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Leselupe.de > Gereimtes
Moralapostel
Eingestellt am 14. 08. 2006 22:24


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Walther
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Moralapostel


Jetzt, da ich alt bin, kommt am Schluss die Zeit,
Dass ichÔÇÖs Gewissen freisprech und erl├Âs.
Ich mach das laut und v├Âllig seri├Âs,
Damit die Leserschaft sich auch entzweit.

Und wenn derartig ich mich ganz entbl├Â├č,
Die K├Ąufer gern zu kaufen sind bereit,
Was ich in meinen B├╝chern stolz verbreit:
Mein letzter Absatz stimmte mich nerv├Âs.

Zugleich beende ich mir diese Qual,
Die meine Jugendzeit sehr hat belastet.
Als Tr├Ąger deutschen Geists und der Moral

Bin ich zeitlebens durch das Land gehastet.
Wie auch der Rest so scheitre ich banal,
Als im Olymp den Platz ich schon ertastet.


Dem noblen GG zum Preis!

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

G├╝nther Grass j├╝ngster Eskapade ein Sonett gewidmet, bravo!

Er selbst kann zwar gro├čartige Prosa verfassen, einzigartig gut zeichnen, aber Lyrik schreiben kann er nicht. Seinen vor zwei Jahren erschienenen Lyrikband habe ich schon einen Tag nach dem Kauf (leider nur zum halben Preis) weiter verkauft, und da stand schlie├člich sein lyrisches Lebenswerk drin. Niemand kann alles k├Ânnen!
Aber was er sich jetzt geleistet hat, muss man das verstehen? Hat er seine Millionen schon aufgebraucht und ben├Âtigte eine zugkr├Ąftige Werbung f├╝r seine Biografie, war seine handschriftliche Signatur inzwischen unzureichend?

Armer GG!!!

Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
Routinierter Autor
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Hallo Vera-Lena,

vielen Dank f├╝r Deine lobenden Worte. Ich dachte eigentlich, da├č dieser eher schwere Tobak in der LL weniger Aufmerksamkeit (und Zustimmung) erhielte.

Ich habe dieses Sonett bereits am 12.08.2006 begonnen und am 13.08.2006 beendet. In die LL kam es wegen der "Mengenbeschr├Ąnkung" erst gestern abend.

Henryk M. Broder hat ein lesenswertes Essay zu diesem Thema verfa├čt. Hier ist es zu finden: Hier klicken

In der Tat ist GG ein guter Grafiker und - am Anfang seiner Karriere auch ein sehr - guter Schriftsteller. Seit Oskar Maserath ist sein Werk aber eher durchschnittlich und ziemlich ├╝bersch├Ątzt. Wie er zum Nobelpreis kam, ist mir nachwievor ein R├Ątsel, aber gut, ich bin ja kein wirklicher Experte in diesen Dingen.

Wenn einer sich zum Richter macht ├╝ber die Moral anderer und mit seiner ├Âffentlichen Person derart rigoros und teilweise ehrverletztend austeilt, darf sich nachher nicht dar├╝ber wundern, wenn es nach einem solch sp├Ąten Gest├Ąndnis hei├čt: Das haben wir immer gewu├čt und geahnt. Und er darf sich nicht wirklich wundern, wenn er genauso hart angefa├čt wird, wie er andere angefa├čt hat. Die aktuelle Klage von GG ist daher etwas ├╝bertrieben wehleidig.

So ist das Leben, hart und ungerecht.

Schlie├člich er kann sich drittens nicht ernstlich wundern, da├č viele diese Ent├Ąu├čerungen, die ├Âffentliche Katharsis, f├╝r fadenscheinig und ein durchsichtiges Man├Âver halten, die Auflage einer Biographie zu steigern, f├╝r die sich offensichtlich ein renommierterer Verlag als der Steidl-Verlag nicht hat finden lassen. Und die nun v├Âllig zurecht bef├╝rchten, da├č die aktuelle Debatte um GG und seine Jugends├╝nden das Thema SS und Waffen-SS gegen die Geschichte eher verharmlosen d├╝rfte, ganz unabh├Ąngig davon, da├č man als 17-j├Ąhriger wohl kaum ernsthaft satisfaktionsf├Ąhig ist, was Entscheidungen dieser Art angeht. Da gilt sicherlich das Privileg der jugendlichen Dummheit.

