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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mord an meinem Chef
Eingestellt am 07. 09. 2000 09:45


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Andreas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 6
Kommentare: 4
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Die GrĂ¶ĂŸe des Geldes

Nur selten war ich so gut gelaunt wie an diesem verregneten Freitag.
Die Wassertropfen liefen mir ĂŒber das Gesicht und drangen unerbittlich durch meinen dĂŒnnen Pullover und rannen an meiner Haut herunter.
Überall liefen die Menschen wie aufgeschreckte Ameisen umher und suchten Schutz unter den VordĂ€chern der kleinen StraßenlĂ€den ; ich hatte nur ein LĂ€cheln fĂŒr sie ĂŒbrig.
Endlich war diese Sklaverei vorbei. Nie wieder mußte ich in das aufgeschwemmte Gesicht dieses Möchtegern Chefs blicken und seine vor Freude glĂ€nzenden Augen sehen, wenn er wieder eines dieser armen Schweine vor der ganzen Belegschaft heruntergeputzt hatte.
Aber nicht mit mir; nicht mit Thomas Korn.
Er hatte es versucht und er hatte dafĂŒr die Quittung bekommen.
Ob er mich jetzt wohl sieht?
Wohl kaum. Dieses Schwein ist bestimmt mit Pauken und Trompeten in die unterste Etage gefahren.
„Herr Korn, Ihre Abrechnung weicht um 5,98 DM ab. Können Sie mir das erklĂ€ren?
Sie sollten mit meinem Geld etwas sorgfĂ€ltiger umgehen. Haben wir uns verstanden. PrĂŒfen Sie das sofort nochmals nach“.
Seine Worte klangen wie eine schallende Ohrfeige in meinem Gehirn. FĂŒr einen kurzen Moment wurde mein LĂ€cheln zu einer Grimasse.
5,98 DM und deswegen regte sich dieser Typ so auf.
Jeden Tag landeten in unseren Kassen BetrÀge, von denen manche Firma nur trÀumen konnte.
5,98 DM; nun hat er sie.
Mein LĂ€cheln kehrt wieder zurĂŒck.
Wie er gefleht hat. Ja, als wir alleine waren, da hatte er keine so große Klappe mehr gehabt.
„Tun Sie das nicht Herr Korn. Denken Sie doch an Ihre Zukunft.“
Meine Zukunft. Die konnte jetzt eigentlich nur noch besser werden.
Wie er geschluckt hat. Die Zehnpfennig StĂŒcke gingen gerade noch so, bei den MarkstĂŒcken wurde es bereits schwieriger und mein kleines Sahnebonbon, der stattliche FĂŒnfer, gab ihm den Rest.
Was solls? Ich habe meine Schulden bezahlt.
Mein LĂ€cheln tut schon fast weh. Lange ging es mir nicht mehr so gut.
Habe ich auch wirklich an alles gedacht?
Ich trug Handschuhe, das Geld hatte ich vorher nochmals mit einer ZahnbĂŒrste grĂŒndlich gereinigt, meine Schuhe habe ich weggeworfen und mein Alibi...
Hier mußte ich mir noch etwas einfallen lassen.
Frau MĂŒller aus dem Sekretariat haßte diesen Penner. Kann ich ihr vielleicht mein kleines Geheimnis anvertrauen? Nein, zu gefĂ€hrlich, keine Mitwisser.
Ein Alibi ...
Ich lag im Bett ... nein, das ist nicht gut genug.
Was verdammt macht man, wenn es regnet?
Ein Alibi ...
Ich schicke ein Fax an die Firma. Die Systemzeit am Computer setze ich zurĂŒck.
„ Habe den Fehler gefunden ...“ verdammt das funktioniert nicht. Das Faxjournal wĂŒrde die tatsĂ€chliche Uhrzeit anzeigen.
Ich mĂŒĂŸte die Uhrzeit am Fax zurĂŒckstellen ...
Unsinn, da mĂŒĂŸte ich wieder zurĂŒck in die Firma.
Ob man ihn schon gefunden hat. Blöder Mist.
Mein LĂ€cheln ist nicht mehr ganz so wie es sein sollte.
Ein Alibi... ich brauche ein beschissenes Alibi...
„Entschuldigen Sie, könnten Sie mir etwas Kleingeld fĂŒr die Parkuhr wechseln“
„Was...“
Dieser blöde Penner, soll sich zum Teufel scheren. Moment, vielleicht ...
„Aber sicher, junger Mann. Wieviel brauchen Sie den?“
„Könnten Sie mir ein FĂŒnfmarkstĂŒck wechseln? Das paßt leider nicht in die Parkuhr“
Der Blondschopf lÀchelt mich freundlich an.
„Ja, so ein FĂŒnfmarkstĂŒck ist schon verdammt groß“.
Mein breites Grinsen kehrt kurz zurĂŒck.
„Haben Sie einen Großeinkauf gemacht?“.
Vielleicht kann ich mir ein Alibi verschaffen ...


