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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Minka
Eingestellt am 23. 05. 2016 14:52


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Maribu
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Registriert: Jun 2012

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Minka

Damit hatte er nicht gerechnet! Ein riesiger Parkplatz und trotzdem keine L├╝cke. Er legte sofort den R├╝ckw├Ąrtsgang ein, da vor ihm noch Autofahrer herumkurvten, die auf R├╝ckkehrer warteten. Die Parkbuchten an der Stra├če waren auch besetzt. Nur gegen├╝ber vom B├╝romarkt war an der Stra├če vor einer Einfahrt etwas frei. Er wendete und wagte es, sich dort hinzustellen.
Im kleinen Vorgarten und am Fenster dieses Einfamilienhauses, das an beiden Seiten von Wohnblocks fast erdr├╝ckt wurde, war niemand zu sehen. An einem Pfeiler allerdings ein un├╝bersehbares gelbes Schild mit der Aufforderung 'EINFAHRT FREIHALTEN!'
Am anderen Pfeiler das Foto von einem fletschenden Pitbull mit dem aber witzig-beruhigenden Text: 'MANCHMAL BEI├čE ICH AUCH MENSCHEN!'
Bevor er ausstieg, nahm er die Werbeanzeige aus der Tasche.

'B├ťRO-MEGAMARKT JETZT AUCH IN HAMBURGS NORDEN! TOLLE ER├ľFFNUNGSANGEBOTE MIT 25 PROZENT RABATT AUF ALLES! (NUR VOM 21. BIS ZUM 23. APRIL 2016)

