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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mondsucht (aus HORROR&KRIMI, erbitte viel Kritik + Bewertung)
Eingestellt am 24. 11. 2001 10:57


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Nihilix
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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MONDSUCHT
17.09.1996

Jeder kennt die Horrorgeschichten von Menschen, die bei Vollmond zum Tier werden und durch die Nacht streifen, um andere Menschen zu reißen und zu töten.
Oder Geschichten von Somnabulisten, Schlafwandlern, die bei Vollmond auf DĂ€chern spazieren gehen, ohne zu wissen, was sie tun und in traumwandlerischer Sicherheit, ohne vom Dach zu fallen, außer wir wĂŒrden sie wecken, was in diesem Fall tödliche Folgen fĂŒr diesen hĂ€tte.
Es gibt auch viele ErzĂ€hlungen, jede Religion oder Kultur hat etliche von diesen, wo Menschen bei Vollmond Dinge tun, die im Normalzustand nicht möglich wĂ€ren. Dinge, die grauenerregend oder geheimnisvoll, unglaubwĂŒrdig oder phĂ€nomenal sind, abnorme Dinge. Heute wĂŒrden solche Leute, die es vereinzelt noch immer gibt, entweder als Psychopathen in einer sogenannten geschlossenen „Heilanstalt“ landen oder wĂŒrden zu einem Spezialisten geschickt, die meinen, den Mond zu kennen und seine Kraft und Macht mit guten SprĂŒchen oder modernster Medizin und Wissenschaft zu ĂŒberlisten.
In der folgenden Geschichte geht es um einen Menschen, der bei Vollmond zwar nicht zum sprichwörtlichen Tier wird und andere Menschen reißt, sondern um jemanden, der unter Somnambulismus leidet und in diesem Zustand bestialische Morde begeht. Bis dieser eines Tages selbst hinter seine Taten und sein Leiden kommt und sich selbst eine Therapie verpasst. Aber lesen Sie selbst, was geschieht und wie es geschieht.

Vollmond, klar und deutlich steht er am nĂ€chtlichen Himmel, ein von Mystik, Kraft und Schönheit umgebener Planet. Zeit fĂŒr Geschichten ĂŒber Liebe, Romantik oder Tod, Verderben und seelische AbhĂ€ngigkeit.
Ding, Dong, dumpf schlĂ€gt die Kirchturmuhr zwei Uhr nachts. Über dem Turm steht still und stumm unser Hauptakteur, der Mond, und scheint auf die schlafende Welt herabzugrinsen. Alles ist ruhig, vereinzelt brennen ein paar Lichter in den HĂ€usern, einige Autos fahren in der Ferne noch umher. Ansonsten herrscht Totenstille.
Doch da bewegt sich eine Gestalt, flink und geschmeidig, von einem Garten in den anderen. Sie ist von durchschnittlicher GrĂ¶ĂŸe, sportlich, schlank und krĂ€ftig. Außer der ziemlich dunklen Kleidung sind nur noch zwei Dinge bei nĂ€herer Betrachtung auffĂ€llig an dieser Gestalt: Der starre Blick und das große scharfe Schlachtermesser, was sich seitlich im GĂŒrtel befindet und ab und an den Mondschein reflektiert. Nach einigen durchquerten GĂ€rten und Hinterhöfen bleibt die Gestalt vor einem abgelegenen am Waldrand liegendem Haus stehen. Sie schien das Ziel erreicht zu haben. Geschwind und mit geĂŒbter Routine findet sie ein geeignetes Kellerfenster, bricht es lautlos auf und steigt leise und vorsichtig herein. Innen angekommen, macht die Gestalt eine kleine Bleistiftleuchte an