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Leselupe.de > Kurzprosa
Mondlicht oder so (mit Fortsetzung)
Eingestellt am 06. 04. 2001 22:38


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Anna
Wird mal Schriftsteller
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Ich lieg im Bett, der Mond scheint hell. Zu hell. Ich kann nicht schlafen, das Mondlicht malt Kringel an die Wand, die BlĂ€tter des Baumes vor dem Fenster bewegen sich, die Kringel werden unruhig. Der Regen rauscht. Er singt mir ein Gute-Nacht-Lied. Auf dass ich trotz des hellen weissen Lichts einschlafen mag. Das funktioniert aber nicht. Ich geb das Einschlafen auf und öffne das Fenster, setze mich auf die Fensterbank. Auf dem Dach des Nachbarhauses glĂ€nzen die Ziegel die Ziegel vor NĂ€sse, fĂŒr einen kurzen Augenblick fĂ€hrt mir die idiotische Idee durch den Kopf, es hĂ€tte Schnee. Unsinn, mitten im Sommer, der sich aber nicht anmerken lĂ€sst, dass er tatsĂ€chlich der Sommer ist. Er tarnt sich als ein Gemisch aus April (der ja bekanntlich macht, was er will) und grauem Herbst. Er bringt es soweit, dass ich an der GlaubwĂŒrdigkeit meines Kalenders zweifle. Der sagt nĂ€mlich, es sei Ende Juni, also mitten im Sommer. Eigentlich. Aber das scheint dem Sommer nicht zu Ohren gekommen zu sein.
Eine Weile sitze ich nur so da. Ich sitz unnĂŒtz auf der Fensterbank und glotze blöd auf die Matschwiese, auf die glĂ€nzenden DĂ€cher und die ein bisschen weniger glĂ€nzende Strasse. Mir lĂ€uft ein Lied nach. ‚Make a song and make it better...
Live your life and live it better‘ kommt mir in den Sinn, und das kann es ja nicht wirklich sein, das Leben, hier auf der Fensterbank. Man muss es doch besser machen können als alle die schlaflose NĂ€chte vor dem Fenster oder in schlimmeren FĂ€llen vor der Glotze verbringen. Mann muss es doch besser machen können als ich es gerade tue. Wenn ich schon blöd herumglotze, könnte ich das auch draussen tun. Dann friere ich ein bisschen und merke dass ich am Leben bin, dann ist der Spruch, der an meiner ZimmertĂŒre potentielle Besucher empfĂ€ngt und :„Ich lebe!“ heisst, wieder am richtigen Platz, nĂ€mlich an der TĂŒre einer jungen Frau, die glaubt am Leben zu sein. Die, wenn sie in den Spiegel schaut, eine nicht allzu hĂŒbsche und nicht allzu hĂ€ssliche Gestalt sieht. HĂŒbsch wird sie ab und zu genannt, an Familienfesten zum Beispiel. Oder von Bekannten ihrer Eltern. Das ist ihr dann peinlich. Vor allem wenn sie es von der Grossmutter hört. Da kann sie immer ein kleines FĂŒnkchen Neid heraushören. Sie ist sich aber nicht sicher, ob sie wirklich so aussieht wie das Wesen, das ihr jeweils aus dem Spiegel entgegen blickt. Vielleicht ist ihre Haut ja grau und so dĂŒnn, das man darunter die Knochen sehen kann. Einen TotenschĂ€del mĂŒsste sie vielleicht im Spiegel sehen. Oder einen fetten, aufgeblasenen Ballon mit Glubschaugen und einem riesigen Mund. Sie ist jedenfalls froh, dass sie keine so furchterregende Fratze sieht, auch wenn das was sie sieht vielleicht nicht die Wahrheit ist.
WĂ€hrend diesen Gedanken zieh ich mir was anderes an. Kurze Hosen und Pulli, ich will ja nicht zu warm haben.
