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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Momente von ...
Eingestellt am 03. 02. 2003 02:04


Autor
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BenAlibi
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2001

Werke: 43
Kommentare: 11
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Momente von ...


... Wiedersehen

Ist jetzt auch schon wieder zwei Wochen her. Unser regelm├Ą├čiges 68er Treffen, das dieses Jahr zum erstenmal statt fand. Muss aber sagen, der alte Geist der 68er scheint nicht mehr bei allen Br├╝dern und Schwestern so lebendig zu sein. ├ťbrigens ist der Goldhamster meiner Nichte auch vor 2 Wochen gestorben. Unser Treffen fand in einer alten Scheune statt. Wie ich ├╝brigens einen Tag sp├Ąter aus der Zeitung erfahren musste, zum letzten Mal. Dabei hatte ich, als ich ging, noch gesagt: "Der letzte macht das Lagerfeuer aus." Na ja. Wie sollte ich nach 2 K├Ąsten Pils und 4 Joints noch raffen, dass alle anderen schon weg waren? Der Tag fing auch schon so merkw├╝rdig an. Ich begr├╝├čte meine Br├╝der und Schwestern mit einem frisch-flockigen "Peace", worauf man mir einstimmig entgegnete "An den beiden Eichen hinter der Scheune, Bruder."
Am meisten freute ich mich ja auf die gute alte Lagerfeuerromantik. Die Sterne ├╝ber dir und Winfried, der seine Gitarre auspackte und seine Version von DJ Bobos neuesten Hits abklampfte. Ich h├Ątte mir zwar lieber was von Donovan oder Bobby gew├╝nscht, aber hey, auch 68er m├╝ssen mit der Zeit gehen. Deshalb waren wir ja auch nur noch 12 von ehemals 15.


... Sinnen

An dieser Stelle sollte ich mich vielleicht auch mal mit den gro├čen Problemen in diesem Land besch├Ąftigen, wie das auch viele meiner Kollegen tun. Themen wie Gleichberechtigung, Emanzipation - um nur mal zwei Beispiele zu nennen oder auch Ausl├Ąnderfeindlichkeit. Viele Deutsche glauben ja, dass man gegen Ausl├Ąnder mit brutaler Gewalt vorgehen sollte. Ich glaube dies nicht - ich wei├č es und praktiziere es auch selbst. Hab mir vor einigen Wochen einen Baseballschl├Ąger zugelegt. Massivholz. Bausatz von Ikea. Modell ÔÇ×Beat it", aber das geht gar nicht so leicht. So einen Ausl├Ąnder muss man ja erst mal vor den Schl├Ąger kriegen. Also hab ich in meiner Wohnung die T├╝r nicht abgeschlossen, vier Meter Knoblauchgirlanden in allen R├Ąumen verteilt aufgeh├Ąngt und gewartet. Ich war mir sicher, das w├╝rde sie herlocken. Nichts war. 6 Stunden gewartet. Dann gab ich es auf und wollte bei Rudi um die Ecke noch n Korn trinken, wurde aber wegen des Geruchs den meine Kleidung inzwischen angenommen hatte von einer Horde Jugendlicher zusammengeschlagen. Aus so einer Erfahrung lernt man.
Zur├╝ck in meiner Wohnung, nach 7 Wochen Krankenhausaufenthalt, sehe ich jetzt alles ganz anders. Obwohl, die Aktion hatte ja doch etwas gutes, schlie├člich finde ich jetzt wegen des nicht mehr aus der Wohnung entfernbaren Geruches immer wieder nach Hause. Als ob ich das geahnt h├Ątte, dass ich bei der Schl├Ągerei mein Augenlicht verlieren w├╝rde.