und sucht den Weg zum Schlafzimmer. Dieses wird schnell und ohne große Probleme gefunden. Lautlos wird die TĂŒr geöffnet. Mondschein erhellt den Raum und spendet genĂŒgend Licht, um die kleine Leuchte ĂŒberflĂŒssig wirken zu lassen. Sie verschwindet in der linken Hosentasche der geheimnisvollen Gestalt. Unter der Bettdecke lassen sich die Umrisse eines schlafenden Körpers ausmachen, der ruhig und leise schnarchend vor sich hintrĂ€umt. Mit einem schnellen Griff zieht die Gestalt das Schlachtermesser aus dem GĂŒrtel. Auf leisen Sohlen schleicht sie sich heran, schlĂ€gt vorsichtig und sacht die Bettdecke zurĂŒck, um dann mit geĂŒbtem Griff dem Schlafenden mit der linken Hand den Mund und die Nase zuzuhalten. Dieser erwacht von dieser Aktion, schnappt vergeblich nach Luft, will schreien und starrt mit Entsetzen auf die dunkle Gestalt, die sich ĂŒber ihn beugt und aus leeren Augenhöhlen anstarrt. Kurze Zeit spĂ€ter liegt er mit durchtrennter Kehle im ewigen Schlaf. Danach macht sich die Gestalt daran, mit großer Sorgfalt dem toten Körper den Kopf und die HĂ€nde abzutrennen, um danach auch noch das Herz und die Leber wie im Trance zu entfernen, diese dann in die beiden abgetrennten auf dem Bett liegenden HĂ€nde zu legen. Damit fertig, wird dann der Kopf mit dem Gesicht nach unten in den aufgeschlitzten Oberkörper gelegt. Als dies getan war, sĂ€ubert der Mörder sein Messer am Laken und schnitzt mit großer Fertigkeit ein lachendes Mondgesicht in den hölzernen Nachttisch, der neben dem Bett des VerstĂŒmmelten steht. Nach Beendigung dessen, wendet die Gestalt sich ab und tritt den RĂŒckweg an. Durch GĂ€rten, Wege und dunkle Seitenstraßen gelangt der Geheimnisvolle an ein weißes Mehrfamilienhaus mit großem Garten. Nach mehrmaligen Umschauen versteckt er im Schein des Mondes das Messer unter einem großen Stein und steigt durch ein Fenster im Erdgeschoss in seine Wohnung ein. Er entledigt sich seiner Kleider, legt sich in sein Bett und schließt die Augen zum Schlaf. Sekunden spĂ€ter schlĂ€ft er ruhig und fest den Schlaf der Gerechten.
Am nĂ€chsten Morgen erwachte ich, machte mir wie gewohnt mein FrĂŒhstĂŒck, brĂŒhte mir einen Kaffee auf und ging dann unter die Dusche. Beim Duschen entdeckte ich eine kleine Schnittwunde am linken Unterarm, die am Vortag dort noch nicht gewesen war. Ich runzelte die Stirn und ĂŒberlegte. Irgendwie schien es unter den Strahlen der Dusche so auszusehen, als ob mir etwas eingefallen war, um es dann aber mit einem KopfschĂŒtteln genauso schnell wieder zu verwerfen. So verging ein Tag und eine Nacht.
Der nĂ€chste Tag, dasselbe Ritual wie immer. Nur fiel mir diesmal zufĂ€llig eine Tageszeitung in die Hand, die eigenartigerweise bei mir im Briefkasten lag und nicht bei meinem Nachbarn, wo sie eigentlich hingehört hĂ€tte. „ Komisch, dachte ich mir in diesem Augenblick, alle vier Wochen finde ich in aller RegelmĂ€ĂŸigkeit die Zeitung von meinem Nachbarn in meinem Kasten. Der Zeitungsjunge musste wohl schlafwandeln. Ist ja schon das fĂŒnfte Mal hintereinander“. Dann schlug ich die Zeitung auf und las die Schlagzeile:
Wieder grauenhafter Vollmondmord an alleinstehender Person.
