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Leselupe.de > Science Fiction
Morgen
Eingestellt am 28. 03. 2012 21:01


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Galax
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Morgen



Thomas Krapp öffnete nur widerwillig seine Augen, denn das grelle Licht in seiner kleinen Wohnung blendete ihn mit einem stechenden Schmerz. Er hĂ€tte sich wirklich gern wieder umgedreht, in die warme Decke gekuschelt und einfach weitergeschlafen. Ein Ding der Unmöglichkeit, da das permanente nahezu unertrĂ€gliche schrille Piepen seines Weckers, welches mit dem Einschalten des beißenden Lichts begann, ihn einfach nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Sein Schlafzyklus war beendet! Auf seinen trocknen Lippen lag schon die Anweisung das Licht wieder zu löschen, doch er wusste, er musste aufstehen, denn heute war sein Tag. Wochen, ja Monate hatte er darum gebetet und mit ein wenig Nachhelfen hat Gott ihn erhört. Es wĂ€re wohl SĂŒnde, ihn jetzt zu enttĂ€uschen. Mit einem Ruck richtete er sich auf und blickte starr geradeaus, und drillte seinen Körper, zu erwachen. Seine vom Licht gepeinigten Augen blinzelten durch das unverhangene Fenster - fĂŒr VorhĂ€nge hatte er einfach nichts ĂŒbrig, genauso wenig fĂŒr Zimmerpflanzen. Draußen war es noch stockdunkel, nur die gigantischen, hell erleuchteten HochhĂ€user stachen in das Schwarz des sternenlosen Himmels. Er stöhnte, als er seine Beine aus dem Bett schob. Wieviele Stunden hat er geschlafen? Er rieb sich ĂŒbers trĂŒbe Gesicht, war wieder kurz darauf, das Licht zu löschen, doch er verwarf die Anweisung an den Wohnungscomputer, brachte aber mit einem blaffenden Befehl den nervtötenden Wecker zum Schweigen. Kaum war Ruhe eingekehrt umhĂŒllte ihn das Blubbern der Kaffeemaschine aus seiner KĂŒchennische und jetzt erst nahm er den damit verbundenen, verfĂŒhrerischen Duft wahr. Die Vorfreude auf einen guten Kaffee ließ ihn nun endlich richtig wach werden. Ungelenk suchte seine Hand nach dem Thermostat an der Wand ĂŒber seinem Bett und betĂ€tigte die digitale Taste fĂŒr die voreingestellte Temperatur, nachdem er das kleine GerĂ€t mit Hilfe seinen mĂŒden Augen gefunden hatte. Binnen Minuten war seine Wohnung nahezu so warm wie zuvor sein Bett.
Der große Plasmaschirm vor seinem Bett hatte sich ebenfalls eingeschaltet und strahlte einen fröhlich aufdringlichen Werbespot in seinem Wohnraum.
Gedankenlos, den Werbespot strĂ€flich vernachlĂ€ssigend, dazu noch laut gĂ€hnend, trottete Thomas in die Badnische, direkt neben der KĂŒche, die keinen Zentimeter grĂ¶ĂŸer war als die Nasszelle seiner Wohnung. Zu Zeiten der Wohnungsnot wurde trotz immer höherer GebĂ€ude ein Gesetz erlassen, dass pro Person nur noch maximal zwanzig Quadratmeter erlaubte. Die Miete fĂŒr diese vier WĂ€nde war nicht fĂŒr jeden tragbar, doch Thomas gönnte sich dieses Zimmer im Zentrum, das war er sich immer schuldig, ab heute mehr denn je.
Im Bad nahm er einen Schluck des antibakteriellen Mundwassers, das (angeblich) den ganzen Tag die ZĂ€hne schĂŒtzt, wĂ€hrend er sich auf der Toilette niederließ.
Danach trug er sorgfĂ€ltig das haarwachstumshemmende Rasierwasser auf, blickte die fast leere Flasche an und gab dem Wohnungscomputer die Anweisung, eine Notiz zu hinterlassen, dass er bald neues brĂ€uchte. Mit einem Zischen öffnete sich die MilchglastĂŒr zur Duschkabine, ein fĂŒnfzig mal fĂŒnfzig kleines Kabuff. Ungelenk entledigte er sich seinem Schlafanzug und freute sich auf eine herrlich heiße Dusche. Eine der wenigen Freuden an seinen sieben Arbeitstagen in der Woche, natĂŒrlich bis auf die eine Woche im Monat, in der er einen freien Tag hatte. Die TĂŒr schloss sich, und das Wasser mit dem dazugehörigen Dampf hĂŒllte seinen Körper ein. Doch nach nur wenigen, entspannenden Minuten war der Spaß leider schon zu Ende, die tĂ€gliche Wasserration zum Waschen war bereits aufgebraucht, doch auch dies hatte bald ein Ende. Seine neue Gehaltsklasse von fast fĂŒnf Euro die Stunde, brachte ihn nicht nur mehr Vorteile, nein auch eine grĂ¶ĂŸere Wasserration. Mit warmer Luft ließ er sich seinen Körper und die Haare trocknen und verließ danach seinen ausgesprochenen Lieblingsort. Aus dem Badezimmerschrank gegenĂŒber der Dusche nahm er sich frische, am Tag zuvor sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlte, Kleidung. Thomas zog sich vorbildlich an, selbst die Unterhose war seit neusten in Farben seiner Firma gehalten.
Bereit fĂŒr seinen ersten Tag als Abteilungsleiter und bereit, sein Bestes zu geben, verließ er die Badenische. Schnell noch stattete er seiner kleinen KĂŒche einen Besuch ab, um seinen inzwischen trinkfertigen und endlos köstlichen Kaffee zu genießen. „Kanal eins.“, wies er dem Multimediasystem an, das daraufhin den staatlichen Nachrichtenkanal aktivierte. Seufzend nahm er jeden Schluck und langte herzhaft nach seinem am Abend zuvor programmierte FrĂŒhstĂŒck, das der Computer bereits zubereitet hatte. Die Zeit wurde knapp, und so dankte er Gott wĂ€hrend des Essens fĂŒr die Speise. Die Regeln der Kirche waren schon immer schwammig. Er vergaß sogar das Amen, als seine Aufmerksamkeit von dem FernsehgerĂ€t vollends eingenommen wurde.

Aus der im Raum verteilten Surroundanlage drangen die anklagenden Worte einiger Nachrichtensprecher, die verachtend ĂŒber die Zerstörung eines Kölner Sicherheitscenters sprachen. AnschlĂ€ge innerhalb Deutschlands waren nurnoch selten in den Meldungen, um so mehr Aufmerksamkeit widmete er nun dem anklagenden Sprechern.
Mit theatralisch untermalter Musik und einem eingespielten Video wurde den Untersuchungsbeamten des Staatsschutzes viel GlĂŒck bei der Fahndung gewĂŒnscht und ihnen verbal Gott an die Seite stellte. Thomas verstand es nicht, dass es immer noch Menschen gab, die dieses fast schon perfekt funktionierende System zerstören wollen... Sahen sie denn nicht die Möglichkeiten? Ohne diese Wahnsinnigen gĂ€be es sicher schon Frieden auf der ganzen Welt. Mit einem schrillen Ton wurde darauf auf die Weltneuigkeiten hingewiesen, doch der weitere Zerfall Russlands und die amerikanische PrĂ€senz in ganz Eurasien beeindruckt ihn nun schon seit ĂŒber zwölf Jahren nicht mehr.

