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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Mjölk
Eingestellt am 13. 03. 2016 13:43


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Rob Kenius
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27.03.2016 Bearbeitung nach den sehr konstruktiven Vorschlägen von Aina.


Mjölk

Das besondere Grün der Schilf-Halme an den seichten Stellen des Sees wirkt blass vor den hohen Pappeln und vor dem Ufergras der Insel. Dazwischen spiegelt sich im Wasser das Blau und Weiß des Frühlingshimmels. Der Wind bläst alles durcheinander und treibt sein Spiel mit den Haaren der Mädchen, die am Ufer auf irgendetwas warten.
Drei junge Männer sind gerade mit einem Auto angekommen.
Einer von ihnen scheint sich hier auszukennen. Von der Straße aus geht es über einen schmalen Weg hinunter bis zu dem Blockhaus auf halber Höhe der Ufer-Böschung. Unmittelbar neben dem Haus wächst eine riesige, dunkelgrüne Fichte, die das Blockhaus fast erdrückt.
Jan geht vor und winkt den Mädchen am Seeufer zu.
Begrüßung, Händeschütteln und Freundschafts-Küsse.
„Das hier sind Ben und Tobby.“
„Das sind Jenny und Myriam.“
„Und wer ist das?“
„Das ist Ricarda.“
„Jo.“, sagt Jan.
„Das ist Jan.“
„Oh.“

Die Tür des Blockhauses steht offen, sie führt direkt in ein großes Wohnzimmer mit drei Fenstern, mit einem Holztisch, einer Bank, ein paar Stühlen und an der rechten Seite ein offener Kamin. Gegenüber dem Eingang gibt es winzige Nebenräume: Ein Schlafzimmer mit Etagenbetten und die Küche mit einem Gaskocher. Auf wenigen Quadratmetern alles, was in den Ferien nötig ist. Im Haus gibt es keine Elektrizität, also auch kein Fernsehen, keine Computer, nur tragbare Musikgeräte und Handys, solange die Akkus reichen.
Jan, der schon einmal hier war, geht gezielt voran und beginnt, Feuer im Kamin anzuzünden. Die Mädchen machen Tee. Sie trinken aus dicken, gelben Keramiktassen, dazu Honig, Gebäck, Tabak und gerade nach Dänemark eingeschmuggeltes Gras. Reden in drei Sprachen: dänisch, deutsch und englisch. Lachen, Erinnerungen, Neuigkeiten, wilde Musik aus winzigen Lautsprechern, Blicke aus dem Fenster über den See, Blicke auf neue Gesichter und in neugierige, grüne Augen.
Myriam und Jan kennen sich schon vom vorletzten Jahr, da hatten sie tagelang am Strand gelegen und herumgeknutscht, bis die Ferien vorbei waren. Sie ist ein sehr hübsches und stolzes Mädchen und ist sich ihrer Wirkung auf die jungen Männer voll bewusst. Das gilt nicht nur für Jan, sondern auch für Tobby und Ben, die beiden Freunde, die Jan zum ersten Mal mitgebracht hat. Tobby ist der Besitzer des flotten Autos, mit dem die drei über Rostock nach Dänemark gekommen sind.
Jenny hat eine deutsche Mutter. Sie spricht die Sprache perfekt und versucht den Freunden beim Essen etwas dänisch beizubringen. Doch die Aussprache ist kaum zu lernen, was zu viel Gelächter führt.
Schließlich nimmt Myriam eine dieser gelben Keramiktassen, deren Rand so dick ist wie ihre eigenen Lippen, sie füllt die Tasse mit Milch, sie trinkt einen kräftigen Schluck und sagt:
„Mjölk.“
So, als würde sie dabei einen Schluck Milch wirklich herunterschlucken. Mjölk. Das ist gute dänische Milch. Ein Wort, ein Schluck und jeder weiß es. Auch Tobby und Andy nehmen einen Schluck.
„Mjölk“, wiederholen sie.
„Ja, klasse!“
„Und skal.“
„Prost. Mjölk.“

Ricarda spricht fast nur dänisch, ihr rundes, gleichmäßiges Gesicht bleibt im Hintergrund, Ihre Haare sind zu dicken Zöpfen geflochten und um den Kopf gewickelt, Sommersprossen überall. Sie lächelt jedes Mal, wenn Jan sie anschaut, aber vielleicht lächelt sie jeden so an. Ihr Gesicht sieht aus, als wäre es aus einem flämischen Gemälde herausgeschnitten. Sie ist nicht zierlich gebaut, aber Ihre Person scheint hinter dem Lärm der beiden Freundinnen zu verschwinden.
Ricarda taucht ein in die Atmosphäre dieses Tages, scheint in der Landschaft mehr heimisch zu sein als alle anderen. Und als die Abenddämmerung kommt, wirkt ihre Erscheinung fast unsichtbar neben dem Holz der Möbel und der natürlichen Farbe der Wände. Ricarda ist nicht verschwunden. Sie hört nur genau zu und beobachtet.
Weil sie nicht alles versteht, wenn Jenny und Myriam deutsch reden, entnimmt sie aus Gesten und Körpersprache, dass Jan es auf Myriam abgesehen hat. Er zeigt das offen, aber Myriam reagiert nicht wie eine begehrte Frau. Sie will in erster Linie hübsch aussehen und gut abschneiden und verspinnt sich in mädchenhafter Gefälligkeit gegenüber Jan und allen anderen.

Jan hat ein helles, männliches Gesicht und lange, schwarze Haare. Seine Bewegungen sind kraftvoll, ohne sportlich zu wirken. Myriam spiegelt sich lachend in seinen großen, braunen Augen.
Ricarda beobachtet und hält sich zurück, aber sie sieht den jungen Mann mit anderen Augen an als Myriam: Ein suchender Vogel auf dem Durchflug, ein unverhofft erblühter Strauch im reichhaltigen, erotischen Garten Dänemarks.

Am Ende des Tages sitzen sie dann alle im Kerzenlicht und schweben hinüber in den lang gezogenen nordischen Sonnenuntergang. Die Mädchen wollen schließlich nach Hause. Alles drängt sich zur Straße, wo das Auto steht. Jan ist beim Abschied unzufrieden mit Myriam, die das aber nicht zu merken scheint. Sie küsst ihn nicht zum Abschied und er steigt nicht mit in den Wagen. Die beiden anderen Jungs bringen die Mädchen mit dem Auto zu ihren Eltern.

