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Moderne Zeiten (Dig it!)
Eingestellt am 22. 06. 2003 14:41


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Z.Blanck
Hobbydichter
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Vorab: Vom Erscheinungsbild bin ich nicht unbedingt der Typ, der von Werbegeiern vor oder in den Kaufh├Ąusern als potentieller Kunde angesehen wird, so bleibe ich meistens von ihrer Anmache verschont. Um so erstaunter war ich, als mich die Kassiererin des Supermarktes bei mir um die Ecke ansprach. Vielleicht war ich ihr inzwischen auch vertraut, da ich seit einigen Tagen dort einkaufte.
\"Haben Sie schon die neue Kundenkarte?\"
\"Nein.\"
\"M├Âchten Sie eine? Sie brauchen dies hier nur auszuf├╝llen.\"
Ich warf einen kurzen Blick auf das briefgro├če Werbeheftchen, fr├Âhliche Kornbr├Âtchen lachten mir entgegen... Sollte ich tats├Ąchlich Stammkunde in diesem Supermarkt werden, konnte sich die Karte wohlm├Âglich lohnen.
\"Nnnja, aber ich m├Âchte mir das erst mal durchlesen.\" Eine Kundin vor mir hatte sich den Prospekt mitgeben lassen.
Die Kassiererin ├Âffnete das Faltblatt, zeigte auf das DIN A4 gro├če Antragsformular: \"Das m├╝ssen Sie ausf├╝llen.\" Dann faltete sie das Blatt wieder zusammen und ├╝berreichte es mir.
Zuhause sah ich mir den Prospekt an. Irgendein durchgeknallter Kreativer hatte sich seiner Kindheit erinnert und den abgebildeten Br├Âtchen und Fr├╝chten lustige Ernie und Bert-Augen und M├╝nder verpa├čt. HappyDigits sollte man also sammeln. Nun fragt sich der normale Verbraucher, falls er sich noch ├╝berhaupt etwas fragt und nicht zum gehirnlosen Konsumenten mutiert ist, was sind HappyDigits? Aber keine Sorge, der Werbetexter haute den Begriff einem so lange um die Ohren, bis auch der letzte Kretin verstand, HappyDigits sind nichts anderes als Bonuspunkte oder Rabattmarken. Aber anscheinend sind diese Begriffe so etwas von out, da├č man sie nicht mehr verwenden darf. Seitdem Hohlk├Âpfe aus allen Berufssparten auf Firmenkosten oder Steuergeldern zur Inspiration in die USA reisen, f├╝hren sie als Ergebnis, als kreative Gegenleistung, Anglizismen wie Anchorman, Location, Advertising, Floor Manager oder Streetwalker ein, um so den Mangel an wirklich neuen Ideen zu vertuschen. Will man nicht als v├Âllig vertrottelter, ewiggestriger Don Quixote dastehen, zieht man bei dem Trend mit, erkl├Ąrt seine verkorksten Beziehungen zum Patchwork-Verh├Ąltnis, den Kegelabend zum Event und die Kneipe zur Location. Wie hie├č es doch? Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf auch Ochs und Esel halten ihn nicht auf.
Aber was interessierte mich die Werbung und deren Macher, ich wollte meine wohlverdiente Pr├Ąmie, die ich durch ├╝berteuerte Preise selbstfinanziert hatte, einsacken. Wer glaubt, das w├Ąre ein gro├čz├╝giges Geschenk des Unternehmens, der hat die Marktwirtschaft irgendwie noch nicht richtig verstanden. Leider mu├čte ich feststellen, meine Kohle bekam ich nur als Sachwert wieder, etwa als Kettler-Wagen, CD-Uhrenradio, Ohranstecker oder Edelstahlvase. Also, alles Dinge, die ich in meinem bisherigen Leben schon immer schmerzlich vermi├čt hatte, und nun konnte ich diese Sch├Ątze erhalten. Voraussetzung, ich f├╝llte den Antrag zur Bonuskarte aus. Bei den Angaben fragte ich mich etwas skeptisch, wozu braucht mein Supermarkt meine Adresse? Wollten sie mich ab sofort beliefern? Und wozu mein Geburtsdatum? Hatte ich an diesem Freudentag mit einem Pr├Ąsent zu rechnen? Oder wollte man mich in der Filiale mit einer Geburtstagsparty ├╝berraschen?