Der junge prÀsentiert mir stolz einen neuen Nintendo 64. Albernes Spielzeug, aber es könnte meinen Hals aus der Schlinge ziehen.
Die TĂŒte verrĂ€t mir, das es ein großes Kaufhaus in der NĂ€he ist.
Freitag Nachmittag, die Leute gehen zu Tausenden ein und aus. Niemand könnte sich an mich erinnern, da muß nur noch eines stimmen ...
„Hey, das Ding suche ich schon ĂŒberall. Was hast du dafĂŒr bezahlt?“
Der Blondschopft nennt mir den Preis.
„Ich gebe dir einen Hunderter mehr, als du bezahlt hast, wenn du es mir verkaufst.
Mein Sohn hat Geburtstag und ich brauche dringend ein Geschenk. Aber ich habe keine Zeit, bin im Terminstreß“.
Kurze Pause.
„Hundert Mark mehr, als ich bezahlt habe?“
„Ja, Bar auf die Hand“.
Der Blondschopf schaut mich mißtrauisch an.
„OK“.
Ich gebe ihm das Geld und nehme das Spielzeug entgegen, das in meinem Schrank ungeöffnet verschwinden wird.
„Ich brauche noch deinen Kassenzettel wegen der Garantie“, und natĂŒrlich wegen meinem Alibi.
Treffer. Da steht es schwarz auf weiß. 14.30 Uhr in einem Ort der etwa dreißig Kilometer von hier entfernt liegt. Niemand wird mir etwas nachweisen können.
Ein Alibi fĂŒr fast Vierhundert Mark.
In meiner Hosentasche fĂŒhle ich das FĂŒnfmarkstĂŒck, welches ich dem Jungen gewechselt hatte.
Es ist in der Tat verdammt groß.

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
Kommentare: 375
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7 von 10 Punkten

Insgesamt eine schöne Geschichte, flĂŒssig geschrieben (auch wenn ich die große LĂŒcke nicht verstehe - Layoutfehler oder Absicht?), dabei nicht zu "lehrerhaft". Man versteht zwar sofort, worum es geht, hat aber zumindest im Ansazt noch das GefĂŒhl, ganz von selbst draufgekommen zu sein.

Aber eine Sache mĂŒĂŸtest du mir dann doch noch erklĂ€ren: Herr Korn lĂ€ĂŸt (so habe ich es verstanden und so fĂ€nde ich es am stimmungsvollsten) seinen depotischen Chef an genau dem Betrag ersticken, der ihm vorher angekreidet wurde. Wie aber setzt man 5,98 DM aus Groschen, MarkstĂŒcken UND einem FĂŒnfer zusammen?!? Oder muß der arme Mann solange Geld schlucken, bis er tot ist?

Bliebe die Frage, ob man an GeldmĂŒnzen tatsĂ€chlich ersticken kann - aber das ist eher eine lĂ€stige Frage im Nachhinein, denn fĂŒr die Geschichte kann man es, und das ist das Wichtige.

Gruß
__________________
Andrea Rohmert

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Andreas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 6
Kommentare: 4
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Hallo Andrea,

danke fĂŒr dein Lob.

Ja, ich muß zugeben, daß du richtig gut aufgepasst hast.
Ich habe tatsÀchlich den falschen Betrag eingegeben.
Eigentlich sollten es 7,95 DM sein, dann wĂŒrde es auch mit den MarkstĂŒcken stimmen.
Die LĂŒcke im Text ist ein Layoutfehler.

Nochmals danke fĂŒr die Antwort.
Andreas

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