Langsam schlendert Jan hinunter zum Blockhaus, er geht auf den Kamin zu, um dickes Holz für die Nacht auf das Feuer zu legen. In seinem Kopf rotieren Erinnerungen und Gesichter und der sprechende Mund von Myriam, als sie Mjölk sagte.
Er schaute durch das Fenster, um den letzten Widerschein der untergegangenen Sonne noch zu sehen. Neben dem Fenster stand ein breiter Lehnstuhl aus Kiefernholz, und in diesem Stuhl sah er auf einmal Ricarda noch sitzen. Sie saß da mit offenen Augen, fast unsichtbar in der tiefen Dämmerung. Jan wunderte sich, dass sie noch da war und auch, dass er sich nicht über sie erschrocken hatte. Den ganzen Tag schon war ihm ihr Gesicht und ihr Blick aufgefallen. Daran erinnerte er sich jetzt. Jedes mal, wenn er in ihre Richtung blickte, schaute sie im gleichen Augenblick zurück, aber direkt miteinander geredet hatten sie bisher noch nicht.
„Hei“, sagt sie jetzt und dann reden sie englisch weiter, weil sie kein deutsch und er kein dänisch versteht.
„Kann ich noch hierbleiben?“
„Natürlich, warum nicht? Es ist nicht dein, aber auch nicht mein Haus. Wie heißt du?“
„Hast du das schon vergessen? Ich heiße Ricarda, willst du Tee trinken?“
Dass die Antwort "ja" lauten würde, schien sie zu wissen. Sie räumte ein wenig den Tisch auf und brachte Tee aus der Küche, ohne dort Licht zu machen, dann setzte sie sich neben Jan auf die Holzbank. Jetzt aus der Nähe erkannte Jan, dass sie älter war als die anderen Mädchen, sie sah aus wie eine junge Frau und sie benahm sich auch so.
„Wo wohnst du?“ fragte er etwas ungeschickt.
„Ich schlafe in meinem Boot.“
„In einem Boot?“
„Ja, ich habe ein Kanu, es liegt draußen im Schilf.“
„Das kann ich kaum glauben.“
„Ich zeig's dir. Morgen.“
Sie sagte das Wort „morgen“ nicht nur wie das Versprechen, ihm morgen das Boot zu zeigen, er verstand plötzlich, es war auch ein Versprechen für die kommende Nacht.
Eine tiefe Gewissheit durchströmte den jungen Mann vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Er sah nur noch ihre Silhouette, er roch ihren Körper; denn sie hatte keinerlei Parfüm an sich, er schaute in ihr ungeschminktes Gesicht voll von Sommersprossen, das in der Dunkelheit so groß vor ihm stand wie ein neuer, unentdeckter Kontinent.

Ricarda goss Tee in die gelben Keramik-Tassen und sie tranken schweigend. Sie bewegte sich in dem Haus, als sei es ihr eigenes. Sie ging in das kleine Schlafzimmer und schaute nach, wie es dort aussah, dann kam sie zurück, stellte sich vor ihn hin und legte einfach ihre beiden Arme um seinen Nacken.
Jan war verwirrt, aber sie gab ihm gleichzeitig eine enorme Sicherheit und ein Gefühl der Männlichkeit. Irgendwie war bei ihr alles, was sonst so schwierig ist, ganz einfach.
Das wusste sie schon und sie zog ihn an den Händen von der Bank, ihre Körper berührten sich wie der See und die Landschaft draußen, wie die Insel und das Schilf. Das Licht war spärlich. Jan nahm die einzige brennende Kerze vom Tisch, ging in das winzige Schlafzimmer und stellte die Kerze dort auf die Fensterbank. Sie ließ ihn gewähren, sie kam und setzte sich auf das Bett und zog ohne Hast ihre Bluse aus, und dann die Cordhose.
Ricarda saß da und wartete, bis er seine Scheu vor der Eindeutigkeit dieser Situation überwunden hatte. Langsam löst sie die zusammen gerollten Zöpfe auf ihrem Kopf und begann damit, die Haare aufzuflechten. Jetzt endlich dachte er daran, seine dreckigen Turnschuhe loszuwerden.
Er nutzte einen Moment, wo sie mit beiden Armen und gesenktem Kopf in ihren Haaren wühlte und zog sich mit der größtmöglichen Selbstverständlichkeit seine Jeans aus, dann das Sweatshirt, dann mit einem männlichen Ruck den Rest der Kleidung und legte mit leichtem Zittern seine Arme um sie. Sie fühlte sich so an, wie die Frau, die für ihn da war. Er konnte sich keine andere Haut, kein anderes Haar, keine andere Stimme und keinen anderen Körper vorstellen.
Da war Ihr Geruch, die Decken auf dem Bett, das Licht der Kerze, seine eigenen Arme und Beine, seine vorsichtigen Bewegungen und die Hände. Er tastete nach dem Verschluss ihres Oberteils.
Sie wand sich selbst aus der Hülle wie eine zufriedene Schlange, und bot ihm die nackte gesprenkelte Haut ihrer sanften Brüste und die vollen Schenkel. Über das Kissen wogten ihre Haare, deren Farbe in diesem Licht nicht mehr zu erkennen war, dann kamen seine Küsse und seine Zunge schob sich vor, der harte Druck seiner Männlichkeit berührte sie.
„Nimm ein Gummi“, flüsterte sie ihm ins Ohr, und er gehorchte ihr. Es ging leicht, weil sie ihm dabei half. Danach presste sie seinen Körper noch enger an sich, um ihn neu zu erregen, sie öffnete ihre Beine, so weit es ging, in dem schmalen Bett.
„Es ist gut“, sagte sie tief atmend. Und sie sagte auch einige dänische Worte, die er nicht verstand.
Jan konnte nicht sprechen, aber er fühlte sich in ihr so sicher wie noch nirgendwo sonst. Er wollte an nichts mehr denken als an diese Bewegungen, die immer harmonischer wurden. Sie stöhnte und steuerte langsam auch seinen Körper. Sie wurden ein Gefühl, ein Mann und eine Frau in der nordischen Nacht. Keine Gedanken, fast kein Licht, kein Geräusch außer ihnen selbst.
„Ich wusste es“, stöhnte sie, „ich wusste es.“ Dann übernahm sie das Spiel ganz und brachte sich mit seiner Hilfe zum Höhepunkt.

Als die Freunde mit dem Auto zurückkehrten, waren Ricarda und Jan auf dem Feldbett schon eingeschlafen. Die beiden anderen hatten ein paar Flaschen Bier mitgebracht, später machten sie die Fensterläden von außen dicht, damit es am nächsten Tag nicht zu früh hell würde.

