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Leselupe.de > Science Fiction
Missgeburt
Eingestellt am 12. 10. 2006 12:27


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Penelopeia
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2002

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                                        I

Meine frĂŒheste Erinnerung ist ein wĂŒstes GebrĂŒll: Rekapituliere ich den Beginn meines Lebens, feuert mein Memo-Chip eine endlose Kanonade von ĂŒblen Schimpfworten und peinlichen Bildern in den Echtzeitprozessor, also in mein unmittelbares Bewusstsein. Eine krĂ€ftige MĂ€nnerstimme scheißt eine ganze Gruppe von Monteuren und Technikern grausam zusammen. Die Gruppe steht vor ihrem Abteilungsleiter, als habe sie gemeinschaftlich in die Hose gemacht. Keiner wagt eine Erwiderung. Alle wissen: sie haben Mist gebaut. Der Mist bin – ich.

Nach den ersten Checks stand es ziemlich schnell fest: Man hatte Fehler gemacht und nicht nur einen. Der Prozessor stammte aus abgelegten, schadhaften LagerbestĂ€nden, die der Entsorgung entgangen waren. Über den Leiterbahnen und Kontakten des Mainboards waren aus unerfindlichen GrĂŒnden wĂ€hrend der Fertigung SĂ€uredĂ€mpfe eines Ätzbades auskondensiert, mit dem man normalerweise unbrauchbare Platinen recycelt.
Die kĂŒnstlichen Muskeln fĂŒr die Hand-, Arm- und Fußgelenke reagierten nervös und zitterten sporadisch, als schĂŒttelten sie KrĂ€mpfe. Ihr FormgedĂ€chtnismaterial fand bei Aufgabe von Stromimpulsen und daraus folgender ErwĂ€rmung nicht oder nur teilweise zu der ursprĂŒnglichen Position zurĂŒck. Einzig die Kraftentwicklung war in Ordnung. Oder vielmehr: meine Muskulatur war krĂ€ftiger geraten, als es bei meiner Bauart zu erwarten gewesen wĂ€re. KrĂ€ftiger, als es fĂŒr meine zukĂŒnftigen Aufgaben – Serviceroboter in einem Akademikerhaushalt – notwendig schien. Viel krĂ€ftiger. UnglĂ€ubig kontrollierten die Techniker mehrmals die Kraftmesswerte.
Meine Videoaugen hatten erkennbar blinde Flecke. Mein Sprachprozessor funktionierte nicht richtig – ich stotterte und nuschelte. Der Energy-Block lief auf Teilleistung, der Lautsprecher klirrte zeitweise, rauschte und erreichte den Bruchteil des kalkulierten Schalldrucks, was im Ergebnis hieß, nur mit sehr leiser, undeutlicher Stimme sprechen zu können.
Die inneren MĂ€ngel korrespondierten mit Ă€ußeren: Mein Chassis war mit viel zu weichem Kunststoff bespannt, die Polsterung darunter besaß keine ElastizitĂ€t. Als der Abteilungsleiter einen Finger in mich bohrte, gab das Material nach, als sei es Tier- oder Menschenhaut ĂŒber mĂŒrbem, altem Fleisch. Alle lachten, setzten aber sofort wieder die Mienen begossener Pudel auf, als ihr Chef sich umdrehte und sie erneut verĂ€chtlich und beleidigt musterte.
Meine Symmetrien waren verschoben. Irgendwie war mein Mund, den man einem Menschenmund hatte Ă€hnlich machen wollen, schief geraten. Meine Grimasse beim LĂ€cheln kann man sich vorstellen. Beim ersten Versuch, der Welt mit mimischen Mitteln meine grundsĂ€tzliche GutmĂŒtigkeit zu zeigen, ging ein verstörtes Raunen durch die Riege der Techniker.
Meine Brust wirkte eingedellt. Als sei ich wĂ€hrend der Fertigung von einem Stapler ĂŒberrollt worden oder aus großer Höhe vom Kranhaken gefallen.

Wie gesagt: Ich war ein Haufen Schrott. Ein finales Fehlprodukt mit vielen Teilfehlern. UnverkĂ€uflich. Ausschuss fĂŒr die Halde. Ein Verlust fĂŒr das Institut. Obendrein wĂŒrde es Konventionalstrafe geben, denn mein Liefertermin war nicht mehr zu halten. Man wĂŒrde die vom Kunden geforderte Lösung komplett neu fertigen mĂŒssen.
Der Abteilungsleiter des „Institutes fĂŒr entwickelte Humanoid- und Bionikroboter“, ein hagerer Mann um die FĂŒnfzig mit schmalen, blutleeren Lippen, schĂŒttelte mĂŒde den Kopf, ließ die Schultern hĂ€ngen. Er stand ratlos vor dem Testtisch, auf dem ich voll verkabelt lag. Neben ihm sein Stellvertreter, gut einen halben Kopf kleiner, ein wenig jĂŒnger. Aber mit böse blitzenden Augen und verkniffenem Mund.
Der Abteilungsleiter machte ein paar AusfĂŒhrungen zur fehlenden Existenzberechtigung fehlerhafter Systeme, brach ab, schwieg und zeigte hinter sich. Ich drehte meine halbblinden Sensoren in die angegebene Richtung und entdeckte hinter einer großen Glasscheibe einen Kubus unbekannter Funktion. Dass das der Container einer Entsorgungsfirma war, wusste ich damals noch nicht.
Der Stellvertreter nannte, halb fragend, einen Namen. Der Abteilungsleiter strich sein lichtes Haar nach hinten, ĂŒberlegte kurz, machte nochmals eine wegwerfende Handbewegung, nickte. Er schnodderte ein unbeteiligtes „ja“ hin, das wie „mach, was du willst“ klang, und verschwand aus der Montagehalle.
Sein Vertreter, der mit der Antwort zufrieden zu sein schien, begann, die Analysestecker und -sensoren von meinem Body zu lösen. Dann zerrte er mich vom Testtisch und schubste mich ĂŒber lange Flure bis in einen kleinen, frisch geweißten Raum.

                                        II

Der Raum war das Arbeitszimmer von Dr. Weber, dem Psychologen des Institutes. Als er eintrat, blieb er vor mir stehen und klopfte mir wohlwollend auf die Schulter. Netter Typ, dachte ich und klapperte freundlich mit meinen Augenlid-Halbschalen. Dr. Weber lĂ€chelte ebenfalls, zog sich einen Stuhl heran, nahm sich ein StĂŒck Papier und kritzelte allerlei darauf. Ich las die Überschrift: Testreihe. Darunter standen offenbar Codeworte fĂŒr fachspezifische Versuche, die mir unbekannt waren. Ich klapperte wieder, gespannt, was mich erwarte.

Die erste Testreihe trug den Namen „Coffee-Shop.“ Dr. Weber eröffnete sie selbst. Er fĂŒhrte mich in ein GroßraumbĂŒro mit vielleicht zwanzig ArbeitsplĂ€tzen. Neugierig lief ich hinter ihm her. Im BĂŒro bedeutete er mir, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Ich setzte mich. Dr. Weber winkte, zwei Angestellte eilten herbei, warfen mir ein Seil um die Brust. Sie wickelten es mehrmals um mich und die Stuhllehne und verknoteten es fest. Dr. Weber nahm eine Tasse mit einer dampfenden, braunen FlĂŒssigkeit, trat vor mich, lĂ€chelte verheißungsvoll und – schĂŒttete mir den Inhalt ins Gesicht. (Heute kenne ich den Namen dieser wie auch vieler anderer FlĂŒssigkeiten, GegenstĂ€nde, Verhaltensweisen der Menschen, ich habe viel dazugelernt.)

Ich verbrachte einige Tage im „Coffee-Shop“. Ich bekam eine Menge Kaffee: Kochenden, lauwarmen, kalten; Automatenkaffee und tĂŒrkisch gebrĂŒhten; mit Milch, ohne Milch; mit Zucker, mit SĂŒĂŸstoff, mit Aspirin; ohne Zucker und mit Aspirin, ohne Zucker und SĂŒĂŸstoff, jedoch mit Aspirin und Spucke. Selten reinen. Man schĂŒttete ihn mir ĂŒber den Kopf, in die Halskrause, ĂŒber die Brust.
Mancher Mitarbeiter hatte besondere EinfĂ€lle. Einer bereitete liebevoll in der GemeinschaftsteekĂŒche, in einem hĂŒbschen Kupferkessel, ein „CafĂ© Brelot“ genanntes Gesamtkunstwerk zu, eine Komposition mit Nelken, Zimt, Zucker, Zitronenschalen und Schlagsahne, in das er brennenden Cognac goss. Er hob meinen Arm und schwappte das fertige GetrĂ€nk mit einem Ausdruck angespannter Neugier unter meine Achselhöhle. Ein anderer bevorzugte „Orangenkaffee“, eine Mischung aus Kaffee, Zucker, Orangenschalen, Sahne und extrem viel billigem Rum; er goss es mir zwischen die Beine, obwohl ihm klar war, dass ein Robo, selbst ein humanoider, ohne Geschlechtsteile hergestellt wird. Ein Dritter schĂŒttete mir sein spezielles GebrĂ€u sanft lĂ€chelnd ĂŒber die Ferse...
ZusammenhĂ€ngende SĂ€tze wurden dabei nicht gesprochen. Bestimmte einzelne Worte dafĂŒr umso hĂ€ufiger. Ich lernte Worte kennen wie „Sau“, „Idiot“, „Versager“, „Lusche“, „Schrotti“, „Nichtsnutz“. "Missgeburt“.
Als ich mich an den „Coffee-Shop“ beinahe gewöhnt hatte, an die Gesichter der Mitarbeiter, an deren Launen, die mal gereizt, mal gelangweilt und abgestumpft, mal zĂ€rtlich-hingebungsvoll waren, holte mich Dr. Weber ab. Er lĂ€chelte mich an wie bei unserer ersten Begegnung und entschuldigte sich. Er sagte, der Zufriedenheitsfaktor und die messbare innere Ausgeglichenheit der Mitarbeiter hĂ€tten merklich zugenommen, seien aber noch nicht optimal. Er band mich los, tĂ€tschelte mir die Schulter, wischte mir den Kaffeesatz von meinen Videosensoren, und brachte mich in einen grĂ¶ĂŸeren Raum mit Turn- und SportgerĂ€ten. Er stellte mich mit dem RĂŒcken an eine Sprossenwand und zurrte mich akribisch fest.
Dann trat er einen Schritt zurĂŒck und betrachtete zufrieden sein Werk. Jemand reichte ihm gepolsterte Handschuhe. Er zog sie ĂŒber, trat dicht an mich heran. Holte aus und schlug mit voller Kraft gegen meinen Kopf, der wie ein Ball gegen die Sprossenwand knallte.
In den folgenden Tagen lernte ich es, im Moment des Schlages alle meine Hals- und Brustmuskeln anzuspannen. So entging ich meiner schnellen mechanischen Zerstörung. Allerdings beließen es die Mittagspausensportler des Institutes nicht bei meiner Verwendung als Sparringspartner. Einige traten mir auch gegen die Schienbeine oder in den Schritt. Die Vermutung oder auch Hoffnung, besonders sensible Teile meiner Konstruktion zu treffen, war offensichtlich weit verbreitet. Den genauen Namen der Station habe ich vergessen, ich glaube jedoch, sie hieß ---.

