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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Mirko (Aus der Bahnhofsmission)
Eingestellt am 03. 03. 2007 23:23


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Marie-Luise Wendland
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Mirko
(Aus der Bahnhofsmission)

Mirko kam jeden Tag, um sich ein Wurstbrot und einen Becher Kaffee abzuholen.
Wir hatten das GefĂŒhl, dass es ihm eigentlich gar nicht um sein leibliches Wohl ging.
Er wollte reden, wollte schimpfen.
Reden ĂŒber seine Probleme, schimpfen auf die Gesellschaft, die ihn so mies behandelt.
Mirko war drogenabhÀngig. Wegen BeschaffungskriminalitÀt hatte er schon öfter in der JVA eingesessen.
Unseren Ratschlag, zur Drogenberatung zu gehen, tat er mit einer Handbewegung ab. “Mir kann keiner helfen,“ waren seine stĂ€ndigen Worte. Eines Tages brĂ€chte er sich sowieso um. Drohend fĂŒgte er immer noch hinzu, dass er dann einige Leute, die ihm ĂŒbel mitgespielt hĂ€tten, mitnehmen wĂŒrde.
Mirko war ein 31jĂ€hriger, gut aussehender Mann. Blonde Haare, große blaue Augen, die aber ihren Glanz verloren hatten. Sein manchmal gequĂ€ltes LĂ€cheln zeigte uns, dass ihm zwei SchneidezĂ€hne fehlten. SchlĂ€gerei, war seine lakonische ErklĂ€rung
Wir gaben nicht auf und wiesen immer wieder auf die Drogenberatung hin. Eines Tages nahm er mit einem Zweifel im Gesicht den Flyer der Drogenberatung an. Seine HĂ€nde zitterten leicht. Er sah wohl ein, dass er so nicht weiterleben konnte.
Eine Woche spĂ€ter stĂŒrmte er regelrecht in die Bahnhofsmission. “Ich bin auf Methadon! Wenn ich acht Wochen durchhalte und keine Drogen nehme, kann ich eine Therapie antreten! Mirko war wie umgewandelt Sein LĂ€cheln wirkte so glĂŒcklich, dass man das lĂŒckenhafte Gebiss ĂŒbersah. Bei seiner Euphorie hatten wir ein komisches GefĂŒhl. Man weiß ja, dass der Weg aus der DrogenabhĂ€ngigkeit nur “Schrittchen fĂŒr Schrittchen“ zu bewĂ€ltigen ist. Mirko wollte alles mit Riesenschritten angehen, sprach sogar davon, wenn er richtig clean wĂ€re, wolle er Streetworker werden, um anderen DrogenabhĂ€ngigen zu helfen.
Wir ließen ihm natĂŒrlich die Freude. In der Therapie wĂŒrde man ihm schon den richtigen Weg zeigen.
Mirko kam lange Zeit nicht. Wir machten uns keine Gedanken, dachten, er habe die Therapie angetreten.
Dann hörten wir, dass Mirko tot sei. Er hatte nicht durchgehalten, war rĂŒckfĂ€llig geworden. In seiner Wohnung veranstaltete er mit seinen Drogenfreunden eine Party und setzte sich den letzten, den “Goldenen Schuss“.
Seine PartygÀste flohen aus der Wohnung, nahmen noch seinen Kassettenrecorder und sein Radio mit.
Dann riefen sie aber anonym den Notarzt an, so dass der tote Mirko schnell gefunden wurde.
Das sind Ereignisse in der BM, die doch sehr betroffen machen.

Marie-Luise Wendland


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Marie-Luise Wendland
Carpe diem!

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Marius Speermann
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Danke. Und BM? Bundesminister? Wahrscheinlich Bahnhofsmission.
Ich persönlich bevorzuge die ausgeschriebenen Worte...

Marius
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Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor fĂŒr Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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