Das eigentlich Gravierende ist in diesem Falle die wahrscheinlich absichtsvolle, wenigstens aber hinhaltend zulassende, Retusche an der ├Âffentlichen Biographie, egal, welche Dokumente nun noch nachgeliefert werden. Jemandem, der sich so aufdringlich forsch und fast ekelhaft aufdringlich als die Moral in personam geriert (hat), dem darf so etwas eben einfach nicht passieren.

Es verbleibt also ein m├Ąchtig schaler Beigeschmack. Und die Aufforderung dieses Sonetts, GG durch den organisierten Nichtkauf der Biographie zu strafen. Denn genau das hat GG jetzt wirklich verdient.

Gr├╝├če

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

inhaltlich ist mir das zu klischeehaft.
zu flach. mann mu├č g├╝nther nicht m├Âgen.
ich mag vor allem seinen schn├Ąuzer nicht
und seinen erhabenen, intelligenten blick
├╝ber die brillengl├Ąser weg.
ein ├Ątzender typ.

stil und form deines gedichtes
rei├čen es auch nicht raus.

bon.



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Walther
Routinierter Autor
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Hi Bonanza,

es ist wohltuend, wieder einen Deiner schnoddrigen Kommentare zu lesen. Ich hatte Dich schon vermi├čt.

Ich habe nicht gesagt, da├č ich Grass nicht mag. Er hat ein wunderbares Buch (Die Blechtrommel) und davor einige Kurzgeschichten geschrieben, die seine Jugend und die Zeit vor, w├Ąhrend und unmittelbar nach dem Krieg betreffen. Danach lie├č er allerdings doch ziemlich stark nach, literarisch jedenfalls.

Man kann ├╝ber den Inhalt jedes Gedichts nat├╝rlich streiten. W├Ârter wie "Klisch├ę" und "flach" allerdings sollte man sachlich begr├╝nden. Ansonsten sind sie einzig und alleine Mi├čvergn├╝ngen schaffende emotionale Pauschalurteile, die den, der sie schreibt, erleichtern und den, den sie betreffen, beschweren, aber nicht weiterhelfen.

Wenigstens hat die Form Deinem kritischen Auge widerstanden. Das ist schon einmal ein Fortschritt.

Liebe Gr├╝├če W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Prosaiker
Guest
Registriert: Not Yet

ich glaube, das flache und banale ergeben sich aus dem irrglauben, man k├Ânne sich per lyrisches Ich in jemanden wie grass transferieren - indem du ihn sprechen l├Ąsst, es nat├╝rlich aber deine stimme, walthers stimme, ist, erzeugst du einen gewissen kaltschn├Ąuzigen hochmut. unterst├╝tzt wird das vom kursiv gesetzten kommentar am ende, welcher auf mich beinahe aggressiv wirkt; destruktiv, immer rauf da! so scheints mir, besonders aufgrund des "nobel" und des ausrufungszeichens.
ich denke, man k├Ânnte am titel ansetzen. der wahre erz├Ąhler hinter der maske "grass", der autor also, ist nichts weiter als eben auch ein moralapostel, unisono mit diversen feuilletons lamentierend auf diese unangenehm bissig-flache weise. ich glaube, hier k├Ânnte man ansetzen und durch subtilere ironie, als sie hier vorhanden ist, den text gewinnen lassen. man w├╝rde gleichzeitig auch den hetzenden medien einen mitgeben.
ich mag deine sonette im grunde; - sind sonette nicht immer auch etwas wie lehrgedichte? wenn ja, dann ist mir in diesem fall zu deutlich der lehrer mit lederflicken an den ellbogen seines karierten, durchaus nicht jungen jacketts vor augen.
die 2 letzten verse gefallen mir ├╝brigens, sie scheinen mir sympathischer. grass ist ein mensch, kein heiliger; schriftsteller, sicherlich, ein streitbarer dazu (ich pers├Ânlich kann ihn mir kaum antun), aber eben nicht unfehlbar, wie sich die so erstaunte ├Âffenlichkeit, die b├╝rgerlichen biedermeier das wohl immer dachten, beziehungsweise nun vorgeben, dass sie solches immer dachten. es wurde im sommerloch jemand gefunden, auf den man seine trieb├╝bersch├╝sse laden konnte. ich glaub, ich frag demn├Ąchst mal leute auf der stra├če.
"grass? wer soll das sein? war da nicht irgendwas? mit nazi und so?"

viele gr├╝├če,
Prosa.

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