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Leselupe.de > Humor und Satire
Mops on the Road (1)
Eingestellt am 21. 01. 2011 08:56


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Micham
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Karriereknick

Mir klingen noch immer die Worte meines Chefs in den Ohren: "We can't afford you anymore." Dabei hatte er mich √ľber seinen Schreibtisch hinweg sehr seltsam angesehen, und ich Idiot bildete mir in dem Moment noch ein, gleich k√§me ein breites Grinsen und der Ausruf: "√úberraschung! Wir geben dir trotzdem eine Lohnerh√∂hung!" Zehn Minuten darauf befand ich mich auf dem Nachhauseweg. Arbeitslos.

Zwischen lang andauernden Panikattacken - heimlich in der Besenkammer - redete ich wiederholt beruhigend auf mich ein. Das ist nicht das Ende der Welt, Micha, Amerika ist selbst heute noch das Land der unbegrenzten M√∂glichkeiten. Daran kann auch ein Obama nichts √§ndern. Zumindest nicht so schnell. Selbst mein Rippchen machte einen weitaus weniger besorgten Eindruck, als man es von einer typisch deutschen Ehefrau erwartet h√§tte. In ihrer unverg√§nglichen Liebe und Verbundenheit fand sie immer wieder aufbauende Worte f√ľr mich.

"Du bist so flei√üig, Schatz, sicher findest du bald einen neuen Job. Musst du auch! Wie sollen wir sonst die Miete zahlen?" Und flugs wieder zur√ľck in die Besenkammer!

Es folgten Wochen der Lethargie. Offiziell machte ich Urlaub, den ich mir redlich verdient hatte. F√ľnf Jahre hatte ich ohne Urlaub malocht. Entspannung sollte mir darum geg√∂nnt sein. Die meiste Zeit verbrachte ich auf der Couch und starrte auf den Fernseher. Oder ich sa√ü an meinem PC und starrte auf den Monitor. Es passierte nichts, doch solange ich starren konnte, war das Leben fast ertr√§glich. Wulfg√§ng merkte schnell, dass etwas mit mir nicht stimmte. Sie hatte auch sogleich einen guten Vorschlag parat:

"You know, you should talk to Humphrey."

"Wer ist Humphrey?", fragte ich, wollte es aber eigentlich gar nicht wissen.

"My psychoanalyst. He lives next door."

Jeder andere Mensch hätte nun gefragt, wieso seine sprechende Katze einen Psychater benötigte. Ich hingegen stieß sofort zur wichtigeren Frage vor:

"Aha, und was kostet dich bzw. mich der Spaß?"

"Nothing. Humphrey is a parrot. He doesn't need much. Sometimes we talk from window to window. Very nice guy."

Wulfgäng hatte also regelmäßige Sitzungen mit einem Papagei. Gott, mir ging es so beschissen!

Meinem Rippchen wurde es irgendwann zu bunt:

"Es ist April. Geh duschen, du Penner! Deinem Bart wächst ja schon ein Bart."

"Lass mich bitte noch ein paar Monate hier sitzen, Schnuckie", bat ich sie.

"Du hast genug gesessen. Schau mal in den Spiegel. Du siehst aus wie ein Mops!"

Okay, ich hatte etwas zugenommen, was sich bereits bei leichten T√§tigkeiten bemerkbar machte. W√§hrend einer minimalen H√ľftbewegung hatte ich meinen G√ľrtel gesprengt, Urinieren verursachte Atemnot und meinen Ehering musste ich in Sicherheit bringen, weil er be√§ngstigende Risse aufwies. Aber musste man mich deshalb gleich Mops nennen? Wulfg√§ng ging sogar noch einen Schritt weiter. Den Ausdruck 'fat man' benutzte sie √ľberhaupt nicht mehr. Stattdessen redete sie in Bezug auf mich nur noch von 'it'. Innerlich war ich gekr√§nkt, √§u√üerlich starrte ich nur.

"Keine Sorge. Ich bin in Topform."

"Such dir endlich einen Job!"

"Das ist nicht so einfach, Schnuckie."

"Schön, dann ist es eben nicht so einfach. Such dir trotzdem einen Job! Uns geht das Geld aus."

‚ÄúOh, this is just great!‚ÄĚ, motzte Wulfg√§ng. ‚ÄúHow are we gonna survive? Nobody is gonna hire it. It‚Äôs too fat!‚ÄĚ

Schlapp schlurfte ich ins Schlafzimmer, wo ich mich auf den Bettrand setzte. Mein Rippchen folgte mir.

"Irgendwas muss hier passieren, Schatz. Du wirst immer unselbständiger."

"Bl√∂dsinn!", murmelte ich und hob die Arme, damit sie mir das Schlafanzugoberteil √ľberziehen konnte. "Mir fehlt momentan nur die Energie. Aber ich verspreche dir, dass ich mich morgen nach Arbeit umsehen werde."

Mein Versprechen schien ihre Stimmung zu mildern. Sanft dr√ľckte sie mich ins Bett und zog mir die Decke bis ans Kinn. Ein fl√ľchtiger Kuss auf die Stirn, dann knipste sie das Licht aus und verschwand ins Wohnzimmer. Nun h√§tte ich richtig sch√∂n in die Dunkelheit starren k√∂nne, w√§re da nicht Wulfg√§ng gewesen.

"Honestly, talk to Humphrey!" Dabei schnurrte sie und leckte an meinem Ohr herum.

"Ich glaube nicht, dass mir ein Papagei helfen kann."

"Of course he can! He will help you reflect on yourself. I talk to him every time I have a problem. Just last night I told him that I was very worried about global warming."

"Ach ja? Und was hat er dir geantwortet, der schlaue Vogel?"

"What do you think, you idiot? He's a parrot. He repeated it!"

In jener Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich traeumte von einer wilden Autoverfolgungsjagd. Wulfg√§ng und ich bretterten in einem Kleinwagen den Las Vegas Boulevard entlang. Humphrey steuerte einen riesigen Truck und war uns dicht auf den Fersen. Unentwegt schrie er: "Schnuckie! Schnuckie! Schnuckie!" W√§hrend Wulfg√§ng restlos ver√§ngstigt nach dem Sicherheitsgurt tastete, beobachtete ich fasziniert im R√ľckspiegel, wie Humphrey sich durch den dichten Verkehr k√§mpfte. Sein Truck schob m√ľhelos alles an die Seite, was sich ihm in den Weg stellte.

"Erika!", rief ich am n√§chsten Morgen zur Verwunderung meines Rippchens und sprang aus dem Bett. Nat√ľrlich hatte ich Eureka! rufen wollen, doch war mir das Wort nicht schnell genug eingefallen. Geschwind begab ich mich an meinen PC. Zwei Stunden lang googelte ich mich durchs Internet, bis ich alle wichtigen Informationen zusammen hatte. Dann unterrichtete ich mein Rippchen von meinem Vorhaben:

"Schnuckie, ich will Trucker werden!"


-Fortsetzung folgt-


Version vom 21. 01. 2011 08:56

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