Ricarda wurde als Erste wach und stand gleich auf. Als Jan sie festhalten wollte, sagte sie:
„Ich komm zurück. Ich will dir ja mein Boot zeigen. Dann fahren wir zur Insel.“
Sie kam erst gegen Mittag wieder, als die Feriengäste schon längst aufgestanden waren, und als die unvermeidlichen Eifersüchteleien zwischen den drei jungen Männern sich geklärt hatten. In der Küche konnten sie nicht viel fürs Frühstück finden, nur Tee und Marmelade und etwas Weißbrot, doch die Stimmung war gut.
„Heij“, sagte Ricarda, als sie durch die Tür kam. Jan und seine beiden Kumpels stellten erfreut fest, dass sie eine prall gefüllte Tragetasche aus dem Supermarkt bei sich trug.
„Das ist Ricarda“, sagte Jan überflüssigerweise.
Ricarda packte ihre Tasche aus und stellte die Sachen auf den langen Tisch: Sahne und Zucker, frische Erdbeeren und sogar Flaschenbier, das die Dänen Öl nennen. Aber nicht Öl wie Oliven-Öl, sondern Öhl, mit einem ganz offenem Ö. Die Lippen werden dabei so weit geöffnet, dass der Hals einer Bierflasche hineinpasst. Sie amüsierten sich über Sprech- und Trink-Versuche und praktizierten zweites Frühstück zu viert.




„Ich will mit Ricarda gleich im Kanu bis zu der Insel fahren, draußen im See.“ So kam Jan vorsichtig mit der Sprache heraus.
„Das ist cool, wir gehen inzwischen die Girls holen.“, meinte Tobby.
„Bringt noch was zum Abendessen mit!“

Ricarda hatte am Ufer eine lange Stange mit einem Haken versteckt. Damit zog sie ihr Boot aus dem Schilf. Jan war ziemlich überrascht, irgendwie hatte er ihr doch nicht ganz glauben wollen. Das Kanu war groß genug für zwei oder drei Personen, sie hatte es mit einer Plane abgedeckt und darunter befand sich all das, was andere Leute im Sommer in ihren Camping-Zelten haben: Gaskocher, Schlafsack und mehrere Decken.
„Ich bin noch nie mit so einem Kanu gefahren.“, sagte er verlegen.
„Komm, ich zeig's dir.“
Sie drückte ihm das eine der beiden Paddel in die Hand und ließ ihn vorne ins Boot steigen.
„Du musst genau das machen, was ich mache. So eintauchen und ziehen und jetzt zur Seite drücken. Lass mich steuern, da drüben ist die Insel.“
Das Kanu schob sich langsam durch das tiefere Wasser, zuerst im Schlingerkurs, bis in das kalt-grüne Schilf. Die weit heraus ragenden Halme streiften das Boot, streiften Paddel und die Arme der Rudernden. In der Nähe der Insel kam der Kiel des Bootes auf den weichen Untergrund und brachte das Boot zum Stehen. Es schaukelte bei jeder Bewegung, vor allem, als Jan sich vorsichtig aber ungeschickt zu Ricarda herumdrehte und sich dann schnell wieder hinsetzte. Ricarda legte ihr Ruderblatt aus der Hand und lachte mit unendlicher Offenheit, während sie schräg in die Sonne blinzelte.

„Da ist unsere Insel.“
„Sie ist nicht groß.“
„Nein, sehr, sehr klein.“

Dann beugte sie sich vor; sie kniete im Boot und küsste ihn auf die Lippen. Jan ließ sich fast ohne eigenen Willen nach hinten gleiten. Der Boden im Kanu war bedeckt mit Decken und Kissen und mit der zusammengefalteten Abdeck-Plane. Er lag einfach da auf dem Rücken und schaute aus der Froschperspektive in den Himmel, der von Schilf und Ried begrenzt wurde. Er hatte keine Ahnung, was geschehen würde. Ricarda hatte ihn völlig in der Hand, sie war die Kapitänin und würde ihm zeigen, wo das Paradies des Nordens ist. Es war ihr Boot, ihr See, ihre Insel, ihr Sonnensystem und vor allem ihr duftend weiblicher Körper in Balance mit dem Wasser und Jans Gefühlen.

Sie agierte in der vollen Sonne, aber wie im Traum, oder war es ihr Film? Nein, es war kein Film und auch kein Traum, es war ihre Welt. Aus diesem Blickwinkel war alles eine Einheit: Der Himmel, die Sonne, das Wasser, das dichte grüne Schilf und der unerfahrene junge Mann im Kanu. Traum und Wirklichkeit vereinigt in einem Frauenkopf mit mandelförmigen, wassergrünen Augen, mit langen rotblonden Haaren und zielbewussten Bewegungen auf kleinstem, schwankendem Raum.
Sie hatte die Haare an diesem Morgen zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und löste mit einer Hand die Spange. Die Haare fielen über ihre Schultern und über ihr Gesicht nach vorne, über seine Brust und bis auf die Hüften. Und dann merkte er, dass sie hinter ihren Haaren wie hinter einem Vorhang den Gürtel seiner Hose öffnete. Sie machte es so, als sei es ihre eigene Gürtelschnalle. Sie löste den Metallknopf, zog den Reißverschluss auf und griff mit beiden Händen hinein, suchte und tastete, bis er ganz groß und heiß wurde. Sie zog die Hose zurecht und den Slip herunter und küsste ihn, dann wanderte sie mit Zunge und Lippen weiter, schob ihn endlich ganz tief in ihren großen, breiten Mund.
Er konnte nichts von ihrem Gesicht und nichts von seinem Glück sehen, er sah nur, wie die gewellten Haare seinen Körper bedeckten, er fühlte ihre Hände und ihren Mund und er wusste, dass er groß und steif war. Er spürte ihre Lippen und ganz sanft die Zähne, sah, wie ihr blonder Schopf sich langsam auf und ab bewegte. Jan schloss die Augen, ohne sich etwas Anderes vorzustellen, als das, was geschah.
Das Boot schaukelte ziemlich heftig, sie bewegte ihren Kopf auf und ab, er fühlte ihren Mund ganz riesig, unendlich offen, dann zuckte es nach einer gewaltigen Spannung zwischen seinen Schenkeln einmal, zweimal, dreimal. Sie gab nicht nach, saugte an ihm, bis er nicht mehr konnte.

Jan keuchte, ließ sich erschöpft nach hinten gleiten und beobachtete, wie Ricarda sich stolz über ihm aufrichtete, sie strich die Haare aus dem Gesicht und schluckte, ohne ihren Gesichtsausdruck zu verändern. Dann kam sie höher, kroch über ihn und kam ganz nah mit ihrem Gesicht.
Sie schluckte noch einmal. Er umarmte sie wie ein Kind und küsste sie voll Dankbarkeit auf den großen feuchten Mund, der sich geheimnisvoll für ihn öffnete.
Ricarda lachte wieder dieses allwissende Sommersprossen-Lachen, dann berührte sie seine fragenden Lippen und sagte lächelnd:
„Mjölk.“

Als die beiden Freunde zusammen mit den Mädchen zum Blockhaus zurückkamen, war Jan nicht da. Die Jungs erzählten aber nicht alles, was sie wussten. Myriam ging schließlich nach Jan suchen. Sie wanderte hinunter zum See. Dort stand sie lange Zeit am Ufer unterhalb des Hauses und blickte über das Wasser zur Insel hin.
Ein ganz leichter Wind kräuselte die Oberfläche des Sees an den offenen Stellen. Sie runzelte ihre Stirn und versuchte mit ihren Blicken das Gebüsch und das Schilf in der Nähe der Insel zu durchdringen, aber sie konnte nichts erkennen als zwei heftig gackernde Wasserhühner, die offenbar durch irgendeine fremde Bewegung von ihrem Nest verscheucht worden waren.