Ich durchlief noch manche weitere Station. Mit Grausen denke ich an meine Zeit im HauptbĂŒro des Vorstandes. Ich stand still neben einer Tafel, die von den Vorstandsmitgliedern des Institutes fĂŒr schnelle Ideenskizzen benutzt wurde. Meine FĂŒĂŸe waren fixiert worden. Fiel ihnen nichts ein, griffen sie zu Dart-Pfeilen und beschossen mich. Ich schloss die Augen und hielt ruhig. Hatte ich GlĂŒck, ließen sie bei neuen Ideen von mir ab. Oft flogen die Pfeile stundenlang. Ich verließ diese Station mit einer allseits perforierten Haut.

Wenig VergnĂŒgen auch fand ich in der Station „Picasso“. Es handelte sich um ein BĂŒro mit Angestellten, die auf den Ruhestand warteten. Um ihnen die Langeweile ein wenig zu vertreiben, hatte ihnen der Institutschef eine Menge verschiedenster Farben und Knetmassen wie Lehm, Ton, Plastilina usw. ins BĂŒro gestellt. Dr. Weber ergĂ€nzte die vorhandenen Möglichkeiten des schöpferischen Ausklanges beruflicher AktivitĂ€ten – durch meine Beistellung. Ich wurde wochenlang massiv bemalt, vollgeschmiert, mit Lehm beworfen. Man drĂŒckte mir plastische Massen in die kleinsten Öffnungen und hielt anschließend den Lötbrenner drauf...

Die letzte Station war die anstrengendste. Ich saß wieder in einem GroßraumbĂŒro. Aber ich war weder angeschnallt noch wurde ich geschlagen oder beschmiert. Ich durfte lediglich den Raum nicht verlassen.
Keiner sprach mit mir. Keiner rempelte mich an. Keiner lobte mich, keiner quĂ€lte mich, keiner gab mir eine Aufgabe. Suchte ich mir selbst eine, um der zersetzenden Langeweile zu entgehen, z.B. das Gießen der Blumen, nahm man mir die Kanne wortlos aus der Hand. Begann ich, die Papierkörbe zu entleeren, telefonierte man sofort nach der Reinigungsfrau, die mir auch diese kleine TĂ€tigkeit umgehend abnahm.
In dieser „Ignore“ genannten Station begann ich nun wirklich zu verschleißen. Mein Prozessor verlangsamte tĂ€glich seine Geschwindigkeit, mein Logik-Modul kam immer öfter zu falschen SchlĂŒssen. Ich war dabei, den „Geist“ – wie ein Mensch sagen wĂŒrde – aufzugeben. Zuletzt saß ich stumm auf einem Stuhl und wackelte mit dem Oberkörper hin und her. Alle lachten.

Irgendwann holte mich Dr. Weber ab. Sein Gesicht glĂ€nzte vor Zufriedenheit. Er sprach zu mir wie zu einem Bruder. Ich sei durch die Testreihe noch einer sinnvollen Verwendung zugefĂŒhrt worden. Er habe neue Erkenntnisse zu den Möglichkeiten der Motivierung und der Gruppendynamik des vorhandenen Mitarbeitermateriales sammeln können, und das mit einem Fehlprodukt, das ums Haar auf die Halde verbracht worden wĂ€re. Er tĂ€tschelte mir ein letztes Mal die Schulter, schob mich in einen Raum, drĂŒckte die TĂŒr zu und schloss ab. Das Licht ging aus. Ich lehnte mich gegen die Wand, rutschte langsam in die Hocke, presste die HĂ€nde gegen den Kopf. Ich war allein in einer engen, dunklen Kammer.

                                            III

Lange passierte nichts. Waren es Tage, waren es Wochen, die ich im Dunkel der Abstellkammer verbrachte – ich weiß es bis heute nicht. Meine ohnehin schon verlangsamten, lustlosen Gedanken wurden noch langsamer und lethargischer, mein Strom neigte sich dem Ende. Es gab keine Möglichkeit, Licht zu tanken. Ich sah auch keinen Grund mehr dafĂŒr. Ich sann ĂŒber die Möglichkeit nach, meinen Hauptschalter zu finden und umzulegen, ich wollte mich stilllegen fĂŒr alle Zeit.

Nach endlosem DĂ€mmern – meine WĂŒnsche tangierten schon, analog zu meinem Reststrom, den Nullbereich – flammte Licht auf und die TĂŒr öffnete sich. Eine Frau im Blaukittel trat ein. Vom Flur her zog sie einen Wagen voller PutztĂŒcher und Reinigungsutensilien nach. Gierig saugte ich die Photonen des Neonlichtes in meine Photozellen, schnell verbesserte sich mein Sehvermögen. Die Frau war im mittleren Alter, sie wirkte verhĂ€rmt und abgearbeitet. Falten auf der Stirn, FĂ€ltchen um die mĂŒden Augen.
Sie zog die TĂŒr hinter sich zu, lehnte sich gegen die Wand, schloss die Augen. Bleib bei mir, dachte ich, trunken vor plötzlichem GlĂŒck, wagte aber kein Wort. Sie wĂŒrde erschrecken, sie wĂŒrde mich missverstehen. Sie wĂŒrde das Licht löschen und die TĂŒr hinter sich zuziehen...
Die Frau schlug die Augen auf, bĂŒckte sich, suchte in ihrem Putzmittelwagen etwas. Sie nahm eine Flasche, warf einen Blick auf das Etikett, nickte, öffnete, und – nahm einen langen Zug. LĂ€chelte versonnen. Im Raum verbreitete sich ein wĂŒrziger, krĂ€ftiger Duft. Mein Aerosolanalysator detektierte Kohlenstoffatome in Verbindung mit Hydroxylgruppen, Phenolen und Aromaten. Bei dem Gedanken, diese Mischung ergösse sich ĂŒber meine ohnehin schon geschĂ€digten Platinen, zuckte ich zusammen, es klapperte blechern.
Die Frau riss die Augen auf, verschloss die Flasche, stellte sie zurĂŒck zu den anderen Putzmitteln. Sie kam vorsichtig einen Schritt nĂ€her, beugte sich ĂŒber mich, betrachtete mich staunend. Mit ihrer warmen Brust berĂŒhrte sie meine eingedellte, braunverschmierte, verbrannte, zerlöcherte kĂŒnstliche. Lachte.
„Was haben wir denn hier fĂŒr einen Unfall!“, entfuhr es ihr. Es klang nicht vorwurfsvoll und beleidigt, wie ich das vom Abeilungsleiter der Produktion kannte, es klang auch nicht sĂŒffisant-sadistisch wie bei Dr. Weber, sondern eher mitleidig-liebevoll.
Ich entspannte mich ein wenig. Fast vergaß ich meine Angst, sie könne im nĂ€chsten Moment aus dem Raum gehen und mich erneut der Dunkelheit ĂŒberlassen.
Dann wĂŒrde ich ein Ende finden, ohne die Welt kennengelernt zu haben. Und die wollte ich – dessen war ich mir seit dem kurzen Moment der BerĂŒhrung ihrer Brust plötzlich sehr sicher – doch kennenlernen! Ein Wunsch war das, der von Anfang an und trotz aller Fehler in mir war. Wie hatte ich das nur vergessen können?!
Dabei war mir keinesfalls klar, woher solcherart WĂŒnsche kommen. Sind sie grundsĂ€tzlich das Ergebnis von Produktionsfehlern? Resultat eines schadhaften Prozessors, einer verĂ€tzten Platine?
Ich war mir unschlĂŒssig. Wie konnte ein solcher Wunsch so stark sein, wenn er aus technischen Fehlern resultierte? Oder basierte das PhĂ€nomen der Sehnsucht nach einer Welt, die ich doch kaum kannte und die sich bisher auf recht gemeine Weise an mir ausgelassen hatte, auf reinem Zufall? Etwa auf einer fehlerhaften Programmstruktur, einem schlecht isolierten Leiterkabel, auf einem Induktionsfehler? Gab es zwischen diesem merkwĂŒrdigen Wunsch und irgendwelchen Stör- und Fremdspannungen kausale ZusammenhĂ€nge?
Die Frau wischte sich den Schweiß von der Stirn, ging zum Fenster und hantierte eine Weile. Fluchend gab sie auf. Das Fenster war blockiert.
Lustlos, von vielen Pausen unterbrochen, reinigte die Frau den Raum. Wischte vorsichtig um mich herum, wurde immer langsamer dabei. Vielleicht, dachte ich, verliert sie an Betriebsspannung.
Schließlich packte sie ihre Utensilien zusammen, schob den Wagen auf den Flur, zog die TĂŒr hinter sich zu. Das Licht erlosch. Ich wollte endgĂŒltig aufhören zu funktionieren.