... lightnehmen

War neulich in einer Kneipe. Freitag Abend. Hab gedacht gehst heute einfach mal in ne Kneipe. Ich ging also rein. War etwa drei Jahre in keiner Kneipe mehr. Ich wollte damals mein T-Bone Steak in dieser Metzgerei wirklich bezahlen. Ehrlich. Hatte mein Geld zu Hause vergessen. Und wie gesagt, jetzt wo ich wieder drau├čen bin, hab ich mir einfach gedacht, geh doch mal wieder in ne Kneipe. Ich ging also rein, setzte mich an einen Tisch und bestellte eine Limonade - light versteht sich. Nach drei Jahren sollte man langsam anfangen. Nachdem ich mich ├╝ber drei Limonaden - light versteht sich - und eine Cola hergemacht hatte, sa├č sich pl├Âtzlich eine Frau an meinen Tisch. Ich dachte erst ich halluziniere und wollte schon alles auf einen Koffeinschock schieben, aber ich musste feststellen, dass da wirklich ein weibliches Wesen neben mir sa├č. Wer sonst als eine Frau solltet nachdem sie schon eine Ewigkeit sitzt, fragen: "Ist hier noch frei?". Von dem Wort frei inspiriert erz├Ąhlte ich ihr von meiner Entlassung aus dem Knast, aber sie sagte nur, sie h├Ątte schon ein Zeitungsabonnement und noch eins k├Ânne sie sich bei ihrem Gehalt als Korrekturleserin bei einem renommierten B├╝cherverlag nicht leisten und au├čerdem sei sie ohnehin Analphabetin und ging. Nach einer Weile kam ein Typ zu mir an den Tisch, der, wenn man ihm ein Feuerzeug vor den Mund gehalten h├Ątte, die Antarktis zu einer Legende h├Ątte werden lassen und fragte mich, ob ich eine Mark f├╝r ihn h├Ątte. Ich fragte ihn, ob ich so aussehe, er sagte ja und ich gab ihm seine Mark. Ich gebe zu, im nachhinein war es eine schlechte Idee mir von meinem Zellengenossen Ludger diese T├Ątowierung eines Markst├╝ckes auf die linke Backe t├Ątowieren zu lassen, aber wer denkt auch schon daran, dass er Jahre sp├Ąter daf├╝r zahlen muss ? Vielleicht Bernhard aus Zelle 4a. Sah ihn letztens mit einem Korken von einem 130 Liter Weinfass in seiner Backe. Ich fand, dass es an der Zeit war zu gehen. Die Light-Limos und die Cola - 8 Mark 80 Pfennige. Ich greife in meine Manteltasche um meine Brieftasche herauszuholen und greife in einen Moment von Deja-vu. Ich hatte mein Geld zu Hause vergessen. Dabei dachte ich noch als ich den U-Bahn Schacht verlie├č: vergiss blo├č nicht dein Geld. Ich fragte den Wirt, ob ich das Geld vielleicht durch Gl├Ąsersp├╝len abarbeiten k├Ânnte, aber er sagte, er sp├╝le nie Gl├Ąser und rief die Polizei. Die Polizei traf ein und der Beamte fragte mich gleich, ob ich nicht dieser T-Shirt Typ sei. Ich sagte :"T-Bone". Er sagte: "Hauptwachtmeister Marburg, 19. Revier" und legte mir Handschellen an. Ich bekam 3 Jahre, 11 Monate und 364 Tage wegen Diebstahl von drei Limonaden - light versteht sich, was ├╝brigens zu einer Strafmilderung von einem Tag f├╝hrte, und einer Cola. Es stimmt also doch: Kalorienbewusst leben lohnt sich.



... Konsum

War neulich einkaufen. Im Einkaufscenter. Mitten in der Stadt. Mein Taschenrechner war kaputt. Immerhin ein Geschenk zu meiner Kommunion von meinem Gro├čvater. Der hatte den Rechner von seiner Urgro├čmutter geerbt. Also ich hing sehr an diesem Ger├Ąt. Aber kaputt ist kaputt. Und wenn ich schon mal etwas neues kaufe, dann richtig. Also entschied ich mich f├╝r einen Computer. Im Computerladen, in der untersten Etage des Einkaufscenters, was sich wirklich nur auf dessen Position und nicht die Preise bezog, suchte ich fachkundige Beratung. Durch meinen alten Rechner bin ich zwar kein Laie im Umgang mit modernster Technik, aber bei den Preisen die die dort verlangen, sollte man auch den Service nutzen. Der Verk├Ąufer sagte, er w├╝rde mir einen PC vorf├╝hren und ich entgegnete ihm, dass der Firmenname keine Rolle spiele. Auf die Frage, ob ich irgendwelche Vorstellungen von meinem zuk├╝nftigen Ger├Ąt h├Ątte sagte ich: rot. Schlie├člich habe ich einen roten Arbeitstisch und sollte, was bei so einem teuren Ger├Ąt durchaus im Bereich des m├Âglichen liegt, sich mal ein Dieb in Versuchung gef├╝hrt f├╝hlen, w├╝rde er es nicht leicht haben, es sei denn, er habe es auf einen Arbeitstisch abgesehen. Der Verk├Ąufer sagte mir, dass Computer in rot nicht ├╝blich seien er aber noch andere Modelle - was er weiter sagte wei├č ich nicht, denn ich lie├č ihn reden und verlie├č den Laden. In einem Antiquit├Ątenladen in der dritten Etage entdeckte ich dann einen Computer. Knallrot. Der Verk├Ąufer, der mich stark an eine Fotografie der Urgro├čmutter meines Gro├čvaters erinnerte, nannte den Computer Rechenschieber, aber auch ihm sagte ich, dass Firmennamen nur Schall und Rauch sind. Ich zahlte und ging. Der Computer funktioniert fast einwandfrei - nur bei Bruchrechnungen
ist es oft etwas m├╝hsam, die Kugeln wieder zusammenzuleimen. Aber so oft bricht man sich ja nichts.