Mit dem letzten Schluck Kaffee ging er zurĂŒck in seinen Wohnraum, nahm seinen Mantel vom Haken neben der TĂŒr, zog sich seine gepflegten, schwarzen Schuhe an, die er sorgfĂ€ltig unter dem Mantel bereitgestellt hatte. Mit einem letztem Blick prĂŒfte er sein Äußeres nochmals im Spiegel. Fast schon gedankenlos legte der neue Abteilungsleiter Krapp seinen Daumenabdruck auf den Scanner, blies in das AlkoholtestgerĂ€t und das Schloss entriegelte sich anstandslos, nachdem es null Promille registriert hatte.
"Herr Krapp, es ist 7 Uhr und 34 Minuten, sie verlassen nun Ihre Wohnung. Ich wĂŒnsche Ihnen einen schönen Tag." , ertönte die sanfte aber elektronische Frauenstimme des Wohnungscomputers und registrierte nun den Beginn seines Weges zur Arbeit. Der Wohnungscomputer löschte selbststĂ€ndig das Licht und deaktivierte alle laufende GerĂ€te in der Wohnung.

Hinter ihm schloss sich die TĂŒr selbststĂ€ndig und Thomas ging langsam den Flur herrunter zum Fahrstuhlsystem. Wie jeden morgen begrĂŒĂŸt ihn auch hier das elektronische Überwachungssystem des Wohnblocks. Der Fahrstuhl, der das Verlassen der Wohnung eines jeden Mieters registrierte, hatte sich bereits in Bewegung gesetzt um jenen Mieter abzuholen, der gerade seine Wohnung verlassen hatte. Binnen Sekunden brachte die Kabine ihren Passagier in Begleitung von aufbauender Musik herrunter ins Erdgeschoss, wo er nach nur wenigen Metern an die U-Bahnstation gelangte.

Tief atmete Thomas die frische, kĂŒhle Luft ein und blickte in den inzwischen weisgrauen Himmel. Die Chemikalie.. er hatte ihren Namen vergessen, die die Menschen vor dem Ozon schĂŒtzen soll, verdeckte beinahe komplett die aufgehende Sonne.
Oder schĂŒtzte uns das Zeug vor CO2?, fragte er sich, wĂ€hrend er versuchte, sich an den natĂŒrlichen Himmel zu erinnern. Angeblich soll es noch Orte auf der Erde geben, wo man sein strahlendes Blau noch sehen kann.. oder nachts die Sterne und den Mond.
Der gigantische, ĂŒber den U-Bahntunnel hĂ€ngende, Monitor brachte ihn plötzlich auf andere Gedanken. Auf dem Plasmaschirm flimmerten aktuelle Börsenergebnisse, politische Umfragewerte und am unteren Rand eine Tickernachricht ĂŒber einen erfolgreichen Vormarsch in Berlin, wo seit Jahren der BĂŒrgerkrieg die Region in Atem hĂ€lt.
Warum können die nicht aufhören?, kopfschĂŒttelnd sinnierte er wiedereinmal ĂŒber den Zweck des selbsternannten Widerstandes und folgte den Stufen in den Untergrund, wo er die automatische Sicherheitsschleuse passieren musste, um den Bahnsteig betreten zu können. Routiniert legte er seine Tasche auf das Fahrband, schritt durch den Scanner und durfte sofort weitergehen. Jeden Tag kontrollierte er auf den Bildern der Kontrollmonitore diesen kleinen roten Punkt in seinem Nacken und fĂŒhlte sich dadurch gleich sehr viel sicherer: Der RFID-XT-Chip maß nicht nur seine Lebensfunktionen und speicherte die wichtigsten Informationen, er gab auch stetig seine Position an, sobald Thomas eine der unsichtbaren oder sichtbaren Sicherheitsschranken ĂŒberall in der Stadt ĂŒberschritt. Sollte ihm jemals etwas zustoßen, so werden Ärzte und Polizisten sofort wissen, wo er sich befindet und was ihm zugestoßen war. So konnte man gezielt und effizient schnellste Hilfe leisten. Die metallene TĂŒr seiner Schleuse öffnete sich und ĂŒbergab ihm wieder seine Tasche. Die Bahnfahrtkosten wurden soeben von seinem Konto abgebucht.

Thomas betrat die um diese Uhrzeit noch recht leere U-Bahn, wo sein Blick sofort die Nachrichtenmonitore suchte. Es wurde nun von einem Bombenanschlag gegen das „Teublesch-Museum fĂŒr Sicherheitstechnik“ berichtet, welches bis gestern Angelpunkt der Berichterstattung aus dem Krisengebiet an die restliche Nation war.
Es folgt ein historischer Abriss, ĂŒber den erfolgreichen Mordanschlag im Jahre 2107 an dem damaligen, amtierenden Ministers fĂŒr innere Verteidigung, welcher ihm zu Ehren dem Museum schließlich den Namen gab. Dies war der Tag der Stunde Null, so nennen ihn jedenfalls die Chaoten dort. Die TĂ€ter, eine Gruppe Studenten, wurden innerhalb von nur zwei Stunden gefasst und nach nur drei Tagen wurde das erste mal seit ĂŒber einem Jahrhundert in Deutschland wieder jemand zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung der fĂŒnf Jugendlichen löste dann die ersten Demonstrationen in der damaligen Hauptstadt aus, die sich entgegen aller Erwartungen nicht verliefen, sondern nach zwei Jahren zu anhaltenden Krawallen verwandelten. 2109 wurde das Museum vom damals amtierenden US-PrĂ€sident eingeweiht und hatte seit dem mehrere versuchte AnschlĂ€ge seitens der Bevölkerung zu verkraften. Seit 2115, dem offiziellen Beginn des BĂŒrgerkrieges, ist das Museum unter anderem als NachrichtenbĂŒro der örtlichen Regierung in Benutzung.

