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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mittwochs Richtung Donnerstag
Eingestellt am 28. 11. 2002 22:04


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kio
Autorenanw├Ąrter
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„Betreten verboten“. Grell sprangen mir die roten Buchstaben auf wei├čem Hintergrund entgegen. Ihre Farbe passte exakt zu der Schranke, auf der das Schild angebracht war. Wei├č, rot, wei├č, rot, wei├č.
Ganz unspektakul├Ąr und geradezu allt├Ąglich hatte der Tag angefangen: Tee, Zeitung, M├╝digkeit. Wieder einmal zuviel Aufmerksamkeit an Unbekannte, die fast jede Zeitungsseite f├╝llten, verschenkt. Ihren Bildern, Diskussionen, Machtgeilheiten konnte man nicht entkommen. ├ťberfl├╝ssige Kommentare ├╝ber ├╝berfl├╝ssige Themen. Schon am n├Ąchsten Tag w├╝rde sich niemand daran erinnern. Ein leichter Hauch von Zynismus str├Âmte nach der letzten Seite durch den kahlen Raum, dessen wei├čgekalkte W├Ąnde keinerlei Schwarz zulie├čen. Niemals, nicht an diesem Mittwoch und schon gar nicht am Donnerstag. Es roch nach frischer Farbe. Wei├č und ├Ątzend machten sie meiner Nasenschleimhaut schwer zu schaffen. Nur noch ein Spaziergang konnte hier Abhilfe schaffen. Die T├╝r schlo├č ich ohne jegliches Bedauern hinter mir zu.
Ich musste l├Ącheln, als mir der wei├čgekalkte Raum, den ich nun mit Ignoranz und Einsamkeit bestrafte, in den Sinn kam. Warum musste er auch soviel Wei├čheit verstr├Âmen, die nur noch blankes Entsetzen verursachte? Warum lie├č er kein Schwarz, kein Gelb, kein Gr├╝n zu? Keine Pastellfarben, die jeden Raum mit W├Ąrme f├╝llen w├╝rden? Doch schon kurz danach w├Ąmte mich die Sonne mit ihren sp├Ątherbstlichen Strahlen. Waldgeruch, der Duft von eben gefallenen Bl├Ąttern, befreites Durchatmen. Herbstlaub, das unter den Stiefeln raschelte, Lichtstrahlen, die sich zwischen den Baumwipfeln brachen, in den herrlichen Geruch eindrangen und Befreiung verhie├čen. Eine Lichtung, in der sich sanfter Nebel mit Sonnenstrahlen vermischte f├╝hrte zu einem verborgenen See. Die Nebelschwaden wurden dichter. Dort lag es. Ein Boot, einsam, verlassen und es schien mich einzuladen.Dankend nahm ich an, bestieg es, fuhr den Anker ein und fing an zu rudern. Langsam, bed├Ąchtig. In der Mitte des Sees wurden die Nebelschwaden undurchsichtig und wenn ich heute daran denke, packt mich die nackte Angst und schreit Umkehr. Doch an diesem Nachmittag im November war es anders. Ich wurde immer ruhiger, wusste ich doch, dass, wenn die Mitte des Sees ├╝berschritten war, der Weg zum Ufer unter 50 % betrug. Und genau so war es dann auch. Langsam legte ich die Ruder nieder, genoss einen kurzen Augenblick den Anblick des Ufers. Die Sonne stand schon tief, doch an jenem Tag gab es keinen R├╝ckweg mehr.