Schön ist es draussen, schön kĂŒhl. Die HĂ€rchen an den Beinen und Armen stellen sich auf, ich bekommen GĂ€nsehaut. Das wĂ€r ich jetzt gern, eine Gans oder noch lieber ein Adler, ganz weit weg in den Bergen, dort wĂŒrde ich meine Runden fliegen und wĂ€re zufrieden. Ist aber nicht, ich bin ein Mensch und friere. Schuhe trage ich nicht, der Asphalt ist kĂŒhl. Silbriges Mondlicht glĂ€nzt auf der nassen Strasse und den DĂ€chern, immer noch. Es regnet ganz fein. Die Muskeln ĂŒber meinen Rippen beginnen zu schmerzen vom schnellen Zittern. So. Ich, ein kleines blödes Menschlein, sitze auf einer Sitzbank wenig von meinem Haus entfernt auf dem höchsten Punkt des HĂŒgels und schaue in den Himmel. Die Sterne, gibt’s die noch? Hey, Sterne, wo seid ihr denn? Schon lange nicht mehr gesehen, Mond! Lass die Sterne von mir grĂŒssen! Was, sie warten auf mich? Noch immer? Mann, sind die geduldig...Wie kann ich denn zu ihnen finden wenn ich immer nur Wolken sehe? Sag ihnen, ich komme wenn das Wetter bessert.
Ich klettere auf den Baum vor dem Schulhaus der Primarschule, rutsche ein paar Mal ab und schĂŒrfe mir Arme und Beine auf. Ach Baum. Ich war schon lange nicht mehr hier. Was, schon vier Jahre?! Das tut mir Leid. Aber weisst Du, Baum, ich gehe seit vier Jahren nicht mehr hier zur Schule. Ja, ich weiss, ich hab nur zwei Minuten bis hierhin. Du hast Recht. Ich bin ein fauler Sack. Schön dass Du noch stehst! Wie alt bist Du eigentlich? Siebzig Jahre...Schön. GefĂ€llt Dir das Leben hier oben? Ja, stimmt, von hier oben kriegst Du alles mit. Das StĂ€dtchen hat sich sehr verĂ€ndert. Baum, Linde, grosse Linde, möchtest Du Dich manchmal nicht bewegen können? Die kletternden Kinder abschĂŒtteln? Ihnen den Mund zuhalten, die Beine festhalten, mit denen sie Dich treten? – Hey, kleines MĂ€dchen, diese Fragen...Doch das möchte ich manchmal. Ich weiss nicht wieso sie mich treten. Aber die Vögel in meinem Haupte möchte ich festhalten, sie fliegen immer wieder weg. Zum GlĂŒck kommen sie wieder. Weisst Du noch, der Kirschkernbeisser, der vor fĂŒnf Jahren an das Fenster Eures Schulzimmer flog? –Ja. Macht mich noch immer traurig... – ich wollte ihn festhalten, ihm sagen, dass er sich nie mehr auf mich setzen wird, wenn er jetzt fliegt...Ich konnte nicht. Nicht halten noch sprechen. Bleibst Du noch ein Weilchen, kleines MĂ€dchen? Bis die Nacht zu Ende geht und wir uns nicht mehr verstehen, bis der Morgen uns weckt und der Zauber des Mondes verschwindet? – Ja, grosser weiser Baum. Ob es wohl jemand merken wĂŒrde, wenn ich fĂŒr immer bliebe? Wahrscheinlich schon, und wenn ich dann nicht runter will, rufen sie das Irrenhaus an, sĂ€gen Dich um und bringen mich hin. Nein, nicht fĂŒr immer. Aber fĂŒr diese Nacht bleib ich gerne und ich komme gerne wieder. Kannst Du weinen, Baum? Weise alte Linde? – Ja, weisst Du, wenn es windet, dann weine ich. Oder auch wenn sich meine BlĂ€tter wie von selbst bewegen und rauschen und die Menschen sagen: „dort oben windet’s hier unten nicht.“ , dann weine ich auch, weine ganz still vor mich hin und hoffe das bald jemand kommt und mit mir spricht. Du bist die erste die das gehört hat. Danke, kleines MĂ€dchen! –Singst Du mir ein Gute-Nacht-Lied, grosser Baum? –Ja, liebes kleines MĂ€dchen, aber ganz leise, damit die Vögel nicht aufwachen.
Am Morgen erwache ich dann, frĂŒh noch, als die Vögel zu pfeiffen beginnen, erst halb sechs Uhr ist es, aber der Mond weicht der Sonne schon, silbriges Licht wird rotgolden und kĂŒndet einen neuen Regentag an. Die Weise alte Linde singt nicht mehr, flĂŒstert nur noch: -komm wieder, kleines MĂ€dchen, und machs gut, tanze und fliege durch’s Leben und sei fröhlich, renne ein wenig fĂŒr mich und vor allem, wie schon gesagt: komm wieder, in einer Nacht wie dieser und rede mit mir, ich erzĂ€hl Dir dann die Geschichten der Vögel weiter... –Ja, weise Linde, ich komm gern wieder. Bis dann.