Version von 2014
Entthält oben korrigierte Fehler der Rechtschreibung und Stilistik.


Mjölk

Das besondere Grün der Schilf-Halme an den seichten Stellen des Sees wirkt blass vor den hohen Pappeln und vor dem Ufergras der Insel. Dazwischen spiegelt sich im Wasser das Blau und Weiß des Frühlingshimmels. Der Wind bläst alles durcheinander und treibt sein Spiel mit den Haaren der Mädchen, die am Ufer auf irgendetwas warten.
Drei junge Männer sind mit einem Auto angekommen.
Einer von ihnen scheint sich hier auszukennen. Von der Straße aus geht es über einen schmalen Weg hinunter bis zu dem Blockhaus auf halber Höhe der Ufer-Böschung. Unmittelbar neben dem Haus wächst eine riesige, dunkelgrüne Fichte, die das Blockhaus fast erdrückt.
Jan geht vor und winkt den Mädchen am Seeufer zu.
Begrüßung, Händeschütteln und Freundschafts-Küsse.
„Das hier sind Ben und Tobby.“
„Das sind Jenny und Myriam.“
„Und wer ist das?“
„Das ist Ricarda.“
„Jo.“
„Das ist Jan.“
„Oh.“

Die Tür des Blockhauses steht offen, sie führt direkt in ein großes Wohnzimmer mit drei Fenstern, mit einem Holztisch, einer Bank, ein paar Stühlen und an der rechten Seite ein offener Kamin. Gegenüber dem Eingang gibt es winzige Nebenräume: Ein Schlafzimmer mit Etagenbetten und die Küche mit einem Gaskocher. Auf wenigen Quadratmetern alles, was in den Ferien nötig ist. Im Haus gibt es keine Elektrizität, also auch kein Fernsehen, keine Computer, nur tragbare Musikgeräte und Handys, solange die Accus reichen.
Jan, der schon einmal hier war, geht gezielt voran und beginnt, Feuer im Kamin anzuzünden. Die Mädchen machen Tee. Sie trinken aus dicken, gelben Keramiktassen, dazu Honig, Gebäck, Tabak und gerade nach Dänemark eingeschmuggeltes Gras. Reden in drei Sprachen: dänisch, deutsch und englisch. Lachen, Erinnerungen, Neuigkeiten, wilde Musik aus winzigen Lautsprechern, Blicke aus dem Fenster über den See, Blicke auf neue Gesichter und in neugierige, grüne Augen.
Myriam und Jan kennen sich schon vom vorletzten Jahr, da hatten sie tagelang am Strand gelegen und herumgeknutscht, bis die Ferien vorbei waren. Sie ist ein sehr hübsches und stolzes Mädchen und ist sich ihrer Wirkung auf die jungen Männer voll bewusst. Das gilt nicht nur für Jan, sondern auch für Tobby und Ben, die beiden Freunde, die Jan zum ersten mal mitgebracht hat. Tobby ist der Besitzer des flotten Autos, mit dem die drei über Rostock nach Dänemark gekommen sind.
Jenny hat eine deutsche Mutter. Sie spricht die Sprache perfekt und versuchte den Freunden beim Essen etwas dänisch beizubringen. Doch die Aussprache ist kaum zu lernen, was zu viel Gelächter führt.
Schließlich nimmt Myriam eine dieser gelben Keramiktassen, deren Rand so dick ist wie ihre eigenen Lippen, sie füllt die Tasse mit Milch, sie trinkt einen kräftigen Schluck und sagt:
„Mjölk.“
So, als würde sie dabei einen Schluck Milch wirklich herunterschlucken. Mjölk. Das ist gute dänische Milch. Ein Wort, ein Schluck und jeder weiß es. Auch Tobby und Andy nehmen einen Schluck.
„Mjölk“, wiederholen sie.
„Ja, klasse!“
„Und skal.“
„Prost. Mjölk.“

Ricarda spricht fast nur dänisch, ihr rundes, gleichmäßiges Gesicht bleibt ezielt im Hintergrund, Ihre Haare sind zu dicken Zöpfen geflochten und um den Kopf gewickelt, Sommersprossen überall. Sie lächelt jedes mal, wenn Jan sie anschaut, aber vielleicht lächelt sie jeden so an. Ihr Gesicht sieht aus wie aus einem flämischen Gemälde herausgeschnitten. Sie ist nicht zierlich gebaut, aber Ihre Person scheint hinter dem Lärm der beiden Freundinnen zu verschwinden.
Ricarda taucht ein in die Atmosphäre dieses Tages, scheint in der Landschaft mehr heimisch zu sein als alle anderen. Und als die Abenddämmerung kommt, wirkt ihre Erscheinung fast unsichtbar neben dem Holz der Möbel und der natürlichen Farbe der Wände.
Ricarda aber ist nicht verschwunden. Sie hört nur genau zu und beobachtet.
Weil sie nicht alles versteht, wenn Jenny und Myriam deutsch reden, entnimmt sie aus Gesten und Körpersprache, dass Jan es auf Myriam abgesehen hat. Er zeigte das offen, aber Myriam reagierte nicht wie eine begehrte Frau. Sie will in erster Linie hübsch aussehen und gut abschneiden und verspinnt sich in mädchenhafter Gefälligkeit gegenüber Jan und allen anderen.

Jan hat ein helles, männliches Gesicht und lange, schwarze Haare. Seine Bewegungen sind kraftvoll, ohne sportlich zu wirken. Myriam spiegelt sich lachend in seinen großen, braunen Augen.
Ricarda beobachtet und hält sich zurück, aber sie sieht den jungen Mann mit anderen Augen an als Myriam: Ein suchender Vogel auf dem Durchflug, ein unverhofft erblühter Strauch im reichhaltigen, erotischen Garten Dänemarks.

Am Ende des Tages saßen sie dann alle im Kerzenlicht und schwebten hinüber in den lang gezogenen nordischen Sonnenuntergang. Die Mädchen wollten schließlich nach Hause. Alles drängte sich zur Straße, wo das Auto stand. Jan war beim Abschied unzufrieden mit Myriam, die das aber nicht zu merken schien. Sie küsste ihn nicht zum Abschied und er stieg nicht mit in den Wagen. Die beiden anderen Jungs brachten die Mädchen mit dem Auto zu ihren Eltern.