Ja, er hatte sich nicht verlesen. Der heutige Sonnabend war der letzte Tag dieser Aktion. Da er viel drucken musste, war sein Verbrauch von Papier und Patronen sehr hoch. Sein Drucker akzeptierte keine Nachf├╝llungen, so dass er immer die teuren Originale einsetzen musste. Wenn er vier Druckerpatronen kaufte, h├Ątte er eine umsonst! Er stieg aus und ├╝berquerte die Stra├če.
Da mehrere Kassen vorhanden waren, dauerte der Einkauf nur eine Viertelstunde. "Trotzdem zu lang!", fluchte er, als er hinter seinem Auto einen dunkelhaarigen Frauenkopf auftauchen sah. Er wollte der Frau sofort den Wind aus den Segeln nehmen und bat schon von der Stra├če aus: "Entschuldigung! Ich wei├č, das war nicht korrekt!" Und l├Ąchelnd: "Bevor Sie Ihren schrecklichen Hund auf mich hetzen, fahre ich sofort weg!"
"Nein, das wollte ich ja gerade vermeiden!" antwortete sie.
"Meine Katze sitzt unter Ihrem Auto."
"Ihre Katze?"
"Ja." Sie lachte. "Das macht sie h├Ąufiger, wenn hier geparkt wird. Sie liebt die W├Ąrme vom Motor."
"Dann rufen Sie sie doch, dass sie wieder herauskommt!"
"Das habe ich schon versucht. Sie gehorcht nicht."
"Wie hei├čt sie denn?"
"Minka."
Er warf die Einkaufst├╝te in den Kofferraum, ging in die Hocke und rief: "He Minka, komm raus!" Ein leises Miauen war die Antwort. Er legte sich hin und entdeckte sie hinter dem linken Vorderrad. Sie lie├č sich anfassen, ohne die Krallen auszufahren. Er ├╝berreichte sie mit den Worten: "Hier haben Sie Ihren schwarzen Panther wieder. W├Ąre ja schade, wenn ich ihn ├╝berfahren h├Ątte!" Er ├Âffnete die Wagent├╝r.
"Sie sind ja ganz schmutzig geworden!" stellte sie fest. "Bevor Sie fahren, k├Ânnen Sie sich bei mir noch die H├Ąnde waschen."
Das nahm er dankbar an. An der Eingangst├╝r warf er einen Blick auf das Namensschild und sagte: "Wenn Sie mich schon hereinlassen, Frau Jessen, muss ich mich vorstellen! Mein Name ist Werner."
Sie blickte ihn ├╝berrascht an und erwiderte: "Dann k├Ânnen Sie auch ruhig Sabine zu mir sagen!"
"Ich hei├če Harald Werner!"
"Ach so!" Sie mussten beide lachen.
Als er aus dem Bad kam, bat sie ihn, mit ins Wohnzimmer zu kommen. "Ich habe die Kaffeemaschine angestellt und hoffe, dass Sie noch etwas Zeit haben."
"Ja, aber..."
"Kein 'aber'!" unterbrach sie ihn. "Schlie├člich haben Sie meine Katze gerettet!"
Er lachte. "Nun ├╝bertreiben Sie aber!"
Sie kam aus der K├╝che mit einem Tablett zur├╝ck, servierte den Kaffee und stellte eine Schale mit Keksen auf den Tisch.
Sie setzte sich ihm gegen├╝ber und fragte: "M├Âgen Sie einen 'Baileys' dazu?"
"Nein danke! Ich muss ja noch fahren."
Im selben Moment, als er sich einen Keks nahm, sprang die Katze auf seinen Scho├č.
"Nein Minka! Komm da runter!" rief Frau Jessen sofort.
Sie schn├╝ffelte aber nur an dem Keks, drehte sich einmal um sich selbst und machte es sich bequem.
Herr Werner strich ihr ├╝ber das Fell und sagte: "Sie haben doch vorhin selbst gesagt, dass sie nicht gehorcht."
"Ja, sie ist von meinem Vorg├Ąnger schlecht erzogen worden. Ich habe sie erst zwei Jahre. Sie lief mir vor den Wagen. Es war ganz in der N├Ąhe, ich war schon fast zu Haus. Ein Albtraum jedes Autofahrers: schwarze Katze von links! - Oder sind Sie nicht abergl├Ąubisch?"
"Nein, auch Freitag, der dreizehnte, tangiert mich nicht!"
"Ich machte eine Vollbremsung. Sie ist aber noch gegen den Kotfl├╝gel geprallt. Sie hinkte von der Stra├če und blieb auf dem B├╝rgersteig sitzen. Ich fuhr sie zum Tierarzt. Zum Gl├╝ck war nichts gebrochen, nur eine Pfote verstaucht. Ich nahm sie mit nach Hause, in der Annahme, dass sich der Besitzer meldet.
Aber meine Aufkleber mit: 'KATZE ZUGELAUFEN. ABZUHOLEN BEI...',
von mir an Baumst├Ąmmen und Laternenpf├Ąhlen angebracht, hatten keinen Erfolg. Ich wollte sie dann ins Tierheim geben, aber als mein Mann mir eine Woche sp├Ąter er├Âffnete, dass er mich verlassen wolle, habe ich sie behalten." Sie machte eine Pause.
"K├Ânnen Sie jetzt verstehen, dass ich abergl├Ąubisch bin!?"
Er schwieg und ├╝berlegte, warum sie ihm das erz├Ąhlte. Wahrscheinlich hatte sie ihn schon aus dem Fenster beobachtet, als er einparkte. Und ihm kam noch ein anderer Gedanke, ├╝ber den er aber sofort schmunzeln musste: Vielleicht hatte sie die Katze unter das Auto gesetzt, um mit ihm ins Gespr├Ąch zu kommen. Aber Katzen waren eigenwillige Wesen, Minka w├Ąre bestimmt wieder herausgekommen.
"Sie l├Ącheln", sagte sie. "Dabei ist das nicht komisch!"
"Entschuldigung! Nat├╝rlich nicht! Mir ging nur gerade etwas durch den Kopf. Aber ich verstehe nicht, dass Ihr Mann Sie verlassen wollte oder hat, ohne dass Sie etwas ahnten."
"Er war ein guter Schauspieler. Aber an diesem Tag hat er die Wahrheit gesagt. Er hat die Frau im Schwimmbad kennengelernt.
Wir sind auch im Guten auseinandergegangen, und er ist zu ihr gezogen. Das Einzige, das mich kr├Ąnkt, ist, dass sie f├╝nf Jahre ├Ąlter ist als ich! Meistens werden Ehefrauen ja wegen einer J├╝ngeren verlassen."
"Das tut mir leid!" Herr Werner trank seinen Kaffee aus. "Ich glaub, ich muss jetzt fahren. Ich blockiere Ihre Einfahrt!"