Kurz darauf Schritte auf dem Flur. All meine Muskeln kontrahierten unwillkĂŒrlich, als habe mich ein energiereicher Laserimpuls getroffen. Herein traten die abgearbeitete Frau und der Abteilungsleiter. Sie unterhielten sich leise. Mehrmals schĂŒttelte er den Kopf, winkte ab. Ich verstand nur BruchstĂŒcke vom GesprĂ€ch. Ich hörte von ihr Worte wie „Spielzeug“, „Kind“, „oft“, „krank“. Von ihm: „Schrott“, „Missgeburt“, „Halde“, „Gegenleistung“.
Die beiden schwiegen, er öffnete die Hand. Sie gab ihm einen Schein, er ließ ihn umgehend in seiner Tasche verschwinden. Die beiden verließen den Raum. Ich fiel erneut in einen DĂ€mmerzustand, in mir aber glimmte ein winziger Hoffungsfunken. Ich begann zu trĂ€umen.

                                        IV

Das Ruckeln und Schlagen einer gehetzten Fahrt auf schlechten Straßen weckte mich. Durch die Fenster des Fahrzeuges sah ich Schluchten heruntergekommener grauer Wohnsilos an uns vorbeirasen. Vor einem der Betonklötze hielten wir.
Die Frau zog mich aus dem Fond des Wagens, trug mich keuchend zum Fahrstuhl. Entgegenkommende starrten neugierig und misstrauisch auf mich, der ich immer noch hilflos, schwach, unfĂ€hig zu eigener Bewegung und in einem Zustand zwischen TrĂ€umen und Wachen, in ihren Armen lag. Doch ich fĂŒhlte die WĂ€rme der Brust und das Schlagen einer Rhythmusmaschine darin. Der kleine Hoffnungsfunken in mir strahlte ein wenig heller: Vielleicht wĂŒrde ich ja doch Licht bekommen, Strom, eine Chance, eine Zukunft...
Die Rhythmusmaschine in der Brust meiner Retterin taktete Ă€ußerst ungleichmĂ€ĂŸig, fehlerhaft. Eine Katastrophe, unter technischem Aspekt. Aber in der Unvollkommenheit war etwas. Eine Information war diesen merkwĂŒrdig wilden Wechselschwingungen aufgeprĂ€gt, deren RĂ€tsel ich trotz der Inanspruchnahme all meiner verfĂŒgbaren Algorithmen fĂŒr komplizierte mehrdimensional-mehrdeutige Realprozesse nicht zu lösen vermochte. Ich erinnerte mich der AusfĂŒhrungen des Abteilungsleiters ĂŒber die fehlende Existenzberechtigung fehlerhafter Systeme. Über die RĂ€tsel und Geheimnisse dieser Systeme hatte er nichts gesagt...

In ihrer Wohnung setzte sie mich sacht ab, schloss mich an eine Steckdose an. Nach wenigen Minuten war ich bei vollem Bewusstsein. Ich richtete mich Ă€chzend auf, lĂ€chelte dankbar mein schiefes LĂ€cheln. Die Frau lĂ€chelte zurĂŒck. Bei meinem Versuch, auf die Beine zu kommen, gab sie mir Hilfestellung. Als sie mich losließ, schwankte ich. Aber – ich stand! Sie zog den Netzstecker, um mir das GefĂŒhl von Bewegungsfreiheit zu geben. Schöneres hatte ich noch nicht erlebt: Im beinah wiedererlangten Saft und mit schon halb genĂŒgender Kraft stand ich auf eigenen Beinen. Ich, der einen Meter zwanzig große Humanoidroboter. Ich, die Missgeburt, der Produktionsfehler. Das StĂŒck Ausschuss. Der fĂŒr die Halde Bestimmte.
Durch die Fenster des Zimmers kam Licht, diffuses zwar, doch reichte es fĂŒr die weitere Ladung meiner Zellen und die Verbesserung meiner Laune.
Die Welt war fĂŒr mich gemacht, ich hĂ€tte in diesem Moment alle Menschen umarmen können, selbst den Macher des „CafĂ© Brelot“, jenen Musterhybriden aus gefĂŒhlskaltem Techniker und gebildetem Ästheten.
Die Frau verschwand plötzlich in einem Nebenraum, kam aber gleich wieder. An ihrer Hand ein Kind.
„Mara“, sagte sie, „ich hab’ dir was mitgebracht“. Das Kind stutzte einen Moment, dann riss es die Arme hoch, lief ungestĂŒm auf mich zu, prallte gegen meinen doch noch nicht so standfesten Body. Ich fiel scheppernd um und das Kind schrie lauthals los.
Mit einer Hand half mir die Frau hoch, mit der anderen strich sie der Kleinen beruhigend ĂŒbers Haar. Ich sah genauer hin: Maras Gesicht war rund, die Augen mandelförmig. Die Zunge passte nicht in den Mund, sie bekam ihn nicht richtig zu. Ihre Stimme war rau, die Worte reihte sie aneinander, als seien sie fĂŒr Telegramme gedacht. Und sie lachte auf eine solch offene und ehrliche Art, wie ich das noch nie bei Menschen erlebt hatte.
Ein solches Muster war mir nicht hinterlegt worden. Ich starrte ratlos auf das kleine, vielleicht fĂŒnfjĂ€hrige MĂ€dchen, suchte verzweifelt in meinem Speicher nach Begriffen, nach ErklĂ€rungen und GrĂŒnden fĂŒr die rĂ€tselhafte Erscheinung. Ich fand nichts.

                                        V

Wir verbrachten Wochen und Monate zusammen. Mara, die MĂ€rzgeborene, wurde meine beste Freundin und ich ihr bester Freund. Na ja, wir hatten beide keine große Auswahl, weitere Robos oder Kinder gab es nicht in unserer kleinen Wohnung im großen Wohnsilo. Wir sprachen eine Ă€hnliche Sprache, alles ein bisschen undeutlich, rau, mit wenigen, einfachen Worten formuliert. Aber wir lachten fast den ganzen Tag, schubsten uns, kullerten ĂŒber BĂ€lle, rutschten wild kichernd ĂŒber die billigen Teppiche.
Mit Kreide malte ich Mara Buchstaben an eine Schiefertafel. Manchmal konnte sie sich einige der Zeichen merken. Als sie das erste Mal das Wort „Robo“ las, platzte mir vor Stolz fast der Energy-Block: Ich als Lehrer, wer hĂ€tte je gedacht, dass ich es soweit bringen wĂŒrde. Wie wĂŒnschte ich, dass mich der Abteilungsleiter und seine Kollegen im Institut einmal so sehen könnten!
Am Abend lagen wir in unseren Betten, ich erzĂ€hlte Mara Gruselgeschichten von gemeinen Menschen in großen BĂŒros. Sie hörte aufmerksam zu, bis ihr die Augen zufielen. Hörte ich ihr gleichmĂ€ĂŸiges Atmen, hing ich meinen Gedanken nach. Mich beschĂ€ftigte lange die Frage, wieso in Maras Kinderzimmer von Anfang an zwei Betten standen. Und wieso gab es hier Spielzeug, das Jungen vorzogen? Was sollte eine FĂŒnfjĂ€hrige wie Mara, die auf dem Stand einer DreijĂ€hrigen war, mit ferngesteuerten Autos oder einem Schachspiel anfangen? Hin und wieder nahm sich Mara eines der Autos oder Raumschiffe, schob die Spielzeuge hin und her, murmelte dazu undeutliche Worte. Es klang wie „Tom-tom“. Auf meine Frage, was „Tom-tom“ zu bedeuten habe, verzog sie ihr rundes Gesicht zu einem großen, glĂŒcklichen Grinsen, sie spitzte die Lippen und gab SchmatzgerĂ€usche von sich.

Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, verließen wir hin und wieder die Wohnung. Wir schlenderten durch öde, verwahrloste Straßen und ĂŒber einsame, verdreckte, vollgemĂŒllte PlĂ€tze. Kamen Passanten vorbei, beschleunigte Maras Mutter stets den Schritt und wandte den Blick ab.
Einmal ging das nicht. Vor uns stand eine Gruppe von Jugendlichen. Sie ließen uns nicht vorbei. Maras Mutter bat höflich, aber mit bebender Stimme um Durchlass. Keiner reagierte. Wir wichen zurĂŒck. Begannen in die Richtung zu laufen, aus der wir gekommen waren. Gemeinsam zogen wir Mara hinter uns her. Hinter uns gellten Rufe: „Missgeburt“! Maras Mutter zog den Kopf zwischen die Schultern, als habe ihr jemand eine Tasse heißen Kaffee aufs Haupt geschĂŒttet. Sie fiel in Laufschritt.
Ich blieb stehen, drehte mich ruckartig um. Versuchte den Rufer zu identifizieren. Ein vielleicht AchtzehnjĂ€hriger in Leder, mit abstehenden Ohren, geschorenem Kopf und leeren Blicken hielt eine leere Flasche wie ein Fernglas ans Auge, als beobachte er den Mond – oder schaue auf den Flaschenboden. Mit kleinen Schritten und erhobenen Hauptes ging ich auf ihn zu. Er ließ die Flasche sinken, starrte vor sich hin. Sah mich an. Hilfloses Flackern in seinen Augen, ein stummer Schrei. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, er zitterte. Ich trat dicht an ihn heran, nahm ihm die Flasche aus der Hand, hob sie hoch. ZerdrĂŒckte sie in Höhe seines Gesichtes. Das Angstflattern in seinen Augen wurde stĂ€rker. Fest presste er die Lippen aufeinander. Wieder hörte ich das Wort von der Missgeburt. Jemand aus der Gruppe sprach es, tonlos, unbeteiligt. Eine sachliche Feststellung. Der Junge vor mir zuckte zusammen, wurde kreidebleich. Ich drehte mich um, entfernte mich. Ratlos. Mit MĂŒhe holte ich Mara und ihre Mutter ein.