Als die U-Bahn einfuhr, verfolgte Thomas die Berichterstattung auf den kleineren Monitoren im Inneren der Wagons weiter: Laut des Sprechers liegt Berlin heute nahezu in Schutt und Asche und hat alles von seinem einstigen Glanz eingebĂŒĂŸt. Ein Parteisprecher der NCP erschien nun auf dem Monitor und erklĂ€rte, bei dem Anschlag handle es sich um eine Vergeltungsmaßnahme gegen den erfolgreichen, nĂ€chtlichen Einsatz der tapferen Soldaten im Inneren und versprach natĂŒrlich sofortige Gegenmaßnahmen.
Thomas nickte zustimmend. Er wusste, dass seine Stimme beim ehemaligen Bischof Schreiner, seit zwölf Jahren nun aber Kanzler und dessen Kabinett, gut aufgehoben war. Zumal beide Frankfurter waren und hier in der grĂ¶ĂŸten und schönsten Stadt Deutschlands lebten.
Die U-Bahn erreichte Thomas’ gewĂŒnschte Station. Hier waren bereits einige Menschen unterwegs, die ebenfalls wie er, auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle waren. Mit verschwinden des Monitors vor seinen Augen verschwanden auch die Gedanken um die Geschehnisse im Land aus seinem Kopf. Der frische Duft von Brötchen, Kaffee und anderen sĂŒĂŸlichen GerĂŒchen ließ ihn einen ungeplanten Abstecher in den kleinen Bahnhofsladen hinter der Schleuse machen, wo er sich eilig einen kleinen Snack und einige Donuts fĂŒr spĂ€ter nahm. Die Zeitung "Neues Deutschland-Bild" lag gerollt neben der Kasse. Andere BlĂ€tter gab es nicht mehr, seit Nachrichten kostenfrei (wenn man die Nachrichtensteuer einmal nicht beachtet) auf jeden Informationsmonitor ĂŒberall in der Stadt zu sehen waren, wurden Zeitungen sehr unpopulĂ€r. Da das „Deutschland-Bild“ aber die stetige Stimme der Regierung an das Volk war, blieb dieses Blatt fĂŒr einen symbolischen Preis bestehen. Und so nahm er sich ebenfalls ein Exemplar mit, schließlich sah es auf Arbeit immer gut aus, ein „Deutschland-Bild“ bei sich zu haben, jetzt mehr denn je, rief er sich wieder ins GedĂ€chtnis und strich dabei unbedacht ĂŒber das an seinem Anzug gestickte Kruzifix. Das routinierte Zahlen mit seinem Daumenabdruck nahm er kaum noch wahr. Wie oft hatte er schon etwas bezahlt, ohne sich dessen bewusst zu sein? Den Gedanken wieder verwerfend und mit einem guten GefĂŒhl im Sinn verließ er den Kiosk und den Bahnsteig.

Nur flĂŒchtig entrollte er das Blatt, warf einen kurzen Blick auf die Titelseite, die ein Interview mit einen erst einundzwanzigjĂ€hrigen zum Tode verurteilten StraftĂ€ter versprach. Mit sinnlich umformulierten KraftausdrĂŒcken, die den amtlichen Regelungen nicht zuwiderhandelten, beleidigte das Blatt den Verbrecher, in Thomas Augen nur ein Terrorist, aufs SchĂ€rfste. Am Ende des Deckblatts standen neuste Berichte der Regierung und Ergebnisse wichtiger Umfragen. SorgfĂ€ltig faltete Thomas das Blatt zurecht und steckte es in seine Manteltasche. Als er wieder aufblickte, erkannte er eine Polizeieskorte auf sich zukommen und blickte sich erschrocken um. Ihre blausilbernen Metallhelme, die Maschinengewehre und Schulterpanzerungen glĂ€nzten im Licht der aufgehenden Sonne, die sich nun mĂŒhsam durch den grauen Himmel kĂ€mpfte. Thomas betete innerlich, dass sie ihn nicht weiter beachten wĂŒrden. Er war jetzt doch Teil des Systems. Im Gleichschritt marschierten sie an ihm vorbei, wĂŒrdigten ihn keines Blickes, als er eilig mit angehaltenem Atem Platz machte. Thomas fĂŒhlte sich wie nach einem unerwarteten Gewinn, es gab keinen Tritt, keinen Schlag, kein Anpöbeln, ja nicht einmal eine Reaktion der Hunde. Kaum waren die Beamten einen Schritt hinter ihm stand ein LĂ€cheln in seinem Gesicht. Ja, er war ab heute dabei, es musste sein GlĂŒckstag sein und er ging erleichtert weiter. Plötzlich aber ertönte das Bellen der Hunde hinter ihm. Das Blut gefror in seinen Adern.
"Hey!", brĂŒllte einer der Beamten und hatte sich bereits zu ihm umgedreht. Vorsichtig blickte Thomas sich zu der Stimme um, noch immer an der Hoffnung klammernd, dass er nicht gemeint war.
"Keine Bewegung!", forderten die Beamten ihn auf und zogen ihre Schlagstöcke. AngsterfĂŒllt blickte Thomas die Beamten an. Plötzlicher Schmerz! Einer der Schlagstöcke entriss ihm die TĂŒte mit den Donuts. Eine behandschuhte Faust presste ihn mit dem Gesicht gegen eine Wand und drehte seinen Arm schmerzhaft auf den RĂŒcken. Thomas schrie auf. „Schnauze!“, brĂŒllte der Polizist, der ihn gegen die Wand wuchtete und drĂŒckte noch stĂ€rker zu. Schlagstöcke klopften schnell und mit Wucht seine Beine ab. „Wo ist es?“, wollte der weibliche Polizist mit schrill aggressiver Stimme wissen und wuchtete ihn nochmals mit den Gesicht gegen die Wand. VorĂŒbergehende Passanten senkten den Blick und gingen eilig weiter. Jeder war froh, des es nicht ihn getroffen hatte.
Thomas wimmerte: „Ich habe nichts.“
„Haben sie was weggeworfen?“, brĂŒllte der andere in Thomas’ Ohr. Die Hunde bellten weiter und zerrten an ihren Leinen. Ein krĂ€ftiger Schlag ließ Thomas unerwartet zu Boden fallen, dann riss sich einer der Hunde los. Freudig stĂŒrzte er auf die TĂŒte mit den Donuts und fetzte sie auf. Der andere versuchte ebenfalls die Backwaren zu erreichen, doch der Griff des Mannes, der den Hund zu bĂ€ndigen versuchte war zu stark. Die Polizisten lachten auf, als sie die Situation endlich erkannten. Mit einem Tritt in die Seite wurde Thomas aufgefordert zu verschwinden, wenn er nicht ins GefĂ€ngnis wolle. Und das wollte er bestimmt nicht, rappelte sich unbeholfen auf, nicht ohne sich zu bedanken und entfernte sich einige Schritte von den Hunden. Die Staatsschutzbeamten hatten weder nach seiner ID gefragt, noch den Chip in seinem Nacken gescannt. Warum nicht? Sie hĂ€tten sofort erfahren, dass er einer von ihnen ist und ihn schlicht ziehen lassen.
Er entschuldigte sich dennoch fĂŒr die Unannehmlichkeiten, bedankte sich noch, dass er keine Strafe erhalten hatte und rannte schließlich weg. Er befĂŒrchtete, wĂŒrde er auf seine IdentitĂ€t bestehen, er sich damit doch des Vergehens irgendeiner Art schuldig machen wĂŒrde.