"Ich erwarte niemanden. Das Auto geh├Ârt meinem Mann."
"Und den Hund, hat er den auch mitgenommen?"
Jetzt konnte Frau Jessen wieder lachen. "Nein, den gibt es gar nicht! Das Schild habe ich nach seinem Auszug angebracht. Als Abschreckung gegen Einbrecher."
Sie schenkte ihm noch eine zweite Tasse Kaffee ein. Die Katze fing an zu schnurren.
"Wie Sie h├Âren, f├╝hlt sie sich wohl bei Ihnen und Sie bringen es doch bestimmt nicht ├╝bers Herz, sie mit Ihrem sofortigen Aufbruch hochzuscheuchen!"
Er sch├╝ttelte lachend den Kopf und betrachtete Frau Jessen jetzt eindringlicher. Sie musste Mitte vierzig, etwa in seinem Alter, sein.
"Ich verstehe den Mann nicht, so eine kluge und gut aussehende Frau mir nichts, dir nichts nach wahrscheinlich vielen Ehejahren, zu verlassen!"
Sie l├Ąchelte. "Sie m├╝ssen aus Mitleid kein S├╝├čholz raspeln! Wenn Sie wollen, k├Ânnen Sie jetzt auch gehen!"
"Nein, Sie haben mich jetzt neugierig gemacht! - Haben Sie denn keine Kinder?"
"Eine Tochter. Sie lebt mit ihrem Mann in Chicago. Er arbeitet im oberen Management der Deutschen Bank und ist vor vier Jahren dorthin versetzt worden. Meine Tochter hat Heimweh, aber mein Schwiegersohn will seinen F├╝nf-Jahres-Vertrag bis 2017 erf├╝llen."
"Das ist vern├╝nftig! Bis dahin ist Gras dar├╝ber gewachsen."
"Wie meinen Sie das?"
"Die Deutsche Bank hat doch gerade f├╝r 2015 den gr├Â├čten Verlust ihrer Geschichte bekannt gegeben. Milliarden-R├╝ckstellungen mussten erfolgen f├╝r zu erwartende Strafen aus Amerika wegen falscher Anlagenberatung und Zinsmanipulationen."
"Sie kennen sich da aus?"
"Was hei├čt auskennen? Man braucht doch nur den Wirtschaftsteil einer Zeitung zu lesen!"
Trotzdem war Frau Jessen beeindruckt. "Wenn Sie jetzt schon Ihre Meinung dazu abgeben, muss ich Ihnen noch mehr erz├Ąhlen."
Sie nippte an ihrer Tasse und nahm sich einen Keks.
"Nachdem mein Mann mich verlassen hatte und die Kinder es erfahren hatten, haben sie mich eingeladen. Es war leider einer der h├Ąrtesten Winter. Der Michigansee war zugefroren. Sie ├╝berredeten mich zum Schlittschuhlaufen. W├Ąhrend sie fast wie Profis liefen, qu├Ąlte ich mich ├╝bers Eis, da ich zuletzt vor drei├čig Jahren gelaufen war. Ich st├╝rzte und brach mir den Mittelfu├čknochen. Das..."
"Sie schieben das doch nicht auch noch auf die schwarze Katze?" unterbrach er sie.
"Nein, der Bruch hatte ja auch seine gute Seite! Mein Aufenthalt verl├Ąngerte sich dadurch um einige Wochen."
"Wo sind Sie mit der Katze geblieben?"
"Minka hatte ich in einer Tierpension untergebracht. Obwohl Katzen nicht so emotional wie Hunde reagieren, habe ich gesp├╝rt, dass sie mich vermisst und wiedererkannt hat."
Herr Werner kraulte Minkas Kopf, und das Schnurren wurde lauter.
"Ihr Haar ist fast so dunkel wie das Fell der Katze", stellte er fest.
Frau Jessen strich sich schmunzelnd ├╝bers Haar. "Nur, dass sie noch keine grauen Str├Ąhnen hat!"
Er lachte. "Ich habe damit keine Probleme! Den Rest, meinen albernen Haarkranz, habe ich letztens beim Friseur gelassen. Aber das ist ja modern; viele j├╝ngere M├Ąnner laufen so herum!"
"Schade! Eine Glatze gef├Ąllt mir nicht so gut. Sie sind ja nett und sympathisch, auf der Stra├če w├Ąre ich Ihnen aber ausgewichen, aus Angst, Sie seien ein Skinhead!"
Er verzog das Gesicht und sagte laut: "Nach diesem 'Kompliment' werde ich brutal! Minka hau ab, die Zeit ist um!" Die Katze blickte ihn aus bernsteinfarbenen Augen an und sprang unter den Tisch.
"Sie ist nicht nur h├╝bsch, sie ist auch klug!" sagte er l├Ąchelnd und erhob sich.
Frau Jessen stand ebenfalls auf. "Jetzt habe ich so viel von mir erz├Ąhlt, dass ich von Ihnen nur weiss, dass Sie ein 'Schn├Ąppchenj├Ąger' sind! - Wollen Sie n├Ąchsten Samstag nicht wiederkommen?"
"Gibt es einen Grund f├╝r Schn├Ąppchenj├Ąger? Die Rabattaktion ist da dr├╝ben doch vorbei!"
"Dann besuchen Sie Minka und mich. Vielleicht habe ich auch einige Sonderangebote?!"
Einen Augenblick war er sprachlos. Dann sagte er kopfsch├╝ttelnd: "Sie haben mich ├╝berzeugt! Ab sofort bin ich auch abergl├Ąubisch: Diesmal muss die schwarze Katze, Ihre Minka, von rechts unter mein Auto geschlichen sein!"



Version vom 23. 05. 2016 14:52
Version vom 24. 05. 2016 18:19

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Minka

Hallo Ciconia,
Hallo Metino,

danke f├╝r Euren Eindruck!

Habe "der" auf "den" Hund korrigiert.

Ja, werfen ist besser; schmei├čen klingt so nach
Schmei├čfliege!

Liebe Gr├╝├če
Maribu

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Maribu
???
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Minka

Hallo m├╝der Dichter,

es freut mich, dass du es so formuliert hast!

Ich w├Ąre depressiv geworden, h├Ąttest du geschrieben - weil du
sowieso schon m├╝de warst - , dass du w├Ąhrend des Lesens tief und fest eingeschlafen und erst durch das 'Miauen' der Katze wach
geworden seist.

Danke f├╝r die Zeilen!
Gru├č Maribu

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