Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95233
Momentan online:
410 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mobbing
Eingestellt am 07. 05. 2012 05:49


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Simmias
Hobbydichter
Registriert: Dec 2011

Werke: 9
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Simmias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

*kann als verletzend aufgefasst werden - ist aber nicht so beabsichtigt*

„... und wenn man diese Argumente berĂŒcksichtigt, kommt jeder denkende Mensch zu dem Schluss, dass meine These die richtige ist“, schloss ich meinen kurzen Vortrag und blicke meinem GegenĂŒber erwartungsvoll in die Augen.

Er kann wenig dazu sagen, ĂŒberlege ich, seine einzig wirkliche Chance, mich in die Enge zu treiben, hatte er zu Beginn der Diskussion verschenkt. Jetzt war die Mehrheit der Klasse von meiner These ĂŒberzeugt.

Mark, so war sein Name, öffnete seinen Mund. „...aaaber“, fing er zu reden an, „deine Mutter hat einen Penis.“ Das war es wieder. Das jĂ€he Ende einer vernĂŒnftigen Diskussion. Wie so oft wurde die folgende HĂ€me als Zeichen meiner Niederlage gewertet. Ich sagte nichts.

„Junge! Deine Mutter ist ein Mann“, rief Mark noch lauter und die Menge lachte. „Deine Mutter ist ein Mann. Bei dir ist es nicht ‚Die Mutter‘ sondern ‚der Mutter‘!“ Und er konnte sich kaum halten.

Solche SprĂŒche schweigend auszuhalten fĂŒhrte zu nichts. Sie hatten zu viele und zu viel Spaß an ihnen. „Deine Mutter sieht auch aus wie ein Mann“, entgegnete ich ruhig, „ dabei ist sie nichtmal einer.“ Ich hatte seine Mutter noch nie gesehen. „Und trotzdem lasse ich sie in Ruhe und bleibe beim Diskussionsthema.“, fuhr ich fort.

„Halt, halt, halt!“, unterbrach Mark mich direkt. „ Meine Mutter sieht vielleicht aus wie ein Mann, aber sie hat mit Sicherheit keinen Penis. Deine Mutter schon. Er kann sich einen runterholen.“ Und die Klasse hatte TrĂ€nen in den Augen vor Lachen. Ob sie es wirklich lustig fanden, fragte ich mich. Oder tun sie nur so, weil sie wissen, dass es mich provoziert?

„Deine Eltern haben Poposex, Junge, du bist durch Analverkehr entstanden!“, grölten sie. Den kannte ich schon, sagte ich mir, bald gehen ihnen die SprĂŒche aus.

„Hast du deine VĂ€ter schonmal beim Blasen erwischt?“, fragte mich jemand. Als ob das bei Schwulen etweas anderes ist, als bei normalen Eltern, dachte ich. „“Das ist doch ganz normal“, entgegnete ich gelassen, „ du kannst deine Eltern doch auch beim Blasen erwischen.“ „Aber das sind keine ArschfickmĂ€nner“, riefen sie. Und ein anderer schrie lauter als die anderen: „Hört, das sei ganz normal, sagt er. Er sieht sie so oft, dass es schon ganz normal ist. Er guckt ihnen beim Blasen zu!“

Sie sind eifersĂŒchtig auf mich, dachte ich, weil ich argumentieren kann und sie nicht. Weil ich informiert bin. Weil ich so erzogen wurde, dass schlauer bin als sie. Das ertragen sie nicht.

„Ihr drei könnt euch im Kreis von hinten nehmen.“, erklĂ€rte mir ein weitere MitschĂŒler, „ Enger Familienkreis nennt sich das dann!“ Ein anderer fiel ein: „Das könnt ihr auch auf den erweiterten Freundeskreis ausbauen, wenn Papi seine Transis nach Hause einlĂ€dt.“

„Ach, fickt euch alle“, sage ich und stehe auf. Noch auf dem Flur höre ich sie. „Da geht die Arschgeburt und weint.“ „Sie geht nach Hause zu Mama mit dem Penis. Ein bisschen nuckeln!“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6331
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ein Ok fĂŒr die Intension des Textes, aber er ist schlecht gemacht. Denn er berĂŒhrt nicht.

Was ist daran verletzend? Ok, die Pappnasen aus der Klasse (?) spotten, aber das ist so platt, dass es noch nichtmal den Protagonisten Ă€rgert (oder auch nur ein bisschen emotional berĂŒhrt), warum sollte es also irgendeinen Leser (der sowieso auf der Seit des Prot ist) "verletzen"?

Mobbing "geht" anders. Was die Klasse tut, passt zwar dazu, aber wie der Prot reagiert, nicht. Ihm scheint das egal zu sein, er ist kein Mobbing-Opfer. Man sticht zwar nach ihm, er aber wird nicht verletzt. Er bleibt ganz rational und beobachtend.