Langsam schlenderte Jan hinunter zum Blockhaus, er ging auf den Kamin zu, um dickes Holz für die Nacht auf das Feuer zu legen. In seinem Kopf rotieren Erinnerungen und Gesichter und der sprechende Mund von Myriam, als sie Mjölk sagte.
Er schaute durch das Fenster, um den letzten Widerschein der untergegangenen Sonne noch zu sehen. Neben dem Fenster stand ein breiter Lehnstuhl aus Kiefernholz, und in diesem Stuhl sah er auf einmal Ricarda noch sitzen. Sie saß da mit offenen Augen, fast unsichtbar in der tiefen Dämmerung. Jan wunderte sich, dass sie noch da war und auch, dass er sich nicht über sie erschrocken hatte. Den ganzen Tag schon war ihm ihr Gesicht und ihr Blick aufgefallen. Daran erinnerte er sich jetzt. Jedes mal, wenn er in ihre Richtung blickte, schaute sie im gleichen Augenblick zurück, aber direkt miteinander geredet hatten sie bisher noch nicht.
„Hei“, sagte sie jetzt und dann redeten sie englisch weiter, weil sie kein deutsch und er kein dänisch verstand.
„Kann ich noch hier bleiben?“
„Natürlich, warum nicht? Es ist nicht dein aber auch nicht mein Haus. Wie heißt du?“
„Hast du das schon vergessen? Ich heiße Ricarda, willst du Tee trinken?“
Dass die Antwort ja lauten würde, schien sie zu wissen. Sie räumte ein wenig den Tisch auf und brachte Tee aus der Küche, ohne dort Licht zu machen, dann setzte sie sich neben Jan auf die Holzbank. Jetzt aus der Nähe erkannte Jan, dass sie älter war als die anderen Mädchen, sie sah aus wie eine junge Frau und sie benahm sich auch so.
„Wo wohnst du?“ fragte er etwas ungeschickt.
„Ich schlafe in meinem Boot.“
„In einem Boot?“
„Ja, ich habe ein Kanu, es liegt draußen im Schilf.“
„Das kann ich kaum glauben.“
„Ich zeig's dir. Morgen.“
Sie sagte das Wort „morgen“ nicht nur wie ein Versprechen, ihm morgen das Boot zu zeigen, er verstand plötzlich, es war auch ein Versprechen für die kommende Nacht.
Eine tiefe Gewissheit durchströmte den jungen Mann vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Er sah nur noch ihre Silhouette, er roch ihren Körper; denn sie hatte keinerlei Parfüm an sich, er schaute in ihr ungeschminktes Gesicht voll von Sommersprossen, das in der Dunkelheit so groß vor ihm stand wie ein neuer, unentdeckter Kontinent.

Ricarda goss Tee in die gelben Keramik-Tassen und sie tranken schweigend. Sie bewegte sich in dem Haus, als sei es ihr eigenes. Sie ging in das kleine Schlafzimmer und schaute nach, wie es dort aussah, dann kam sie zurück, stellte sich vor ihn hin und legte einfach ihre beiden Arme um seinen Nacken.
Jan war verwirrt, aber sie gab ihm gleichzeitig eine enorme Sicherheit und ein Gefühl der Männlichkeit. Irgendwie war bei ihr alles, was sonst so schwierig ist, ganz einfach.
Das wusste sie schon und sie zog ihn an den Händen von der Bank, ihre Körper berührten sich wie der See und die Landschaft draußen, wie die Insel und das Schilf. Das Licht war spärlich. Jan nahm die einzige brennende Kerze vom Tisch, ging in das winzige Schlafzimmer und stellt Die Kerze dort auf die Fensterbank. Sie ließ ihn gewähren, sie kam und setzte sich auf das Bett und zog nachdenklich ihre Bluse aus, und dann die Cordhose.
Ricarda saß da und wartete, bis er seine Scheu vor der Eindeutigkeit dieser Situation überwunden hatte. Langsam löst sie die zusammen gerollten Zöpfe auf ihrem Kopf und begann damit, die Haare aufzuflechten. Jetzt endlich dachte er daran, seine dreckigen Turnschuhe loszuwerden.
Er nutzte einen Moment, wo sie mit beiden Armen und gesenktem Kopf in ihren Haaren wühlte und zog sich mit der größtmöglichen Selbstverständlichkeit seine Jeans aus, dann das Sweatshirt, dann mit einem männlichen Ruck den Rest der Kleidung und legte mit leichtem Zittern seine Arme um sie. Sie fühlte sich so an, wie die Frau an sich. Er konnte sich keine andere Haut, kein anderes Haar, keine andere Stimme und keinen anderen Körper vorstellen.
Da war Ihr Geruch, die Decken auf dem Bett, das Licht der Kerze, seine eigenen Arme und Beine, seine vorsichtigen Bewegungen und die Hände. Er tastete nach dem Verschluss ihres Oberteils.
Sie wand sich selbst aus der Hülle wie eine zufriedene Schlange, und bot ihm die nackte gesprenkelte Haut ihrer sanften Brüste und die vollen Schenkel. Über das Kissen wogten ihre Haare, deren Farbe in diesem Licht nicht mehr zu erkennen war, dann kamen seine Küsse und seine Zunge schob sich vor, der harte Druck seiner Männlichkeit berührte sie.
„Nimm ein Gummi“, flüsterte sie ihm ins Ohr, und er gehorchte ihr. Es ging leicht, weil sie ihm dabei half wie eine Schwester. Danach presste sie seinen Körper noch enger an sich, um ihn neu zu erregen, sie öffnete ihre Beine, so weit es ging, in dem schmalen Bett.
„Es ist gut“, sagte sie tief atmend. Und sie sagte auch einige dänische Worte, die er nicht verstand.
Jan konnte nicht sprechen, aber er fühlte sich in ihr so sicher wie noch nirgendwo sonst. Er wollte an nichts mehr denken als an diese Bewegungen, die immer harmonischer wurden. Sie stöhnte und steuerte langsam auch seinen Körper. Sie wurden ein Gefühl, ein Mann und eine Frau in der nordischen Nacht, Keine Gedanken, fast kein Licht, kein Geräusch außer ihnen selbst.
„Ich wusste es“, stöhnte sie, „ich wusste es.“ Dann übernahm sie das Spiel ganz und brachte sich mit seiner Hilfe zum Höhepunkt.

Als die Freunde mit dem Auto zurückkehrten, waren Ricarda und Jan auf dem Feldbett schon eingeschlafen. Die beiden anderen hatten ein paar Flaschen Bier mitgebracht, später machten sie die Fensterläden von außen dicht, damit es am nächsten Tag nicht zu früh hell würde.