Ich grĂŒbelte den ganzen Abend, wie es sich mit dem Wort verhielte. Warum war Maras Mutter so erschrocken, warum gingen wir eigentlich immer nur nach Einbruch der Dunkelheit spazieren, warum bebte ihre Stimme so schnell?
Wieso kam ein fremder Jugendlicher bei dem Wort in schwitzendes Schweigen und wurde bleich?
Ich kam zu keinem Schluss. Tatsache war: das Wort war in meiner Anwesenheit öfter gefallen. Infolgedessen war die Wahrscheinlichkeit, dass es mir galt, rein rechnerisch am grĂ¶ĂŸten. Eine ErklĂ€rung fĂŒr die merkwĂŒrdigen Reaktionen anderer war das freilich nicht.

Maras Mutter schuftete den ganzen Tag in mehreren Putzjobs. Am Abend kam sie mĂŒde und kaputt und meist auch mit einer Fahne aus den bereits erwĂ€hnten Kohlenstoffatomen, Hydroxylgruppen, Phenolen und Aromaten nach Hause: Schnaps. Mara sprach von „Naps“. Ich stritt mit ihr nicht um die korrekte Bezeichnung. Klar war jedenfalls, das Zeug, das Maras Mutter verkonsumierte, verursachte VerĂ€nderungen. Schwere VerĂ€nderungen. Sie vergaß immer öfter, bestimmte Dinge einzukaufen. Die Unordnung in der Wohnung nahm zu. Ihr Ton verĂ€nderte sich. Sie kam oft sehr spĂ€t, nachts schlief sie unruhig, warf sich im Bett herum, schrie und stöhnte in wilden AlbtrĂ€umen.
Ich versuchte mit monotonem Sing-Sang ihre Unruhe zu dÀmpfen. Ich versuchte es als Clown und WitzerzÀhler, als Jongleur und Akrobat. Manchmal lachte sie sogar. Aber grundlegend besserte sich nichts.
Einmal wollte ich wissen, ob ich tagsĂŒber mit Mara eine kleine Runde bis zum Spielplatz drehen könne. Sie flippte regelrecht aus, schrie durch die ganze Wohnung, ob ich wahnsinnig sei, einen Schaden habe, einen Defekt. Noch ein Wort, und sie wĂŒrde mich auf die Halde bringen. Ich kam nie wieder auf diese Idee zurĂŒck.

Manchmal horchte ich in Richtung ihrer Brust, denn ich sehnte mich nach dem rĂ€tselhaften Rhythmus unter der WĂ€rme ihrer Haut. Er hatte mich anfangs an ferne, geheimnisvolle, wunderbare Welten voller Frieden erinnert, an einsame Wege unter alten, wĂŒrdevoll-vornehm rauschenden RiesenbĂ€umen; oder an ein helles, lichtdurchflutetes Meer mit putzigen Seepferdchen, Delphinen, bunt schillernden Algen... Ich war glĂŒcklich, wenn sie mich mit ihrem Oberkörper berĂŒhrte, ich fĂŒhlte jedesmal eine innere Kraft, die nicht aus mir kommen konnte, aus meinem missratenen, fehlerbehafteten Body.
Jetzt holperte der Rhythmus zunehmend, klang trocken, schwer. Die Erinnerungen an meine Zeit in der Abstellkammer kehrten zurĂŒck. Meine Bewegungen wurden verkrampfter, ich zuckte hĂ€ufig unkontrolliert. Mara stand ratlos vor mir und starrte mich erschrocken an. Sollte sie in die HĂ€nde klatschen und den Spuk verscheuchen? Sie wusste es nicht. Auch auf ihrem runden und immer fröhlichen Gesicht sah ich Angst.

Eines Abends blieb Maras Mutter ganz weg. Ich wÀhlte ihre Nummer, aber keiner nahm an. Mit meiner unscharfen, rauen Stimme sang ich die weinende Mara in den Schlaf.
Ich ahnte Schlimmes.

Zwei Tage spĂ€ter war der KĂŒhlschrank leer. Mara weinte und schrie abwechselnd nach ihrer Mama. Ich griff mir von der Garderobe einen Mantel, band mir ein Kopftuch und einen Seidenschal um, trat die WohnungstĂŒr ein und machte mich mit Mara an der Hand auf den Weg. Wir mussten Maras Mutter finden.

Vor dem Wohnblock stießen wir mit einer Gruppe Jugendlicher zusammen.

                                        VI

Es war die Gruppe, der wir vor Wochen begegnet waren. Aber die Jugendlichen schenkten uns keine Aufmerksamkeit. Sie standen im Halbkreis um einen Jungen herum, der auf dem Trottoir in einer Blutlache lag. Vorsichtig spazierte ich mit Mara nÀher, warf einen schnellen Blick auf den Liegenden. Es war der Junge mit den abstehenden Ohren.
Mara riss sich von meiner Hand los, beugte sich ĂŒber den Jungen. „Tom-Tom“ rief sie und drehte seinen Kopf hin und her.
Sirenen kreischten, Bremsen quietschten. StiefelabsĂ€tze polterten, Kommandos wurden gebrĂŒllt. Wenige Augenblicke spĂ€ter saß ich mit Mara in einem Polizeifahrzeug.

Ich habe sie auf der Wache zum letzten Mal gesehen. Ein adrett gekleideter Herr holte sie ab. Wahrscheinlich ein Mitarbeiter der FĂŒrsorge. Ich band Mara den Seidenschal ihrer Mutter um. Sie lĂ€chelte wie immer ĂŒbers ganze Gesicht, streichelte mich und nuschelte „Tom-Tom“.

Den Rest der Geschichte reimte ich mir aus dem zusammen, was ich wÀhrend meiner Vernehmungen erfuhr. Allem Anschein nach war es so:

Maras Mutter hatte zwei Kinder. Einen Jungen und ein MĂ€dchen. Beide von demselben Vater. Beide unehelich. Der Vater soll ein höherer Angestellter eines wissenschaftlichen Institutes sein. NatĂŒrlich schoss mir sofort der Gedanke hoch, es könne sich um „meinen“ Abteilungsleiter vom „Institut fĂŒr Humanoid- und Bionikroboter" handeln. Quasi um „meinen Vater“...
Doch meine Frage an den Polizisten, ob er NĂ€heres wĂŒsste ĂŒber die Art des Institutes und den Posten des Vaters, blieb ohne Antwort.
Maras Mutter zog den Jungen allein groß. Außer gelegentlichen Einladungen zum Essen und kleineren, unregelmĂ€ĂŸigen Geldleistungen bekam sie nichts und wollte sie nichts vom Vater des Kindes.
Dreizehn Jahre spĂ€ter kam Mara zur Welt. Drei Jahre nach der Geburt seiner Schwester verließ Tom die Wohnung. Er hielt es nicht lĂ€nger aus, von seinen Freunden als Bruder einer Missgeburt gehĂ€nselt zu werden. Er trieb sich auf den Straßen herum, wohnte in AbrisshĂ€usern, in kaputten Bauwagen oder schlief hinter MĂŒllcontainern; er schlug die Zeit mit kleinen DiebstĂ€hlen, Gelegenheitsarbeiten, Trinkerei und bloßem Warten auf eine Änderung der Lage tot; er ließ sich nie wieder zu Hause blicken.
Vor den Mitgliedern seiner Gang brĂŒstete er sich manchmal, der Sohn eines Institutsdirektors zu sein. Wahrscheinlich aus einem tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplex heraus, der seit Maras Geburt in ihm fraß.
Irgendwann ging diese Prahlerei der Gruppe so auf den Nerv, dass ihm jemand kurzerhand eine leere Flasche ĂŒber den SchĂ€del zog. Vielleicht beschimpfte ihn auch jemand als „Missgeburt“, und Tom begann eine SchlĂ€gerei, die er verlor. Ich weiß es nicht, auch nicht, ob Tom noch lebt. Der Polizist wollte oder konnte es mir nicht sagen.

Ich wurde zum „Zentralen Recyclinghof fĂŒr defekte und veraltete Robotertechnik“ gebracht. Derzeit bin ich noch nicht fĂŒr den Schmelzofen vorgesehen, ich habe, zusammen mit anderen leicht defekten oder irgendwie fehlerhaften oder veralteten Robos, einen Job in der Sortieranlage. An einem Förderband mit GlasabfĂ€llen mĂŒssen wir metallische Fremdkörper auslesen.
Am Abend unterhalte ich meine Leidensgenossen mit Gruselgeschichten. Ich erzĂ€hle von freundlich lĂ€chelnden, aber unzufriedenen, sadistisch veranlagten Menschen in GroßraumbĂŒros, von Stationen namens „Coffee-Shop“ oder „Ignore“... Ich erfinde Geschichten von einem Jungen namens Tom, der nach einer schweren Verletzung gesundet, sein Leben Ă€ndert, von der Straße zurĂŒck in ein normales Leben kommt, sich von seiner Prahlsucht befreit und zu einem stabilen Selbstbewusstsein gelangt... Ich fabuliere von einem MĂ€dchen namens Mara, das trotz ihres runden Gesichtes, ihrer mandelförmigen Augen und ihrer undeutlichen, telegrammartigen Sprechweise Lesen und Schreiben lernt und einen Beruf ergreift. Oder ich erzĂ€hle von einer Mutter mit einer warmen Brust und einer unregelmĂ€ĂŸig, aber anrĂŒhrend schlagenden Rhythmusmaschine darin, die das Trinken von „Naps“ aufgibt...