Gro├čz├╝gig verk├╝ndete der Prospekt, ich erhielte sofort Sonder-HappyDigits, falls ich noch einige Zusatzangaben (Telefon-, FAX- und SMS-Nummer, so wie meine E-Mail-Adresse) machte und gleichzeitig meine Einwilligung erteilte, Partnerunternehmen meine Daten zur Marktforschung, Beratungs- und Informationszwecken zu ├╝berlassen. Als Gegenleistung w├╝rde man mir Produktinformationen ├╝ber die von mir angegebenen Informationskan├Ąlen zustellen. Ich stie├č ein Halleluja gen Himmel aus, bestand doch gegenw├Ąrtig nur etwa 80% meiner Eingangspost aus unangeforderten Werbem├╝ll, die Aussicht auf eine weitere Steigerung l├Âste in mir einen Begeisterungssturm aus. Zu meiner ├ťberraschung hatte das Prospekt noch ein Sahneh├Ąubchen, wortw├Ârtlich ein Bonbon bereit. Eine Zahlkarte mit der ich bargeldlos und bequem in ihrer Gesch├Ąftskette einkaufen konnte. Das konnte ich mit meiner EC-Karte zwar auch, der Vorteil wurde mir nicht so richtig bewu├čt, aber vielleicht sollte man auch nicht so viel ├╝berlegen... Her mit dem Bollerwagen! - und die Antr├Ąge ausgef├╝llt. Gut, ich sollte Personalausweisnummer, Geburtsort, Familienstand, Beruf und Staatangeh├Ârigkeit angeben, aber das mu├č man bei der Er├Âffnung eines Kontos bei einer Bank auch. Und warum sollte ich meinem Supermarkt nicht noch zus├Ątzlich den Beruf meiner Lebensgef├Ąhrtin, meine Wohnverh├Ąltnisse (Miete, Eigentum) und meine fr├╝here Adresse angeben? W├Ąre es da nicht viel einfacher und praktischer jedem B├╝rger einen Chip mit den wichtigsten Daten (Stamm-, Familien-, Besch├Ąftigungs-, Kranken-, Einkaufs-, Reisedaten etc.) um den Hals zu h├Ąngen, und diese einmal im Jahr upzudaten? Ehrliche Gesch├Ąftsleute w├╝├čten dann sofort, ob die gekauften Artikel ├╝berhaupt der finanziellen Lage des Kunden entspr├Ąchen. Die Beratung k├Ânnte kundenspezifisch durchgef├╝hrt werden. \"Sie wollen dieses Rasierwasser von Kenzo kaufen? Entschuldigen Sie, das ist doch viel zu teuer f├╝r einen Arbeitslosen. Hier nehmen Sie Old Spice, das tut\'s doch auch!\" Und welche M├Âglichkeiten der Kommunikation w├╝rden sich beim Scannen des Chips an der Kasse auftun. \"Ach, Ihre Freundin ist bei Sony besch├Ąftigt? Sehen Sie, ich habe da ein Problem mit meiner Fernbedienung...\" Oder bei einer Verkehrskontrolle. \"Sie waren in diesem Jahr schon zweimal im Libanon, kommen Sie doch mal mit zur Wache...\"
Nat├╝rlich werden sich vor dieser segenreichen Einf├╝hrung - wie immer - einige neunmalkluge Intellektuelle aufregen, aber da stellt sich doch die berechtige Frage: Was hat ein anst├Ąndiger, aufrichtiger B├╝rger zu verbergen? Nur Betr├╝ger, Diebe und anderes zwielichtiges Gesindel hat Interesse an Anonymit├Ąt. Wer regt sich heute noch ├╝ber ├ťberwachungskameras auf? Es versteht sich nat├╝rlich von selbst, da├č Abgeordnete Immunit├Ąt genie├čen, und Gesch├Ąftsleute und Angestellte mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 ÔéČ von diesen Angaben befreit sind. Mit einer solchen Auflage m├╝├čte das Gesetz doch durch den Bundestag gehen...

