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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Moderne Dummheiten
Eingestellt am 05. 09. 2007 14:28


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paulenullnullzwei
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Paules Welt

heute: Der Überwachungsstaat



Mit meiner EinschĂ€tzung, Dieter Nuhr zĂ€hle zu den schlaueren Köpfen hierzulande, trete ich regelmĂ€ĂŸig offene TĂŒren ein. Herr Nuhr hat mal sinngemĂ€ĂŸ gesagt, in Deutschland bestĂŒnde das Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung, keineswegs jedoch die Pflicht dazu. Aber selbst die Menschen mit den fĂŒr diese Erkenntnis weit geöffneten TĂŒren, geben einen Pfifferling darauf, selbige zu beherzigen. Sie setzen mich unter verschĂ€rften Meinungsbeschuss, so dass ich mich nur noch mit kolumnistischen Gegenfeuer zu wehren weiß.



Meinungen sind ja an sich nichts Verwerfliches, ich bin ja selbst fleißiger Produzent meiner eigenen und halte mit selbiger beileibe nicht hinterm Berg. Schlimm wird’s nur, wenn der Quell der Meinung nicht Geist und Witz ist, sondern schiere Dummheit. Dummquellen sind die weitaus hĂ€ufigeren Orte des Ursprungs von Ansichten als die, aus dessen Tiefen die Klugheit weise zu uns herauf blinzelt. Noch schlimmer wird’s, wenn aus ersteren entsprungene Meinungen auch noch geĂ€ußert werden. Das passiert nicht unhĂ€ufig in Zeitungen oder im Radio und Fernsehen. Meist von Kolumnisten und Kommentatoren, von denen der Gedanke, dass sie eventuell schief liegen mit ihrer Weltsicht, der bloßen Blasphemie zugeordnet wird.

Von diesen, im Gegensatz zu Herrn Nuhr, sehr unschlauen Leuten hört man nun gebetsmĂŒhlenartig repetiert die Erkenntnis, wir lebten in einem Überwachungsstaat bzw. selbiger stĂŒnde mit der Klinke in der Hand vor der TĂŒre. Artikel oder BeitrĂ€ge, in denen diesbezĂŒglich der Name George Orwell nicht fĂ€llt, kann man an den Fingern der linken Hand eines SĂ€gewerksbetreibers abzĂ€hlen. AllĂŒberall seien Kameras montiert, Mikrofone versteckt und sonstiges GerĂ€t auf der Pirsch nach unserer PrĂ€senz. Man könne heute den Tag eines unbescholtenen BĂŒrgers in einer deutschen Großstadt lĂŒckenlos dokumentieren, von seiner PrivatsphĂ€re im Internet ganz zu schweigen. Besonders Herr SchĂ€uble tue sich hier als Blockwart unrĂŒhmlich hervor. Passten wir nicht auf, wĂ€ren wir wieder genau da, wo wir schon vor 70 Jahren waren. Wehret den AnfĂ€ngen! Dass man den selbsternannten DatenschĂŒtzern nicht den Schaum vom Mund wegwischen muss, ist aber auch schon alles.

Dummerweise machen diese Meinungsbesitzer einen groben Denkfehler. Nur weil alle das Gleiche behaupten, muss es noch lange nicht stimmen. Der Überwachungsstaat faschistischer AusprĂ€gung ist selbstverstĂ€ndlich aufs Energischste zu geißeln und jeder Verdacht hierauf kann ernster nicht genommen werden. Jedoch leben wir nicht in einem faschistischen Staat wie dem alten Nazideutschland oder der DDR, welche sich vornehmlich dadurch auszeichneten, dass sie Angst vor ihren BĂŒrgern hatten. Faschistische Eliten wissen nĂ€mlich genau, dass sie zu und durch Unrecht da sind, wo sie sind. Daher auch der Name Unrechtsstaat. Zudem wissen sie, dass die BĂŒrger das auch wissen und im Innersten dieses Unrecht beseitigt haben wollen. Also schauen diese Eliten, dass der BĂŒrger nicht zu kess wird und auf falsche Gedanken kommt. Revolutionen sind nĂ€mlich das letzte, was selbstgekrönte HĂ€upter klasse finden. Um nun den gemeinen BĂŒrger vor sich selbst zu schĂŒtzen und nicht zum Radaubruder werden zu lassen, passen die da oben auf wie die Luchse und schrauben an jede erdenkliche HĂ€userecke eine Kamera dran bzw. bestellen einen fĂŒr die HĂ€userecke zustĂ€ndigen Geheimaufpasser. Mit den so gewonnenen Daten und Erkenntnissen lassen sich aufwieglerische Zeitgenossen prima herausfinden, wegsperren und wenn nötig köpfen.

Unsere demokratisch legitimierten Regierenden sind aber gar nicht darauf erpicht, uns aus irgendwelchen GrĂŒnden wegzusperren, sie wollen ja von uns wiedergewĂ€hlt werden. Weggesperrte oder sonstwie durch Unrechtstaten geplagte MitbĂŒrger sind nĂ€mlich sehr schnĂ€ckisch, was die Wiederwahl ihrer Peiniger angeht. Also tĂ€te der Regierende einen Teufel, wĂŒrde er seinen potentiellen WĂ€hler mit GrĂ€ueltaten vergrĂ€tzen.