Hört keiner mehr zu, konzentriere ich mich auf meine PlĂ€ne. Ja, ich habe noch PlĂ€ne. Ich habe auch noch Kraft in mir. Viel Kraft. Man sieht sie mir nicht an. Insofern werde ich grandios unterschĂ€tzt. Das Sortieren von MĂŒll kann nicht meine letzte Aufgabe vor der Schmelze gewesen sein.
Außerdem habe ich Sehnsucht – nach Mara, nach ihrer Mutter. Es interessiert mich sogar, was aus Tom wurde. Vielleicht ist er wirklich mein Bruder – und Mara meine Schwester, vielleicht kann ich einen von den Dreien finden...
Und: ich werde wieder unruhiger. Der Kerl, der Mara abholte, geht mir nicht aus dem Memochip. Er wirkte zwar bieder, onkelhaft, ordentlich. Aber sehr viel anders sehen die Obermacher unseres Recyclinghofes auch nicht aus. Was, wenn es Höfe gĂ€be fĂŒr solche wie Mara?
TagsĂŒber, in den Pausenrunden, studiere ich unauffĂ€llig die Mauern und ZĂ€une, die Kameras, die Mienenstreifen. Die Gewohnheiten der Wachrobos kenne ich schon auswendig. Einmal ist es soweit, und ich breche aus...





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Prospero
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Hallo Penelopeia!

Also mich hat die Geschichte wirklich berĂŒhrt. Vor allem gut: Die Melancholie darin wirkt nicht aufgesetzt, schwingt nur zwischen den Zeilen, bricht aber hin und wieder um so wirksamer durch, wie z.B., wo der Roboter, der sein Schicksal bis dahin eher leidenschaftslos geschildert hat, plötzlich "trunken vor GlĂŒck" ist. Das hat schon was! Auch ist ein echter ErzĂ€hlfluss drin, sodass sich das Ganze gut lesen lĂ€sst.

Ein paar Kritikpunkte: Meiner Meinung nach verlierst du dich manchmal zu sehr in Einzelheiten, wodurch ein Teil der potenziellen Wirkung verloren geht. Einige SĂ€tze ließen sich "griffiger" formulieren. Im zweiten Teil scheint mir etwas zu viel in die Geschichte gepackt. Vor allem wĂŒrde ich die Andeutung, Tom und Mara könnten "Geschwister" des Roboters sein, wegglassen (hat so ein bisschen einen Anklang an Star Wars: "Ich bin dein Vater, Luke ..."). Vielleicht sollte man sogar ĂŒberlegen, Tom ganz aus der Sache rauszulassen. Das willst du sicher nicht, aus meiner Sicht wĂŒrde die Geschichte dadurch aber eher gewinnen als verlieren.

Eine Sache, an der man vielleicht noch feilen könnte, ist die perspektivische Sicht des ErzĂ€hlers. Der Roboter schildert rĂŒckblendend Ereignisse aus seinem Leben. Das Problem dabei: Er hat eine Entwicklung durchgemacht, ist jetzt ein anderer als er zu der Zeit war, ĂŒber die er erzĂ€hlt. Die Frage ist nun: Wie macht man das am besten? Eine Schilderung aus der Sicht eines Kindes kann nur in Worten erfolgen, die das Kind kennt und von denen es weiß, was sie bedeuten. Das ist natĂŒrlich schwierig und bei einem Roboter noch schwieriger: Er kann schließlich bereits mit einem mehr oder weniger begrenzten Wissen (das ihm einprogrammiert ist) "geboren" werden. In jedem Fall sollte jedoch immer klar sein, aus welcher Sicht (aus "damaliger" oder "heutiger") die jeweilige Schilderung erfolgt. Das kann man explizit machen ("damals dachte ich ... heute weiß ich ..."), was auf die Dauer nervig wĂ€re, oder irgendwie anders, fĂŒr den Leser sollte es aber nachvollziehbar sein. Und genau das ist der Punkt: Ich meine, dass bei dir beide Perspektiven manchmal durcheinander geraten. Ein Beispiel: Im Coffee-Shop spricht der Roboter von Cognac, der in den Kaffee gegossen wird, scheint also zu wissen, was es damit auf sich hat, spĂ€ter aber analysiert er eine FlĂŒssigkeit (den Schnaps), ohne zu erkennen, dass es sich dabei ebenfalls um Alkohol handelt.

Hier noch ein paar Anmerkungen zum ersten Abschnitt (sind natĂŒrlich, wie alle Bemerkungen zuvor, rein persönlich und subjektiv):

Meine frĂŒheste Erinnerung ist ein wĂŒstes GebrĂŒll: Rekapituliere ich den Beginn meines Lebens Klingt fĂŒr mich wie eine Wiederholung von "meine frĂŒheste Erinnerung". Könnte man vielleicht rausnehmen, feuert mein Memo-Chip eine endlose Kanonade von ĂŒblen Schimpfworten und peinlichen Bildern in den Echtzeitprozessor, also in mein unmittelbares Bewusstsein. Eine krĂ€ftige MĂ€nnerstimme scheißt eine ganze Gruppe von Monteuren und Technikern grausam zusammen. Die Truppe steht vor ihm worauf bezieht sich "ihm"? (auf den Mann, dem die Stimme gehört, ich weiß, aber der wird nicht erwĂ€hnt. Die Stimme könnte ja auch aus einem Lautsprecher kommen , als hĂ€tte sie gemeinschaftlich in die Hose gemacht. Keiner wagt eine Erwiderung. Alle wissen: sie haben Mist gebaut. Der Mist bin – ich.

Nach den ersten Checks stand es ziemlich schnell fest: Man hatte Fehler gemacht und nicht nur einen. Der Prozessor stammte aus abgelegten, schadhaften LagerbestĂ€nden, die der Entsorgung entgangen waren. Über den Leiterbahnen und Kontakten des Mainboards waren aus unerfindlichen GrĂŒnden wĂ€hrend der Fertigung SĂ€uredĂ€mpfe eines Ätzbades auskondensiert, mit dem man normalerweise unbrauchbare Platinen recycelt.
Die kĂŒnstlichen Muskeln fĂŒr die Hand-, Arm- und Fußgelenke reagierten nervös und zitterten sporadisch, als schĂŒttelten sie KrĂ€mpfe. Ihr FormgedĂ€chtnismaterial fand bei Aufgabe von Stromimpulsen und daraus folgender ErwĂ€rmung nicht oder nur teilweise zu der ursprĂŒnglichen Position zurĂŒck. Nimm's mir nicht ĂŒbel, aber das liest sich wie eine schlecht ĂŒbersetzte technische Beschreibung. Einzig die Kraftentwicklung war in Ordnung. Oder vielmehr: meine Muskulatur war krĂ€ftiger geraten, als es bei meiner Bauart zu erwarten gewesen wĂ€re. KrĂ€ftiger, als es fĂŒr meine zukĂŒnftigen Aufgaben – Serviceroboter in einem Akademikerhaushalt – notwendig schien. Viel krĂ€ftiger. UnglĂ€ubig kontrollierten die Techniker mehrmals die Kraftmesswerte. klingt etwas verquast. "die gemessenen Kraftwerte" (oder einfach nur "die Messwerte", da ja vorher schon gesagt wird, dass es um Kraft geht) wĂ€re vielleicht besser. Das "mehrmals" erscheint mir ĂŒberflĂŒssig, durch das "UnglĂ€ubig" wird dem Leser bereits mitgeteilt, dass die Kontrolle sorgfĂ€ltig und wahrscheinlich mehr als einmal erfolgen wird. Außerdem: Ich hatte erwartet, dass diese besondere Kraft des Roboters irgendwann in der Geschichte eine Rolle spielt. Allerdings ist mir da nichts aufgefallen (bis auf die Szene, wo er die Flasche zerdrĂŒckt, aber das könnte vielleicht auch ein durchschnittlich krĂ€ftiger Roboter.)
Meine Videoaugen hatten erkennbar blinde Flecke. Mein Sprachprozessor funktionierte nicht richtig – ich stotterte und nuschelte. Der Energy-Block lief auf Teilleistung, der Lautsprecher klirrte zeitweise, rauschte und erreichte den Bruchteil des kalkulierten Schalldrucks, was im Ergebnis hieß, nur mit sehr leiser, undeutlicher Stimme sprechen zu können. Da der Roboter hier eine persönliche Beschreibung gibt, erscheint mir der Schluss zu neutral. Vielleicht: "...Schalldrucks, sodass ("im Ergebnis" halte ich fĂŒr ĂŒberflĂŒssig) ich nur mit leiser ... sprechen konnte."
Die inneren MĂ€ngel korrespondierten mit Ă€ußeren: Mein Chassis war mit viel zu weichem Kunststoff bespannt, die Polsterung darunter besaß keine ElastizitĂ€t. Als der Abteilungsleiter einen Finger in mich bohrte, gab das Material nach, als sei es Tier- oder Menschenhaut ĂŒber weichem schon wieder "weich". Außerdem: "Tier- oder Menschenhaut" erscheint mir als Bild etwas zu allgemein., altem Fleisch. Alle lachten, setzten aber sofort wieder die Mienen begossener Pudel auf, als ihr Chef sich umdrehte und sie erneut verĂ€chtlich und beleidigt Willst du damit sagen, dass der Chef beleidigt ist, weil alle lachen? Das wĂŒrde ich dann nicht in einem Zug mit "verĂ€chtlich" schreiben (Vielleicht in der Art: "Der Chef drehte sich beleidigt um und musterte sie verĂ€chtlich."). Oder meinst du in Wirklichkeit "beleidigend". In dem Fall wĂŒrde ich es bei "verĂ€chtlich" belassen (wie mustert man jemand beleidigend?) musterte.
Meine Symmetrien waren verschoben. Irgendwie war mein Mund, den man einem Menschenmund hatte Ă€hnlich machen wollen, schief geraten. Meine Grimasse beim LĂ€cheln kann man sich vorstellen. Beim ersten Versuch, der Welt mit mimischen Mitteln meine grundsĂ€tzliche GutmĂŒtigkeit zu zeigen, ging ein verstörtes Raunen durch die Riege der Techniker.
Meine Brust wirkte eingedellt Ist sie eingedellt oder wirkt sie nur so?. Als sei ich wĂ€hrend der Fertigung von einem Stapler ĂŒberrollt worden oder aus großer Höhe vom Kranhaken gefallen. Warum "wĂ€hrend der Fertigung"? Außerdem: Ein Bild wĂŒrde m. M. nach reichen (sieht man wirklich nach beiden Katastrophen genauso aus?). Vielleicht alles in einem Satz: "Meine Brust war eingedellt, als wĂ€re ich von einem Stapler ĂŒberrollt worden."
Generell scheint mir die Schilderung der MĂ€ngel zu ausufernd. Ich wĂŒrde versuchen das Ganze zu straffen und in zwei, maximal drei AbsĂ€tzen unterzubringen.