Ach, im ├╝brigen, ich habe weder eine Bonus- noch eine Zahlkarte beantragt.

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Rainer
???
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hallo z.blanck,

willkommen auf der lupe und noch viel spa├č hier.

dein text gef├Ąllt mir, auch wenn es eigentlich keine kurzgeschichte ist, sondern mehr eine zeitgeistkritik.
ich habe mal ein bi├čchen was angemerkt, sind alles nur vorschl├Ąge, was du draus machst, ist deine sache - ist ja dein text

Vorab: Vom Erscheinungsbild bin ich nicht unbedingt der Typ, der von Werbegeiern vor oder in den Kaufh├Ąusern als potentieller Kunde angesehen wird, Punkt neuer Satz so bleibe ich meistens von ihrer Anmache verschont. Um so erstaunter war ich, als mich die Kassiererin des Supermarktes bei mir um die Ecke ansprach. Vielleicht war ich ihr inzwischen auch vertraut, da ich seit einigen Tagen dort einkaufte.
"Haben Sie schon die neue Kundenkarte?"
"Nein."
"M├Âchten Sie eine? Sie brauchen dies hier nur auszuf├╝llen."
Ich warf einen kurzen Blick auf das briefgro├če Werbeheftchen, fr├Âhliche Kornbr├Âtchen lachten mir entgegen.. . Sollte ich tats├Ąchlich Stammkunde in diesem Supermarkt werden, konnte sich die Karte wohlm├Âglich lohnen.
"Nnnja, aber ich m├Âchte mir das erst mal durchlesen." Eine Kundin vor mir hatte sich den Prospekt mitgeben lassen.
Die Kassiererin ├Âffnete das Faltblatt, zeigte auf das DIN A4 gro├če Antragsformular: "Das m├╝ssen Sie ausf├╝llen." In den Superm├Ąrkten in denen ich verkehre, haben die Kassiererinnen deutlich weniger Zeit... Dann faltete sie das Blatt wieder zusammen und ├╝berreichte es mir.
Zuhause sah ich mir den Prospekt an. Irgend ein durchgeknallter Kreativer hatte sich seiner Kindheit erinnert und den abgebildeten Br├Âtchen und Fr├╝chten lustige Ernie - und - Bert-Augen und M├╝nder verpa├čt. HappyDigits sollte man also sammeln. Nun fragt sich der normale Verbraucher, falls er sich noch ├╝berhaupt etwas fragt und nicht zum gehirnlosen Konsumenten mutiert ist, schwammig, entweder du erkl├Ąrst den normalen Verbraucher f├╝r bl├Âd oder f├╝r denkend was sind HappyDigits? Aber keine Sorge, der Werbetexter haute einem den Begriff einem so lange um die Ohren, bis auch der letzte Kretin verstand, HappyDigits sind nichts anderes als Bonuspunkte oder Rabattmarken. Aber anscheinend sind diese Begriffe so etwas von out, da├č man sie nicht mehr verwenden darf. Seitdem Hohlk├Âpfe aus allen Berufssparten auf Firmenkosten oder Steuergeldern steuerfinanziert zur Inspiration in die USA reisen, f├╝hren sie als Ergebnis, als kreative Gegenleistung, Anglizismen wie Anchorman, Location, Advertising, Floor Manager oder Streetwalker ein, um so den Mangel an wirklich neuen Ideen zu vertuschen. Will man nicht als v├Âllig vertrottelter, ewiggestriger Don Quixote wei├čer Schimmel dastehen, zieht man bei dem Trend mit, erkl├Ąrt seine verkorksten Beziehungen zum Patchwork-Verh├Ąltnis, den Kegelabend zum Event und die Kneipe zur Location. Wie hie├č es doch? Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf Komma auch Ochs und Esel halten ihn nicht auf.
Aber was interessierte mich die Werbung und deren Macher, ich wollte meine wohlverdiente Pr├Ąmie, die ich durch ├╝berteuerte Preise selbstfinanziert hatte, einsacken. *prust* Wer glaubt, das w├Ąre ein gro├čz├╝giges Geschenk des Unternehmens, der hat die Marktwirtschaft irgendwie noch nicht richtig verstanden. ├╝berfl├╝ssig Leider mu├čte ich feststellen, meine Kohle bekam ich nur als Sachwert (e?) wieder, etwa als Kettler-Wagen was ist das?, CD-Uhrenradio, Ohranstecker oder Edelstahlvase . Also, alles Dinge, die ich in meinem bisherigen Leben schon immer schmerzlich vermi├čt hatte, und nun konnte ich diese Sch├Ątze erhalten. Voraussetzung, ich f├╝llte den Antrag zur Bonuskarte aus. Bei den Angaben fragte ich mich etwas skeptisch, wozu braucht mein Supermarkt meine Adresse? Wollten sie mich ab sofort beliefern? Und wozu mein Geburtsdatum? Hatte ich an diesem Freudentag mit einem Pr├Ąsent zu rechnen? Oder wollte man mich in der Filiale mit einer Geburtstagsparty ├╝berraschen? zu viel