... Fragen ├╝ber Fragen

WAS MACHST DU DENN DA?
Ich lese.
JA.JA. DAS SEHE ICH AUCH. INTERESSANTES BUCH?
Nein. Normales Papier. Die Geschichte ist echt toll. Ehrlich.
HMM. UND WORUM GEHT ES ? WENN MAN FRAGEN DARF?
Also ich hab bis jetzt erst 3 Kapitel gelesen.
JETZT ERZÄHL DOCH MAL. WAS IST DENN IN DEN 3 KAPITELN PASSIERT?
Also, eigentlich ging es um ein Vorstellungsgespr├Ąch.
AHA. UND?
Da ist also so ein Typ der wohnt in M├╝nchen und der hat ein Vorstellungsgespr├Ąch bei einer D├╝sseldorfer Firma. Aber das Gespr├Ąch findet in Frankfurt statt. Und als er den Firmenvertreter dann in Frankfurt trifft, kommt ihm dieser sehr bekannt vor, obwohl er genau wei├č, dass das nicht sein kann.
WIE? DAS KANN NICHT SEIN?
Naja, er kennt doch alle Leute in Frankfurt.
ER KENNT ALLE?
Ja, wegen seines Gro├čvaters.
WAS HAT DER DENN DAMIT ZU TUN?
Na, der hat doch den Brief zerschnitten.
NOCHMAL ÔÇô BITTE.
Also, der Typ hat mal auf eine Kontaktanzeige in der FAZ geantwortet. Und einen Tag nach seinem letzten Geburtstag kam dann ein Antwortbrief. Aber sein Gro├čvater, mit dem er in einem Haus lebt, naja, der sieht etwas schlecht, ist ja auch schon ziemlich alt, nun, der hat gedacht der Brief w├Ąre f├╝r ihn und wollte ihn ├Âffnen, hat aber, weil er doch schon ziemlich alt ist und nicht mehr so gut sieht, den Brief├Âffner mit dem elektrischen Fleischmesser verwechselt. Naja, so blieb von dem Brief nicht mehr viel ├╝brig. Man konnte nur noch erkennen, dass er aus Frankfurt kam, aber sonst war von der Adresse nichts mehr zu erkennen. Der Typ musste also nach Frankfurt und sich auf die Suche machen.
WIESO MUSSTE ? DAS IST DOCH ZIEMLICH AUSSICHTSLOS.
Ja schon. Aber er dachte weil der Brief gerade einen Tag nach seinem Geburtstag ankam und so folglich an seinem Geburtstag abgeschickt worden sein muss, sei dies ein Wink des Schicksals und die Schreiberin die Frau f├╝rs Leben.
UND WEITER?
Er ist also nach Frankfurt und hat alle H├Ąuser abgeklappert und folglich kennt er jetzt auch alle Bewohner Frankfurts, aber der Firmenmensch war damals sicher nicht dabei.
VIELLEICHT IST ER JA IN DER ZWISCHENZEIT ZUGEZOGEN.
Nein, nein. Er selbst hat ihm doch erz├Ąhlt, dass er schon immer in Frankfurt wohne.
AHA. UND WOHER KENNT ER IHN DANN?
Wenn er das w├╝sste. Auf jeden Fall besch├Ąftigt es ihn nat├╝rlich.
KLAR. UND WIE GEHTS WEITER?
Tja. Da m├╝sste man Kapitel 4 lesen.


... unn├Âtig sein oder nicht sein

Kennen Sie auch das Gef├╝hl? Manchmal kommt man sich total unn├Âtig vor. Total fehl am Platz. Zum Beispiel: Du stehst an der Bushaltestelle. Es ist 2 Uhr morgens. Und der n├Ąchste Bus kommt erst um 5.25 Uhr. Und du willst nach Hamburg. Aber du stehst an einer Bushaltestelle in Niederunterallersaubach und der 5.25 Uhr Bus f├Ąhrt
traditionell Marktplatz - Scheune - Bauer Sichel-Denkmal und zur├╝ck, an ungeraden Tagen. Und dann f├Ąllt dir noch auf, dass du Untenrum nur in deinen rotgepunkteten, lilagestreiften dastehst und doch eigentlich zur Jahreshauptversammlung der Leichenbestattergewerkschaft musst. Ist vielleicht nicht gerade passend. Und du f├╝hlst dich total fehl am Platz und denkst: was mache ich eigentlich hier? Kennen Sie auch das Gef├╝hl? Haben Sie so was auch schon mal erlebt? Dann m├╝ssen Sie mir unbedingt mal davon erz├Ąhlen, also ich kann mir so etwas unrealistisches gar nicht vorstellen.











(c) 1996











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