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Ole
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Hallo AnnA,

diese Fortsetzung ist Dir gelungen!
Wenn Du auch etwas geizig warst.
Geizig, weil hier und da, mal ein Buchstabe,
oder gar ein ganzes Wort fehlt.
Ansonsten gefiel mir dieser nÀchtliche Ausflug sehr gut.
Da kann ich mich dem Baum nur anschliessen:
"tanze und fliege durchs Leben"..
Vor allem aber: sei fröhlich, wenn es auch nicht immer leicht fÀllt.

Liebe GrĂŒĂŸe aus der Großstadt
Ole.
__________________
"...Wir sitzen mit unsern GefĂŒhlen
meistens zwischen zwei StĂŒhlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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Anna
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Danke, ole!!

quote:
UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Ole

>diese Fortsetzung ist Dir gelungen!
Wenn Du auch etwas geizig warst.
Geizig, weil hier und da, mal ein Buchstabe,
oder gar ein ganzes Wort fehlt.<

also, die Buchstaben habe ich z.T absichtlich weggelassen, passt vielleicht nicht immer, ich hab mir das irgendwie angewöhnt (siehst Du, schon wieder...)...

Wörter fehlen auch? Wo denn? Ich denke, ich sollte mir mal eine neue Brille kaufen, die mir fehlende Wörter gleich meldet...oder das kaputte Word-Programm, wo die Rechtschreibung, bzw das automatische Korrekturprogramm nicht mehr funktioniert, endlich neu installieren...


>Da kann ich mich dem Baum nur anschliessen: "tanze und fliege durchs Leben"..
Vor allem aber: sei fröhlich, wenn es auch nicht immer leicht fÀllt.<

im Moment fĂ€llt's mir eher schwer, aber ich geb mir MĂŒhe!

liebe GrĂŒsse aus der Kleinstadt

Anna

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Sansibar
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Registriert: Not Yet

Mond

Hallo Anna,
was ist das nur fĂŒr ein Mond? Du beschreibst das es regnet, es ist hell. Es ist offensichtlich zu hell fĂŒr die Nacht. Wo hast du das beobachtet?
Wenn es hier regnet, nachts, dann ist es dunkel und ich habe dann noch niiiie einen Mond gesehen, weil die Wolken ihn verdunkeln.
Gruß aus Sansibar von Sansibar

oder ist die Straßenlaterne dabei?
saS

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Anna
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Re: Mond

Hallo Sansibar

>was ist das nur fĂŒr ein Mond? Du beschreibst das es regnet, es ist hell. Es ist offensichtlich zu hell fĂŒr die Nacht. Wo hast du das beobachtet?<

Das ist eine gute Frage, wenn ich's mir genau ĂŒberlege... beobachtet hab ich das Ganze in der Schweiz, vor meinem Zimmerfenster und ich denke, der Mond war in einer WolkenlĂŒcke Richtung Nordosten, von dort aus scheint er um Mitternacht herum in mein Zimmer... (ich habe wenigstens versucht, das zu erklĂ€ren...)

Gruss,
Anna

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