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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Minztee und Beck's
Eingestellt am 12. 04. 2017 00:58


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Alex Knov
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2015

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Aber sie kam nie. Vier Minztee, er trank vier Minztee, alleine, doch sie kam nie. Ein duzend mal hatte er ihre Nachricht gelesen, wieder und wieder und wieder und wieder. Die abwertenden und manchmal auch ÔÇô noch schlimmer ÔÇô mitleidigen Blicke fielen ihm gar nicht auf. Selbst wenn, h├Ątte er sie wahrscheinlich sowieso ignoriert, doch er bemerkte sie nicht.

Zwei Jahre war es nun her. Auch da war sie nicht aufgetaucht. Wie konnte er nur so dumm sein? Selbsthass schoss hei├č brennend durch seine Adern und er kratzte seinen Unterarm, bis die Haut rot anlief. ÔÇ×Wie kann sie mir das blo├č antun?ÔÇť, fragte er sich, lediglich weil er glaubte, dass ein geistig gesunder Mensch sich so etwas fragen w├╝rde. Doch er war nicht w├╝tend auf sie, konnte er gar nicht, er gab lediglich sich selbst die Schuld an allem.

Irgendwann h├Ârte er auf Minztee zu trinken, doch blieb sitzen, bis er gegen Mitternacht rausgeschmissen wurde. Ohne zu z├Âgern ging er zum Kiosk gegen├╝ber des Caf├ęs und kaufe einer Schachtel Luckys und ein Sixpack BeckÔÇśs. Schon Stunden vorher hatte er sich den Plan zurecht gelegt, wie er reagieren w├╝rde, sollte sein Herz erneut gebrochen, sollte es noch einmal in tausend Teile zerfetzt werden.

Zwei Jahre hatte er nicht mehr geraucht und eins nicht getrunken. Er machte an f├╝nf Tagen in der Woche Sport, ern├Ąhrte sich vegan und meditierte jeden Tag mindestens 20 Minuten. Sein kleines 1-Zimmer-Appartement war ordentlich und sauber. Seine Kleidung ebenso. Doch alles, was er versuchte, ├╝ber Monate und Jahre zu Routinen formte und wusste, ganz genau wusste, dass es ihm gut tat, all das war jetzt egal. Sie hatte zu viel Macht ├╝ber ihn, als das er eine Wahl gehabt h├Ątte.

Und so ging er durch die Stra├čen dieser Stadt, der Stadt von vor zwei Jahren, der Stadt des Exzesses, der schwarzen Nacht und des grauen Tages. Aus seinen Kopfh├Ârern drangen die Lieder von damals und die Gef├╝hle kehrten zur├╝ck. Die Gef├╝hle, die er niemandem erkl├Ąren konnte, egal wie sehr er es auch versuchte, und die niemals verschwanden. Die Gef├╝hle, die ihn geformt, ihm Motivation und ein Ziel gegeben haben, doch ihn auch in beide Knie geschossen und auf seinen blutenden Leichnam gespuckt haben.

Doch irgendwo aus der Ferne, im tiefsten seines Herzens, kam das eine Gef├╝hl, was alles h├Ątte noch schlimmer machen k├Ânnen. "Schreib ihr nicht, das w├Ąre noch erb├ĄrmlicherÔÇŽ", fl├╝sterte sein Stolz ihm ins Ohr. Und er war viel zu betrunken um zu widersprechen.

Und morgen w├╝rde er zu verkatert sein, und danach zu geduldig, und danach zu gleichg├╝ltig, und danach zu traurig. Und dann w├╝rde er wieder anfangen zu meditieren und Sport zu treiben und gesund zu essen, und dann ist es wieder zu sp├Ąt.

__________________
The fool's the happy one.

Version vom 12. 04. 2017 00:58

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