Gro├čz├╝gig verk├╝ndete der Prospekt, ich erhielte sofort Sonder-HappyDigits, falls ich noch einige Zusatzangaben ( wie beispielsweise Telefon-, FAX- und SMS-Nummer , so wie meine E-Mail-Adresse) machte und gleichzeitig meine Einwilligung erteilte, Partnerunternehmen meine Daten zur Marktforschung, Beratungs- und Informationszwecken zu ├╝berlassen. Als Gegenleistung w├╝rde man mir Produktinformationen ├╝ber die von mir angegebenen Informationskan├Ąlen zustellen. Ich stie├č ein Halleluja gen Himmel aus, bestand doch gegenw├Ąrtig nur etwa 80% meiner Eingangspost aus unangeforderten Dativ! Werbem├╝ll, die Aussicht auf eine weitere Steigerung l├Âste in mir einen Begeisterungssturm aus. Zu meiner ├ťberraschung hatte das Prospekt ich wei├č es auch nicht genau, aber du musst dich f├╝r das oder der Prospekt (bei mir ist so ein Teil s├Ąchlich) entscheiden, am Anfang deines Textes ist es bei dir der Prospekt noch ein Sahneh├Ąubchen, wortw├Ârtlich ein Bonbon bereit. Eine Zahlkarte mit der ich bargeldlos und bequem in ihrer Gesch├Ąftskette einkaufen konnte. Das konnte ich mit meiner EC-Karte zwar auch, der Vorteil wurde mir nicht so richtig bewu├čt, aber vielleicht sollte man auch nicht so viel ├╝berlegen... Her mit dem Bollerwagen! verstehe ich nicht - und die Antr├Ąge ausgef├╝llt. Gut, ich sollte Personalausweisnummer, Geburtsort, Familienstand, Beruf und Staatangeh├Ârigkeit angeben, aber das mu├č man bei der Er├Âffnung eines Kontos bei einer Bank auch. Und warum sollte ich meinem Supermarkt nicht noch zus├Ątzlich den Beruf meiner Lebensgef├Ąhrtin, meine Wohnverh├Ąltnisse (Miete, Eigentum) und meine fr├╝here Adresse angeben? W├Ąre es da nicht viel einfacher und praktischer jedem B├╝rger einen Chip mit den wichtigsten Daten (Stamm-, Familien-, Besch├Ąftigungs-, Kranken-, Einkaufs-, Reisedaten etc.) um den Hals zu h├Ąngen, und diese einmal im Jahr upzudaten tststs, vielleicht zu aktualisieren? Ehrliche Gesch├Ąftsleute w├╝├čten dann sofort, ob die gekauften Artikel ├╝berhaupt der finanziellen Lage des Kunden entspr├Ąchen. Die Beratung k├Ânnte kundenspezifisch durchgef├╝hrt werden. "Sie wollen dieses Rasierwasser von Kenzo kaufen? Entschuldigen Sie, das ist doch viel zu teuer f├╝r einen Arbeitslosen. Hier nehmen Sie Old Spice, das tut's doch auch !" lustig aber unlogisch, wer w├╝rde nicht das preis- und damit profitintensivste produkt verkaufen wollen ? Und welche M├Âglichkeiten der Kommunikation w├╝rden sich beim Scannen des Chips an der Kasse auftun. "Ach, Ihre Freundin ist bei Sony besch├Ąftigt? Sehen Sie, ich habe da ein Problem mit meiner Fernbedienung..." Oder bei einer Verkehrskontrolle. "Sie waren in diesem Jahr schon zweimal im Libanon, kommen Sie doch mal mit zur Wache..."
Nat├╝rlich werden sich vor dieser segenreichen Einf├╝hrung - wie immer - einige neunmalkluge Intellektuelle aufregen, aber da stellt sich doch die berechtige Frage: Was hat ein anst├Ąndiger, aufrichtiger B├╝rger zu verbergen? Nur Betr├╝ger, Diebe und anderes zwielichtiges Gesindel hat Interesse an Anonymit├Ąt. Wer regt sich heute noch ├╝ber ├ťberwachungskameras auf? Es versteht sich nat├╝rlich von selbst, da├č Abgeordnete Immunit├Ąt genie├čen, und Gesch├Ąftsleute und Angestellte mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 ÔéČ von diesen Angaben befreit sind. Mit einer solchen Auflage m├╝├čte das Gesetz doch durch den Bundestag gehen...

Ach, im ├╝brigen, ich habe weder eine Bonus- noch eine Zahlkarte beantragt.


richtigkeit und vollst├Ąndigkeit kann ich nat├╝rlich nicht gew├Ąhrleisten, aber vielleicht als anregungen...


gr├╝├če

rainer
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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Z.Blanck
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Hallo Reiner

Danke f├╝r Deine Kritik, Anmerkungen und Korrektur. Da ich den Text hier auf der Seite (nach meinen augenblicklichen Kenntnissen) nicht mehr ├Ąndern kann, noch e'n paar Anmerkungen von mir. (Ne, ich bin kein Sensibelchen.)
- "In den Superm├Ąrkten in denen ich verkehre, haben die Kassiererinnen deutlich weniger Zeit..." Pech f├╝r Dich, die Geschichte is' so passiert und wenn sie anders gewesen w├Ąre, h├Ątte ich sie auch anders geschildert.
- "schwammig, entweder du erkl├Ąrst den normalen Verbraucher f├╝r bl├Âd oder f├╝r denkend"
Ja, "normal" m├╝├čte gestrichen werden Also: Nun fragt sich der Verbraucher, falls er sich noch ├╝berhaupt etwas fragt und nicht zum gehirnlosen Konsumenten mutiert ist, was sind HappyDigits?
- "Kettler-Wagen was ist das?" Is'n Bollerwagen! M├╝├čte ge├Ąndert werden, dann wird's nachher auch wieder stimmig. Her mit dem Bollerwagen!
- upzudaten "tststs, vielleicht zu aktualisieren?" Jau, hier fall ich auf meine eigene Kritik herein: update, upgrade, event...
- "Sie wollen dieses Rasierwasser von Kenzo kaufen? Entschuldigen Sie, Sie haben Ihr Konto ├╝berzogen... Au├čerdem ist das doch viel zu teuer f├╝r einen Arbeitslosen. Hier nehmen Sie Old Spice, das tut's doch auch! Pa├čt auch noch in ihre Kreditlinie..." Kleine Ab├Ąnderung und schon logisch?

Der Text ist nat├╝rlich keine Erz├Ąhlung, fand aber keine passende Rubrik...

Ganz andere Frage: Wieso erscheint in meinem Text vor den Anf├╝hrungszeichen immer der Schr├Ągstrich? Wat hab' ich falsch gemacht?



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Rainer
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hallo z.blanck,

das mit der rubrik ist schon o.k., wie das mit den anf├╝hrungszeichen und schr├Ągatrichen ist - keine ahnung, liegt wahrscheinlich am schreibprogramm von dem aus der text einkopiert wurde.
das, und alles andere von dir gew├╝nschte auch, kannst du aber ├Ąndern ├╝ber den edit/delete-button unter deinem originaltext. wegen des zeichwirrwarrs m├╝├čtest du an den entsprechenden stellen mal nach ungew├Âhnlichen (automatisch generierten), nicht von dir gewollten buchstabenkonstellationen suchen; manchmal so was in der art von: [blabla].....[/blabla], vielleicht stehen die schr├Ągstriche aber auch"unverschl├╝sselt" dort. schau halt mal dort rein; du kannst deinen ganzen text dort ver├Ąndern.
g├╝nstiger und f├╝r andere nachvollziehbarer ist es aber, wenn du deinen ├╝berarbeiteten text, ich bin mit all deinen ├Ąnderungen einverstanden, als antwort im gleichen thread nochmal ver├Âffentlichst.

so, ich hoffe ich habe nichts vergessen,

gr├╝├če

rainer
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Z.Blanck
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(Und noch ein Versuch mit allen Korrekturen/vB-Code und Dank an Rainer.)

