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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mitternacht
Eingestellt am 21. 01. 2001 19:20


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tstauder
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

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Mitternacht ist vorbei. Der funkelnde Himmel spannt sich ├╝ber die Welt. Im Spiegel des Mondes tanzen Silberstrahlen mit dem Rauschen, das die Nacht erf├╝llt. Ein Bach m├╝ndet in den See. Das gleichm├Ą├čige Pl├Ątschern beruhigt. Kein st├Ârendes Ger├Ąusch ist zu h├Âren, als das Knacken des grauen Schotters unter den F├╝├če. Ein leiser Windhauch zieht am Jungen vorbei und haucht mit seinem frischen Geist die Bl├Ątter zu leben. Sie winken ihm aufgeregt zu. Er freut sich ├╝ber ihre Geste und l├Ą├čt seine Gedanken forttragen zum gelebten Abend. Der Blick verliert sich in der Nacht, sie umh├╝llt ihn g├╝tig, schenkt ihm Ruhe. Am Ufer angelangt bemalt der Mond sein Gesicht mit kaltem Silber. Er b├╝ckt sich, sieht eine blasse Verzerrung, f├Ąhrt mit dem Zeigefinger darauf zu. Gleichm├Ą├čige Kreise ziehen sich weit in die Dunkelheit hinein und fl├╝stern. Trau dich. Noch in seinen Tr├Ąumen gefangen, h├Ârt er nicht. Trau dich, ruft es ├╝ber den See und silbrige Wesen leuchten ihn an. Die Sch├Ânheit der Tiefe lockt im Rausch, pl├Ątschert begehrend, ber├╝hr mich. Verzaubert h├Ârt er die Stimme. Seine Hand verschwindet in der k├╝hlen Verf├╝hrung. Erfrischt zieht er sie zur├╝ck. Ber├╝hr mich, ruft der Wind ruhig aus der Ferne und schickt ihm einen Hauch Liebkosung. Das junge Leben gleitet ins Element, treibt geblendet, lacht und schwebt. Gekr├Ânt mit den Kostbarkeiten des Mondes, umschw├Ąrmt von den lieblichsten Gestalten genie├čt er den Augenblick. Seine W├╝nsche sind in die Tiefe entschwunden. Gl├╝cklich badet der Junge sich im Silber. Und die Stimme ber├╝hrt sein Ohr. Tauch in meine Welt. Sink hinab in das Reich des Vergessens, in die Arme deiner Sehns├╝chte. Der Wind bl├Ąst kalte Nacht ins Gesicht. Die Schatten am Ufer sind weit entfernt. Verstecken sich hinter den B├Ąumen. Sanfte H├Ąnde ziehen best├Ąndig an den Beinen, umschlingen den Hals, ber├╝hren den blauen Mund. La├č Dich fallen. La├č mich ein. Die H├Ąnde krallen sich an die F├╝├čen, zerren mit Geduld. Sein Herz erkennt die Gefahr. Auf einen gro├čen Baum richtet er seinen Blick. Dessen ├äste h├Ąngen traurig ├╝ber der Wasseroberfl├Ąche. Gezielt schwimmt er darauf zu. Er versucht seinen Muskeln die M├╝digkeit zu verbieten. Die ganze Konzentration gilt der n├Ąchsten Bewegung. Wiederholt rei├čt er seinen Arm hoch und wirft ihn nach vorne. Seine Beine sind so schwer. Wie lange willst du dich noch verwehren. Das Ziel ist in Reichweite. Ein Fu├č streift einen Ast der in der Tiefe gefangen ist. Bald ist der Baum am Ufer erreicht. Die Muskeln m├╝ssen einen Augenblick rasten. Siegessicher begehrt der Feind Einla├č. Der Tot l├Ąchelt beim ersten und lacht beim zweiten Hilfeschrei. Was macht es wenn die Stille f├╝r einen Moment durchschnitten wird? Sie kehrt unaufhaltsam wieder. Es klingt fast l├Ącherlich, doch der ├ťberlebenswillen des Jungen lie├č ihn die letzten Meter ├╝berwinden oder war es ein Wesen des Sees, das Mitleid mit ihm empfunden hat? Schnaufend und mit schwindligem Kopf kniet er am Ufer. Das Dunkel verschluckt jeden seiner schweren Atemz├╝ge. Langsam wird ihm bewu├čt, welcher Gefahr er entronnen ist. Es ist wunderlich, da├č er keine Panik versp├╝rt hat. Im Kampf hat er ganz die Angst vergessen. Erst jetzt wird ihm bewu├čt, wie nahe der Tod ihm gewesen war. Ein Windsto├č bl├Ąst ihn in die kalte Gegenwart. Ersch├Âpft macht er sich auf den Weg zum anderen Ufer, wo in einem Geb├╝sch seine Kleider warten. Er l├Ąchelt und denkt an die alten Geschichten, wo der Spitzbub den Tod austrickst. Irgendwie f├╝hlt er sich stark. So leicht bekommst du mich nicht. Er macht sich eilig auf den Nachhauseweg. Der See liegt nicht weit au├čerhalb vom Dorf. Die Schatten hinter den B├Ąumen kommen ihm aber etwas dunkel vor. Und Ger├Ąusche vernimmt er, die ihm zuvor nicht so aufgefallen waren. Doch Angst hat er keine und den See durchschwimmen wird er in Zukunft wohl auch nicht mehr. Das scheint mir sicher. Geschafft l├Ą├čt er sich in sein Bett fallen. Ganz leise, wie ein Dieb, hat er sich ins schlafende Haus geschlichen.
Erleichtert denkt er an den Abend und was ihm alles begegnet ist. Im Nachbardorf war er auf dem Ball und hatte dort wunderbar getanzt. Sie hatte eine so liebe Stimme. Fl├╝sterte der Wind nicht mit derselben Stimme?
Im Schlaf h├Ârt er nicht. Nimm dich in acht. Seine Mutter schaut durch die spaltweit ge├Âffnete T├╝r. Einen schwerm├╝tigen Seufzer gibt sie von sich.



__________________
Thomas

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Ralph Ronneberger
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Autor mit eigener TV-Show

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Hallo Thomas,

nach einiger Zeit bin ich wieder mal dabei, die Kurzgeschichten zu durchforsten. Da ich noch nicht ganz durch bin, kann ich auch noch nicht behaupten, da├č sie die beste der letzten 14 Tage ist. Aber sie ist verdammt gut. Und es tat auch verdammt gut, sie zu lesen. Gl├╝ckwunsch.

Gru├č Ralph
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connor
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Hallo Thomas.

Mir hat Deine Geschichte auch sehr gut gefallen.
Vor allem im ersten Teil fesselte mich Deine bildhafte Beschreibung.

Beste Gr├╝sse
connor

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tstauder
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

Werke: 46
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Lieber Ralph, lieber connor

Ich bin positiv ├╝berrascht.
Danke f├╝r Eure lobenden Worte.

Gr├╝├če
Thomas

__________________
Thomas

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