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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mord am Tanganjikasee
Eingestellt am 27. 02. 2003 19:40


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casagrande
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 19
Kommentare: 26
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Mord am Tanganjikasee


Anfang Februar hatte ich in Kinshasa von Viktor die Geschichte zum ersten Mal gehört:
„Zwei Deutsche sind kĂŒrzlich in Haut Zaire, in der NĂ€he des Tanganjikasees, auf der Straße erschossen worden. Von der Polizei! Wegen Spionage! Dabei sind sie nur stehen geblieben und in eine Landkarte schauten um den richtigen Weg zu finden.“
Viktor war informiert und er informierte alle. FĂŒnfunddreißig Jahre alt und seit einigen Jahren in Kinshasa als Niederlassungsleiter einer Baufirma tĂ€tig. Ihm passierten die unglaublichsten Dinge. War er in Nigeria, in Lagos, dann fand dort ein Aufstand statt, bei dem die Geschosse in seinem Hotelzimmer einschlugen. Oder, erst kĂŒrzlich in Angolas Hauptstadt, in Luanda, da war er ganz knapp bei einer Bombenexplosion davon gekommen. In Kinshasa war er schon zwei Mal im Haus ĂŒberfallen worden. Einmal hatten die RĂ€uber mit einem LKW die EingangstĂŒre eingedrĂŒckt. Seinem Wachhund hatten die Gangster ein Bein durch den Zaun gezogen und gebrochen. Der Hund lief seit Wochen mit einem geschienten und gegipsten Haxen herum. Also, zumindest in Kin, waren entstandene SchĂ€den zu begutachten und bei seinen Festen zeigte er beflissen die Belege der Raubtaten. Aber er schmĂŒckte die Dinge gerne ein bisschen aus.
Etwa einen Monat spĂ€ter, im tausendfĂŒnfhundert Kilometer entfernten Lubumbashi, eine neue Variante der Geschichte: Nun waren es Italiener, und nicht Deutsche, die nördlich von Kalemie erschossen worden waren. Ein Bauunternehmer mit seinem Schwager, die eine Straße besichtigten, um ein Angebot fĂŒr die Reparatur und Sanierung zu machen. Sie kamen in eine MilitĂ€r- Patrouille, und die erschossen einen von ihnen wegen seines Geldes. Raubmord. Der Zweite palaverte mit den MilitĂ€rs herum, die konnten aber keinen Zeugen gebrauchen und legten ihn kurzerhand auch um. Diese Version war von einem Belgier, der sie von einem Beteiligten, der flĂŒchten konnte, gehört hatte.
Damit wurde die Geschichte zum GerĂŒcht. Irgendetwas war wohl passiert, aber die gesamten UmstĂ€nde passten nicht zusammen. Wie konnte jemand flĂŒchten, wo doch die TĂ€ter keine Zeugen brauchen konnten?! Der Belgier reagierte beleidigt. Sein Bekannter wĂ€re kein LĂŒgner und wenn er sagte, er wĂ€re geflĂŒchtet, dann wĂ€re das eben so. NĂ€here UmstĂ€nde, ob man die MilitĂ€rs gefunden und zur Verantwortung gezogen hatte - unbekannt.
Antwort:
„In einer Diktatur sind solche Fragen oft tödlich!! Aber wenn Sie so großes Interesse haben, können Sie sich die Finger gerne verbrennen!“
Der Belgier war seit 25 Jahren im Land, seine Kinder waren hier geboren und aufgewachsen. Er wusste, wovon er redete. Und, er wollte weiter hier bleiben. GerĂŒchte ja, Neugierde nein.
Ende MĂ€rz war ich wegen eines BrĂŒckenbaues in Kalemie, dem Fischereizentrum am Tanganjikasee, im Nordosten des Kongo. Dort traf ich den „Beteiligten“. Er war der frĂŒhere Direktor des StraßenbaubĂŒros (Office de Route), ein großer, voluminöser, lustig wirkender Kongolese.
Eine neue Schilderung des Überfalls! Er sei tatsĂ€chlich dabei gewesen, als das MilitĂ€r die beiden Italiener umgebracht hat. Bei der Besichtigung der Straße fĂŒr ein Angebot der Sanierung. Er war der ReprĂ€sentant der Baubehörde gewesen. Die Schilderung war unspektakulĂ€r und er fĂŒhrte seine gelungene Fluch nur auf den Umstand zurĂŒck, dass die Soldaten mit sich selbst beschĂ€ftigt waren, die Schuld am ersten Mord sich gegenseitig zuzuschieben.
Also kurz: Die Bewaffneten hatten den Wagen gestoppt und nach Matabisch (Trinkgeld) gefragt. Sie bekamen schon seit Monaten keinen Sold mehr. Der Bauunternehmer war wohl ausgerastet und hatte sie beschimpft, als Wegelagerer und schlimmeres. Und das war einem der Soldaten zuviel geworden und er hatte den Abzug der Maschinenpistole gezogen. Ob nun aus Absicht oder Versehen oder Stress, Resultat war jedenfalls, dass der Weiße tot war. Jetzt verlor der andere Weiße völlig die Kontrolle und schrie mit den Soldaten herum, drohte ihnen, sie alle lebenslĂ€nglich in den Knast zu bringen und – das war der Augenblick, dass sich der „Beteiligte“ klammheimlich in den Busch verdrĂŒckte und rannte, wie er sagte:
„Ich rannte, wie er noch nie in meinem Leben gerannt bin.“
Nach seiner Figur zu urteilen, das konnte nicht sehr schnell gewesen sein! Aber offensichtlich ausreichend.
„Und, was wurde aus dem zweiten Weißen?“ fragte ich.
Der Herr Direktor a.D. schaute mich zweifelnd an.
„Was hat der wohl erwartet? Man hat ihn ebenfalls erschossen gefunden. Von den MilitĂ€rs keine Spur. Offizielle Angaben:
die Rebellen haben sie erschossen, um sie auszurauben“
Er lĂ€chelte und meinte abschließend
„Ich habe mich dieser offiziellen Meinung angeschlossen. Es waren Rebellen, die sich als MilitĂ€rs verkleidet hatten. Diese Verkleidung muss man aber nicht erwĂ€hnen!“
Alles klar!
„Übrigens! Das ist schon eine ganze Weile her. Das war vor ungefĂ€hr zwei Jahren!“
Ich hielt es fĂŒr wahrscheinlich, dass der Herr Direktor die Soldaten gekannt hatte. Er war hier geboren und kannte jede Familie. FĂŒr die MilitĂ€rs war es ĂŒblich, dass sie mit ihrer Familie im MilitĂ€rlager lebten. Und damit das ohne grĂ¶ĂŸere Probleme möglich war, wurden die Leute in der NĂ€he oder gar in ihrem frĂŒheren Wohnort eingesetzt. War dies fĂŒr sein Überleben von Bedeutung?
Das einzige Tatsache an dieser Geschichte waren die Toten. Die UmstĂ€nde blieben GerĂŒcht.
ZurĂŒck in Kinshasa korrigierte ich Viktors Information und er meinte
„Interessant“
Nur zwei Monate spÀter stand in einem deutschen Wochenmagazin zu lesen:
„Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo , wo schon mehrmals Konvois beschossen wurden, kam es, wie erst jetzt bekannt wurde, im Januar zu einem Zwischenfall, der zwei Deutschen das Leben kostete. Obwohl die nĂ€heren UmstĂ€nde nicht klar sind, kann man davon ausgehen, dass der Bauunternehmer Robert K., 52, und sein Schwager GĂŒnther F., 36, von marodierenden Soldaten ermordet und beraubt wurden. Wegen der unĂŒbersichtlichen Lage im Rebellengebiet, konnten bisher keine weiteren Ermittlungen durchgefĂŒhrt werden.“
Ich rief sofort Viktor an und fragte ihn, ob er den Artikel gelesen hÀtte, der doch völliger Quatsch sei. Und er:
„Klar kenne ich den Artikel. Ich war doch an der ElfenbeinkĂŒste, in Abidjan, und habe an der Bar des Hotel ÈbriĂš den Reportertyp getroffen und ihm Einiges ĂŒber den Kongo erzĂ€hlt. Der war ganz begeistert. Eine Einreise in den Kongo ist ja nicht so ohne Weiteres möglich, darum war alles neu fĂŒr ihn. Er hat mitnotiert wie ein Irrer. Tja, und nun ist der Artikel drinnen. Bin gespannt, welch andere Stories er noch bringt. ErzĂ€hlt habe ich ihm genug. Ist doch echt gut, oder?!“
Zur EnttĂ€uschung Viktors erschienen keine weiteren Artikel in diesem Magazin. Das heißt aber nicht, dass die GerĂŒchte im Busch bleiben.
Zu finden in jeder Zeitung, nicht alle sind von Viktor!

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo casagrande,

ich möchte ehrlich sein: ich habe das letzte Drittel der Geschichte nicht mehr gelesen.
Warum? Weil der Text nicht mein Interesse am Fortgang geweckt hat, sondern ich mich im Gegenteil mit derart vielen Aussagen und Schilderungen bombardiert fĂŒhlte, dass ich schlicht den Überblick verloren habe.
Mir fehlt in dem Text der rote Faden, an dem ich mich entlanghangeln kann.

Es kommt mir ein wenig vor, als hÀttest Du versucht, möglichst schnell alle Einzelheiten niederzuschreiben, um nichts davon zu vergessen.
Das ist grundsÀtzlich kein Problem, aber danach sollte ein Ordnen, Streichen und Verdichten folgen, um die Lesbarkeit zu erhöhen.

Die einzelnen SĂ€tze sind sprachlich durchaus in Ordnung, aber am Gesamtbild dibt es noch einiges zu Feilen.

Ich hoffe, Du nimmst meinen Kommentar nicht persönlich sondern als das, was er sein soll: Eine hoffentlich konstruktive Kritik, die Dir eine grundsÀtzliche SchwÀche des Textes aufzeigen soll, ohne sich dabei in Einzelheiten zu ergehen.

Gruß

Arno

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