Vom Erscheinungsbild bin ich nicht unbedingt der Typ, der von Werbegeiern vor oder in den Kaufh├Ąusern als potentieller Kunde angesehen wird. So bleibe ich meistens von ihrer Anmache verschont. Um so erstaunter war ich, als mich die Kassiererin des Supermarktes ansprach. Vielleicht war ich ihr inzwischen auch vertraut, da ich seit einigen Tagen dort einkaufte.
"Haben Sie schon die neue Kundenkarte?"
"Nein."
"M├Âchten Sie eine? Sie brauchen dies hier nur auszuf├╝llen."
Ich warf einen kurzen Blick auf das briefgro├če Werbeheftchen, fr├Âhliche Kornbr├Âtchen lachten mir entgegen... Sollte ich tats├Ąchlich Stammkunde in diesem Supermarkt werden, konnte sich die Karte wohlm├Âglich lohnen.
"Nnnja, aber ich m├Âchte mir das erst mal durchlesen." Eine Kundin vor mir hatte sich den Prospekt mitgeben lassen.
Die Kassiererin ├Âffnete das Faltblatt, zeigte auf das DIN A4 gro├če Antragsformular: "Das m├╝ssen Sie ausf├╝llen." Dann faltete sie das Blatt wieder zusammen und ├╝berreichte es mir.
Zuhause sah ich mir den Prospekt an. Irgendein durchgeknallter Kreativer hatte sich seiner Kindheit erinnert und den abgebildeten Br├Âtchen und Fr├╝chten lustige Ernie und Bert-Augen und M├╝nder verpa├čt. HappyDigits sollte man also sammeln. Nun fragt sich der Verbraucher, falls er sich noch ├╝berhaupt etwas fragt und nicht zum gehirnlosen Konsumenten mutiert ist, was sind HappyDigits? Aber keine Sorge, der Werbetexter haute einem den Begriff so lange um die Ohren, bis auch der letzte Kretin verstand, HappyDigits sind nichts anderes als Bonuspunkte oder Rabattmarken. Doch anscheinend sind diese Begriffe so etwas von out, da├č man sie nicht mehr verwenden darf. Seitdem Hohlk├Âpfe aus allen Berufssparten auf Firmen- oder Staatskosten zur Inspiration in die USA reisen, f├╝hren sie als Ergebnis, als kreative Gegenleistung, Anglizismen wie Anchorman, Location, Advertising, Floor Manager oder Streetwalker ein, um so den Mangel an wirklich neuen Ideen zu vertuschen. Will man nicht als v├Âllig vertrottelter Don Quixote dastehen, zieht man bei dem Trend mit, erkl├Ąrt seine verkorksten Beziehungen zum Patchwork-Verh├Ąltnis, den Kegelabend zum Event und die Kneipe zur Location. Wie hie├č es doch? Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf, auch Ochs und Esel halten ihn nicht auf.
Aber was interessierte mich die Werbung und deren Macher, ich wollte meine wohlverdiente Pr├Ąmie, die ich durch ├╝berteuerte Preise selbstfinanziert hatte, einkassieren. Leider mu├čte ich feststellen, meine Kohle bekam ich nur als Sachwerte wieder, etwa als Edelstahlvase, CD-Uhrenradio, Ohranstecker oder Bollerwagen. Also, alles Dinge, die ich in meinem bisherigen Leben schon immer schmerzlich vermi├čt hatte, und nun konnte ich diese Sch├Ątze erhalten. Voraussetzung, ich f├╝llte den Antrag zur Bonuskarte aus. Bei den Angaben fragte ich mich etwas skeptisch, wozu braucht mein Supermarkt meine Adresse? Wollten sie mich ab sofort beliefern? Und wozu mein Geburtsdatum? Hatte ich an diesem Freudentag mit einem Pr├Ąsent zu rechnen?
Gro├čz├╝gig verk├╝ndete der Prospekt, ich erhielte sofort Sonder-HappyDigits, falls ich noch einige Zusatzangaben (Telefon-, FAX- und SMS-Nummer... ) machte und gleichzeitig meine Einwilligung erteilte, Partnerunternehmen meine Daten zur Marktforschung, Beratungs- und Informationszwecken zu ├╝berlassen. Als Gegenleistung w├╝rde man mir Produktinformationen ├╝ber die von mir angegebenen Informationskan├Ąlen zustellen. Ich stie├č ein Halleluja gen Himmel aus, bestand doch gegenw├Ąrtig nur etwa 80% meiner Eingangspost aus unangefordertem Werbem├╝ll, die Aussicht auf eine weitere Steigerung l├Âste in mir einen Begeisterungssturm aus. Zu meiner ├ťberraschung hatte der Prospekt noch ein Sahneh├Ąubchen, wortw├Ârtlich ein Bonbon bereit. Eine Zahlkarte mit der ich bargeldlos und bequem in ihrer Gesch├Ąftskette einkaufen konnte. Das konnte ich mit meiner EC-Karte zwar auch, der Vorteil wurde mir nicht so richtig bewu├čt, aber vielleicht sollte man auch nicht so viel ├╝berlegen... Her mit dem Bollerwagen! - und die Antr├Ąge ausgef├╝llt. Gut, ich sollte Personalausweisnummer, Geburtsort, Familienstand, Beruf und Staatangeh├Ârigkeit angeben, aber das mu├č man bei der Er├Âffnung eines Kontos bei einer Bank auch. Und warum sollte ich meinem Supermarkt nicht noch zus├Ątzlich den Beruf meiner Lebensgef├Ąhrtin, meine Wohnverh├Ąltnisse (Miete, Eigentum) und meine fr├╝here Adresse angeben? W├Ąre es da nicht viel einfacher und praktischer jedem B├╝rger einen Chip mit den wichtigsten Daten (Stamm-, Familien-, Besch├Ąftigungs-, Kranken-, Einkaufs-, Reisedaten etc.) um den Hals zu h├Ąngen, und diese einmal im Jahr zu aktualisieren? Ehrliche Gesch├Ąftsleute w├╝├čten dann sofort, ob die verlangten Artikel ├╝berhaupt der finanziellen Lage des Kunden entspr├Ąchen. Die Beratung k├Ânnte sachgem├Ą├č auf die Bed├╝rfnisse des K├Ąufers abgestimmt werden. "Sie wollen dieses Rasierwasser von Kenzo kaufen? Entschuldigen Sie, Sie haben Ihr Konto ├╝berzogen... Au├čerdem ist das doch viel zu teuer f├╝r einen Arbeitslosen. Hier nehmen Sie Old Spice, das tut's doch auch! Pa├čt auch noch in ihre Kreditlinie..." Und welche M├Âglichkeiten der Kommunikation w├╝rden sich beim Scannen des Chips an der Kasse auftun. "Ach, Ihre Freundin ist bei Sony besch├Ąftigt? Sehen Sie, ich habe da ein Problem mit meiner Fernbedienung..." Oder bei einer Verkehrskontrolle. "Sie waren in diesem Jahr schon zweimal im Libanon, kommen Sie doch mal mit zur Wache..."
Nat├╝rlich werden sich vor dieser segenreichen Einf├╝hrung - wie immer - einige neunmalkluge Intellektuelle aufregen, aber da stellt sich doch die berechtige Frage: Was hat ein anst├Ąndiger, aufrichtiger B├╝rger zu verbergen? Nur Betr├╝ger, Diebe und anderes zwielichtiges Gesindel hat Interesse an Anonymit├Ąt. Wer regt sich heute noch ├╝ber ├ťberwachungskameras auf? Es versteht sich nat├╝rlich von selbst, da├č Abgeordnete Immunit├Ąt genie├čen, und Gesch├Ąftsleute und Angestellte mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 ÔéČ von diesen Angaben befreit sind. Mit einer solchen Auflage m├╝├čte das Gesetz doch durch den Bundestag gehen...