Deshalb, liebe Kommentatoren, quietscht es euch mit dem dicksten Edding, dem ihr habhaft werden könnt, hinter die Ohren:

„Uns droht KEIN Überwachungsstaat!“

Naja, ist doch wahr... man wird ja wohl noch seine Meinung sagen dĂŒrfen!

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jon
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Das ist eine Kolumne, wie ich sie mag: engagiert, persönlich, ĂŒberlegt, argumentativ. Dass ich einwenden möchte, dass man die ins Horn „Überwachungsstaat“ blasenden Kommentatoren nicht unbedingt pauschal als dumm bezeichnen kann, ist eher eine inhaltliche Frage und beeintrĂ€chtigt meine in handwerklicher Hinsicht zustimmende Meinung zu diesem Text nicht. (Entschuldigung, mit war grad nach so ‘nem Monstersatz )



Ein paar winzige Details nur:

quote:
Herr Nuhr hat mal sinngemĂ€ĂŸ gesagt, in Deutschland bestĂŒnde das Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung, keineswegs jedoch die Pflicht dazu. Aber selbst die Menschen mit den fĂŒr diese Erkenntnis weit geöffneten TĂŒren, geben einen Pfifferling darauf, selbige zu beherzigen. Sie setzen mich unter verschĂ€rften Meinungsbeschuss, so dass ich mich nur noch mit kolumnistischen Gegenfeuer zu wehren weiß.
Heißt es nicht „keinen Pfifferling drauf geben“?
Die Logik versteh ich nicht: „Nuhr sagt, man MUSS seine Meinung nicht sagen“ – „(Auch) die, die das auch so sehen, pfeifen aber drauf, dass man nicht muss.“ Heißt: „Sie tun so, als mĂŒsste man und sagen immer und ĂŒberall, was sie meinen.“ Ok. (Ich versteh auch den dadurch entstehenden Wunsch nach sich wehren.) Aber hat das wirklich was mit dem in Folgenden angeprangerten Nachplappern der „Dummheit von Überwachungsstaat“ zu tun?

quote:
AllĂŒberall seien Kameras montiert, Mikrofone versteckt und sonstiges GerĂ€t auf der Pirsch nach unserer PrĂ€senz.

Sind die wirklich auf der Pirsch nach unserer PrĂ€senz, also der bloßen Anwesenheit?

quote:
Man könne heute den Tag eines unbescholtenen BĂŒrgers in einer deutschen Großstadt lĂŒckenlos dokumentieren, von seiner PrivatsphĂ€re im Internet ganz zu schweigen.

(Argumenationsschwachpunkt weil: ) Ist das etwa falsch? Man kann es sicher, wenn man es drauf anlegt. Nur – und das ist der Punkt – nicht von einer Minute zur anderen und von jedem beliebigen Menschen. Heißt: Es werden nicht permanent von allen alle Daten gesammelt und gespeichert, wie es der Bergiff „Überwachungsstaat“ suggeriert.

quote:
Besonders Herr SchĂ€uble tue sich hier als Blockwart unrĂŒhmlich hervor. Passten wir nicht auf, wĂ€ren wir wieder genau da, wo wir schon vor 70 Jahren waren. Wehret den AnfĂ€ngen! Dass man den selbsternannten DatenschĂŒtzern nicht den Schaum vom Mund wegwischen muss, ist aber auch schon alles.
Den letzten Satz kann ich gar nicht zuordnen. Heißt das, die "DatenschĂŒtzer" geifern nicht? Tun sie aber doch, oder? Und „ist aber auch schon alles“ wobei?

quote:
Dummerweise machen diese Meinungsbesitzer einen groben Denkfehler. Nur weil alle das Gleiche behaupten, muss es noch lange nicht stimmen.


 das ist aber nicht der Denkfehler. Nicht, dass alle das Gleiche sagen, ist der Denkfehler, sondern weil sie diesen Denkfehler begehen, sagen alle das Gleiche. Oder?

quote:
Also tĂ€te der Regierende einen Teufel, wĂŒrde er seinen potentiellen WĂ€hler mit GrĂ€ueltaten vergrĂ€tzen.
Heißt es nicht „Er wird den Teufel tun und sie wegsperren!“ wenn man sagen will, dass er das ums Verrecken grade eben nicht tun wird? (Statt: "Er tut den Teufel, wenn er sie wegsperrt, da er aber den Teufel nicht tun will, wird er sie nicht wegsperren.")

quote:
Deshalb, liebe Kommentatoren, quietscht es euch mit dem dicksten Edding, dem ihr habhaft werden könnt, hinter die Ohren:
„des Eddings habhaft werden“

quote:
„Uns droht KEIN Überwachungsstaat!“
Die unmissverstĂ€ndliche Formulierung, die auffallend hinter Doppelpunkt und in AnfĂŒhrungszeichen gesetzt ist und mit Ausrufezeichen endet, ist „laut“ genug – man muss weder durch Fett-Druck noch durch Versalien „schreien“. Das kommt nicht besonders gut an, wirkt eher bockig als ĂŒberlegenswert.


__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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