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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Momentaufnahmen
Eingestellt am 13. 03. 2011 09:45


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Arno Abendschön
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

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Auf Reisen sind wir empfĂ€nglicher fĂŒr das Besondere. Der Alltag hat uns losgelassen, unser Bewusstsein wird schĂ€rfer. Was wir dann aufnehmen, sind oft BruchstĂŒcke aus einem grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang, den wir nicht kennen. So bleiben die Bilder in unserem Kopf Fragmente von Geschichten. Wir erinnern uns spĂ€ter oft an sie, aus Neugierde. Wir wĂŒssten noch immer gern, wie es damals weiter gegangen ist.

FRANKFURT UM 1980: Mein Zug steht im Hauptbahnhof, abfahrbereit. Ich blicke hinaus auf den Bahnsteig. Das ĂŒbliche Gewimmel, die Routine von Abfahren und Ankommen. Plötzlich nimmt das Auge zwei stark beschleunigte Bewegungen wahr, es lösen sich zwei Einzelpersonen aus dem Chaos der Objekte. Ein junger Mann rennt, schlĂ€gt Haken und verschwindet blitzschnell in einer UnterfĂŒhrung. Ihm setzt ein anderer nach, schreiend. Er ist gerade bestohlen worden. Wird er den Dieb einholen? Oder ein anderer diesen festhalten? Ich werde es nie erfahren. Mein Zug fĂ€hrt pĂŒnktlich ab.

WÜRZBURG 2001: Ich stöbere in einer großen Buchhandlung. Plötzlich spricht mich von der Seite eine junge Frau an und fragt mit slawischem Akzent: "Haben Sie Arbeit fĂŒr mich? Oder kennen Sie jemand, der Arbeit hat?" Ich verneine beides und sie verschwindet rasch zwischen den anderen Kunden. Welche Art Arbeit sucht sie? Warum hat sie gerade mich angesprochen? Wie wird ihr weiteres Schicksal sein?

FRANFURT 1979: Auch diesmal sitze ich in einem abfahrbereiten Zug und schaue hinaus. Auf dem Gleis gegenĂŒber steht ein Zug in die DDR. Eine nicht mehr junge Frau zögert vor einer WagentĂŒr mit dem Einsteigen und blickt unruhig den Bahnsteig entlang. Indem der Zug abfĂ€hrt, kommt ein Mann angelaufen - zu spĂ€t. Die Frau schreit - Stimme und GebĂ€rde ganz griechische Tragödin -: "Hans, Hans!" Beide lassen sich wie vernichtet auf eine Bank fallen. Warum scheint es eine Katastrophe fĂŒr sie zu sein, diesen Zug verpasst zu haben?

DÜSSELDORF UM 1975: Ich bin zum ersten Mal da und habe mir das Stadtzentrum angesehen. Jetzt stehe ich vor dem Hauptbahnhof und will zurĂŒck nach Köln. In diesem Moment lösen sich aus einer dichten Menschentraube zwei junge MĂ€nner, schreiend und gestikulierend. Der eine hat eine stark blutende, großflĂ€chige Gesichtsverletzung. Offenbar ist er eben attackiert worden. Was werden die beiden tun? Sie gehen aufgeregt in den Bahnhof hinein. Ich folge ihnen. Der Verletzte blutet so sehr, dass er dringend einen Arzt benötigt, so meine EinschĂ€tzung. Und warum ruft keiner die Polizei? Die beiden bleiben vor der Übersichtstafel der abfahrenden ZĂŒge stehen und suchen sich einen heraus. Dann verschwinden sie wie andere auch in der Menge, die zu den Gleisen strömt. So verstörend das Bild, so unverstĂ€ndlich auch der Ablauf des Geschehens – fĂŒr mich.

Im RĂŒckblick sehen wir so viele Splitter von Geschehnissen, die wir nicht ganzen Geschichten zuordnen können. Wir mĂŒssten allwissend oder Gott sein, um sie von Anfang bis Ende erzĂ€hlen zu können. Ehrlich gesagt, ich kann mir keine Geschichte vorstellen, mit der uns das im Leben je gelingen könnte.

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