An der anderen Seite angekommen, blickte ich hungrig in meinen Rucksack. Er barg noch ein St├╝ck bitterer Schokolade, das ich langsam auf der Zunge zergehen lie├č. Rascheln. Erschrocken blickte ich in die Richtung, aus der das Ger├Ąusch gekommen war. Nochmals, diesmal leiser. Mutig, fast tapfer dr├Ąngten meine H├Ąnde die Grashalme am Schilfg├╝rtel des Sees auseinander. Ein schwarz-wei├č gestreiftes, wolliges Ding blickte mich aus dunklen Augen an. Mit einer Mischung aus Neugier und Angst stammelte ich nur noch „You are a gremlin?“......“Ah noi, mir sind doch hier im Schwarzwald, da gibt’s koine Gremlins.“ Erleichterung. Logisch, wie soll’s hier auch phantasieerschaffene Hollywoodpuschel geben? Sanft und z├Ąrtlich streiften meine H├Ąnde ├╝ber das weiche, schwarz-wei├če Fell. Der Himmel verdunkelte sich, ein grell-gelber Blitz fuhr durch das pl├Âtzliche Schwarz und ein wundersch├Âner, junger Mann stand vor mir. Er sch├╝ttelte die restlichen Grashalme aus seinem dunkelblonden Schopf. Seine Stiefel reichten bis kurz unter die Knie, m├╝helos watete er durch den morastigen Schilfg├╝rtel und kam an das trockene Ufer. Etwas verlegen blickten wir uns an. Mir war hei├č, die Wangen tiefrot ├╝ber das eben Geschehene. Schweigend nahm er meine Hand und wir gingen weiter. Das Rascheln des Laubs h├Ârte sich unter 2 Stiefelpaaren noch magischer an, als zuvor. Die Sonne verschwand immer mehr hinter dem Horizont.
Doch der Waldweg nahm ein abruptes Ende durch besagte Schranke.
Zu zweit standen wir davor. Sp├Ątnachmittag im November. Die D├Ąmmerung war hereingebrochen. Vielleicht w├Ąre mit dem Wissen, dass diese Schranke pl├Âtzlich und unvermutet auftauchen w├╝rde, der Tag vollkommen anders verlaufen.
Ein dicker Klo├č machte sich in meinem Hals immer breiter. Mutierte zu einem b├Âhmischen Kn├Âdel, der sich quer zu legen schien. „Betreten verboten“. Eine kleine Laterne erhellte inzwischen die Buchstaben. Rechts und links, sogar drunter k├Ânnte man vielleicht vorbeikommen. Doch wieviel ├ťberwindung w├╝rde es wohl kosten?
Eine etruskisch anmutende Festung lag vor uns. Die Auffahrt mit dunklen Pinien und Akazien bepflanzt. Ich schlo├č die Augen und sah die Hinterseite des Geb├Ąudes direkt vor mir. Rosenges├Ąumte Kaskaden. Eine wei├č-marmorierte Bank unter wucherndem Efeu.
Unschl├╝ssig, fr├Âstelnd standen wir immer noch vor der Schranke. Die Dunkelheit war inzwischen hereingebrochen und nur noch die Sichel des abnehmenden Mondes tauchte die Festung in gespenstisches Licht. Ein K├Ąuzchen sang sein trauriges Lied.
„Ob es wohl W├Âlfe im Schwarzwald gibt? Nun ja, nachdem es keine Gremlins gab, w├╝rde es wohl auch keine W├Âlfe geben." Beruhigt suchte ich Blickkontakt zu dem Unbekannten, mit dem ich trotz unserer Wanderung noch kein Wort gewechselt hatte und sah, dass er rechts an der Schranke vorbeiging und in der Dunkelheit verschwand „Aber das Schild....“ wollte ich schreien, doch der Kn├Âdel lie├č keinen Laut ├╝ber meine Lippen kommen.
Allen, noch vorhandenen Mut sammelnd, ging ich geradewegs
links an der Schranke vorbei, tauchte in das Nachtlicht ein. Der Weg war ├╝berraschend gerade. Fast m├╝helos fand ich mich in der Dunkelheit zurecht, ging an der Festung auch links vorbei und sah ihn schon von Weitem unter dem Efeu sitzen. Der Mondschein tauchte sein Gesicht in ein sanftes Licht und er blickte in den sternenklaren Nachthimmel.
Schweigend setzte ich mich zu ihm. Als die letzte Sternschnuppe in dieser Nacht vergl├╝hte war es Donnerstag.
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so einfach, wie m├Âglich, aber nicht einfacher. A. Einstein

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