Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
436 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Mittagessen
Eingestellt am 01. 12. 2001 03:33


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
andreas mĂĽller
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

Werke: 3
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um andreas mĂĽller eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mittagessen von Andreas MĂĽller

„Ich will sie nicht essen!“ Er wollte sie wirklich nicht
essen, ja ihrem Geschmack verdankte er übelste Magenkrämpfe! „Du isst sie jetzt auf!“ – „Was auf den Tisch kommt wird gegessen!“ Verdammt, da war wieder diese tiefe, bestimmende Stimme, der er unmöglich widersprechen durfte! Sein trauriger Blick nutzte ihm hier wirklich nicht mehr viel: „Ich will nichts mehr hör´n! Ich esse sie, sie isst sie...“ Er zeigte auf seine Schwester. „...wir essen sie
alle. Schon immer. Und werden sie immer essen!“ Jetzt kam
bestimmt wieder der Vortrag, dass unser Geschlecht dafĂĽr
geschaffen war, sie zu verspeisen, sonst machte es eh
niemand! Aber wie war ihm das egal. Er spielte manchmal mit
ihnen. Oh, wie machte dies SpaĂź! Er flitzte durch den
Schilf, schwamm am Pfeiler vorbei und plötzlich, so
schnell, dass sie ihn nie angeschwommen sahen, sprang er
zwischen ihnen hindurch und winkte neckisch mit seiner
Schwanzflosse. Sie flogen dann immer ganz aufgeregt davon.
Manche waren so aufgeregt, dass sie auf dem Wasser
aufschlugen, und sofort von einem der Gefräßigen gepackt
und verschlungen wurden. Das wollte er wirklich nicht! Er
verstand nie, warum keiner es ihm gleich machte, und sich
an den Algen satt aß. „Lange schaue ich jetzt wirklich
nicht mehr zu!“ Und wieder riss ihn die tiefe Stimme in die
Realität zurück. Was sollte er tun? Ihm blieb ja sowieso
nichts anderes ĂĽbrig. Wenn er sie wieder nicht essen
wollte, so wĂĽrde das mit dem Spielen am Nachmittag
überhaupt nichts werden. „Ok, aber ab morgen nicht mehr!“
Und mit einem schnellen Schnappen wĂĽrgte er sie schon
hinunter...

„Ich hab´ einen!“ Überglücklich zog der Mann den soeben gefangenen Fisch aus dem Wasser. Mit dem Holzscheit zertrümmerte er dessen Schädel. Wenn der Haken nicht so tief im Rachen hängen würde, hätte er ihn wieder in den Fluss geschmissen, aber so? „Jetzt heul´ nicht, der schmeckt dir bestimmt besonders gut. Schau mal wie jung der noch ist!“ Das Mädchen mochte das Töten der Fische noch nie, genauso wenig, wie das Essen derjenigen. Aber die Zeiten waren schlimm, doch die Befreier rückten anscheinend schon zur Hauptstadt vor! Ein Schuss knallte durch die Luft. Das Mädchen schrie. Nie wieder hatte sie den Anblick der gratulierenden Soldaten über ihrem toten Vater vergessen...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

lieber andreas,
ich hab sie etliche male gelesen..
mir kommt dabei in den sinn:
"fressen und gefressen werden"
ich kann nicht viel sagen..fällt mir schwer mich aus zu drücken.
gefällt mir ..
lg
sanne

Bearbeiten/Löschen    


Dexter
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 4
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Dexter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Andreas

Gefällt mir echt gut Deine Geschichte.
Besonders faszinieren mich dabei die unvermittelten aber
doch logischen Wechsel der Schauplätze.

Schade, dass es bis jetzt nur ein StĂĽck von dir gibt.
Hoffe mal wieder von dir zu lesen.

Viele GrĂĽsse
Dexter

__________________
Wer Verständnis für seine Verständnislosigkeit aufbringt, hat viel verstanden!

Bearbeiten/Löschen    


Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

hi,
ich wollte mal schauen, was es beim andreas noch so zu lesen gibt.
Denn immerhin verzeichnet er SECHS posts..
ich finde aber NUR diesen thread als EINZIGEN post/beitrag.
WIE kommt das, wo sind die anderen??
*grĂĽbel*

nett,dexter..das du in deinem profil auf andreas "mittagessen" hingewiesen hast..

lG
sanne

Bearbeiten/Löschen    


heidekind
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 17
Kommentare: 136
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um heidekind eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Mittagessen

Lieber Andreas, dein Beitrag ist Klasse. Die Übergänge zu den verschiedenen "Geschichten" sind dir sehr gut gelungen.
Ich hatte das GlĂĽck, diese SprĂĽche "Was auf den Tisch kommt.." usw. nicht gesagt zu bekommen. Und die Portionen, die mir meine Eltern auf den Teller taten, waren imm gut zu schaffen, lieber nachnehmen, war ihre Devise. Das habe ich auch so an meine Tochter weitergegeben. So hatten wir eigentlich immer lustige Mahlzeiten und Unterhaltung. Gut, das es die Zeit nicht mehr gibt:
Bei Tisch wird nicht gesprochen, dabei ist doch gerade Geselligkeit das Schöne, in südlichen Ländern auch Sitte.
Kennst du das Buch "Die kleine Möwe Jonathan"?. Es beschreibt die Geschichte eines Mövenkindes, das anders sein wollte als die anderen. Ein Satz in deiner Geschichte erinnerte mich daran.
Wir hatten frĂĽher einige Tiere, aber wir konnten sie nie
selber essen, das hätte keiner von uns fertiggebracht. So kauften wir an Schlachttagen unser Essen von anderen Leuten.
Beeindruckend sind deine Zeilen über den "Schrei des Mädchens". Viele Menschen wird es geben, die Dinge aus der Zeit niemals vergessen. Mein Papa kam schwerverwundet aus dem Rußlandfeldzug wieder, aber er war da...
Einen guten Sonntag wĂĽnscht Dir Heidemarie-Heidekind.
Und viel Erfolg hier und bei allem, was Du machst.

__________________
Heidekind-Heidemarie
(e-mail-Adr.: Rh95@aol.com)

Bearbeiten/Löschen    


andreas mĂĽller
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

Werke: 3
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um andreas mĂĽller eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hi Sanne!

nett, dass dir die Geschichte gefällt. Wenn ich sie mir jetzt nach einiger Zeit nochmals durchlese, fällt mir das "Fressen und gefressen werden" auch auf. Interessant, was Lesern auf einen Text einfällt! Ich wollte damit eigentlich eher das Problem mit der Unfähigkeit der Durchsetzung des freien Willens gegenüber der Tradition und ihren Folgen darstellen. Oder dem Unterschied von Befriedigung eines Bedürfnisses und den Folgen der Befriedigung angeblicher/falscher Bedürfnisse (und dem Erkennen derer). Hm, sorry, aber kann es beim besten Willen nicht genauer erklären. Ich glaube, ist auch nicht so wichtig, solange der Betrachter einen Nutzen in der Geschichte sieht.

Einen post erhält man wohl für jeden Beitrag und jede Antwort die abgegeben werden, denke ich mal.

GruĂź
andreas

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!