Ricarda wurde als erste wach und stand gleich auf. Als Jan sie festhalten wollte, sagte sie:
„Ich komm zurück. Ich will dir ja mein Boot zeigen. Dann fahren wir zur Insel.“
Sie kam erst gegen Mittag wieder, als die Feriengäste schon längst aufgestanden waren, und als die unvermeidlichen Eifersüchteleien zwischen den drei jungen Männern sich geklärt hatten. In der Küche konnten sie nicht viel fürs Frühstück finden, nur Tee und Marmelade und etwas Weißbrot, doch die Stimmung war gut.
„Heij“, sagt Ricarda, als sie durch die Tür kam. Jan und seine beiden Kumpels stellten erfreut fest, dass sie eine prall gefüllte Tragetasche aus dem Supermarkt bei sich trug.
„Das ist Ricarda“, sagte Jan überflüssigerweise.
Ricarda packte ihre Tasche aus und stellte die Sachen auf den langen Tisch: Sahne und Zucker, frische Erdbeeren und sogar Flaschenbier, das die Dänen Öl nennen. Aber nicht Öl wie Oliven-Öl, sondern Öhl, mit einem ganz offenem Ö. Die Lippen werden dabei so weit geöffnet, dass der Hals einer Bierflasche hineinpasst. Sie amüsierten sich über Sprech- und Trink-Versuche und spielten zweites Frühstück zu viert.
„Ich will mit Ricarda gleich im Kanu bis zu der Insel fahren, draußen im See“, so kam Jan vorsichtig mit der Sprache heraus.
„Das ist cool, wir gehen inzwischen die Girls holen“, meinte Tobby.
„Bringt noch was zum Abendessen mit!“

Ricarda hatte am Ufer eine lange Stange mit einem Haken versteckt. Damit zog sie ihr Boot aus dem Schilf. Jan war ziemlich überrascht, irgendwie hatte er ihr doch nicht ganz glauben wollen. Das Kanu war groß genug für zwei oder drei Personen, sie hatte es mit einer Plane abgedeckt und darunter befand sich all das, was andere Leute im Sommer in ihren Camping-Zelten haben: Gaskocher, Schlafsack und mehrere Decken.
„Ich bin noch nie mit so einem Kanu gefahren“, sagte er verlegen.
„Komm, ich zeig's dir.“
Sie drückte ihm das eine der beiden Paddel in die Hand und ließ ihn vorne ins Boot steigen.
„Du musst genau das machen, was ich mache. So eintauchen und ziehen und jetzt zur Seite drücken. Lass mich steuern, da drüben ist die Insel.“
Das Kanu schob sich langsam durch das tiefere Wasser, zuerst im Schlingerkurs, bis in das kalt-grüne Schilf. Die weit heraus ragenden Halme streiften das Boot, streiften Paddel und die Arme der Rudernden. In der Nähe der Insel kam der Kiel des Bootes auf den weichen Untergrund und brachte das Boot zum Stehen. Es schaukelte bei jeder Bewegung, vor allem, als Jan sich vorsichtig aber ungeschickt zu Ricarda herumdrehte und sich dann schnell wieder hinsetzte. Ricarda legte ihr Ruderblatt aus der Hand und lachte mit unendlicher Offenheit, während sie schräg in die Sonne blinzelte.

„Da ist unsere Insel.“
„Sie ist nicht groß.“
„Nein, sehr, sehr klein.“

Dann beugte sie sich vor; sie kniete im Boot und küsste ihn auf die Lippen. Jan ließ sich fast ohne eigenen Willen nach hinten gleiten. Der Boden im Kanu war bedeckt mit Decken und Kissen und mit der zusammengefalteten Abdeck-Plane. Er lag einfach da auf dem Rücken und schaute aus der Froschperspektive in den Himmel, der von Schilf und Ried begrenzt wurde. Er hatte keine Ahnung, was geschehen würde. Ricarda hatte ihn völlig in der Hand, sie war die Kapitänin und würde ihm zeigen, wo das Paradies des Nordens ist. Es war ihr Boot, ihr See, ihre Insel, ihr Sonnensystem und vor allem ihr duftend weiblicher Körper in Balance mit dem Wasser und Jans Gefühlen.

Sie agierte in der vollen Sonne, aber wie im Traum, oder war es ihr Film? Nein, es war kein Film und auch kein Traum, es war ihre Welt. Aus diesem Blickwinkel war alles eine Einheit: Der Himmel, die Sonne, das Wasser, das dichte grüne Schilf und der unerfahrene junge Mann im Kanu. Traum und Wirklichkeit vereinigt in einem Frauenkopf mit mandelförmigen, wassergrünen Augen, mit langen rotblonden Haaren und zielbewussten Bewegungen auf kleinstem, schwankendem Raum.
Sie hatte die Haare an diesem Morgen zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und löste mit einer Hand die Spange. Die Haare fielen über ihre Schultern und über ihr Gesicht nach vorne, über seine Brust und bis auf die Hüften. Und dann merkte er, dass sie hinter ihren Haaren wie hinter einem Vorhang den Gürtel seiner Hose öffnete. Sie machte es so, als sei es ihre eigene Gürtelschnalle. Sie löste den Metallknopf, zog den Reißverschluss auf und griff mit beiden Händen hinein, suchte und tastete, bis er ganz groß und heiß wurde. Sie zog die Hose zurecht und den Slip herunter und küsste ihn, dann wanderte sie mit Zunge und Lippen weiter und schob ihn endlich ganz tief in ihren großen, breiten Mund.
Er konnte nichts von ihrem Gesicht und nichts von seinem Glück sehen, er sah nur, wie die gewellten Haare seinen Körper bedeckten, er fühlte ihre Hände und ihren Mund und er wusste, dass er groß und steif war. Er spürte ihre Lippen und ganz sanft die Zähne, sah, wie ihr blonder Schopf sich langsam auf und ab bewegte. Jan schloss die Augen, ohne sich etwas anderes vorzustellen, als das, was geschah.
Das Boot schaukelte ziemlich heftig, sie bewegte ihren Kopf auf und ab, er fühlte ihren Mund ganz riesig, unendlich offen, dann zuckte es nach einer gewaltigen Spannung zwischen seinen Schenkeln einmal, zweimal, dreimal. Sie gab nicht nach, saugte an ihm, bis alles raus war.

