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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Mitten in der Nacht
Eingestellt am 19. 03. 2005 16:27


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storyteller
Analphabet
Registriert: Mar 2005

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Mitten in der Nacht

Ich bin m├╝de. Ich bin so m├╝de, dass ich zu m├╝de bin, um einfach ins Bett zu schlurfen. Geschweige denn zu gehen. Aufrecht schon mal gar nicht mehr.
Ich stelle mir vor, ich stehe auf. Ganz langsam. Ich ├Âffne f├╝r einen Moment die Augen, um mich zu orientieren. Dann will ich mich bewegen, mich aufraffen und schaffe es auch. Mehr oder weniger. Ich setze einen Fu├č vor den anderen und f├╝hle mich unendlich schwer. Wer hat mir nur diese Gewichte auf die Schultern gelegt? Ich habe dieser dr├╝ckenden Last nichts entgegenzusetzen und klappe nach vorne.
Aber ich falle nicht vorne ├╝ber. Ich bin zu m├╝de um zu verstehen, dass ich jetzt wohl vorne ├╝ber auf den Boden fallen m├╝sste. Auch wenn ich ja nur in Gedanken fallen w├╝rde, ja nur in Gedanken aufgestanden bin und gerade mal einen Fu├č vor den anderen gesetzt habe.

Gedanken, Gedankenfetzen, die lautlos vorbeischauen. Ich sehe Bilder, kann sie nicht festhalten. Schon sind sie wieder weg. Sie verfl├╝chtigen sich nicht, sondern sind einfach nicht mehr da. Habe ich sie mir nur eingebildet? Neue Bilder, neue Gedanken und ich habe keine wirkliche Kontrolle ├╝ber sie.
Die M├╝digkeit, meine M├╝digkeit, stellt sich mir in den Weg. Die Gedanken kommen unaufgefordert, fragen nicht erst, ob sie erw├╝nscht sind. Sie halten es offenbar nicht einmal f├╝r n├Âtig, mit mir ins Gespr├Ąch zu kommen. Wortlos sind sie. Und auch schon wieder weg.
Ich bin noch da. Und diese M├╝digkeit auch. Wir sind ein gutes Team. Wenn ich mich einmal leer f├╝hle, kraftlos bin, dann steht mir meine M├╝digkeit bei. Darauf ist Verla├č und ich l├Ąchele.

Ich l├Ąchele ihr zu. Zum Abschied. Denn nun hat die M├╝digkeit ihres dazugetan, dass ich jetzt schlafen werde. F├╝r jetzt r├Ąumt die M├╝digkeit ihren Platz. An ihre Stelle r├╝ckt der Schlaf. Aber irgendwann wird sie wieder da sein. Meine M├╝digkeit. In der Zwischenzeit werde ich schlafen, aufwachen, aufstehen, essen und trinken, dies und das machen, erleben, sehen und f├╝hlen. Und dann wird sie wieder da sein. Mal mehr, mal weniger. Vielleicht auch nur mal auf einen Sprung. Zwischendurch. Aber auf die M├╝digkeit ist Verla├č. Ein stiller Begleiter.

W├Ąhrend ich dies schreibe, sehe ich kurz auf die Uhr. Sie tickt. Es ist mitten in der Nacht. Der Mond steht weit oben am Himmel und leuchtet warm. Ein sch├Ânes Bild. Und dennoch.
Ich w├╝rde jetzt viel lieber schlafen. Endlich einschlafen. Ich hatte ├╝berlegt, wenn ich ein wenig schreibe, dann werden mir die Augen schon bald zufallen. Und sie fallen mir auch zu. Nur, schlafen kann ich immer noch nicht.
Ich schreibe nicht, an Schlaf ist nicht zu denken. Im Gegenteil. Ich sehne mich nach Schlaf. Nur, die M├╝digkeit m├Âchte wohl selbst noch ein wenig l├Ąnger verweilen. Und so leiste ich ihr Gesellschaft. Mitten in der Nacht.

Gro├če, dicke Wolken ziehen hoch oben am Mond vorbei. Der Wind l├Ąsst nach. Der Zug der Wolken ger├Ąt ins Stocken und sie versperren die Sicht auf den Mond. Mir kommt in den Sinn, was dem Mond die Wolken, das ist mir meine M├╝digkeit. Unaufgefordert bleibt die M├╝digkeit und ich verbringe hier unten zusammen mit ihr die Nacht.

Aber ich bin zuversichtlich. Irgendwann wird sich die M├╝digkeit schon zur├╝ckziehen. Und dann werde ich mich schlafen legen. Ich schaue auf die Uhr. Oder ich werde dann aufstehen. Aufstehen m├╝ssen. Und mit mir zusammen dieses Verlangen nach Schlaf. Und irgendwann am Tage machen wir es uns dann gem├╝tlich. Nur der Schlaf und ich.

Doch jetzt widme ich mich erst einmal wieder meiner M├╝digkeit. Ich habe ihr eben vielleicht zu sehr geschmeichelt, dass sie mich jetzt gar nicht loslassen m├Âchte. Ich schmunzele. Vielleicht zahle ich es ihr heim. Ich werde Kaffee trinken. Einen Becher nach dem anderen. Und so die M├╝digkeit vertreiben. Zumindest vor├╝bergehend.

┬ę 2005 Ralf Weidel

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We'll pick up Hazy Davy and Killer Joe and I'll take you all out to where the gypsy angels go

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