Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
285 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Monster's Ball
Eingestellt am 26. 10. 2009 23:17


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Nightingale
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2009

Werke: 11
Kommentare: 25
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nightingale eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Metrische verarbeitete Version:

Monster's Ball

Die letzte Nacht der Erde steigt,
Vom Lichtgeschrei ward alles taub,
Die Menschen feiern tiefgeneigt
Und Winde sammeln letztes Laub.

Wie fern aus dem Laternenmond:
Das Eissternirrlicht. Wie es fÀllt!
Ein PĂ€rchen tanzt am Rand der Straß‘
Zum ewig selben Ritornell,
In ewig selben, leeren Spaß.

Der Phrasenglitter lang schon fahl,
Der glitzert leicht durch ihr Gekreisch.
Von FlĂŒsterkĂŒssen ausgehaucht,
Wie Luftschlang’n, welche lĂ€ngst verbleicht,
HĂ€ng‘n Arme um sie, lĂ€ngst verbraucht.

Durch Lichtventile prall gefĂŒllt,
geschwoll’n wie blasse Luftballons:
Vitrinenspiegel, abendgrau.
Die Bilder schweben ab und auf
Durch Straßen, mitgezogen, rau.

Im rosa Sarg steht eine Frau.
Sie lauscht ihr’m Mann der wild jongliert
Mit Macht, Besitz. Ihr Name fÀllt.
Sie hÀngt sich mit dem Kabel hier
Auf ihrer Karte ist noch Geld.

Derweil im Zitterlicht der Nacht,
Verstirbt ein Pantomime weiß.
Er schwimmt mit der GebÀrde matt,
Noch wÀhrend ihn der Raum verspeist
Weil er zu schrei‘n vergessen hat.

Ein Kind spielt wartend auf dem Gleis
Des Lebens, balanciert vertrÀumt
Und ohne Netz, mit Ruß geschminkt
Und passt nicht auf, die Zeit versÀumt
Und stirbt bevor der Sprung gelingt.

Schon lang ist dieser Traum jetzt her,
Nun lieg ich tief im Massengrab
Der Illusionen. Leiernhall
Des Menschenschwalls im Licht gelabt,
Im Angesicht wĂŒrd' ich zerfall’n.

Wer war es, der mir Hoffnung gab?

Die letzte Nacht der Erde stieg,
Vom Lichtgeschrei ward alles taub,
Und wÀhrend man vergessen schwieg
Verwehten Winde letztes Laub.


Version vom 26. 10. 2009 23:17
Version vom 28. 10. 2009 22:36
Version vom 28. 10. 2009 23:48
Version vom 29. 10. 2009 12:39

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Inu
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 120
Kommentare: 2153
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Inu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das ist der interessante Versuch eines expressionistischen Wort-GemÀldes

und hat mich sofort an diesen Vers erinnert:


quote:
Aus Weltende (1911) -

Jakob van Hoddis

Dem BĂŒrger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen LĂŒften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stĂŒrzen ab und gehn entzwei
Und an den KĂŒsten - liest man - steigt die Flut.

----

Deinen Gedichtinhalt find ich gut bis auf die Zeile von den alten Frauen, die sanft und gemÀchlich BlÀtter aufsammeln. ( Heutzutage tun alte Frauen ganz andere Dinge :-D )
aber die Form scheint mir noch nicht richtig gelungen, tolle AnsÀtze sind jedenfalls schon da

LG
Inu





Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lb. Nightingale,

hier geht es nicht darum, Dir mit dem Metronom Mores zu lehren. Das möchte ich hier nochmals richtig stellen. Ich selbst schreibe immer wieder gerne Vers libre (der nicht unbedingt gereimt und mit festem Metrum ist ), und es gibt so manchen hier, der mir rÀt, ich solle doch lieber dabei bleiben, das könne ich besser als den Rest, den ich so schriebe. Dem will ich nicht widersprechen, denn man selbst ist sein schlechtester Kritiker.