FĂŒnfte Tat dieser Art in diesem Jahr. Polizei steht vor einem RĂ€tsel und geht von einem psychopathischen Serienmörder aus.
Aufruf der Polizei an die Bevölkerung zur Mithilfe zur Lösung dieses Verbrechens. FĂŒr sachdienliche Hinweise zur Ergreifung des Mörders ist eine Belohnung von 10.000 DM ausgesetzt.
Starr blickte ich auf die Zeitung. „ Jedes Mal, wenn die Zeitung einmal im Monat bei mir im Kasten steckt, ist die Schlagzeile ein Mord dieses Irren. Eigenartig, dachte ich mir, sollte ein Zusammenhang bestehen? Möchte da jemand, dass ich mich mit diesen Morden auseinandersetze“? Plötzlich klingelte es an der TĂŒr. Ich öffnete und sah meinen Nachbarn vor mir stehen. WĂŒtend blickte dieser auf die Zeitung in meiner Hand, die ich immer noch verkrampft festhielt. „ Heute morgen in aller FrĂŒhe habe ich gesehen, wie Sie meine Zeitung aus meinem Briefkasten genommen haben und diese in den eigenen getan haben“, erzĂ€hlte der Nachbar mir erbost. „ Abonnieren Sie sich doch selbst eine, wenn Sie eine haben möchten“, brĂŒllte er mich dann noch an.
Ich, als Ertappter, entschuldigte mich total verwirrt und erwiderte, „ es wĂŒrde nie wieder vorkommen“. Danach verschloss ich nachdenklich die TĂŒr. „ Ich selbst habe mir die Zeitung jedes Mal in meinen eigenen Kasten gesteckt, dachte ich laut vor mich hin, warum? Ich kann mich an nichts erinnern. Wann und wie kann ich dies denn getan haben? Konnte sich mein Nachbar nicht vielleicht geirrt haben? Sollte womöglich ich derjenige sein, der des Nachts durch die Gegend schlafwandelte und nicht der Zeitungsjunge?"
All diese Fragen gingen mir durch den Kopf und ließen mich zu dem Entschluss kommen, dass ich wohl an Somnambulismus leiden mĂŒsste.. „ Na gut, solange ich nur die Zeitung des Nachbars in diesem Zustand stehle und nichts Schlimmeres unternehme, ist dieser Zustand ja noch auszuhalten. Vielleicht gehe ich ja mal zum Arzt und lasse mich untersuchen“, redete ich halblaut vor mich hin. „ Aber wenn ich nachts nackt auf der Straße tanze oder schreiend durch das Haus renne, dann aber flink in die Klapse“, fĂŒgte ich noch belustigt meinen Gedanken hinzu. Doch auf einmal verging mir das Lachen und mein Blick wurde leicht zweifelnd, ja fast sogar Ă€ngstlich. „ Und wenn ich nun alleinstehende Menschen nachts bei Vollmond in ihren HĂ€usern die HĂ€nde und Köpfe abtrenne? Und danach noch grinsende Mondgesichter auf die Nachttische schnitzte? Ja, wenn ich dieser Mörder bin, nachts umherwandle und morde“, ĂŒberlegte ich mit einem leichten Schaudern. WĂ€hrend ich darĂŒber nachdachte, liefen wie im Traum die passenden Bilder zu meinen Gedanken im Kopf ab. Doch ich konnte mich nicht erinnern, woher ich diese Gedanken hatte, diese schrecklichen Bilder von Blut, Messern und abgetrennten Körperteilen, in den Zeitungen wurden die grauenvollen Einzelheiten wegen der Gefahr auf NachahmungstĂ€ter nicht Publik gemacht. Woher also sollte ich sonst solche kranken Gedanken bekommen? „ Außer ich war dabei, wie die Morde geschehen sind oder ich bin selbst der Mörder“, gab ich mir selbst die Antwort. „Logisch..... ach Blödsinn, werde mal wieder klar im Kopf, ich bin doch kein irrer Psychopath. Ich leide einfach nur ein wenig an schlechten Schlaf und schlafwandle manchmal bei Vollmond und klaue dann die Zeitung meines Nachbars, sonst weiter nichts“, versuchte ich mich selbst zu beruhigen. „ Aber wenn ich nun doch nicht nur die Zeitung stehle, sondern vielleicht doch.... “ ? Ich wollte darĂŒber nicht weiter nachdenken. „ Aber wenn wir beim Schlafwandeln nicht wissen, was wir tuen und wohin wir gehen, möglich wĂ€re es ja dann theoretisch doch, oder...“?
