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Leselupe.de > Humor und Satire
Missverständnis
Eingestellt am 24. 03. 2007 17:01


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huwawa
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Missverständnis

Nun war ich also wieder auf der Suche nach einem Job. Aber das war ja vorherzusehen und im Grunde hatte ich es wohl selbst so gewollt, das Ende bei Verena. Verena ist, nein, war meine Chefin. Mehr nicht, um das gleich einmal klarzustellen, obwohl wir uns immerhin duzten.

Eigentlich war ich als Buchhalter eingestellt, aber bei dem knappen Dutzend geschäftlicher Transaktionen, die in Verenas Firma monatlich anfielen, war ich damit natürlich nicht ausgelastet. So erstreckte sich mein beruflicher Wirkungskreis über sämtliche im Büro anfallenden Tätigkeiten. Ich war Posteinlaufstelle, Offerteleger, Produktionsplaner, Verkäufer, Fakturist, Kassier, Lehrling, SekretärIn und Einkäufer. In letzterer Eigenschaft hatte Verena gestern einen Auftrag. Wir wussten beide noch nicht, dass es ihr letzter für mich sein sollte. „Ach Georg“, hol mir doch bitte einen Krapfen“, flötete sie mit gespitzten Lippen, jedes Wort wie ein Küsschen hinaushauchend. Das sollte mich wohl über die niedrige Qualifikationsanforderung, um nicht zu sagen Minderrangigkeit ihres Auftrags hinwegtrösten. „Im Laden an der Ecke unten gibt es unglaublich gustiös aussehende Krapfen, so einen möchte ich gerne. Aber suche bitte den größten und schönsten für mich aus, lieber Georg!“

Mein Magen krampfte sich zusammen. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, dieses ewige „lieber Georg, Georg, kannst du, Georg, bist du, Georg, machst du, Georg, bringst du...“ Oft genug hatte ich mich schon dagegen aufgelehnt, aber Worte nützten nichts, das war mir inzwischen klar geworden, es mussten Taten folgen.

Zum Laden an der Ecke, ich wusste, welchen Verena gemeint hatte, waren es nur ein paar Schritte. Schon wollte ich hineingehen, da stach mir am Geschäft daneben eine große Auslageninschrift ins Auge: „Heute ganz frisch, besonders zart und delikat.“ Das war es doch, was ich wollte und jetzt brauchte, genau das! Kurz entschlossen betrat ich das Lokal, wählte den schönsten und größten, den ich finden konnte aus und ließ ihn sorgfältig einpacken.

Mit einer prall gefüllten Plastiktasche kehrte ich zurück und stellte sie vor Verena auf den Schreibtisch. „Wauu?“ Staunte sie, „so groß, Georg? Wie viele hast du denn gekauft?“ „Nur einen“, antwortete ich einsilbig. „Das gibt es doch nicht!“ Hastig nestelte Verena das Papier auf und prallte entsetzt zurück. „Aber Georg, das ist doch“ ....ihre Augen waren weit aufgerissen, die Kinnlade klappte krampfhaft auf und zu, sie japste nach Luft wie... „ein Fisch, das ist ja ein Fisch, Georg!“ „Ja, ein Karpfen, wie du ihn gewünscht hast“, antwortete ich und versuchte dabei, mich in der stoischen Gelassenheit eines englischen Butlers zu üben. „Karpfen? Bist du denn völlig verrückt geworden“, kreischte Verena. „Krapfen, nicht Karpfen, Krrrrapfen habe ich gesagt, Georg, Krrrrrapfen!“ „Oh, das tut mir aber wirklich leid“, heuchelte ich, „ein Missverständnis, ich dachte du hättest Karpfen gesagt. Aber, um auch das wieder einmal zu erwähnen: Ich heiße Gregor, nicht Georg, Grregor, liebe Verena, Grrrregor. Ich hoffe, dass du das wenigstens in meinem, sicher sehr positiv ausfallenden, Dienstzeugnis berücksichtigen wirst.“

Verena ließ sich in ihren Sessel fallen. Leider hatte sie vergessen, dass ihr in ihrer Entgeisterung zuvor der Fisch ebendorthin entglitten war. Ich schwöre, nicht gegrinst zu haben, obwohl Verena das behauptete. Ihre schrillen Rufe und Beschimpfungen verfolgten mich noch länger auf meiner Flucht aus dem Büro, als die diversen Wurfgeschosse, die sie mir vom Schreibtisch aus nachsandte. Da wurden wieder einige Neuanschaffungen fällig!

Aber das konnte mir jetzt ja egal sein. Ich war wieder einmal auf der Suche nach einem neuen Job. Vielleicht sollte ich mich einmal als Butler versuchen? Gewisse Ansätze, um in diesem Beruf erfolgreich bestehen zu können, glaube ich an mir jedenfalls entdeckt zu haben!

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Marius Speermann
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Der Text sieht mir mehr als Rachefeldzug gegen jemanden aus. Es ist mir zu wenig an Selbstironie darunter. Auch wenn Deine Chefin hierarchisch höher anzusehen und die "stärkere" ist, ist der Unterschied zu gering. Wenn es ein Politiker wäre, ja vielleicht.
Satire richtet sich immer gegen den stärkeren. Wenn sie sich gegen gleiche oder schwächere richtet, ist sie nicht gut. Hier ist eher zweiteres der Fall.

Marius
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Marius Speermann
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Nochmal zu meinem Kommentar: mir persönlich ist die Wortspielerei Karpfen-Krapfen zu abgelutscht. Ich verstehe, dass das scheinbar die Schreibaufgabe war.
Ohne selbst zu wissen, was ich machen würde, finde ich die Geschichte selbst zu vorhersehbar. Es ist von Anfang an klar, dass er nicht bei der Chefin bleiben wird.
Da gehörte etwas mehr Überraschungseffekt rein: er wird ihr Chef, beide landen miteinander im Bett und sie ist die Unterwürfige dort, etc.

Auch die Slapstick-Einlage, dass sie sich auf den Karpfen setzt, ist erst mal nicht logisch (wie landet der dort) und eben zu oft verwendeter Slapstick.

Nur meine Meinung und mein Feedback.

Marius
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huwawa
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Hallo Marius

Also irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir bei unseren Komms immer völlig aneinander vorbeireden.
Dass ich, (oder er) nicht bei der Chefin bleiben wird, ist ja schon im ersten Satz gesagt, daher braucht es nicht vorhersehbar zu sein.

Worum es in der Geschichte geht ist doch nur, dass sie ihn immer Georg nennt, wo er doch Gregor heißt. Und da revanchiert er sich eben, und lässt seinen Frust heraus, indem er ihr an Stelle eines Krapfen einen Karpfen bringt! Keine Über- aber wie ich finde doch ganz originelle Pointe. Alles andere herum ist nur Rahmenhandlung und "Überraschungseffekte" wie dass er ihr Chef wird und sie ihm Bett landen finde ich zu abgelutscht; so endet es eh fast immer...

Gregor
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