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Leselupe.de > Kindergeschichten
Möchtegern
Eingestellt am 25. 02. 2017 17:02


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Astoria
Hobbydichter
Registriert: Oct 2014

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Fridolin kann alles – verzögertes Frühstücken.

Fridolin ist ein 10-jähriger Junge. Fantasievoll, etwas dicklich, sportlich, na ja sagen wir mal - nicht unfit-. Er ist täglich ein anderer. Gestern war er ein Straßenbahnführer. Vorgestern ein Tierarzt. Heute will er Gott sein, das hat er sich vorgenommen. Heut bin ich - Gott, der Liebe -, hat er gleich morgens nach dem Aufstehen allen verkündet. Damit auch niemand daran zweifelt, kam er, arg verspätet, gleich in seinen Schlafanzug zum Frühstückstisch, an dem die Familie schon ungeduldig und hungrig auf ihn wartete.
Wir waren solche Auftritte gewohnt, aber im Schlafanzug und ungewaschen? Das geht schon mal gar nicht. Aber Fridolin war nicht zu bewegen.
„Gott geht nur in Weiß!“
„Aber nicht ungewaschen. Ih, wie du riechst, noch richtig verschwitzt“ sagte sein Bruder Felix. „Und hast du schon deine morgendlichen Pflichtübungen gemacht?“
Mutter meinte, “Dein Marmeladenbrot wird dir sicher nicht schmecken, wenn du nicht die Zähne putzt.“
Fridolin ist nicht zu beeindrucken. Er bleibt Gott! „Ich bin Gott und der darf das, Punkt.“ Es trat eine Pause ein. Er weiß nicht weiter, steht mitten in der Küche und sagt: „Mich friert.“
„Ist doch klar Mensch, aus dem warmen Bett, kaum was an und sich nicht bewegen. Du musst frieren. Los, geh jetzt ins Bad, wasch dich, zieh dich an und komm zum Frühstück, beeil dich, ich hab Hunger, die Milch wird kalt“, meldete sich Felix, der Bruder, belehrend zu Wort.
Kalte Milch mochte Fridolin überhaupt nicht. Das ist wie ein Signal zu Handeln. Tatsächlich er bewegt sich, aber nur paar kleine Schritte, zum Tisch, wo die warme Milch und das Marmeladenbrot locken. Kurz vor dem Tisch stockt er, besinnt sich und verkündet pathetisch: „Ich möchte mein Frühstück ans Bett, bitte. Ich leg mich dazu nochmal hin.“
Nun waren alle baff. So etwas gab es ja noch nie. Die Familie war schon einiges gewohnt von seinen Fantastereien, aber das ging denn doch etwas zu weit.
„Und wer darf dir das Frühstück ans Bett servieren, Mein Gott?“, versuchte Mutter, über das Szenario lächelnd, auf ihren lieben Sohnemann einzugehen.
Und der konterte sofort: „Das liebe Engelchen Felix, wenn ich bitten darf.“
Felix war sogleich empört: „Mann, du hast wohl een Knall, een großen, Mensch, du spinnst.“ Felix war außer sich. Nein sowas, wie kann der nur.
Die anfangs fröhliche, friedliche Frühstücksstimmung war dahin, der Tag hatte einen Riss bekommen.
Felix verließ wütend den Tisch und schimpfte vor sich hin. „Der spinnt doch, der Idiot. Der hat wohl schlecht geträumt. Der war noch nicht Kacken. Gehirn verklebt.“
„Meine lieber Fridolin, das war deutlich, hast du das gehört?“ Unterstützt die Mutter ihren Jüngsten. „So geht es wirklich nicht! Jetzt tu, was dir gesagt wurde, sonst gibt es kein Frühstück!“
Der liebe Gott denkt, so weit sind wir schon gekommen – Nahrungsentzug -. Ist das nicht laut Gesetz verboten? Und das in der eigenen Familie? Ich werde mich wohl kräftig mit einem göttlichen Donnerwetter durchsetzen müssen. Schließlich bin ich Gott. Das ist doch was! Oder?
„Mutter, ich glaub, es ist an der Zeit einen Arzt aufzusuchen mit Fridolin. Der muss ihm eine ordentliche Spritze in den Hintern verpassen. Das wird sonst immer schlimmer. Der tyrannisiert uns doch. Wer sind wir denn? Ich schreie gleich um Hilfe!“
Diese Worte, seines Bruders, gehen nicht ungehört an Gott vorüber. „Lieber Bruder, höre doch, ich meine es nur gut mit euch allen. Ich bin doch der liebe Gott. Ich darf gar nicht böse sein auf euch, schon von Gottes wegen, ihr habt doch alle meinen Segen. (Scheiße mich friert, wartet nur, ich krieg euch schon noch zur Weißglut, haha lustig).
Jetzt wird es sogar der sonst stillen und ruhigen Gisela zu viel. Sie steht auf vom Tisch, an dem sie es sich noch gut schmecken lies, während die anderen sich aufregten, ging auf den lieben Gott zu, nahm ihn bei der Hand und sagte „Komm lieber Gott“, führte ihn widerstandslos in das Bad, kommt ohne ihn wieder hinaus und schließt von außen ab. Ruhe. Der liebe Gott sagte kein Wort bei dieser Aktion von Gisela. Er lässt es geschehen. Die anderen sperren den Mund auf und staunen über Gisela und Fridolin. Der steht sprachlos im Bad und muss das soeben Geschehene erst einmal innerlich verarbeiten. So selbstverständlich wie Gisela ihren Bruder ins Bad leitete. Nein, das war schon Krass.
Plötzlich hörte man eine laute Stimme aus dem Bad. “Das ist Freiheitsberaubung, das dürft ihr nicht!“
Felix findet sich wieder und sagt gelassen: „Am besten du rufst die Polizei an, du bist doch Gott, du kannst das auch ohne Handy. Wenn du sauber bist, lassen wir dich raus. Natürlich nach Prüfung ob du wirklich sauber bist.“
Fridolin sah jetzt keinen Ausweg. Wenn Felix so spricht, ist es ernst. Ich werde mich wohl oder übel waschen müssen, aber mit warmen Wasser, grade! Diese Zeremonie dauert zwar übermäßig lange erzielt jedoch nicht die gewollte Wirkung. Er rief laut „Ich bin jetzt sauber.“
„Glauben wir nicht.“
„Doch!.“
„Beweise es.“
„Wie denn, ihr könnt es doch nicht sehen“, rief Fridolin mit weinerlicher Stimme.
„Aber ahnen“ ruft Felix „Steck deinen linken Ringfinger durch das Schlüsselloch, dann werden wir sehen.“
„Geht nicht, mein Finger ist zu dick.“
„Du hast zu viel gegessen.“
„Ich will hier raus!“
„Komm doch, als Gott kannst du alles.“
Stille. Fridolin der Gott, denkt. Sehr lange. „Also gut, ihr habt gewonnen. Alles kann der liebe Gott wohl auch nicht.“
„Endlich, er hat´s begriffen“ stöhnt Felix erleichtert auf.
Gisela ergreift wieder die Initiative, geht zum Bad und befreit ihren Bruder vom Alleinsein.
Endlich Frühstück!
Möchtegern

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