Grinsend zĂŒckte einer der Polizisten sein Scanner und rief die Informationen zu Thomas ab, die dessen RFID-XT-Chip wĂ€hrend des Vorfalls geliefert hatte: „Der wird sich umgucken..“, er zĂ€hlte seine Kollegen durch: „Einsatz von vier..“, er blickte auf die beiden Hunde: „ ...von sechs PolizeikrĂ€ften. Dazu noch BelĂ€stigung der Polizei, das wird ein teurer Spaß.“ Wieder lachte die Truppe.

Nach nur wenigen Minuten und völlig atemlos stieg Thomas die mehrstufige Treppe zum BĂŒrogebĂ€ude seiner Firma hinauf. Nur noch ein winziger Schritt und er war in Sicherheit. Mit seinem Daumenabdruck gab er sich am Sicherheitssystem zu erkennen um Einlass zu erhalten, doch die TĂŒr blieb zu.
„Verdammtes Teil.“ , fluchte er und hielt augenblicklich inne. Er warf einen Blick nach oben und entschuldigte sich fĂŒr seinen Fluch. Danach sah er sich um, ob ihn auch niemand gehört hatte. Das Mikrophon neben der Kamera an der TĂŒr beachtete er nicht einmal. Es gab so viele Kameras auf dem Weg hierher, kaum einer machte sich heutzutage noch die MĂŒhe, sich die Aufnahmen auch tatsĂ€chlich anzusehen. TatsĂ€chlich wertete ein elektronisches System die Aufnahmen aus, mehr schlecht als recht, aber das war internes Wissen, geheimes Wissen – ein Wort davon zur Bevölkerung und er wĂŒrde den Rest seines Lebens wahrscheinlich im GefĂ€ngnis oder schlimmer verbringen. Thomas drĂŒckte nochmals den Daum auf den Scanner und ruckelte an der TĂŒr, doch anstatt das sie sich öffnete ging der Alarm los. Das Wachpersonal stĂŒrzte aus einer SeitentĂŒr heraus und mit einem Elektronshocker wurde Thomas zu Boden geworfen. Eine krĂ€ftige Frau drĂŒckte ihn auf den Boden, drehte ihn auf den Bauch und hielt ihren Scanner an seinen Nacken. "Thomas Krapp, Wohnhaft im MĂŒhlheimweg 35a, Frankfurt. Sozialnummer 000100453. Familienstand ledig. Er arbeitet hier, Abteilungsleiter P bis S... " las sie ihrem Kollegen ruhig vor, der den Schockstab noch immer Bereitschaft hielt und eigentlich gerade die Anzeige wegen Einbruch und verdacht auf Terrorismus ausfĂŒllte. Erschrocken zuckte dieser nun zurĂŒck.
Die krĂ€ftige Frau ließ Thomas los und half ihm sogar beim Aufstehen: „Verzeihung, Herr Krapp.“
„Schon gut....“ seufzte er und klopfte sich den Schmutz vom Mantel.
"NĂ€chstes mal HĂ€nde vorher waschen", riet ihm der Wachmann. GrĂŒndlich wischte sich Thomas seinen Daumen an einem Taschentuch ab, gab sich erfolgreich fĂŒr das System zu erkennen und betrat die große Halle der Frankfurter Netzkontrolle. Er wandte sich noch einmal um: „Gott sei mit ihnen.“ Das Wachpersonal nickte und sah ihm nach. Zischend schloss sich die TĂŒr zwischen ihnen, in zwölf Stunden war es Thomas wieder erlaubt, zu gehen.

Seine ehemaligen Kollegen, seit heute Untergebene, sahen ihn mal mitleidig, mal schmunzelnd nach, die meisten aber mieden den Blick, als er mit schmutzigem Hemd, zerzauster Frisur und fleckigem Mantel an ihnen vorbeirauschte. Nicht einer der Mitarbeiter grĂŒĂŸte ihn. Er war nicht der erste, und sicher nicht der letzte, der einen ungewollten Zusammenstoß mit den SicherheitskrĂ€ften hatte, doch das war heute nicht der Grund.
Der Grund war die Art, wie er ihr Vorgesetzter wurde. Über Monate hatte er seinen VorgĂ€nger ausspioniert, beschattet, Fallen gestellt, Beschwerden geschrieben (auch anonym) und letztendlich eine Frau bezahlt, die den Mann schwer belastete. Sehr schwer! Unehelicher, vielleicht auch erzwungener Sex ist und bleibt eine der schlimmsten SĂŒnden, und kann nur selten nachgewiesen werden. Thomas lachte innerlich. Sicher, der Ablass fĂŒr einen derartigen Schachzug war verdammt hoch. Aber letztendlich hat der hauseigene Priester diesen gewĂ€hrt, dies war alles was zĂ€hlte. Ein besonders abfĂ€llig dreinblickendes Gesicht streifte ihn im vorbeigehen. Diese sich windenden WĂŒrmer, die einst seine Kollegen waren, wĂŒrden schon sehen, was sie davon haben, ihm nicht den nötigen Respekt entgegenzubringen. Zielstrebig ging er direkt in sein neues BĂŒro, schloss die TĂŒr und warf seine Tasche auf seinen neuen, eigenen Schreibtisch. VerĂ€rgert zog er den Mantel aus, und wusch sich flĂŒchtig an dem kleinen Becken an der Seite des BĂŒros die HĂ€nde und das Gesicht. Als nĂ€chstes öffnete er die Jalousien, um etwas Licht in das kleine, recht spĂ€rlich eingerichtete Zimmer einzulassen. Der Computer erkannte ihn bereits beim Hereinkommen und hatte alle vier Kristallmonitore aktiviert, listete eingehende Nachrichten und AuftrĂ€ge auf, sortierte Akten nach PrioritĂ€ten vor und wĂŒnschte ihm sogar verbal einen guten Morgen. Er strich mit seinen Fingern ĂŒber einen der Monitore, die in einem schwarzen Stahlrahmen gefasst waren. Auf der RĂŒckseite sah man spiegelverkehrt, was auf der Vorderseite angezeigt wurde. Dies war wichtig, denn so konnte das hauseigene Sicherheitssystem jederzeit erkennen, dass jeder Mitarbeiter auch tatsĂ€chlich seiner Arbeit nachgeht. Praktisch war auch der kleine Knopf, der die Ansicht austauschte und somit einem gegenĂŒber befindlichen Kollegen schnell einen Blick auf die eigene Arbeit zukommen lassen konnte.
Doch ab heute hatte er keinen Kollegen mehr. Er war Thomas Krapp, stellvertretender Abteilungsleiter fĂŒr die Kontaktabteilung.

