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Leselupe.de > Anonymus
Mit Leid
Eingestellt am 16. 10. 2004 22:28


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Zahm las ich deinen Willen,
doch du verwest.

Damit das Licht aus den Tagen fÀllt,
unser TrĂŒmmerland sich fangen lĂ€sst,
so sollte ich die Asche in die HĂ€nde nehmen,
sie mit Schweiß zu Sinn verschmelzen,
dass ich den Kindern etwas bringe -
doch ich bin verstummt.

Wenn zum Menschsein
hier zu bleiben
gehört,
ein BĂŒschel mehr Gedanken pflanzen,
zweifle ich.

WĂŒhl des Nachts in Maden.
Immer wieder fÀllt die Fingerspitze in die Tastatur,
reißt ihre Phrasen in das Plastikbett,
handzahm.


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LeseWurm
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zuerst: etwas Textarbeit

...
(Dass)Das das Licht aus den Tagen fÀllt,
unser TrĂŒmmerland sich fangen lĂ€sst,
so sollte ich die Asche in die HĂ€nde nehmen,
sie mit Schweiß zu Sinn verschmelzen,
(dass)das ich den Kindern etwas bringe -
doch ich bin verstummt.
...

und dann: Ich gestehe, dass ich nicht recht verstehe.

__________________
ein Lieber Gruß vom <°== LeseWurm ====--~~®

"Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!" (Papst Johannes XXIII)

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
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Hallo LeseWurm,

danke fĂŒr die Aufmerksamkeit.
Zugegeben, mit der Regelung bezĂŒglich des 'dass' stehe ich auf dem Kriegsfuß, da die verĂ€nderte Schreibung dem Wörtchen keinen weiteren Sinn hinzufĂŒgt, den die Satzstellung nicht schon enthĂ€lt, jedoch beuge ich mich der Konvention.

Mir selbst sind inzwischen drei verschiedene Interpretationsrichtungen eingefallen. Man könnte es als Trauergedicht, als politisches Werk oder als Tagebucheintrag lesen, vielleicht kannst Du einer Richtung folgen.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
A.

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LeseWurm
Festzeitungsschreiber
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Etwas aus dem Gedicht spricht mich an, auch wenn ich als Ganzes so recht keinen Zugang finde.
Hier kurz meine EindrĂŒcke:

quote:

Zahm las ich deinen Willen,
doch du verwest.

Irgendwie folge ich jemandem/etwas, der/das aber sei Sein aufgibt.


quote:

Dass das Licht aus den Tagen fÀllt,
unser TrĂŒmmerland sich fangen lĂ€sst,

Wird es dunkel? Oder hell? Warum sollte ich ein TrĂŒmmerland fangen? Vielleicht auffangen in meinen Armen?


quote:

so sollte ich die Asche in die HĂ€nde nehmen,
sie mit Schweiß zu Sinn verschmelzen,
dass ich den Kindern etwas bringe -

Meine Lieblingsstelle. Man sollte aus dem Vergangenen lernen, es sinnvoll machen. Eigentlich ein positiver, optimistischer Ansatz, doch ...


quote:

doch ich bin verstummt.

Dieser letzte Satz ist negativ, resigniert: Habe ich aufgegeben? Sieht so aus.


quote:

Wenn zum Menschsein gehört,
hier zu bleiben,
zweifle ich am Menschsein.

GrundsÀtztlicher Zweifel. Aber in mir regt sich Widerspruch, Trotz(?). Gehört nicht ewiges Strampeln zum Menschsein?


quote:

Man liegt auf Geld und wĂŒhlt des nachts in Maden.

Was nutzt Geld, wenn alles stirbt, vergeht, keinen Sinn macht?


quote:

Immer wieder fÀllt die Fingerspitze in die Tastatur
und reißt nur Phrasen in das Plastikbett.

Selbst das Abarbeiten solcher GefĂŒhle durch Schreiben bringt nicht wirklich Sinn. Erleichterung erst gar nicht - eher Frust.


quote:

WĂ€r ich nur blind wie einst,
und frei.

FrĂŒher war es besser? Aber ich nahm auch weniger wahr, was auch eine Art Freiheit ist.

So betrachtet, kann ich etwas erkennen.

__________________
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jon
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„Zugegeben, mit der Regelung bezĂŒglich des 'dass' stehe ich auf dem Kriegsfuß, da die verĂ€nderte Schreibung dem Wörtchen keinen weiteren Sinn hinzufĂŒgt,
"
Es sind zwei verschiedene Worte. Was im Bereich Prosa eher unwahrscheinlich ist – dass die Stellung im Satz/Text nicht erklĂ€rt, welches der Worte gemeint ist – kann in der Lyrik aber rasch mal passieren:

Kauf ein Buch, das(s) ich lesen werde.

-----------------------
Ich weiß, es ist eine gern genommene Formulierung, dass irgendwas irgendwo rausfĂ€llt. Aber: Was "passiert", wenn "das Licht aus dem Tag fĂ€llt"? Wird der Tag dunkel? Aber warum sollte er/sie anstreben, dass es dunkel wird? Oder: Ein „aus der Zeit gefallener Moment“ z.B. verliert die Verbindung zum „dorthin“ und „von dort weiter“, verliert die Eigenschaft des Fließens und eingebtet seins – nichts davon funktoniert aber bei "Licht fĂ€llt aus dem Tag".

„TrĂŒmmerland fangen“ – wenn es weg will, ist doch gut! Dann ist Platz fĂŒr Neues.

Reißt man die Phrasen wirklich IN das Plastikbett (der Tastatur)?


Alles andere ist m.E. top.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Hallo Jon,

zum das:
Ich hab mich ja schon unterdrĂŒcken lassen, gebe aber zu bedenken, dass dem veralteten "was" eine solche Regelung nicht angebastelt wurde.
Und phonetisch ist es immer ein und dieselbe Lautfolge.
In Deinem Beispiel wĂŒrde ich als Lyriker stets das normale das verwenden, da es beide Lesarten impliziert, das verrĂŒckte dass jedoch brachial eindeutig ist.


Das fallende Licht ist zugegeben ein verwegenes Bild.
Bei seiner Entstehung brachen gerade Sonnenstrahlen durch dunkle Wolken. Da ich die beschriebene Zeit als verdunkelt empfinde, gefiel mir die Vorstellung, sich das Licht am Ende des Tunnels Ă€hnlich den Sonnenstrahlen am Herbsthimmel zu wĂŒnschen.
Dazu kommt noch, dass das Bild auch sein Gegenteil bedeuten kann, nÀmlich, dass das ganze Licht herausfÀllt, und Dunkelheit bleibt.

Das TrĂŒmmerland ist in seiner Intention politisch erdacht. Insofern geht es mir nicht um Flucht, sondern um Begreifen, Verstehen. Schwer nachzuvollziehen, ich gebs zu. Ich habe beschlossen, dieses und einige andere Texte zu einem Zyklus zusammenzufassen, da mir die politische Deutung doch wichtig ist. Danke fĂŒr die Anregung.

Du kannst mich nicht tippen sehen, aber ich hacke und reiße da tatsĂ€chlich auf der armen Tastatur herum.
Reißen ist ein sehr starkes und emotionales Wort, es soll ein wenig das Aus-sich-Herausreißen anklingen.

FĂŒr dies und das top: Dankeschön.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,
A.

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