Wie gesagt: Ich war ein Haufen Schrott. Ein finales Fehlprodukt mit vielen Teilfehlern. UnverkĂ€uflich. Ausschuss fĂŒr die Halde. Ein Verlust fĂŒr das Institut. Obendrein wĂŒrde es Konventionalstrafe geben, denn mein Liefertermin war nicht mehr zu halten. Da der Roboter an dieser Stelle schon weiß, dass er nicht an den Kunden ausgeliefert wird, sollte er nicht von "meinem" Liefertermin sprechen. Man wĂŒrde die vom Kunden geforderte Lösung komplett neu fertigen mĂŒssen.
Der Abteilungsleiter des „Institutes fĂŒr entwickelte Humanoid- und Bionikroboter“, ein hagerer Mann um die FĂŒnfzig fĂŒnfzig mit schmalen, blutleeren Lippen, schĂŒttelte mĂŒde den Kopf, ließ die Schultern hĂ€ngen. Er stand ratlos Ist vielleicht eine persönliche Vorliebe: Ich wĂŒrde hier die Wortstellung Ă€ndern ("Ratlos stand er ..."), um die Verbindung zwischen beiden SĂ€tzen flĂŒssiger zu gestalten vor dem Testtisch, auf dem ich voll verkabelt lag. Neben ihm sein Stellvertreter, gut einen halben Kopf kleiner, ein wenig jĂŒnger. Aber mit böse blitzenden Augen und verkniffenem Mund.
Der Abteilungsleiter machte ein paar AusfĂŒhrungen zur fehlenden Existenzberechtigung fehlerhafter Systeme, brach ab, schwieg und zeigte hinter sich. Ich drehte meine halbblinden Sensoren in die angegebene Richtung und entdeckte hinter einer großen Glasscheibe einen Kubus unbekannter Funktion. Dass das der Container einer Entsorgungsfirma war, wusste ich damals noch nicht.
Der Stellvertreter nannte, halb fragend, einen Namen. Der Abteilungsleiter strich sein lichtes Haar nach hinten, ĂŒberlegte kurz, machte nochmals eine wegwerfende Handbewegung, nickte. Er schnodderte ein unbeteiligtes „ja“ hin, das wie „mach, was du willst“ klang, und verschwand aus der Montagehalle.
Sein Vertreter das wĂ€re nicht dasselbe ("Stellvertreter" ist ein Dauerposten, "Vertreter" nur ein zeitweiliger Ersatz). Außerdem wirkt die Schilderung auf mich an dieser Stelle etwas stereotyp (und auch ein bisschen holprig: "..., der mit der Antwort zufrieden zu sein schien,...", liest sich nicht besonders gut). Vielleicht könnte man das abmildern, indem man ab und an einen der NebensĂ€tze voranstellt: "Scheinbar zufrieden mit der Antwort, begann der Stellvertreter, die ... zu lösen." , der mit der Antwort zufrieden zu sein schien, begann, die Analysestecker und -sensoren von meinem Body zu lösen. Dann zerrte er mich vom Testtisch und schubste mich ĂŒber lange Flure bis in einen kleinen, hell geweißten Raum. ein "hell geweißter" Raum?

So, das war's auch schon. Gruß,
Joachim
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Penelopeia
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Hallo Prospero,

danke fĂŒr die intensive BeschĂ€ftigung mit dem Text. Es ist ja leider ein wirklich langes „Teil“ und frisst schon einiges an Zeit. Zu deinen Anmerkungen.

Tom und Mara könnten Geschwister des Robos sein – das lasse ich bewusst im Unbestimmten. Gemeint sein könnte eine „Vaterschaft aus Gedanken- und Verantwortungslosigkeit" heraus: Im Fall der beiden Menschenkinder fĂŒhrte egoistische Lust und die Benutzung von Untergegebenen zur Vaterschaft, im Fall des Robos ein Auftrag, eine Bestellung, ein Befehl. Die selbstlose Wahrnahme von Pflichten - quasi das "ethische Moment" - fehlt in beiden FĂ€llen.
Die Star-Wars-Filme kenne ich nur vom Hörensagen, ich habe leider keine einzige Folge gesehen.

Die Bemerkung zur perspektivischen Sicht des Robos ist gerechtfertigt. Ich hatte ursprĂŒnglich ein paar erklĂ€rende Klammerbemerkungen im Text, die auf benannte, aber zum Zeitpunkt der ErzĂ€hlung nicht nĂ€her bekannte Dinge hinwiesen. Ich prĂŒfe unter diesem Aspekt nochmal, welche Sinn machen. Vielleicht nehme ich auch nur den Abschnitt raus, in dem der Robo erzĂ€hlt, er wisse mittlerweile, dass es sich um Schnaps handle.

Meine frĂŒheste Erinnerung ist ein wĂŒstes GebrĂŒll: Rekapituliere ich den Beginn meines Lebens Klingt fĂŒr mich wie eine Wiederholung von "meine frĂŒheste Erinnerung".

Ja, ich gehe von einem Unterschied aus zwischen Erinnerung und dem Rekapitulieren eines Zeitabschnittes, da können mehrere Erinnerungen auftauchen...

Die Truppe steht vor ihm worauf bezieht sich "ihm": Ich habe unmittelbar nach der Einstellung des Textes korrigiert. Es heißt jetzt: „... steht vor ihrem Abteilungsleiter...“

FĂŒr „Kraftmesswerte“ kann man sicher auch eine Kombination aus Substantiv und Adjektiv setzen. Macht meines Erachtens kaum einen Unterschied.

Die erwĂ€hnte Kraft des Robos spielt – da liegst du richtig – zunĂ€chst noch keine Rolle. Die ErzĂ€hlung gehört zu einer Gruppe von EinzelerzĂ€hlungen, die in einem „Endaufstand“ kulminieren. Da wird die Kraft denn gebraucht... Er soll auf dem Recyclinghof stattfinden. Die ErzĂ€hlung „Mein Vater“ endet auch dort...

Die Dopplung von „weich“ Ă€ndere ich.

Eine zugleich „verĂ€chtliche und beleidigte“ Äußerung halte ich fĂŒr möglich: Unsere Affekte bestehen nicht aus je einem GefĂŒhl pro Situation, es sind immer höchst ambivalente Mischungen...

Meine Brust wirkte eingedellt: Hier spiele ich auf den menschlichen Körper an, als deren Imitat sich der Robo sieht. Bei einem Menschen weiß man oft nicht, ob seine spezielle Form resp. Erscheinung noch in der Norm liegt...

Ein hell geweißter Raum ist Unsinn, einverstanden. Es gibt nur frisch geweißte oder angegraute...

Liebe GrĂŒĂŸe und vielen Dank fĂŒr die genauen Anmerkungen.

P.

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Prospero
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Hallo Penelopeia,

zwei kleine Anmerkungen dazu:

quote:
Die Star-Wars-Filme kenne ich nur vom Hörensagen, ich habe leider keine einzige Folge gesehen

Da hast du nicht viel verpasst, das Ganze ist doch reichlich infantil. Eine kurze ErklÀrung: Der Held, Luke Skywalker, erfÀhrt am Ende des ersten (oder zweiten?) Films, dass sein Vater der Mega-Bösewicht Darth Vader ist.

quote:
Eine zugleich „verĂ€chtliche und beleidigte“ Äußerung halte ich fĂŒr möglich: Unsere Affekte bestehen nicht aus je einem GefĂŒhl pro Situation, es sind immer höchst ambivalente Mischungen...

Da hast du natĂŒrlich Recht, mir ging es aber um etwas anderes: Die beiden Wörter passen von ihrer Lesart her nicht zusammen. Eins ist aktiv, eins passiv, das eine beschreibt die Art, mit der er mustert, das andere sagt etwas ĂŒber seinen GemĂŒtszustand dabei aus. Das sind zwei verschiedene Sachen, die man meiner (rein persönlichen) Meinung nach stĂ€rker trennen sollte. Ich zumindest las das "beleidigt" automatisch als "beleidigend", und war mir deshalb unsicher, ob du das nicht auch hattest schreiben wollen.