Er und seine Kollegen, nein Untergebene rief er sich in Erinnerung, prĂŒften tĂ€glich tausende von E-Mails. Das System durchsuchte das elektronisch Geschriebene nach Schlagwörtern der schwarzen Liste und speicherte diese ĂŒber Nacht in der Rechenzentrale, bevor sie den EmpfĂ€nger erreichten. Die schwarze Liste wurde dabei tĂ€glich lĂ€nger und sein Arbeitsaufwand stetig höher. Thomas hasste E-Mails, wieso schrieben die Menschen sie?
Doch er beneidete die Kollegen aus der Telekommunikationsabteilung auch nicht gerade, die Stunden und Stunden damit verbrachten, Aufzeichnungen aufgrund verdĂ€chtiger Äußerungen zu prĂŒfen und in besonders schweren FĂ€llen sogar live mithören mussten.
Die Netzabteilung hatte tĂ€glich zu tun, privat eingestellte Webseiten wieder aus dem Netz zu entfernen und eine entsprechende Strafanzeige gegen die Vertreiber zu erlassen. Seit die Regierungen das Netz vor mehr als zwanzig Jahren endlich komplett ĂŒbernommen hatte, war es privaten Personen verboten, Information jeglicher Art in das Internet einzufĂŒgen. Da E-Mails aber noch immer erlaubt waren, gab es leider auch noch die Möglichkeit, Inhalte irgendwie einzuschleusen. Und so mussten tĂ€glich alle Server nach unautorisierten und neuen Datenpaketen geprĂŒft werden – eine schier endlose Aufgabe und nie ganz zu bewĂ€ltigen. Thomas hingegen prĂŒfte nur die E-Mails aus ganz Deutschland, die von Personen verfasst wurden, deren Nachname mit den Buchstaben „P, Q, R und S“ begannen, seine Untergebenen im GroßraumbĂŒro vor seiner Glaswand, die restlichen Buchstaben des Alphabets.
Gelangweilt scrollte er durch die Zeilen der Mails, als er plötzlich durch einen Eintrag auf etwas hingewiesen wurde, dass wirklich ungewöhnlich war: Von ein und der selben IP-adresse gingen mehr als die zwei pro Tag erlaubten Mails aus. Eine kurze PrĂŒfung der Absenderadressen ergaben nicht nur unterschiedliche Mailadressen, sondern auch zwei verschiedene Hausadressen und Namen, jedoch ein und derselbe Anschluss. Er meldete den Vorfall sofort per Klick an die Staatsschutzbehörde und hoffte innerlich, dass sie dieses Schwein erwischen wĂŒrden, das seine Arbeit nur erschwerte und zu allem Übel auch notwendig machte. Eine Strafanzeige wegen Missachtung der Nachrichtenregelung war sicher. Weiteres wĂŒrde der Staatsanwalt ins Auge fassen. Nachdem er das erste Paket abgearbeitet hatte; 1000 E-Mails. Davon musste er zweiunddreißig grĂŒndlicher prĂŒfen, fĂŒnf nur Löschen und zwei weitere Benutzer erhielten sogar eine Strafanzeige wegen Verbreitung illegaler Äußerungen. Den Rest gab er frei und die Nachrichten wurden ihren EmpfĂ€ngern zugestellt.

Thomas schaute auf die Zeitanzeige seines Terminplaners.
Gegen neun Uhr hatten sich einige Bewerber fĂŒr seine Abteilung angemeldet. Die Termine hatte noch sein VorgĂ€nger gemacht, doch er nahm sie nun entgegen. Die erste, wirklich wichtige Aufgabe des heutigen Tages. Er blickte kurz ĂŒber den Schreibtisch durch die Glasscheibe und konnte bereits vier von den angekĂŒndigten sieben Bewerbern ausmachen. Er nahm geduldig das „Deutschland-Bild“ aus seiner Tasche und legte es gut sichtbar zwischen den vier Monitoren zurecht. Um dem Schauspiel die Krone aufzusetzen öffnete er seinen Aktenkoffer, entnahm einen Bilderrahmen, in dem eine junge Frau gefasst war, die er selbst aus einer alten Illustrierten ausgeschnitten hatte. Den Rahmen positionierte er neben den beiden rechten Bildschirmen. Einen Augenblick verharrte er auf dem Bild der schönen Unbekannten und wĂŒnschte sich nichts mehr als eine echte Frau an seiner Seite. Seufzend legte er einen schwarzen Kugelschreiber mit goldener Aufschrift einer Fremdfirma direkt daneben.