Jan keuchte, ließ sich erschöpft nach hinten gleiten und beobachtete, wie Ricarda sich stolz über ihm aufrichtete, sie strich die Haare aus dem Gesicht und schluckte, ohne ihren Gesichtsausdruck zu verändern. Dann kam sie höher, kroch über ihn und kam ganz nah mit ihrem Gesicht.
Sie schluckte noch einmal. Er umarmte sie wie ein Kind und küsste sie voll Dankbarkeit auf den großen feuchten Mund, der sich geheimnisvoll für ihn öffnete.
Es schmeckte fast nach nichts.
Ricarda lachte wieder dieses allwissende Sommersprossen-Lachen, dann berührte sie seine fragenden Lippen und sagte lächelnd:
„Mjölk.“

Als die beiden Freunde zusammen mit den Mädchen zum Blockhaus zurückkamen, war Jan nicht da. Die Jungs erzählten aber nicht alles, was sie wussten. Myriam ging schließlich nach Jan suchen. Sie wanderte hinunter zum See. Dort stand sie lange Zeit am Ufer unterhalb des Hauses und blickte über das Wasser zur Insel hin.
Ein ganz leichter Wind kräuselte die Oberfläche des Sees an den offenen Stellen. Sie runzelte ihre Stirn und versuchte mit ihren Blicken das Gebüsch und das Schilf in der Nähe der Insel zu durchdringen, aber sie konnte nichts erkennen als zwei heftig gackernde Wasserhühner, die offenbar durch irgendeine fremde Bewegung von ihrem Nest verscheucht worden waren.

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Version vom 13. 03. 2016 13:43
Version vom 27. 03. 2016 14:56

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Rob Kenius
???
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Liebe Leser*innen, werter Metino

Ein kleiner Hinweis. "Mjölk" ist eine kurze Liebesgeschichte, die nur so viel Erotik bringt wie die Realität. Es spielt allerdings im libertinären Dänemark. Wer über deftigeren Sex lesen will, kann sich die Zeit der Lektüre sparen.

Mein persönliches Anliegen ist es außerdem, Vulgärsprache zu vermeiden und keine Details überzubelichten, die normalerweise im Verborgenen bleiben. Andererseits soll nicht verschwiegen werden, was den Liebenden und denen, die es werden wollen, die meiste Freude macht.

Mit diesem Konzept scheine ich ziemlich allein zu sein in dieser Rubrik, daher die Erklärung, um Leser*innen nicht die Zeit zu stehlen.

LG
Rob

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Jo Phantasie
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Hallo Rob!

Es ist nicht so, dass hier heftiger Sex erwartet wird. Erotik kann auch ohne Vulgärsprache auskommen. Nachdem ich zunächst deine eigene Erklärung gelesen habe, war ich natürlich neugierig auf eine „so andere“ Liebesgeschichte. Leider habe ich sie nicht gefunden.
Zwar bemühst du dich, sehr sanft eine Geschichte aufzubauen, schilderst Personen, lässt sogar ein wenig dänische Ferienstimmung aufkommen, die jedoch für mich ein wenig zu kitschig gerät. Ja, den Fehler mit den schwülstigen Adjektiven und übernommenen Klischees habe ich auch schon gemacht: lang gezogenen nordischen Sonnenuntergang; letzten Widerschein der untergegangenen Sonne;

Da hast du wohl zu viel Pilcher getrunken anstatt Mjölk.

Eingebettet in diese überharmonisierte Naturlandschaft finden wir dann zwei Sexszenen. Nein, nicht heftig, auch nicht vulgär, einfach nur Vorgangsbeschreibungen, die nicht besonders erotisch wirken.

Sie gab nicht nach, saugte an ihm, bis alles raus war.
...
Es schmeckte fast nach nichts.


So, und jetzt? Wann geht es denn endlich los? Eigentlich wartete ich an dieser Stelle immer noch auf die „so andere“ Liebesgeschichte, auf den Clou, etwa Herausragendes. Es kamen jedoch nur

zwei heftig gackernde Wasserhühner ...

So, meinen Klugscheißermodus werde ich hiermit beenden und habe keine Ahnung, ob du damit etwas anfangen kannst. Versuche einfach mal, deinen Stil zu analysieren. Die Schwierigkeit dabei ist schon klar, zur Genüge kenne ich meine eigene Selbstverliebtheit in geniale Satzkonstruktionen, die bei genauerer Betrachtung nichts weiter als Klischees sind. Aufgeben solltest du deswegen nicht, es reichen ja schon einige Prozent Verbesserung pro Story. Bewerten werde ich hier auch nicht, das wäre zu früh.

LG Jo

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Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

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Vagant
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hallo rob,
du kannst erzählen, das habe ich dir, glaube ich, schon mal gesagt. aber das war mir am ende einfach ein bisschen viel literarischer anlauf für einen blowjob.
ich sehe das eher als erzählung. hier wird vieles angesprochen; eine deutsche mutter, bier welches die dänen öl nennen, dieses und jenes – viele sachen halt, die man nun nicht unbedingt plotdienlich nennen würde. nun bin ich nicht der meinung, dass alles immer dem plot geschuldet sein muss, ich meine ja nicht mal, dass eine gute story unbedingt einen plot benötigt (ich mag die anfangs- und endenlosen dinger von raymond carver sehr gern – also diese kleinen storys, die wie ein schwarz-weiß-kurzfilm daher kommen und man sich am ende sagt, ja, genau so könnte es gewesen sein, oder halt anders) apropos carver; am anfang hast du da einen satz (kann ich aus dem gedächtnis zitieren;-) " die mädchen machten tee." – fand ich gut, denn damit ist eigentlich alles gesagt. egal welche sorte, egal auf welche art, egal ob mit links oder mit rechts – die mädchen machten tee – klassischer carver-stil. warum sage ich das? ein bisschen mehr von diesem stil hätte mir gefallen. aber wie schon gesagt; schreiben kannst du, keine frage, und am ende muss dein stil zu dir passen, nicht zum leser.
ansonsten: ich habe es gern gelesen.
lg vagant

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Rob Kenius
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Wann geht es denn endlich los?

Hallo Jo Phantasie,
mir ist unklar, was du gegen einen "langgezogenen nordischen Sonnenuntergang" und den "letzten Widerschein der untergegangenen Sonne" hast. Viele mögen diese Stimmung und fahren nach Skandinavien in Urlaub. Das ist möglicherweise dann Klischee, wenn du viele Texte darüber gelesen hast; ich kenne diese Texte nicht, als ich die Story vor etwa zehn Jahren schrieb, war es für mich eine neue Formulierung und ich will es jetzt auch nicht ändern, denn die Stimmung ist in dieser Geschichte so wichtig wie die Handlung.

Du suchst nach der Geschichte und hast sie anscheinend überlesen. Sie spielt sich teilweise zwischen der jungen Frau Ricarda und dem Mädchen Myriam ab, das am Ende nur die Wasserhühner auffliegen sieht, weil sie noch nicht reif für die Liebe ist. Wie gesagt, das alles ist sanft und dänisch und teils pubertär, auch die Erfahrung, wie Sperma schmeckt ist nur für diejenigen interessant, die es zum ersten mal erfahren. Für dich ist das selbstverständlich. Okay.