Gruß,
Joachim
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Asmodeus
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Hallo Penelopeia

Deine Geschichte gefĂ€llt mir hinsichtlich ihrer Idee und der AusfĂŒhrung sehr gut. Sie aus der Perspektive eines Roboters zu schreiben ist sicherlich eine besondere Herausforderung, da man dem Unbekannten eine eigene Wesensart "andichten" muss, die mit der unseren irgendwie kompatibel sein soll. Daraus resultieren gelegentlich Inkonsistenzen, die Prospero ja schon angesprochen hat.

Was mich persönlich nicht ĂŒberzeugt hat war die Auflistung all der Defekte und UnzulĂ€nglichkeiten des Robos. Zwar macht es die Sache effektvoller, aber irgendwie auch unrealistisch: Welches Unternehmen kann ĂŒberleben, wenn es Leute beschĂ€ftigt, die zu solchen Fehlleistungen fĂ€hig sind (ausgenommen die Telekom)? Wie wĂ€re es z.B., wenn dem fertigen Robo versehentlich ein falsches Was-auch-immer eingespielt wĂŒrde, das zu allen möglichen Fehlfunktionen (inkl. entgleister Physiognomie) fĂŒhrt?

Die Coffeeshop-Szene ist ebenfalls zwiespĂ€ltig. Das muss doch eine entsetzliche Sauerei geben. Wer macht das eigentlich sauber? Und wer macht sich die MĂŒhe, derart exotische Kaffees zuzubereiten nur um sie einem - offenbar schmerzunempfindlichen - Roboter sonst wohin zu gießen? Genau umgekehrt verhĂ€lt es sich in der Ignore-Szene: Den Robo mag es ja fertigmachen, aber wenn es zur "Motivation" der Mitarbeiter dienen soll, dann mĂŒssen sie doch ihren Spaß an der Sache haben. Ich weiß nicht, ob es mich besonders motivieren wĂŒrde, jemanden gezielt links liegen zu lassen.

Sehr gut gefallen hat mir die Entwicklung, als Robo sich mit dem MĂ€dchen beschĂ€ftigt. Die Schilderung des sozialen Umfelds fließt beilĂ€ufig ein und vermittelt eine dichte AtmosphĂ€re. Der Anspielung, Mara und der Robo könnten "Geschwister" sein, habe ich keine so große Bedeutung zugemesse; hĂ€tte sich Robo zuvor mehr Gedanken ĂŒber seine Existenz oder Herkunft gemacht bzw. die Sehnsucht entwickelt, wie die Menschen in eine Genealogie eingebunden zu sein, wĂ€re die Idee bedeutender geworden.

Abschließend noch eine Anmerkung zum Bruder und sein Ableben: Gelungen fand ich die Art, wie du den Leser auf die Existenz des Bruders hingefĂŒhrt hast. Dass sie nun ausgerechnet ĂŒber den frisch Verschiedenen "stolpern" mĂŒssen, als der noch warm auf dem BĂŒrgersteig liegt - na ja, ZufĂ€lle gibt's. Aber die Rekapitulation, die sich Robo anschließend zusammenreimt, wirkt dann doch sehr aufgesetzt. Zudem: Ein polizeiliches Verhör sollte so angelegt sein, dass der Verhörende sich Dinge zusammenreimt, nicht der Verhörte. Mir hĂ€tte es besser gefallen, wenn sich diese Erkenntnisse aus der Geschichte erschlössen.

* Die Selbstzensur bzgl. der Namengebung einer der "Stationen" bleibt mir als Leser unverstÀndlich.

Hier folgt noch etwas Textarbeit:

Sie wickelten es mehrmals um mich und die Stuhllehne und verknoteten es. oder knoteten es fest.


Heute kenne ich den Namen dieser wie auch vieler anderer FlĂŒssigkeiten, GegenstĂ€nde, Verhaltensweisen der Menschen. Ich habe viel dazugelernt. Die FlĂŒssigkeit heißt Kaffee.

Den letzten Satz wĂŒrde ich streichen. Robo benennt die FlĂŒssigkeit bereits im Text.


Ich lernte Worte kennen wie „Sau“, „Idiot“, „Versager“, „Lusche“, „Schrotti“, „Nichtsnutz“. Neu war das Wort „Missgeburt“.

Sind nicht alle Worte neu? Wenn nicht, lernt er sie ja nicht.


Er zog sie ĂŒber, trat dicht an mich heran. Holte aus und schlug mit voller Kraft gegen meinen Kopf, der wie ein Tennisball gegen die Sprossenwand knallte.

Ggf. ; nach heran.

Ein Tennisball ist etwas klein im direkten Vergleich. Vielleicht einfach nur Ball?


und hielt anschließend den Lötbrenner drauf...

drauf. Auslassungspunkte finde ich persönlich nur in AusnahmefÀllen passend.


– meine WĂŒnsche tangierten schon, analog zu meinem Reststrom, den Nullbereich –

Sehr schön formuliert; doch den Zustand, dass WĂŒnsche den Nullbereich tangieren, assoziiere ich mit wunschlos - unglĂŒcklich? Oder glĂŒcklich?


Mit ihrer warmen Brust berĂŒhrte sie meine eingedellte, braunverschmierte, verbrannte, zerlöcherte kĂŒnstliche.

Wie geht das, wenn der Robot hockt?


Wie konnte ein solcher Wunsch so stark sein, wenn er aus technischen Fehlern resultierte?

Das klingt, als ob der Wunsch weniger stark wÀre, wenn er aus einem mechanischen Defekt resultierte.


Oder basierte das PhÀnomen der Sehnsucht nach einer Welt, [...] auf reinem Zufall? Etwa auf einer fehlerhaften Programmstruktur [...]


Das Licht erlosch. Ich wollte endgĂŒltig aufhören zu funktionieren.

Etwas abrupt, nachdem Robot doch gerabe zuvor etwas Saft getankt hatte.


Über die RĂ€tsel und Geheimnisse dieser Systeme hatte er nichts gesagt.


Der fĂŒr die Halde Bestimmte.


Durch die Fenster des Zimmers kam Licht, diffuses zwar, doch reichte es fĂŒr die weitere Ladung meiner Zellen und die Verbesserung meiner Laune.

Er hÀngt doch an der Steckdose. Ist das nicht effizienter?


Wie wĂŒnschte ich, dass mich der Abteilungsleiter und seine Kollegen im Institut einmal so sehen könnten!


Wieso geriet ein fremder Jugendlicher bei dem Wort in schwitzendes Schweigen und wurde bleich?


Ich wÀhlte ihre Nummer, aber sie nahm nicht an.


Einmal ist es soweit, und ich breche aus...

Irgendwann ist es soweit oder wird es soweit sein.


Herzlich,

Asmodeus.

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Penelopeia
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Hallo Asmodeus,

danke fĂŒrs Feedback und die intensive Textarbeit. Auf die von dir angesprochenen Punkte möchte ich gleich zu sprechen kommen.

Deine Geschichte gefĂ€llt mir hinsichtlich ihrer Idee und der AusfĂŒhrung sehr gut. Sie aus der Perspektive eines Roboters zu schreiben ist sicherlich eine besondere Herausforderung, da man dem Unbekannten eine eigene Wesensart "andichten" muss, die mit der unseren irgendwie kompatibel sein soll. Daraus resultieren gelegentlich Inkonsistenzen, die Prospero ja schon angesprochen hat.

Ja, es ist tatsĂ€chlich schwierig, auf Dauer dem Leser deutlich zu machen, welche Infos einem Robo mitgegeben werden und welche er erlernt. Der PrĂ€zision halber mĂŒsste man an vielen Stellen Bemerkungen einfĂŒgen nach Art von "das wusste ich bereits", "es gehörte zu meinem Basiswissen" etc. Das wĂ€re natĂŒrlich ermĂŒdend. Wie ich das Problem löse, muss ich mir noch ĂŒberlegen.

Was mich persönlich nicht ĂŒberzeugt hat war die Auflistung all der Defekte und UnzulĂ€nglichkeiten des Robos. Zwar macht es die Sache effektvoller, aber irgendwie auch unrealistisch: Welches Unternehmen kann ĂŒberleben, wenn es Leute beschĂ€ftigt, die zu solchen Fehlleistungen fĂ€hig sind (ausgenommen die Telekom)? Wie wĂ€re es z.B., wenn dem fertigen Robo versehentlich ein falsches Was-auch-immer eingespielt wĂŒrde, das zu allen möglichen Fehlfunktionen (inkl. entgleister Physiognomie) fĂŒhrt?

Hier gab ich meinem Affen Zucker. Habe leicht ĂŒbertrieben. Aber: ich arbeite tatsĂ€chlich in einer Ă€hnlichen Einrichtung, ich weiß, wieviel Mist oft produziert wird...

Die Coffeeshop-Szene ist ebenfalls zwiespĂ€ltig. Das muss doch eine entsetzliche Sauerei geben. Wer macht das eigentlich sauber? Und wer macht sich die MĂŒhe, derart exotische Kaffees zuzubereiten nur um sie einem - offenbar schmerzunempfindlichen - Roboter sonst wohin zu gießen? Genau umgekehrt verhĂ€lt es sich in der Ignore-Szene: Den Robo mag es ja fertigmachen, aber wenn es zur "Motivation" der Mitarbeiter dienen soll, dann mĂŒssen sie doch ihren Spaß an der Sache haben. Ich weiß nicht, ob es mich besonders motivieren wĂŒrde, jemanden gezielt links liegen zu lassen.

Ich setze das unsichtbare Wirken einer Reinigungskolonne voraus. Üblich in vielen Instituten. Üblich wie die Gedankenlosigkeit der Mitarbeiter in solchen Bereichen, leider.
Der Robo ist relativ schmerzunempfindlich. Was ihm Schmerzen macht, ist die abwertende, verÀchtliche Behandlung.
Leider ist die "Ignore"-Szene echt. Ja, die Mitarbeiter hatten Freude daran, eine armes WĂŒrstchen - keinen Robo! - in dieser Art zu behandeln. Es ereignete sich Mitte der Achtziger in der DDR.