Sein Ă€ußerer, linker Monitor zeigte das Vorgehen im GroßraumbĂŒro seiner Kollegen, Thomas wĂ€hlte eine andere Perspektive und schaute sich nun in Großaufnahme das Treiben direkt vor seinem BĂŒro an. Ein Klick auf die grĂŒne „Taste“ und erlaubte es so, den ersten jungen Mann eintreten zu lassen. In einem steingrauen Anzug und mit unaufdringlicher, ja geradezu klassischer Frisur, die locker vor seinen Augen hing und ihm ein ĂŒberdurchschnittlich junges Äußeres gab, ging dieser zielstrebig die wenigen Schritte an den Schreibtisch und reichte Thomas auffordernd die Hand, die dieser jedoch getrost ignorierte, indem er auf den bequemen Stuhl vor seinem Schreibtisch deutete: „Setzen sie sich.“
Jetzt war er am DrĂŒcker. Endlich! Mit einem geduldigen Klicken auf die Bewerbungsunterlagen erschien auf seinen Kristallmonitoren alle Informationen: „Jonas Kunert, einundzwanzig Jahre...“, begann Thomas zu lesen. Seine Augen wanderten kurz auf die Tastatur unter seinen HĂ€nden, dann auf das Deutschlandbild. Der Verurteilte hatte das selbe Alter, erschreckend, wie jung Terroristen heutzutage schon sind.
Der junge Mann konnte seine eigenen Unterlagen spiegelverkehrt sehen, wusste genau, welche Passagen der Bewerbung gerade von dem kaum sehr viel Ă€lter wirkenden Mann ihm gegenĂŒber in Augenschein genommen wurden.
„Sie haben Studiert.“, bemerkte dieser gerade und richtete seine Augen nun auf ihn.
„Ja, ich habe Literaturwissenschaften und Soziologie studiert.“, antwortete er prompt.
„Hier steht, in der Schule waren sie an wissenschaftlichen Gebieten interessiert. Ein geheimer Club im Keller des SchulgebĂ€udes. Wie erklĂ€ren sie mir nun den Wandel zur Soziologie?“
Der junge Mann rĂ€usperte sich verlegen: „Meine Lehrer legten uns damals nahe, dass es sich nicht gut macht, wenn man sich zu sehr den Wissenschaften wie Biologie und Chemie widmet.“
Thomas lĂ€chelte, in den Unterlagen hatte es keinen Hinweis gegeben, welche Bereiche den damals jungen Jonas interessierten. Nun war er um eine Information reicher – die Akte ebenfalls: „Nun, da hatten ihre Lehrer wohl recht.“, setzte er an und blickte beilĂ€ufig auf die Unterlagen: „Denn ich suche sicher keinen Besserwisser, der meint, Dinge zu verstehen, die ein NormalbĂŒrger nicht wissen darf. Einen Guten Tag, Herr Kunert. Gott sei mit ihnen.“
Der junge Mann sah verblĂŒfft auf, hielt sich zurĂŒck, nicht aus seinem Stuhl zu springen: „Das war in der fĂŒnften Klasse... ich habe nur..“
Thomas lachte: „In der fĂŒnften, ja? Wie alt waren sie? Zwölf? Da sollten sie bereits gelernt haben, wovon man besser die Finger lĂ€sst!“
Mit einem Nicken stand Jonas auf, blickte auf die spiegelverkehrten Informationen auf der RĂŒckseite der Monitore, die er dieser Firma freiwillig ĂŒberlassen hatte und wĂŒnschte, er könnte den Inhalt seiner Bewerbungen beeinflussen. Der Mann gegenĂŒber speicherte sie gerade zu allem Übel zum Weiterverwerten ab.
„Sie dĂŒrfen nun gehen, schicken sie doch bitte den NĂ€chsten rein!“
Der verprellte Bewerber verließ daraufhin das kleine BĂŒro und gab den Weg fĂŒr den nĂ€chsten frei. Dieser war weder so gut gekleidet wie sein VorgĂ€nger, noch ging er sonderlich selbstsicher auf den Schreibtisch zu. Auch seine leicht rundliche Körperform ließ zu wĂŒnschen ĂŒbrig.
Thomas bot ihm ebenfalls einen Platz an und verfolgte den Datenlauf, die der Computer auf den Monitor projizierte.
„Marco Frick, sechsundzwanzig Jahre.“
Der Mann nickte zustimmend.
„Sie haben einmal bei der Telekommunikation gearbeitet, sehr schön.“, erkannte Thomas.
„Ja, ich war allerdings nur in der Technik, Leitungen zuschalten, abschalten, freigeben, den ganzen Spaß halt.“
Thomas nickte wissend.
„Grundschulbildung bis zur achten Klasse und eine Ausbildung zum Telefontechniker, sehr schön, wirklich schön.“ Er hatte seinen Kandidaten gefunden.
„Haben sie einen Internetanschluss in ihrer Wohnung?“
Marco lachte verĂ€chtlich auf: „Sicher nicht. Zu denen gehöre ich nicht. Meiner Meinung nach alles Verbrecher.“
„Ja, deswegen sind wir auch heute hier.“, seufzte Thomas und scrollte durch die privaten Informationen, die der Staat bisher ĂŒber „seinen“ Marco gesammelt hatte. Ein kleiner Eintrag aber brachte das positive Bild plötzlich ins wanken: „Sie nehmen noch ...“ Thomas rĂ€usperte sich, blickte auf die Kamera in der Ecke seines BĂŒros und begann den Satz anders: „Ich sehe, sie haben gestern ihre Rechnung fĂŒr die Schutzmedikamente eingelöst.“
Marco lĂ€chelte: „Ja, als Kind habe ich die umsonst bekommen, aber seit ich berufsfĂ€hig bin, muss ich die HĂ€lfte zuzahlen.“
“Ja, das geht wohl jedem so..., nun, es tut mir leid, aber die Stelle ist leider schon vergeben.“
Marco stutzte: „Sie ist vergeben?“
Thomas zögerte leicht: „Ja, wissen sie, der junge Mann eben... “
Marco blickte sich zur TĂŒr um: „Der sah aber nicht zufrieden aus.“
„Er hatte es eilig.. ein dringender Anruf.“
„Aber wieso bin ich dann...?“, wollte er wissen.
„Ihre Unterlagen sind wirklich hervorragend, ich wollte einen so idealen Mann kennen lernen, und ich rate ihnen, bewerben sie sich in anderen Abteilungen. Sie sind fĂŒr eine Stelle in dieser Firma geradezu vorgesehen, nur leider nicht mehr hier.“
Marco schien zufrieden: „In Ordnung, ich danke ihnen.“
Thomas blinzelte ihn an: „Ich speichere ihre Daten fĂŒr die anderen Abteilungen, lassen sie sich unten in der Lobby gleich fĂŒr alle offenen Stellen im Haus einschreiben.“
“Das mache ich, danke. Gott sei mit Ihnen.“
Marco stand auf, reichte seine Hand ĂŒber den Tisch um sich zu verabschieden. Nur zögerlich nahm Thomas sie entgegen, brabbelte die erwiderungsfloskel zum Abschied und löste sich eilig von Marcos herzhaften Griff. Kaum dass dieser den Raum verlassen hatte, stand Thomas eilig auf und wusch sich grĂŒndlich die HĂ€nde: „Das hĂ€tte mir noch gefehlt, ein perverser in meiner Abteilung.“, murmelte er sĂ€uerlich und hielt seine HĂ€nde unter den Lufttrockner.
Er setzte sich wieder an den Schreibtisch und blickte auf die Überweisung an den staatlichen Pharmakonzern, der die Tabletten gegen die Testosteronproduktion und Androgene herstellte, die jeder Junge ab den alter von acht Jahren einnehmen muss. FĂŒr MĂ€dchen gibt es andere PrĂ€parate.
Ab dem zweiundzwanzigsten Lebensjahr dĂŒrfen die jungen MĂ€nner und Frauen, wenn sie denn zugelassen sind, zur Fruchtakademie und dort das Medikament absetzen. Dieser Perverse eben, wurde nicht zugelassen. Im Vorfeld werden alle registrierten Personen unter Narkose von einem staatlichen Arzt untersucht und einzig allein normalheterosexuelle Menschen erhalten dann die Genehmigung, die Fruchtakademie zu besuchen – ja, gar erst von ihr zu erfahren. Alle anderen mĂŒssen einfach bis zu ihrem Lebensende die Medikamente nehmen. Seit dieses Verfahren vor siebzehn Jahren Gestalt annahm, sind die sexuellen Straftaten auf null gesunken. In den kirchlich gefĂŒhrten Akademien werden die Menschen dann aufgeklĂ€rt und vorsichtig an das Thema SexualitĂ€t herangefĂŒhrt. Viele Freiwillige ziehen die Einnahme der Schutzmedikamente danach sogar noch vor. Des weiteren steht es fĂŒr jeden unter Strafe, öffentlich ĂŒber die volle biologische Funktion der Geschlechtsorgane zu sprechen und gegenĂŒber Menschen, die nicht zugelassen wurden, die Fruchtakademie zu erwĂ€hnen. Es war die Kirche, die der NCP auftrug, dieses Gesetz zu erlassen, und sie taten es nur zu gern. Fast ein halbes Jahrhundert haben die Politiker dieser Welt versucht, die Kirche wieder standhaft in die Gesellschaft einzugliedern, und letztendlich schaffte sie es vollkommen allein. Gott sei dank. Oder aber Gott sei dankbar. Es war das energische Pochen auf christliche Werte die einige Parteien seit dem Jahre 2000 forderten. Es waren ihre Visionen und Regeln, dass das Verbot der Wissenschaften fĂŒr das Volk erbrachte und so die Denkweisen grundlegend Ă€nderte. Worauf so ein reger Zulauf in die Religion erwirkt wurde.

