geben, dass mein Freund allein vom Zuhören unheimlich stark angeregt wird.
Und nun ist mein Freund also in dieser Situation. Was soll er tun? „Loslegen“, sagen Sie? Denke ich auch. Aber wenden wir uns doch einmal der Schattenseite dieser Entscheidung zu. Ich will mich bei der Schilderung der eigentlichen Umstände ja grundsätzlich kurz halten, aber stellen Sie sich doch nur mal dieses Bild vor: Der Herr Minister X, der als rechtschaffen, familienfreundlich, loyal und bürgernah gilt, sitzt mit heruntergelassener Jogging-Hose vor dem PC und supportet heisse Dotcom Firmen. Oder führen Sie sich folgenden Moment vor Augen: Der Herr Elternrat Y sitzt auf dem Familiensofa, auf dem sonst der Familienhund schläft und sieht sich einen Film an. Nebenbei raspelt er an seiner Gurke und spult mit der anderen Hand wie wild vor und zurück, nur um im Moment der Schussabgabe seine Lieblingsszene zu sehen, in der das scheintote Schneeflittchen das geschluckte Sperma ausspeit und fortan wieder unter den Lebenden weilt. „Alles doch nur halb so wild“, sagen Sie? Wie wäre es dann mit einer Szenerie wie dieser: Der angesehene Herr Kirchenratsbeisitzer Z liegt nackt auf dem Ehebett und brütet über Hochglanz-Magazinen. Er werkelt und müht sich wie wild. Nach dem Abklingen der Höhepunkt-Ohnmacht bemerkt er, dass der Lohn seiner Arbeit nicht nur ein, von Last befreiter Abend, sondern auch ein verspritztes Kissen und eine beschmutzte Gardine ist. In panischer Angst holt er Wasser und Lappen und versucht die verräterischen Spuren zu beseitigen. Mit dem Fön wird das Kissen wieder getrocknet, die Magazine, welche von einem Querschläger auch in Mitleidenschaft gezogen worden sind, versteckt mein Freund wieder unter seinen Akten im Schreibtisch.
Wenn Frau und Kinder dann spätabends wieder nach Hause kommen, wird mein Freund auf der Couch sitzen, vor sich ein Glas Wein und hinter sich – so wird er angeben – ein Abend des Aktenstudiums für die Sitzung am folgenden Tag.
Und jetzt sagen Sie mir: lohnt sich dieser Aufwand? Lohnt sich diese Geheimnistuerei, lohnen sich diese LĂĽgen, diese Erniedrigungen?
Mir kommen auf jeden Fall langsam Zeifel an meiner eigenen Meinung. Ich denke, es schickt sich nicht, für einen Mann in der Stellung meines Freundes, Hand an sich selbst zu legen. Was gäbe das nur für Schlagzeilen, wenn jemand so was herausbekommen oder gar fotografieren würde? Nein, das ist nichts für Männer wie meinen Freund. Unwürdig wäre das, ein jämmerliches Schauspiel sogar. „Freund“, werde ich zu ihm sagen, „Freund, lass es bleiben. Bewahre deinen Stolz und komm lieber mit mir mit, wenn ich das nächste Mal in den Nobelpuff nach Hamburg fahre.“

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