Langsam wurde mir etwas mulmig und leichte Sorgenfalten taten sich auf meiner Stirn auf. Da fiel mein Blick wieder auf die Schnittwunde an meinem linken Unterarm. Plötzlich, wie an einer Schnur gezogen und ein Bild vor Augen, begann ich durch die Wohnung zu schnellen. Erste Station KĂŒche. Hastig öffnete ich die Schublade mit dem Besteck und sonstigen GebrauchsgegenstĂ€nden, wĂŒhlt sie erregt durch. Panik und Schrecken machte sich in meinem Gesicht breit, sĂ€mtliche Farbe wich mir aus dem Gesicht. Ich vermisste das große Schlachtermesser meiner Ex-Freundin. „Scheiße, dachte ich, Scheiße, Scheiße und nochmals Scheiße, dass konnte, nein, dass durfte nicht wahr sein“. Schublade zu und erst mal tief Luft holen. Verdammt, es schien sich einiges zu bewahrheiten. Doch noch war nichts bewiesen. Ab zum Schuhschrank. Nach weinigen Sekunden fand ich meine schwarzen Turnschuhe, die, die ich seit einigen Monaten nicht mehr getragen hatte, mit frischer Erde an den Sohlen und fĂŒr neue, lang nicht mehr getragene Schuhe recht abgenutzt. „ Mein Gott, die habe ich doch nur ein bis zweimal getragen“, sprach ich erschrocken leise vor mich hin. Langsam machte sich das Grauen in mir breit. NĂ€chster Gang ins Schlafzimmer, Kleiderschrank auf und durchgewĂŒhlt. Auf meiner dunkelblauen Jogginghose fand ich einen ziemlich großen und frischen Blutfleck am rechten Bein, ich wusste nicht woher. „ Ich habe mich doch beim Joggen nicht verletzt“?
Alle Indizien sprachen gegen mich. Ich war fest davon ĂŒberzeugt, dass ich der Mörder sein musste, ich, der noch nie einer Fliege etwas zuleide getan hatte, war ein kranker abartiger Mörder. Was tun? Der Polizei stellen? Oder zu einem Arzt gehen? In der Kirche beichten? Vor Gott, der mich zu dem gemacht hatte, was ich jetzt war, um Verzeihung bitten ? Nein, wenn sich jemand entschuldigen musste, dann mĂŒsse dies Gott bei mir tun. Es gab keine Möglichkeit, ich musste mir selbst helfen. Kein Mensch durfte je erfahren, was ich getan hatte. Nein, ich wollte nicht in so eine Anstalt, mit Medikamenten und Drogen zu einem willenlosen Geschöpf gemacht werden. Ich musste mich selbst therapieren, mich selbst heilen. Ich hatte einen Monat Zeit, dass zu verhindern, was unweigerlich bei Vollmond wieder passieren wĂŒrde, einen Monat, um Vorbereitungen zu treffen. Als Erstes mussten die verdĂ€chtigen Sachen verschwinden, weg aus meiner NĂ€he, falls sie doch durch Zufall auf meine Spur kommen sollten. Also packte ich all meine KleidungsstĂŒcke, die ich bei meinen Taten getragen hatte in einen Rotkreuzsack. ZufĂ€llig fand ich noch einen schwarzen Pulli, an dessen linken Unterarm ein Schnitt und Blut zu finden war und dessen rechte HĂŒftseite