Thomas klickte wieder auf den grĂŒnen Button an seinem Monitor und der dritte Bewerber wurde vorgelassen. Auch dieser Kandidat schien nicht wirklich geeignet. Zwar hatte er weder studiert, noch wurde ihm die Fruchtakademie verweigert, er war sogar systemtechnisch stark interessiert und dieses Interesse hatte Thomas stutzig gemacht, denn der Bewerber hatte mehrmals auf das „Deutschland-Bild“ geblickt. Wie es schien, war sein Systeminteresse nicht ganz so ehrlich wie angegeben, denn sonst hĂ€tte er bereits gewusst, was im Blatt steht.
Thomas gab auf, nachdem er alle Bewerber abgewiesen, zu Mittag gegessen und mit einen Kollegen ĂŒber Marco Frick gesprochen hatte. Er bereute nun seine Entscheidung, diesen Kandidaten ziehen lassen zuhaben. Selbst wenn er ein potenzieller SexualstraftĂ€ter war, solange er die Medikamente nahm war er ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Thomas wĂŒrde ihn wohl anschreiben und erneut einladen.

Es folgten am Nachmittag weitere Mailkontrollen, die auch hier wieder zum grĂ¶ĂŸten Teil zugelassen wurden. Kein BĂŒrger wagte es heutzutage mehr, straftĂ€tlich auszulegende AktivitĂ€ten nachzugehen. Andere hingegen legten es geradezu darauf an, aber diese schrieben in der Regel keine E-Mails. Sie unterhielten sich in abgeschirmten ChatrĂ€umen. NatĂŒrlich waren ChatrĂ€ume illegal, egal ob abgeschirmt oder nicht. Doch im Regelfall wurden offene ChatrĂ€ume nur beobachtet, nie geschlossen, denn die Informationen, die man dort sammelte waren unbezahlbar. Und jede Firma leckte sich die Finger danach. Und da jedes große Unternehmen ein Mitglied der Regierung stellte und dieses Mitglied direkt versorgte, war es fĂŒr die Wahl Ă€ußerst wichtig alles zu wissen. Gerade, wenn es darum ging den eigenen Kandidaten zum Bundeskanzler zu machen, der dann widerum Gesetze formen konnte, die der Firma zu Gute kamen, oder gar Firmen wie die Netzwache erst erschufen.

Nachdem Thomas’ Zeit abgelaufen war, durfte er das GebĂ€ude wieder verlassen. Er verabschiedete sich beim Wachpersonal, ging ĂŒber die inzwischen wieder menschenleeren Straßen, hinĂŒber in den Supermarkt vor dem Eingang zur U-Bahn. Als er durch die Regale streifte, nahm er sein „Mobile - PC T7“ aus der Tasche und verband sich mit seinem Wohnungscomputer. Das System erkannte, wo er war und gab ohne Aufforderung die Einkaufsliste frei, die entweder auf Befehl, aber grĂ¶ĂŸtenteils automatisch erstellt wurde.
Auf der Liste stand nicht viel, Rasierwasser, Zahnseide, (das Mundwasser war ihm einfach nicht geheuer) und neue Kugelschreiberminen fĂŒr die Arbeit, einen Toilettenerfrischer und SpĂŒlmittel. Auch Brot, Obst und Wurst stand auf der Liste, doch darauf hatte er gerade keinen Appetit, stattdessen nahm er sich eine große Pizza und fĂŒr den Abend etwas Cola und eine TĂŒte Chips. Er wĂŒrde sich heute Abend aus der Filmbibliothek einen schönen Film aussuchen. Mit Vorfreude auf Pizza, Film und einen entspannenden Abend machte er sich auf den Weg zur Kasse, wo er mit den Daumenabdruck bezahlte. Rein technisch könnte man auch durch den RFID-XT-Chip bezahlen, aber den Menschen war es lieber, an den Kassen etwas zu tun. Eine Art BestĂ€tigung, ein EinverstĂ€ndnis, und so erfand man nachtrĂ€glich das Bezahlsystem mit dem Daumen, auch wenn man dies inzwischen schon fast nebensĂ€chlich vollzog.
Als Thomas gerade das GeschĂ€ft verlassen wollte, hielten zwei Polizisten vom Staatsschutz ihn an der TĂŒr auf und eskortierten ihn ohne ErklĂ€rungen ins ansĂ€ssige BĂŒro direkt neben dem Supermarkt, wo sie schweigend seine Sachen durchsuchten und letztendlich einfach fragten, was er mit den Kugelschreiberdmienen vorhabe.

UnglĂ€ubig die Situation irgendwie von außerhalb betrachtend, erklĂ€rte Thomas den beiden Beamten folgsam, dass er die Minen fĂŒr die Arbeit brĂ€uchte, doch einer der Beamten schlug ihm plötzlich ins Gesicht, brĂŒllte ihn an, ihn nicht zu verarschen, wĂ€hrend der zweite ruppig den Chip in Thomas Nacken prĂŒfte und auf das Display des kleinens chwarzen GerĂ€tes schaute.
"Thomas Krapp, sie sind heute bereits zweimal auffĂ€llig geworden. Treiben Sie es nicht zu weit, also: WofĂŒr brauchen sie diese Minen?"
Zögerlich und leicht zitternd erklÀre er nun, dass er sie benutze um sich unterwegs Notizen zu machen, und mit rot vor Scham werdenden Gesicht gestand er, dass er KreuzwortrÀtsel auf der Toilette zu lösen versuchte.
Die Beamten lachten und erklĂ€ren, dass fĂŒr Notizen der Computer zustĂ€ndig ist, und Thomas auf Arbeit gefĂ€lligst arbeiten und nicht „scheißen“ solle. Nach zwei Stunden der PrĂŒfung und einer erneutebnn sogar intimen Leibesvisite durfte er dann endlich gehen, die Minen wurden allerdings beschlagnahmt und seine Firma unterrichtet. Eine Strafanzeige war sicher. Die vierte in diesem Monat, aber er war Teil des Systems, was sollte also passieren? Er betete innerlich zu Gott, er möge ihn schĂŒtzen. War er doch eines seiner ergebensten SchĂ€fchen.

Als Thomas endlich Zuhause ankam, war die Ausgangssperre bereits aktiv und so stand er vor verschlossener TĂŒr. Mit dem Auflegen seines Daumenabdrucks wurde direkt und vollkommen Automatisch die Polizei alarmiert, die nur wenige Minuten spĂ€ter auch eintraf. Der Verzweiflung nah, erklĂ€re Thomas den Beamten die Sachlage und die Polizisten waren sogar ungewöhnlich milde, da sie anhand ihrer Computer erkannten, dass er die Wahrheit sagte. Weder gab es SchlĂ€ge, noch ein Besuch auf dem Revier. Der Verstoß gegen das Ausgehverbot wurde zwar aufgenommen und unter Beobachtung der Polizei konnte er seine kleine Wohnung schließlich betreten, die ihn freundlich mit dem Satz: „Herr Krapp, es ist 22:58. Sie sind nun zuhause. Morgen ab 7:30 wird es ihnen wieder gestattet sein, ihre Wohnung zu verlassen." begrĂŒĂŸte.
Die Beamten ließen es sich nicht nehmen, einmal in das Zimmer zu blicken. FlĂŒchtig begutachteten sie das in der Mitte des Raumes befindliche Bett, den an der Wand hĂ€ngenden Fernseher und die jeweils links und rechts davon befindlichen TĂŒren zum Bad und zur KĂŒche. Neben der HaustĂŒr stand ein Kleiderschrank, den sie nicht einmal öffneten. Einer der Beamten fand es zwar merkwĂŒrdig, dass es keine VorhĂ€nge gab, aber dann verabschiedete er sich und ließ Thomas endlich allein. Gott hatte ihn erhört.