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Aneirin
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Hallo Z.Blank,

Du hast den Text bei Kurzgeschichten reingestellt, aber eigentlich enth├Ąlt er ├╝berwiegend eine Beschreibung und ist damit keine Kurzgeschcihte im klassichen Sinn, die mir n├Ąmlich einen Augenblick (nicht ganz w├Ârtlich nehmen) im Leben des Protagonisten zeigen soll, die f├╝r ihn eine Wendung oder Entscheidung bringt und dann einen offenen Schluss hat (Abweichungen sind m├Âglich).

Der Text w├╝rde mehr Schwung und Spannung gewinnen, wenn Du ihn in Handlung aufl├Âst. Du f├Ąngst gut an mit der Handlung (Gespr├Ąch Protagonist/Verk├Ąuferin) und es k├Ânnte dann eine herliche Satire ├╝ber die Ausw├╝chse der Werbung daraus werden, statt dessen kommt Dein Protagonist dar├╝ber ins Philosophieren, wie mit dem Normalb├╝rger umgegangen wird.

Die Aussage des Textes ist negativ und deshalb hast Du auch eine negative Sprache gew├Ąhlt. W├Ârter wie "Werbegeier", "Anmache" usw. lassen Text f├╝r mich aber auch lieblos wirken, so als h├Ąttest Du ihn schnell runtergeschreiben und dann rein in die Lupe. Das muss nicht so sein, aber auf mich wirkt es so.

Viele liebe Gr├╝├če
Aneirin

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Z.Blanck
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Hallo Aneirin,
einige kurze Anmerkungen:
- "Du hast den Text bei Kurzgeschichten reingestellt..." s.o. Dialog mit Rainer. Der Text ist nat├╝rlich keine Erz├Ąhlung, ich fand aber keine passende Rubrik.
- Die Geschichte an der Kasse ist nur der Einstieg... (war der Aufh├Ąnger f├╝r mich, wie leichtfertig wir heute mit pers├Ânlichen Daten umgehen.)
- Bei dem Text handelt sich um eine (Gesellschafts?)Kritik. (Der Text ist keine Satire. Es geht auch nicht um die Ausw├╝chse der Werbung, sondern um die Ansammlung von Daten in fraglichen H├Ąnden - hin zum gl├Ąsernen B├╝rger. Es hat f├╝r mich nichts mit Philosophie zu tun, wenn man sich fragt, was geht den Supermarkt an der Ecke der Beruf meiner Freundin/Frau an.)
- Zur Wortwahl: Ich schreibe in der 1.Person. Aus diesem Grund schildere ich die Personen und ihr Handeln mit meinen subjektiven (auch negativen) Empfindungen/Worten. Ein (oder vielleicht das) Privileg des Ich-Erz├Ąhlers!!! Warum sollte ich es ohne Not aus der Hand geben? Warum sollte ich Werbegeier, Anmache oder Kredithaie nicht beim Namen nennen?
Wenn der Text deshalb auf Dich lieblos wirkt... mu├č ich wohl damit leben.

Gru├č Z.Blanck

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