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Leselupe.de > Kurzprosa
Mon amour
Eingestellt am 19. 06. 2004 00:06


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Cirias
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Mon amour

M O N A M O U R


Die Fliege verharrte regungslos auf der Ablage vor der Frontscheibe. Ihr schw├Ąrzlich-blasses Spiegelbild zerstob in einem pl├Âtzlichen Schwall von Wasser und Lauge. Ein Wink, ein Ruck. Von unsichtbarerer Kraft geschn├╝rt bewegte sich das Fahrzeug in den gl├Ąsernen Tunnel. Dreieinhalb Minuten Sp├╝lgang wei├če Zauberwelt.

Der Handelsvertreter Tomayr beugte den Kopf. Das Summen des Insekts war ganz nah. So r├Ątselhaft nah, traurig-grauer Rauch am Rande seines F├╝hlens. Wolken seine Lippen so, so weich. Die Frau l├Ąchelte ihn an. Wahrscheinlich l├Ąchelte sie immer. Das gelbe Fasergeflecht der Walzen kroch ├╝ber Plastik und Bleche. Wasserfont├Ąnen prasselten wie aus dem Nichts auf die Scheiben. Nur die durchsichtige Haut des Glases sch├╝tzte ihn vor der feuchten und laugigen W├Ąrme. Er sp├╝rte die Hand der Frau an seiner Kleidung. Ihr schuppiger Griff spannte, wurde hart. Er fl├╝sterte etwas von dreieinhalb Minuten, Pr├Ązision und dem Recht hinsichtlich vollkommener Erf├╝llung seiner W├╝nsche. Sie l├Ąchelte. Ihr St├Âhnen verbat er sich. Sein Blick wurde stumpf, fiel und verschlief ├╝ber dunkler W├Ąrme den Augenblick.

Ein Lichtspalt. Wieder n├Ąherten sich die Walzen. Hei├čer Dampfstrahl zischte am Blech. Er zog einen Geldschein aus den P├Ąckchen in seinen prall gef├╝llten Innentaschen. Sie nahm ihn mit spitzen Fingern, gerundetem Blick. Str├Ąhnige Fasern leckten mit saugenden Bewegungen den Wasserfluss. Fleischiges Gelb hatte die Fenster ├╝berwuchert. Es war dunkel, die Ber├╝hrung ihrer Lippen unvermutet. Ein feuchter und k├╝hler Hauch auf Lidern und Nacken. Nicht mehr als die ungef├Ąhre Ber├╝hrung eines Insekts. Er wehrte sich nicht. Windgebl├Ąse rissen und zerrten an den Wasserlachen. Die dunkle, sanfte Reibung gummierter Stoffe glitt schattenhaft ├╝ber das Wageninnere, schl├╝rfte Tropfen und entfliehende Rinnsaale vom Blech.

Das Fahrzeug wurde ausgespien. Es wartete unter dem gro├čen grauen Rand des Himmels. Ein gr├╝nes Leuchtband forderte unverz├╝gliches Anfahren. Der Lack gl├Ąnzte metallen und von Schmutz befreit. Die hervorquellenden Aug├Ąpfel des Handelsvertreters Tomayr blickten, wie immer wenn sie nicht weiter wussten, ein wenig hilflos. Z├Ąhfl├╝ssig rinnender Speichel schwamm unter dem aufgerissenen Lippenwulst. Das Summen eines Insekts schlug den triumphierend stummen Takt.

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