zerrissen war. „ Daher also die Schnittwunde an meinem linken Unterarm, muss ich mich wohl bei meiner letzten Tat selbst verletzt haben“. Danach verschnĂŒrte ich den Sack und steckte ihn in die Altkleidersammlung. Als dies getan war, ging ich zum Arzt und erzĂ€hlte ihm eine Geschichte von Stress und Schlaflosigkeit. Ich bekam Schlaf- und Beruhigungstabletten verschrieben. Als dies erledigt war, suchte ich in den Gelben Seiten eine Sicherheitsfirma, die Alarmanlagen und Sicherheitsschlösser in meiner Wohnung installieren sollten. Beim Glaser bestellte ich neue Fenster aus bruchsicherem Plexiglas. Nach zwei Wochen glich meine Wohnung einer Festung, in die niemand weder einbrechen, noch, wie in meinem Fall wichtig, ausbrechen konnte. Alle TĂŒren in meinem Domizil waren mit elektronischen Sicherheitsschlössern versehen und gleichzeitig noch an die Alarmanlage angeschlossen, die alle Fenster vor Aufbruch und Zerstörung schĂŒtzen sollte. ZusĂ€tzlich waren an allen Fenstern auch noch Sicherheitssperren- und Schlösser angebracht worden. So gerĂŒstet erwartete ich die nĂ€chste Vollmondphase. Die Devise fĂŒr diese NĂ€chte war, nachts ĂŒber wach bleiben und alles verriegeln und aktivieren, tagsĂŒber dann den Schlaf nachholen. Leicht gesagt, ich hatte aber die lange Zeit des Wartens vergessen.
So wurde ich immer nervöser und unruhiger. Es war die Angst vor der Wahrheit, die mich dann auch dazu verleitete, immer mehr den Kontakt zur Außenwelt und zu meinem geregeltem Tagesablauf zu verlieren. Ich verlor meine Arbeit und litt von nun an auch leicht unter Verfolgungswahn. Jedes klingeln an der TĂŒr, jeder Anruf, wurde von mir der Polizei oder anderen unangenehmen Personen zugeordnet. Ich wurde langsam aber sicher ein verrĂŒckter Eremit. Dann kam die erste Vollmondnacht und wurde mit Fernsehen, Musik hören und Kaffee trinken ĂŒberbrĂŒckt. Bei den ersten Sonnenstrahlen nahm ich dann ein paar Schlaftabletten und ging schlafen.
So weit, so gut. Die Morde hörten auf, was ein letzter Beweis fĂŒr mich war, dass ich wohl der Mörder gewesen bin. Nach vier Monaten war ich erleichtert und froh, alles so gut im Griff zu haben, wobei mir natĂŒrlich Medikamente und Alkohol sehr hilfreich waren. Ich hatte die sogenannte LMAA- Stimmung, die mir den Eindruck verschaffte, alles wĂ€re wieder im Lot und das Leben konnte wieder mit mir rechnen. Ich fĂŒhlte mich nicht mehr als der psychopathische VerrĂŒckte, der diese ĂŒberaus perversen und schrecklichen Morde verĂŒbt hatte.
Doch wer sich zu sicher fĂŒhlt, macht bekanntlich irgendwann einen Leichtsinnsfehler, der zu Katastrophen fĂŒhren kann. So auch ich. Siegessicher ließ ich im fĂŒnften Monat mein Wachritual aus.