Schau dir mal den Film "Der Sommer mit Monika" an, ein Frühwerk von Igmar Bergmann, der hat mich zwar nicht zu der Geschichte inspiriert, aber er fängt die nordische Stimmung ein, die ich meine. Du würdest sie als überharmonisch bezeichnen. Ich finde diesen Film sehr erotisch, obwohl er explizit nicht das zeigt, was viele gerne sehen würden.

Hallo Vagant,
ich hatte deinen ersten Post so verstanden, als wärst du ein wenig enttäuscht.
Danke für deine positive Aufklärung.

Grüße aus der überharmonischen Stadt Köln
Rob
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Aina
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vielleicht hilfreich

Hallo Rob Kenius,
habe den Text gerne gelesen und mich an eigene skandinavische Bilder zurückerinnert.
Allerdings bin ich über ein paar Kleinigkeiten in Zeit und Schreibe gestolpert:
treibt sein Spiel mit den Haaren der Mädchen, die am Ufer auf irgendetwas warten.
Die Formulierung hat mir gut gefallen und neugierig auf mehr gemacht.
Drei junge Männer sind mit einem Auto angekommen.
Müsste es nicht heißen: „Drei junge Männer kommen mit dem Auto an.“?
„Das ist Jan.“
„Oh.“

Das „Oh.“ verstehe ich nicht ganz. Ist es ein Wiedererkennen? Ein Erstaunen? Ist es wichtig wer es sagt?
die Jan zum ersten mal mitgebracht
…Mal….
Sprache perfekt und versuchte den Freunden
…versucht…
gleichmäßiges Gesicht bleibt ezielt im Hintergrund, Ihre Haare sind zu dicken Zöpfen geflochten
meinst du „gezielt“? Könnte man auch einfach weglassen. Und nach dem Komma klein weiter „ihre“
lächelt jedes mal, wenn Jan sie anschaut
…Mal…
Ihr Gesicht sieht aus wie aus einem flämischen Gemälde herausgeschnitten. Sie ist nicht zierlich gebaut, aber Ihre Person scheint hinter dem Lärm der beiden Freundinnen zu verschwinden.
Schöne Beschreibung, finde ich. Alternativ: Ihr Gesicht sieht aus, als wäre es aus einem flämischen Gemälde geschnitten. Und weiter „…ihre Person…“
Ricarda taucht ein in die Atmosphäre dieses Tages, scheint in der Landschaft mehr heimisch zu sein als alle anderen. Und als die Abenddämmerung kommt, wirkt ihre Erscheinung fast unsichtbar neben dem Holz der Möbel und der natürlichen Farbe der Wände. Ricarda aber ist nicht verschwunden. Sie hört nur genau zu und beobachtet.
Gefällt mir richtig gut. Gestolpert bin ich über das „aber“ in „Ricarda aber ist nicht verschwunden.“ Das lässt den Satz so stocken.
Er zeigte das offen, aber Myriam reagierte nicht wie eine begehrte Frau.
…zeigt….reagiert…

Ab „Er schaute durch das Fenster,……“ ist der Text in der Vergangenheitsform geschrieben. Ich erkenne nicht, warum es hier einen Zeitenwechsel gibt. Ich korrigiere jetzt nicht alles weiter in Bezug auf die Zeit. Vielleicht soll ja auch der Anfang geändert werden?
Jedes mal, wenn er in ihre Richtung blickte,
Jedes Mal…
„Kann ich noch hier bleiben?“
…hierbleiben….
„Natürlich, warum nicht? Es ist nicht dein aber auch nicht
…nicht dein, aber auch…
Dass die Antwort ja lauten würde,
…“ja“…
Sie sagte das Wort „morgen“ nicht nur wie ein Versprechen, ihm morgen das Boot zu zeigen, er verstand plötzlich, es war auch ein Versprechen für die kommende Nacht.
Eventuell könnte es den Sinn des Satzes flüssiger machen, wenn es heißt: …das „morgen“ nicht nur das Versprechen, ihm am nächsten Tag das Boot zu zeigen….
und stellt Die Kerze dort auf die Fensterbank.
…stellte die….
kam und setzte sich auf das Bett und zog nachdenklich ihre Bluse aus, und dann die Cordhose.
„nachdenklich“ ist für mich in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehbar – konzentriert, verträumt, abgelenkt?
Langsam löst sie die zusammen gerollten Zöpfe
…löste…
Sie fühlte sich so an, wie die Frau an sich.
…wie die Frau schlechthin, ganz und gar….?
weil sie ihm dabei half wie eine Schwester.
Bei „Schwester“ krieg ich nur blöde Bilder in den Kopf: Krankenschwester, Nonne oder leibliche Schwester, alles keine Damen, die sich um seinen Gummi kümmern sollten.
…Frau in der nordischen Nacht, Keine Gedanken, fast
…in der nordischen Nacht. Keine Gedanken…“
Ricarda wurde als erste wach und
…als Erste…
„Heij“, sagt Ricarda, als sie durch die Tür kam.
…sagte…
Sie amüsierten sich über Sprech- und Trink-Versuche und spielten zweites Frühstück zu viert.
„spielten“ verstehe ich in dem Zusammenhang nicht
„Ich will mit Ricarda gleich im Kanu bis zu der Insel fahren, draußen im See“, so kam Jan …
Nach See kommt ein Punkt.
„Das ist cool, wir gehen inzwischen die Girls holen“, meinte Tobby.
Auch hier am Ende vom Satz, nach „holen“, ein Punkt.
„Ich bin noch nie mit so einem Kanu gefahren“, sagte er verlegen.
Noch ein fehlender Punkt am Ende des Satzes in der wörtlichen Rede.
Sie zog die Hose zurecht und den Slip herunter und küsste ihn, dann wanderte sie mit Zunge und Lippen weiter und schob ihn endlich ganz tief in ihren großen, breiten Mund.
Da ist mindestens ein „und“ zu viel für meinen Geschmack.
Jan schloss die Augen, ohne sich etwas anderes vorzustellen, als das, was geschah.
…Anderes…
Sie gab nicht nach, saugte an ihm, bis alles raus war.
„…bis alles raus war.“ Hinterlässt bei mir ein schales Gefühl, Leere, Funktionalität – das ist so gar nicht „ein unverhofft erblühter Strauch“ auf einer kleinen Insel in Dänemark.
Es schmeckte fast nach nichts.
Warum ist das wichtig? Und: diese Erfahrung können wohl nicht alle so teilen – würde ich mal annehmen. Gut, es ist nicht Erdbeere oder Schoko zu erwarten, aber schmecken tut „es“ schon.
Ich hoffe ich konnte ein wenig hilfreich sein.
Vielen Dank für die schönen, sommerlichen Nordbilder, die ich geschenkt bekommen habe!
Gruß,
Aina

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