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Leselupe.de > Kurzprosa
Moment mal!
Eingestellt am 25. 02. 2007 10:15


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HFleiss
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Registriert: Jan 2006

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Mit den Schlangen im Discounter ist es so eine Sache: Immer erwische ich die, wo gerade die Kasse klemmt. ├ľffnet dann der Nebenschalter, bin ich nicht schnell genug mit meinem Wagen und stehe erneut am Ende des Einkaufswurms.

Heute gebe ich Obacht wie eine L├╝chsin, die ihre Jungen besch├╝tzt. F├╝nfzehn Leute vor mir, mit Blicken, die noch nicht mal Ungeduld ausdr├╝cken, nur qu├Ąlende Lethargie. So oder so, irgendwann ist man doch dran. Vorn, an der Kasse, wo eine junge m├╝de Frau mit l├Ącherlichem Schw├Ąnzchen im Nacken sitzt und sich gerade vertippt hat. Sie ruft nach einem Kollegen.

Ich ├╝berrechne meinen Einkauf: Brot, Margarine, Pflaumenmus, Bananen, ein Liter Milch.
Wenig genug, um an mir reich zu werden. Der ├Ąltere Mann in meinem R├╝cken st├Â├čt mir seinen Einkaufswagen in die Waden. Er ist nicht der Erfinder von Entschuldigungen. Ich spar mir den b├Âsen Blick nach hinten, seufze noch nicht einmal.

Das Band kommt in Sicht. Der Typ hinter mir ist nicht nur unaufmerksam, sondern auch hektisch. Er packt sein Zeug zuerst aufs Band, mir bleibt kein Platz. ÔÇ×Sie werden entschuldigenÔÇť, sag ich und schieb den ganzen Ramsch nach hinten, weil sich eben das Band wieder bewegt. Er schie├čt einen emp├Ârten Blick auf mich. Vorsicht, hei├čt das, ich kann auch anders.

Die L├╝chsin ist abgelenkt. Der junge Mann, der sich durch die wartenden Leute schiebt,
ist der Kassierer an der Nebenkasse. Die Kasse klingelt probehalber. Ich erwache erst, als es hinter mir raunt, dr├Ąngelt und schiebt. Ich zieh meinen Wagen zur├╝ck, ich muss unter den Ersten sein. Ich raff meinen Einkauf zusammen.

Da geschieht es. Der brachiale Typ hinter mir war schneller. Er stemmt seinen Wagen in die Seite meines Wagens. Er blitzt: Achtung, ich bin Boxer. Ich verstehe ihn ja, aber Gerechtigkeit muss sein. ÔÇ×Moment mal!ÔÇť fahr ich ihn an.

ÔÇ×Wo kommen wir denn da hin?ÔÇť Der Typ ist entr├╝stet. Schon steht er ganz vorn in der Schlange des jungen Kassierers. Er beschwert sich bei den anderen Leuten ├╝ber meine Frechheit. Die Sache ist peinlich.

Es hat keinen Sinn, hier will ich nicht sein. Ganz langsam geh ich zur├╝ck in meine Heimatschlange. Das Brot, das ich wieder aufs Band lege, wiegt jetzt zwei Zentner. Ringsum wird gegrinst. Ich mache es, wie mein Kater Moritz: Ich lecke mir die Wunden, wo es blutet.



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Beba
Guest
Registriert: Not Yet

Ist ja eine "nette" Szene, die jeder wohl nur zu gut kennt und in der jeder nat├╝rlich auch nur den "guten" Part spielt. ;-)

Ein paar Teile m├Âchte ich herausgreifen, die mir nicht gefallen haben:

quote:
Heute gebe ich Obacht wie eine L├╝chsin, die ihre Jungen besch├╝tzt
"die ihre Jungen besch├╝tzt" ist unpassend, wie du ja selbst schon in einer Antwort auf fr├╝heres Feedback gesagt hast.

quote:
F├╝nfzehn Leute vor mir, mit Blicken, die noch nicht mal Ungeduld ausdr├╝cken, nur qu├Ąlende Lethargie.
Sagt nicht wirklich etwas aus. Solltest du ausbauen oder weglassen.

quote:
Wenig genug, um an mir reich zu werden.
Wen interessiert das? In welchem Zusammenhang steht diese ├ťberlegung?

quote:
Er ist nicht der Erfinder von Entschuldigungen.
Ist irgendwie platt!

quote:
Das Band kommt in Sicht
"In Reichweite" passt hier vielleicht eher, denn in Sicht ist es nach meiner Erfahrung nach meist verflucht lange. ;-)

quote:
Ich lecke mir die Wunden, wo es blutet
Ich w├╝rde kurz sagen: Ich lecke meine Wunden!

Zwei Stellen, die mir besonders gefallen:

quote:
Die L├╝chsin ist abgelenkt.
Setzt das Bild der L├╝chsin sehr gut fort, und zwar zum rechten Moment.

quote:
Es hat keinen Sinn, hier will ich nicht sein. Ganz langsam geh ich zur├╝ck in meine Heimatschlange. Das Brot, das ich wieder aufs Band lege, wiegt jetzt zwei Zentner.
Da hast du den R├╝ckzug aber sehr sch├Ân beschrieben.

Ich hoffe, meine Anmerkungen kommen richtig r├╝ber. Es sind halt meine pers├Ânlichen Ansichten und Anmerkungen. Vielleicht helfen sie, vielleicht ├Ąrgern sie, ich wei├č es nicht. Aber sie sind gut gemeint. ;-)

Beba











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