Am nĂ€chsten Tag begannen die Morde von Neuem. Verzweifelt ĂŒber meine Unvorsichtigkeit fasste ich einen folgenschweren Entschluss. Ich musste mich selbst töten. So bereitete ich mich in der nĂ€chsten Vollmondnacht auf meinen Suizid vor. Als die Zeit gekommen war, schluckte ich die restlichen Schlaf- und Beruhigungstabletten, 42 an der Zahl. Ich schlief fast schon ein, als mir ĂŒbel wurde und ich mich erbrach. „ Scheiß Wodka“, dachte ich noch in meinem schummrigen Kopf. Danach schlief ich ein und bin dann wohl wieder gewandelt. Der siebte Mord. Die Verzweiflung war mir sicherlich anzusehen und ließ mir keine Wahl. Ich schrieb meine Geschichte in einem Abschiedsbrief auf, in dem ich alles bedauerte und meinen Tod somit fĂŒr die Nachwelt rechtfertigte. Dann schnitzte ich mit einem Messer ein weinendes Mondgesicht vor mir in den Wohnzimmertisch, legte den Brief daneben, schnitt mir dann die Pulsadern auf und durchtrennte mir dann noch sicherheitshalber die Kehle. Es klappte. Ich starb.

So wurde er einige Tage spĂ€ter in seiner Wohnung gefunden, nachdem die Polizei diese aufgrund des von seinem Zeitungsnachbarn wahrgenommenen unangenehmen Verwesungsgeruches aufgebrochen hatte. „ Na ja, jetzt klaut mir keiner mehr meine Zeitung“, wird dieser sich wohl in diesem Augenblick gedacht haben. Die Polizei fand seine ausgeblutete Leiche und den Brief. Er wurde beerdigt.
Aus und vorbei, werden Sie sich jetzt wohl denken. In der Zeitung wurden die Morde und der Selbstmord des TĂ€ters eine große Nummer und ein Reißer und alle dachten, es war vorbei. Doch einige Monate spĂ€ter gingen die Morde weiter. Darauf hin wurde der angebliche Mörder von damals in der Zeitung als Wichtigtuer und armer verwirrter Irrer hingestellt, der sich von den Taten des wahren Mörders zu seinem tragischen Selbstmord inspirieren ließ. Doch eins wurde dabei ĂŒbersehen: Wie konnte ein armer verirrter Irrer vor sich ein Mondgesicht zum Abschied hinschnitzen, wenn er dies doch gar nicht wissen konnte, da von diesen Dingen nie etwas in den Medien erwĂ€hnt wurde ?
Jetzt stehe ich hier vor seinem Grab, aufgewĂŒhlt und durcheinander. Es ist zerstört und die Leiche ist weg. Über mir grinst mich der Vollmond an. FĂŒr die Polizei und die Medien war die Sache mit dem Grab wieder klar. GrabschĂ€ndung mit okkultistischem Hintergrund. Ist halt im Moment sehr gefragt, der Okkultismus in den Medien, gibt halt gute Verkaufszahlen und Einschaltquoten.

Doch ich weiß, dass es nicht so ist, wie die Medien und die Polizei meinen. Woher kommen den jetzt die neuen detailgetreuen Morde mit den lachenden Mondgesichtern, von denen auch nie nach den neuen Morden je irgendwo berichtet wurde ? Woher weiß also der Mörder von dieser Kleinigkeit, diesen geschnitzten Mondgesichtern, die bei den ersten sieben Morden und bei der Leiche des angeblichen Mörders gefunden wurden und jetzt, nach dem Tod des Mörders bei der neuen Mordserie wieder auftauchten ? Weil die Morde alle von ein und demselben TĂ€ter verĂŒbt worden sind, der auch fĂŒr seinen eigenen Tod verantwortlich war. Und warum werden die Morde nie aufhören und der Mörder wird nie gefasst werden ?
Ganz einfach, weil der Vollmond seine sĂŒchtigen AnhĂ€nger nie im Stich lĂ€sst, auch nach ihrem Tod nicht, weil keiner den Mond und seine Macht ĂŒberlisten kann. Auch ich nicht.


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Das Erwachen, die Erkenntnis,
VergÀnglichkeit ist ein Teil der göttlichen Unsterblichkeit.

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