Hier sind wir im Forum "Gereimtes", und da erwartet, auch wegen der sonstigen formalen Aspekte Deines Gedichts, der Leser genau das, nĂ€mlich "Gereimtes". Ich habe nicht umsonst darauf hingewiesen, daß Hoddis sein Handwerk in Sachen Metrum und Reim beherrscht hat - das hat ihn nicht daran gehindert, expressionistische Gedichte zu schreiben, wie wir wissen.

Du mußt Dich entscheiden, freie Form, dann "Ungereimtes" oder "Experimentelles", formstrengem vorzugsweise gereimte Werke, dann in "Gereimtes". So mittenmang, das geht nicht.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Sta.tor
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Feb 2002

Werke: 152
Kommentare: 2221
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Sta.tor eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Nightingale,

gut das Du es noch mal eingestellt hast.
Ich finde es interessant und möchte zwei Anmerkungen machen:
1. das Gedicht gehört unbedingt ins Forum Experimentelles und das ist ĂŒberhaupt nicht abwertend gemeint. Ich meine eher, dass es dort bei den Freunden diesbezĂŒglicher Lyrik vermehrte Aufmerksamkeit hervorrufen wird und damit wertungstechnisch auch den ihm zustehenden Rang bekommt.
FormalitÀten, wie Metrum und dgl. sind dort nebensÀchlich. Ich selber lese dort auch gerne.
2. Dem Gedicht fehlt m.E. das Ende. Das ist fĂŒr mich sein grĂ¶ĂŸter Schwachpunkt. Ein Ausklang, wo sich entweder alles aufklart, oder alles ins totale Chaos stĂŒrzt gĂ€be der Handlung einen nachvollziehbaren Verlauf. Jetzt wird dem Leser nur aufgezĂ€hlt. Die AufzĂ€hlung verfolgt aber in der Regel den Zweck, abstrakte HandlungsfĂ€den einer finalen Auflösung zuzufĂŒhren. Erst diese erzeugt beim Leser die befriedigende Erkenntnis, einem Leseerlebnis beigewohnt zu haben. Diesen Eindruck zu vermitteln schafft Dein Gedicht bei mir jedenfalls nicht, weil es mich auf der Schlussgeraden im Regen stehen lĂ€sst.

Viele GrĂŒĂŸe
Sta.tor
__________________
schlimmer geht immer

Bearbeiten/Löschen    


Nightingale
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2009

Werke: 11
Kommentare: 25
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nightingale eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die letzte Strophe ist tatsÀchlich schwer zu verstehen.
Ich persönlich hatte dieses Bild als Metapher fĂŒr die Perspektivlosigkeit des Kindes vor Augen, das keinen Raum mehr in der Stadt findet, um sich zu entfalten (Verschwinden der Straßenkindheit). Es ist unsicher und taumelt, wie beim „Himmel und Hölle"-Spiel meistens ĂŒblich, auf den Gleisen, was an sich sehr befremdlich erscheint. Der Gegensatz im Spielenamen könnte außerdem in diesem Kontext nochmal seine Zerrissenheit zeigen, was es von seinem Leben denken soll, obwohl es interpretatorisch vielleicht etwas zu weit gegriffen wĂ€re, den Spielenamen Gott weiß wie zu analysieren. Darin liegt evtl. eine Schwierigkeit bei der Erschließung.
Der Bahnhof, dachte ich mir, steht fĂŒr das Warten des Kindes darauf, endlich aus seinem Leben entfliehen zu können und Erwachsen zu werden. Doch es ist zu lange unsicher, findet keinen Platz im Leben und gerĂ€t quasi „unter die RĂ€der". So Ă€hnlich hatte ich es im Sinn.

@Flammarion: Denkst Du nicht, dass der dramatische Höhepunkt damit erreicht ist?

P.S. Ich arbeite an einer reimlosen Version dieses Gedichts, vllt. stell ich die noch in Ungereimtes.

Bearbeiten/Löschen    


Nightingale
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2009

Werke: 11
Kommentare: 25
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nightingale eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hab es mal metrisch umgearbeitet, bzw. auch sonst ein bisschen ergÀnzt und rumgeschraubt..

Bearbeiten/Löschen    


7 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Gereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!