Sehr gut gefallen hat mir die Entwicklung, als Robo sich mit dem MĂ€dchen beschĂ€ftigt. Die Schilderung des sozialen Umfelds fließt beilĂ€ufig ein und vermittelt eine dichte AtmosphĂ€re. Der Anspielung, Mara und der Robo könnten "Geschwister" sein, habe ich keine so große Bedeutung zugemesse; hĂ€tte sich Robo zuvor mehr Gedanken ĂŒber seine Existenz oder Herkunft gemacht bzw. die Sehnsucht entwickelt, wie die Menschen in eine Genealogie eingebunden zu sein, wĂ€re die Idee bedeutender geworden.

Okay, aber ich habe Bedenken: Wie soll ein Robo Sehnsucht nach einer "Genealogie" entwickeln können? Wichtiger wĂ€ren fĂŒr ihn doch Bezugspersonen, eine "Familie", denke ich.

Abschließend noch eine Anmerkung zum Bruder und sein Ableben: Gelungen fand ich die Art, wie du den Leser auf die Existenz des Bruders hingefĂŒhrt hast. Dass sie nun ausgerechnet ĂŒber den frisch Verschiedenen "stolpern" mĂŒssen, als der noch warm auf dem BĂŒrgersteig liegt - na ja, ZufĂ€lle gibt's. Aber die Rekapitulation, die sich Robo anschließend zusammenreimt, wirkt dann doch sehr aufgesetzt. Zudem: Ein polizeiliches Verhör sollte so angelegt sein, dass der Verhörende sich Dinge zusammenreimt, nicht der Verhörte. Mir hĂ€tte es besser gefallen, wenn sich diese Erkenntnisse aus der Geschichte erschlössen.

Der Junge liegt zwar warm auf dem BĂŒrgersteig, ist aber noch nicht am Erkalten. Siehe die nachfolgende ErzĂ€hlung "Lovemachine".

Der Zufall ist tatsĂ€chlich von mir bewusst "an den Haaren herbeigezogen". Zufall als philosph. Kategorie beschĂ€ftigt mich schon lange, ich will hier nichts weiter dazu sagen, anderen gehts wohl auch nicht anders. Aber zum scheinbar plakativen Verfahren soviel: Vor Jahren las ich eine ErzĂ€hlung von J.P. Sartre, ich habe den Titel vergessen. Sie spielte in der Zeit der RĂ©sistance, ein BĂŒrger wird verhaftet, weil sich die Deutschen von ihm Hinweise auf den Verbleib eines gesuchten WiderstandskĂ€mpfers erhoffen. Der BĂŒrger kennt den Mann zwar, hat aber wirklich keine Ahnung, wo er abgeblieben sein könnte.
Die SS droht, sie werde den unbescholtenen BĂŒrger erschiessen lassen, verriete er nichts. Da sagt der Typ einfach irgendwas. Er sagt: der Gesuchte ist auf dem Friedhof.
Kurze Zeit spÀter kommt der Vernehmer in die Zelle. Der Mann erwartet sein Todesurteil. Der Vernehmer sagt, er könne gehen. Wie? Ja, man habe den Gesuchten - gefunden auf dem Friedhof...
Sartre treibt hier das Spiel mit dem Zufall auf die Spitze. Ohne die Frage zu beantworten, ob er nun an diesen glaube oder nicht. Die Frage hat ihn möglicherweise gepeinigt. (Vielleicht kann ein Kundigerer als ich zu diesem Thema AusfĂŒhrungen machen?)

Ein Verhör im klassischen Sinne sollte es nicht sein, eher ein lockerer Austausch: wer nimmt einen Robo schon fĂŒr voll oder hĂ€lt ihn gar fĂŒr gefĂ€hrlich. Folglich erzĂ€hlt man ihm aus OberflĂ€chlichkeit oder beilĂ€ufiger Langeweile auch dies und das.

* Die Selbstzensur bzgl. der Namengebung einer der "Stationen" bleibt mir als Leser unverstÀndlich.

Ich habe schlechte Erfahrungen in meinem Leben machen mĂŒssen mit zuviel Offenheit. Auch wenn es feige wirkt: den Namen dieser Station möchte ich fĂŒr mich behalten.

Hier folgt noch etwas Textarbeit:

Sie wickelten es mehrmals um mich und die Stuhllehne und verknoteten es. oder knoteten es fest.


Hier weiß ich nicht genau, worauf du hinauswillst. Deine Varianten sind natĂŒrlich genauso gut möglich, vielleicht durch die kĂŒrzere Form griffiger. Liegt bei mir ein Ausdrucksfehler vor?

Heute kenne ich den Namen dieser wie auch vieler anderer FlĂŒssigkeiten, GegenstĂ€nde, Verhaltensweisen der Menschen. Ich habe viel dazugelernt. Die FlĂŒssigkeit heißt Kaffee.

Den letzten Satz wĂŒrde ich streichen. Robo benennt die FlĂŒssigkeit bereits im Text.

Einverstanden, ich streiche den Satz.

Ich lernte Worte kennen wie „Sau“, „Idiot“, „Versager“, „Lusche“, „Schrotti“, „Nichtsnutz“. Neu war das Wort „Missgeburt“.

Sind nicht alle Worte neu? Wenn nicht, lernt er sie ja nicht.


Nein, denn der Robo hat einen einprogrammierten Grundwortschatz, auch an Schimpfworten. Nur das Wort "Missgeburt" fand er nicht in seinem Memochip...

Er zog sie ĂŒber, trat dicht an mich heran. Holte aus und schlug mit voller Kraft gegen meinen Kopf, der wie ein Tennisball gegen die Sprossenwand knallte.

Ggf. ; nach heran.

Ein Tennisball ist etwas klein im direkten Vergleich. Vielleicht einfach nur Ball?


Ja, stimmt. Ich belasse es bei einem Ball.

und hielt anschließend den Lötbrenner drauf...

drauf. Auslassungspunkte finde ich persönlich nur in AusnahmefÀllen passend.


Auslassungspunkte sind eine schlechte Angewohnheit von mir. Andererseits findet man sie auch bei GrĂ¶ĂŸen wie Th. Mann, ich denke an die ErzĂ€hlung "Tonio Kröger", da gibts eine ganze Latte offener SĂ€tze...


– meine WĂŒnsche tangierten schon, analog zu meinem Reststrom, den Nullbereich –

Sehr schön formuliert; doch den Zustand, dass WĂŒnsche den Nullbereich tangieren, assoziiere ich mit wunschlos - unglĂŒcklich? Oder glĂŒcklich?


Wunschlos heißt fĂŒr mich, den Tod bereits akzeptiert zu haben.

Mit ihrer warmen Brust berĂŒhrte sie meine eingedellte, braunverschmierte, verbrannte, zerlöcherte kĂŒnstliche.

Wie geht das, wenn der Robot hockt?


Sie beugte sich tief ĂŒber ihn. Wenn eine Frau mit großer Brustweite solches tut, erreichen die BrĂŒste fast...

Wie konnte ein solcher Wunsch so stark sein, wenn er aus technischen Fehlern resultierte?

Das klingt, als ob der Wunsch weniger stark wÀre, wenn er aus einem mechanischen Defekt resultierte.


Bei einem Robo spielt die Technik - als Oberbegriff fĂŒr elektronische, elektrische und mechanische Komponenten - die Rolle unserer Physis und Psyche. Ein kaputter Schrittmotor könnte also einem Robo gleiche seelische Probleme wie ein kaputtes Kniegelenk unsereinem machen...

Das Licht erlosch. Ich wollte endgĂŒltig aufhören zu funktionieren.

Etwas abrupt, nachdem Robot doch gerabe zuvor etwas Saft getankt hatte.


Saft hat er, aber keine Hoffnung mehr.

Der fĂŒr die Halde Bestimmte.

Mein Fehler! "Der Bestimmte" ist korrekt, ich Àndere.

Durch die Fenster des Zimmers kam Licht, diffuses zwar, doch reichte es fĂŒr die weitere Ladung meiner Zellen und die Verbesserung meiner Laune.

Er hÀngt doch an der Steckdose. Ist das nicht effizienter?


Im Moment, da ihm die Frau auf die Beine hilft, wird die Verbindung zur Steckdose getrennt. Wie sollte er sich sonst frei bewegen können?

Wie wĂŒnschte ich, dass mich der Abteilungsleiter und seine Kollegen im Institut einmal so sehen könnten!

Es stimmt, man könnte hier gut ein Ausrufezeichen setzen. Ich habe allerdings seit je eine Aversion gegen ein Zuviel solcher Zeichen, wenns geht, vermeide ich sie. (Im Anonymus-Forum schrieb mal ein Witzbold, "Die Welt ist voll von Ausrufzeichen". Ich sehe es so Àhnlich: Das Gros der heutigen Literatur "schreit".
In diesem Fall folge ich trotzdem und gegen meine Meinung dem Vorschlag.

Wieso geriet ein fremder Jugendlicher bei dem Wort in schwitzendes Schweigen und wurde bleich?

Möglich sind mehrere Worte: kam, geriet, fiel...

Ich wÀhlte ihre Nummer, aber sie nahm nicht an.

Der Robo erwartet nicht unbedingt ihre Stimme. Das Telefon kann ja auch in anderer Hand sein.

Einmal ist es soweit, und ich breche aus...

Irgendwann ist es soweit oder wird es soweit sein.

Einmal klingt fĂŒr mich bestimmter. Irgendwann ist zu beliebig.

Danke nochmal fĂŒr die genaue Textarbeit,

LG

P.

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