Diese Passage kann Teil einer echten Mobbing-Geschichte sein, eine die damit beginnt, dass der Prot. andere aussticht, diese ihn anderes "klein kriegen" wollen, er auf Argumente setzt und – als auf die niemand eingeht – er sich als "ich bin klĂŒger, besser und schlauer" ĂŒber die anderen erhebt. Jetzt kann das Mobbing sich zuspitzen (SchlĂ€ge, Denunzieren, o. Ă€.), so dass der Prot echten Schaden erleidet. Oder der Typ löst sich emotional ganz ab und lĂ€sst die Meute mit ihren Anstrengungen im eigenen Saft zurĂŒck. Oder die Überhebung hilft nicht und er bricht doch unter dem blöden Geschwafel zusammen. 
 Eine "runde Story" eben, nicht nur so eine kurze Szene.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Simmias
Hobbydichter
Registriert: Dec 2011

Werke: 9
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Simmias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
RE: "runde Story"

Okay. Vielen Dank erstmal fĂŒr die Kritik. Wirklich sehr willkommen.

Inhaltlich:

Du hast Recht, dass das keine Runde Story ist, sondern nur ein Ausschnitt oder eine kurze Szene. Nichtsdestotrotz ist diese kurze Szene als solche kurze Szene gedacht und daher vielleicht in der falschen Rubrik (?).
Warum kurz? Weil ich nur an das Thema erinnern will, aber keine feste Handlung geben möchte. Ob der Text berĂŒhrt oder nicht, kann ich schlecht beurteilen, werde deinem Urteil also Glauben schenken. Mich schockiert er allerdings.

quote:
Mobbing "geht" anders. Was die Klasse tut, passt zwar dazu, aber wie der Prot reagiert, nicht.
Ich glaube nicht, dass es eine feste Formel fĂŒr Mobbing gibt. FĂŒr mich mich ist Mobbing erstmal das psychische Verltzen einer Person. Dieser Protagonist redet sich ein, dass es ihm egal ist. Ob es das wirklich ist, liegt im AUge des Betrachters. Du empfindest es so, dass er nicht davon beeinflusst wird. Ich glaube nicht, dass er draussen auf dem Gang zufrieden zu singen anfangen wird.

quote:
warum sollte es also irgendeinen Leser (der sowieso auf der Seit des Prot ist) "verletzen"?
Ich habe nicht die absicht, irgendeinen Leser zu verletzen. Ich will lediglich in einem kurzen Ausschnitt daran erinnern, wie radikal eine Klasse agieren kann, und dass solche Szenen sich auf jeder Schule abspielen, unabhÀngig davon, wie der Protagonist damit fertig wird.

Vielen Dank,
S

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6331
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es war vielleicht missverstĂ€ndlich ausgedrĂŒckt: Was die Klasse macht, ist technisch gesehen das gleiche, was (auch) beim Mobbing gemacht wird. Aber da der Protagonist nicht verletzt wird, ist es normales hirnloses Mitlachen.
Nein, es ist nicht offen, ob der Prot verletzt wird – NICHTS an dem Text legt nahe, dass es ihn doch berĂŒhrt. Du sagst zwar ein paar SĂ€tze, die so klingen, als hĂ€tte es ihm mal was ausgemacht, und einen, der Frust zeigt (aber eher ĂŒber die Unmöglichkeit einer Diskussion bzw ĂŒber die Ignoranz statt ĂŒbers "schon wieder verletzt werden"). Im Großen und Ganzen fĂŒhlt LyrIch hier aber nichts, es denkt nur.
Das GefĂŒhl des Opfers ist aber essentiell, das erst macht aus einen schlechten Running-Gag („Mutter mit Pimmel“) Teil eines Mobbing-Prozesses. (Ja, auch so ein Running-Gag verletzt auf Dauer, aber Mobbing ist mehr, es ist systematisches HerabwĂŒrdigen, Ausschließen und Brechen des Opfers unter und durch Einbeziehung des Umfeldes (den Mob) in die systematischen Erniedrigung.)
Also: Was sichtbar sein mĂŒsste (auch und gerade innerhalb nur einer Szene), ist, dass er sich erfolglos Nicht-Verletztsein einredet.

quote:
wie radikal eine Klasse agieren kann, und dass solche Szenen sich auf jeder Schule abspielen, unabhÀngig davon, wie der Protagonist damit fertig wird.
Genau! Sowas passiert immer wieder. Es nicht fein, klar, aber noch kein Mobbing.

Was das Leser-Verletzen angeht: An wen ging die Warnung (kann verletzen wirken) denn dann, wenn nicht an den Leser? (Ich weiß, du willst den Leser nicht verletzten, hast aber offenbar befĂŒrchtet, dass der Eindruck entstehen könnte. Das kann es aber nicht, es verletzt ja nichtmal den, der "mittendrin" ist (der Prot) – das wollte ich sagen.)
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Mellieha
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2012

Werke: 1
Kommentare: 5
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mellieha eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo,
auch wenn das Mobbing-Opfer "ĂŒber den Dingen" zu stehen versucht, wie z.B. mit guten Argumenten, denke ich trotzdem, dass diesen Menschen gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig einiges durchmachen. Wenn du das in die Geschichte eingebracht hĂ€ttest (was denkt und spĂŒrt er, verkrampft sich sein Magen etc.), wĂŒrde die Geschichte viel besser rĂŒberkommen. Die GefĂŒhlswelt des Protagonisten kommt meiner Meinung nach zu kurz. Schade, denn geschrieben ist es an sich gut!

GrĂŒĂŸe

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung