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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Mit Outdoorklamotten durch die Fußgängerzone
Eingestellt am 27. 07. 2005 23:14


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liebermann
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Mit Outdoorklamotten durch die Fußgängerzone

Samstagvormittag in einer typischen deutschen Stadt. In der verstopften Fußgängerzone tummeln sich die Passanten, der Wochenendeinkauf steht an. Darunter mischen sich immer mehr Gestalten, die durch ihre lächerliche Kleidung herausragen. Ausnahmsweise sind nicht bunt gefärbte Punks im Gammel-Look gemeint oder Straßenmusikanten in sonderbaren Gewändern, die uns durch schreckliche Klänge zu zügigem Weitergehen motivieren. Nein, die frisch gefegten Straßen werden von Menschen betreten, die fesches Schuhwerk tragen, atmungsaktive Goretex-Anoraks und Hemden, die jeden Schweißtropfen sofort nach außen transportieren.

Abgerundet wird das Ganze durch lustige Drillhosen mit mehreren breiten Seitentaschen, in denen viele nützliche Dinge Platz haben, wie beispielsweise Mobiltelefone, Papiertaschentücher oder Kopfschmerztabletten. Gerne getragen sind auch Outdoor-Westen, für die eine einfache Regel gilt: Hat sie weniger als 34 Taschen, taugt sie nichts. Fehlen dürfen natürlich auch nicht die Outdoor-Sandalen. Schließlich sieht man sonst die weißen Socken nicht. Nichtsdestotrotz: Ein neuer Trend ist geboren, die Outdoorisierung unserer Gesellschaft. Das bedeutet natürlich nicht, daß sich der Outdoor-Anhänger ungeschützt der Natur aussetzt. Falls nämlich ein kleiner Regenschauer kommt, zaubert der Outdoorler aus einer seinen vielen Taschen einen Regenschirm, den er sich munter zum Schutz seiner Fönwelle aufspannt.

Handel und Industrie sind auf diesen neuen Trend schon lange aufgesprungen. Outdoor-Bekleidungsg
e-schäfte versorgen die Konsumenten mit allem, was ihr Herz begehrt. Selbst im kleinsten Dorf sind inzwischen die Händler vertreten, die diese robuste Kleidung vertreiben. Jack Wolfskin, globetrotter oder active-leisure sind nur einige der Hersteller, die Kleidung für diesen Bereich herstellen und Millio-nenumsätze damit machen. Auch große Ketten wie Aldi, Lidl, Tchibo und Co. haben sich auf den Trend eingestellt. Immer wieder sind dort Utensilien im Angebot, die das Überleben in Fußgängerzonen sichern. Kompasse, wasserdicht verschließbare Kartenhüllen, mobile Navigationsgeräte und Wasserauf-bereitungs-Sets sind in jeder Auslage zu finden. Und für die Paare, bei denen nicht schon von weitem ersichtlich ist, daß sie zusammengehören, gibt es noch Hosen und Anoraks im Partnerlook. So wächst auch optisch zusammen, was zusammengehört.

Was tragen aber Menschen, die tatsächlich Sport in der Natur treiben? Früher mußte für einen Spaziergang eine ältere Hose, ein T-Shirt und festes Schuhwerk ausreichen. Profis hatten eine Kniebundhose, karierte Hemden und richtige Wanderschuhe. Mein Opa marschierte noch mit Anzug, Hut und Halbschuhen auf Wegen, auf denen heute Frühpensionäre in Outdoor-Vollausrüstung "walken". Mit den Materialien, mit denen heute der moderne Innenstadtbesucher ausgerüstet ist, hätte Sir Edmund Hillary den Mount Everest bestiegen. Nein, für Menschen, die tatsächlich Sport treiben, gibt es auch tolle Sachen.

Schließlich beginnen die meisten Menschen erst auf Anraten des Arztes mit dem Sport. Deshalb sind eher weite Sachen angesagt, da die meist übergewichtigen Neueinsteiger nicht wie eine Preßwurst aussehen wollen. Selbst die Nobelmarke Prada stellt inzwischen Outdoor-Kleidung her, schließlich will man und frau ja auch in der Natur schick sein. Die Kollektionen folgen den aktuellen Farbmustern. So setzen sich die Träger dieser schicken Kleidung hübsch vom tristen Grau unserer Innenstädte oder dem langweiligen Grün der Natur ab. Adidas hat auch nachgezogen. Dort gibt es Outdoor-Kleidung, die auch im Büro tragbar ist

Stellt sich nur noch die Frage, weshalb das so ist. Warum tragen Menschen Outdoor-Kleidung in unseren Städten? Handelt es sich bei den neuen Klamotten tatsächlich um den Jogging-Anzug für Besserverdienende? Oder hat es etwas mit der Entfremdung von der Natur zu tun? Signalisiert es ein Zurückwollen? Oder ist es eher Ausdruck einer zunehmenden Bequemlichkeit und Verweichlichung unserer Gesellschaft, die auf Stil zugunsten von Komfort verzichtet?

Vielleicht liegt der Grund auch darin, daß unsere Innenstädte lebensfeindlicher sind als die trockenste Wüste oder der feuchteste Dschungel. Und sind nicht rasende Autos, Drogenhändler, Feinstaub und Straßenmusiker gefährlicher als alle Bedrohungen, die aus der Natur erwachsen können?

Frank Liebermann
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MDSpinoza
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Wieso sind Drogenhändler eine Bedrohung? Keiner zwingt Dich dazu, den Mist zu kaufen.
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Lieber ein verführter Verbraucher als ein verbrauchter Verführer...

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liebermann
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quote:
Ursprünglich veröffentlicht von MDSpinoza
Keiner zwingt Dich dazu, den Mist zu kaufen.

Weil die jeden aufs unverschämteste Anquatschen, hinterherpöbeln und wenn sie gerade nichts haben extrem renitent betteln, vor allem bei Leuten die sich nicht wehren können. Gerne liegen sie auch völlig zu vor deiner Haustüre, so dass die Oma die da wohnt über sie drübersteigen muss. Nicht zu vergessen die Nadeln die im Park rumliegen, etc....

Kaufen muss man tatsächlich nichts...

Ich habe vier Jahre in Zürich im entsprechenden Viertel gelebt und kenne die Szene bestens!
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jon
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Im harten Zeitungsalltag – und anderswo – würde so eine Aufzählung von Firmen als Schleichwerbung gewertet werden. Tatsächlich könnte man – so wie es hier steht – drauf verzichten, der Aussageverlust wäre minimal.

So ist

quote:
Jack Wolfskin, globetrotter oder active-leisure sind nur einige der Hersteller, die Kleidung für diesen Bereich herstellen und Millio-nenumsätze damit machen.
nicht aussagekraftiger als
„Viele Hersteller produzieren vornehmlich für diesen Bereich und machen Millionenumsätze damit."

Oder
quote:
Auch große Ketten wie Aldi, Lidl, Tchibo und Co. haben sich auf den Trend eingestellt.
geht ohne Schleichwerbung auch so:
„Selbst große Lebensmittelketten mit Non-Food-Abteilung haben sich auf den Trend eingestellt."
(Allerdings: Hier verstehe ich nicht, was daran erwähnenswert ist – „die" bieten doch alles, was nach Trend riecht, was ist also so besonders daran, dass sie auch Outdoor-Fashion und Zubehör bieten?)

quote:

Schließlich beginnen die meisten Menschen erst auf Anraten des Arztes mit dem Sport. Deshalb sind eher weite Sachen angesagt, da die meist übergewichtigen Neueinsteiger nicht wie eine Preßwurst aussehen wollen. Selbst die Nobelmarke Prada stellt inzwischen Outdoor-Kleidung her, schließlich will man und frau ja auch in der Natur schick sein.
DAS ist begründete Firmennennung – weil die Betonung auf Nobelmarke liegt und damit das scheinbar Abstruse der Situation angedeutet wird (, was aber noch stärker betont werden könnte.)
(Den Satz davor hab ich mit zitiert weil: Da hat die Platte 'n Sprung – du springst von "Die meisten, die Sport machen, machen das im Schlabberlook" und kommst übergangslos zu „Sogar Nobel-Outdoor gibt's". Das ist der Sprung zwischen zwei Millieus – die "Prols bis Normalos" und die "Schickeria". Da fehlt was in der Art wie "Es geht aber auch anders: So bietet die Nobelmarke Prada Haute couture, die endlich auch beim Marsch durch Schlamm und Regen sehen lässt, wer Schick hat." (oder so ähnlich))

quote:
Adidas hat auch nachgezogen. Dort gibt es Outdoor-Kleidung, die auch im Büro tragbar ist.
Das wiederum klingt satt nach Schleichwerbung. "Begründet" wäre dieser Schwenk, wenn da etwas stünde wie „Andersherum stellt der Sportswearproduzent Outdoorsachen her, die er für bürotauglich erklärt. Verkehrte Welt.“

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Ein Text wie dieser kann zwei „Botschaften" haben: „Dem Leser das Absurde vorführen.“ oder/und „Woher kommt diese Mode? Was spiegelt sie?"
Für das erstere ist der Text ein bisschen zu zahm (zu unbissig).
Für das Zweitere fehlt es m.E. an … Tiefgang? Sorgfalt? Ernsthaftigkeit, sich damit zu beschäftigen? Irgendwas in der Art – so, wie es hier steht, wirkt es wie Alibi, wie „der Vollständigkeit halber mal schnell angehängt“. Dieser Eindruck entsteht bei mir weil:

Die Frage „Warum tragen Menschen Outdoor-Kleidung in unseren Städten?" kann ganz einfach beantwortet werden: Es ist eben Mode. Deshalb wirken die als Antwort-Ideen angebotenen Fragen irgendwie „haltlos" – sie ignorieren das Offensichtliche.
Ich weeeeiß: Auch Mode hat Gründe und Anlässe – aber indem du "es ist eben schick/es gefällt" ausklammerst, redest du erstens an denen vorbei, die "nur" aus Modegründen dieses Zeug tragen (oder es zumindest annehmen/keiner von denen stellt solche Überlegungen an, wie du sie da anbietest. Ja viele davon haben die ursprüngliche Funktion der Klamotten längst erfolgreich aus ihrem Kaufentscheidungsprozess verdrängt – so funktionieren Trends).
Zweitens gehen dir ein Menge Begründungen verloren – es geht nämlich bestenfalls zu 50% um "praktisch" oder "bequem" (wobei – z.B. – so eine taschenreiche Outdoorweste/jacke im Verhältnis zu einer normalen Weste/Jacke nicht wirklich bequem ist und normale Halbschuhe sind auf Straßenpflaster auch oft angenehmer als klobige Wanderstiefel). Es geht auch nicht wirklich um "zurück zur Natur"-Symbolik (das macht der "grüne Look"), auch wenn der Name des Trends das vermuten lässt. Das wirklich Attraktive ist der martialische Touch dieses Trends – der entfällt dir jedoch bei deiner Konzentration aufs ursprünglich Praktische von Outdoor-Klamotten.

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liebermann
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nämlich bestenfalls zu 50% um "praktisch" oder "bequem" (wobei – z.B. – so eine taschenreiche Outdoorweste/jacke im Verhältnis zu einer normalen Weste/Jacke nicht wirklich bequem ist und normale Halbschuhe sind auf Straßenpflaster auch oft angenehmer als klobige Wanderstiefel).

Ganz genau, darum habe ich mir praktisch bequem gespart.

quote:
Es geht auch nicht wirklich um "zurück zur Natur"-Symbolik (das macht der "grüne Look"), auch wenn der Name des Trends das vermuten lässt. Das wirklich Attraktive ist der martialische Touch dieses Trends – der entfällt dir jedoch bei deiner Konzentration aufs ursprünglich Praktische von Outdoor-Klamotten.

Wenn ich die Rentner in meiner Fussgängerzone sehe, wirken die aber gar nicht martialisch, eher unfreiwillig komisch.


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nämlich bestenfalls zu 50% um "praktisch" oder "bequem" (wobei – z.B. – so eine taschenreiche Outdoorweste/jacke im Verhältnis zu einer normalen Weste/Jacke nicht wirklich bequem ist und normale Halbschuhe sind auf Straßenpflaster auch oft angenehmer als klobige Wanderstiefel).
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Ganz genau, darum habe ich mir praktisch bequem gespart.

Was sagt dann dieser Satz:

quote:
Oder ist es eher Ausdruck einer zunehmenden Bequemlichkeit und Verweichlichung unserer Gesellschaft, die auf Stil zugunsten von Komfort verzichtet?
?



quote:
Wenn ich die Rentner in meiner Fussgängerzone sehe, wirken die aber gar nicht martialisch, eher unfreiwillig komisch.

Wie es dann am Einzelnen wirkt, ist was anderes, als worauf der Trend sich gründet. Der Unterschied ist: Nicht immer vermittelt man das Bild, das man vermitteln will.
Und: Ja natürlich ist da neben dem martialischen Anstrich, der "Wehrhaftigkeit" und "Einzelkämpfertum" (als nicht aufs Heute beschränkte "Ideale") bedient, auch noch der "fit for fun"-Wahn und die "ich kümmre mich um mich!"-Betonung (weil niemand sonst es tut ODER weil ich noch was wert bin – mir wenigstens) Teil des Erfolges dieses Trends. Und dann sind da noch die, denen "Style" zu mühsam oder suspekt ist und die sich auf "Outdoor ist eben praktisch" ausruhen. Sehr komplex das Ganze, sehr komplex…
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Oder ist es eher Ausdruck einer zunehmenden Bequemlichkeit und Verweichlichung unserer Gesellschaft, die auf Stil zugunsten von Komfort verzichtet?
?

... uuups, da hast Du Recht, habe ich mir selber widersprochen!!!
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