Erschöpft setzte dieser sich auf das Bett und blickte zum Fernseher, aktivierte das GerĂ€t und wĂ€hlte sich aus den Sonderangeboten den von einer „Top-Jury“ empfohlenen Film, den er kurzerhand fĂŒr einen Zuschauer bestellte und sofort sehen konnte. Im Vorfeld jedoch wurde noch einmal darauf hingewiesen, das es strengstens untersagt ist, diesen Film zusammen mit einer Person, die ihn nicht bezahlt hat, zu schauen. Hinzu erklĂ€rte er sich mit dem Kauf der einmaligen Genehmigung damit einverstanden, dass er die folgenden Inhalte nicht abfilmen, abfotografieren, Zitate daraus verwenden oder gar jemanden davon erzĂ€hlen darf, außer im rahmen werbemĂ€ĂŸigen Kaufanregungen. Im Anschluss prĂŒfte der Scanner des TV-GerĂ€tes noch, ob sich vieleicht eine zweite Person im Zimmer aufhielt.

Die Werbung begann nun zu spielen, bewarb neuste Produkte, das Programm der NCP und betonte nochmals, dass das National Christliche Parteiprogramm jeden rechtschaffenen und glĂ€ubigen BĂŒrger letztendlich zu Gute kommt. Thomas nutze die Gelegenheit, die Pizza in seiner Nanowelle warm zu machen, und sich ein Glas zu holen. Das Bild im TV stoppte, als er den Wohnraum verließ. Thomas war beeindruckt, der Film griff auf die Bewegungssensoren in seiner Wohnraum zu, so konnte er also jederzeit aufstehen und verpasste wirklich nichts. Nachdem er sich wieder gesetzt hatte, seine Pizza herunter schlang, ging die Werbung weiter. Noch wĂ€hrend der Hauptfilm ĂŒber den Plasmaschirm flimmerte, schlief Thomas ein und trĂ€umte von morgen.

ENDE

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Conquisator
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Deine Geschichte gefĂ€llt mir. Du hast es sehr gut verstanden, eine realistische Zukunftsvision zu erschaffen, indem du das Leben der Hauptfigur detailnah ausschmĂŒckst. Eben diese unzĂ€hligen Kleinigkeiten haben deine Geschichte "erschreckend" (im positiven Sinne auf die ErzĂ€hlkunst) lebendig werden lassen. (Totale Überwachung, ein mitleidloses religiös angehauchtes System und zumindest aus meiner Sicht einige Anspielungen auf das dritte Reich)

Du hast mit deiner ErzĂ€hlung eine interessante Basis geschaffen. (BĂŒrgerkrieg in Berlin, eine Chemikalie die, die Ozonschicht ersetzt, eine neue Art des Lobbyismus usw...)

Ich hoffe es gibt noch Fortsetzungen...

mfg

Conquisator

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"Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen"
Platon

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DocSchneider
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Sehr gut und spannend erzĂ€hlt. Beklemmend, und man fragt sich unwillkĂŒrlich, wie viel davon schon Wirklichkeit ist.
Ein paar FlĂŒchtigkeitsfehler solltest Du noch ausmerzen, sonst gibt es nichts zu beanstanden.
LG Doc
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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Lars Neumann
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Hallo Galax!
Habe gerade deine Schön–schaurige Geschichte gelesen. Ich befĂŒrchte nur ein paar deiner Ideen sind uns nĂ€her als mir lieb ist. Der religiöse Aspekt hat mich ein wenig an „Die Liebenden“ von Philip JosĂ© Farmer erinnert. (Tip: Die TV-Serie Riverworld basiert auf seinen Romanen). Die Geschichte an sich ist gut konstruiert. Mich stört nur dass Thomas derart stark konditioniert ist. Er hegt nicht den geringsten Zweifel, selbst als er, mehrfach, ungerechtfertigt behandelt wird. Er wirkt dadurch recht flach. Ein Konflikt zwischen Regimetreue und Zweifel wĂŒrde ihm mehr Profil verleihen.
Ach ja, ein paar Kleinigkeiten sind mir noch aufgefallen:

quote:
Mit einem Ruck richtete er sich auf und blickte starr geradeaus, und drillte seinen Körper, zu erwachen.

Drillte? Wikipedia kennt das Wort so nicht, und mein Englischwörterbuch meint zu drill:
Bohrmaschine, bohren, trainieren.
Also:
Er bohrmaschinte seinen, nein!
Er bohrte seinen Körper zu, nein, auch nicht.
Er trainierte seinen Körper, zu erwachen? Aber er ist doch schon wach. Ich werd' daraus nicht schlau.

quote:
Er rieb sich ĂŒbers trĂŒbe Gesicht, war wieder kurz darauf, das Licht zu löschen, doch er verwarf die Anweisung an den Wohnungscomputer, brachte aber mit einem blaffenden Befehl den nervtötenden Wecker zum Schweigen. Kaum war Ruhe eingekehrt umhĂŒllte ihn das Blubbern der Kaffeemaschine aus seiner KĂŒchennische und jetzt erst nahm er den damit verbundenen, verfĂŒhrerischen Duft wahr. Die Vorfreude auf einen guten Kaffee ließ ihn nun endlich richtig wach werden. Ungelenk suchte seine Hand nach dem Thermostat an der Wand ĂŒber seinem Bett und betĂ€tigte die digitale Taste fĂŒr die voreingestellte Temperatur, nachdem er das kleine GerĂ€t mit Hilfe seinen mĂŒden Augen gefunden hatte. Binnen Minuten war seine Wohnung nahezu so warm wie zuvor sein Bett.

Die Wohnung hat einen Computer der , genau wie der Wecker auf Sprache reagiert. Aber fĂŒr die Heizung braucht es eine digitale Taste? Ich bin schon lange kein Dampferer (Heizungsbauer, bayer.) mehr, aber die Temperatur kann man schon seit den Achzigern nach der Zeit steuern.

quote:
Danach trug er sorgfÀltig das haarwachstumshemmende Rasierwasser auf, blickte die fast leere Flasche an und gab dem Wohnungscomputer die Anweisung, eine Notiz zu hinterlassen, dass er bald neues brÀuchte.

Es gibt schon heute KĂŒhlschrĂ€nke, die wissen von alleine wann die Mindesthaltbarkeit ihres Inhaltes ĂŒberschritten ist. Da kann dein Wohnungscomputer doch mithalten. Oder?

quote:
"Herr Krapp, es ist 7 Uhr und 34 Minuten, sie verlassen nun Ihre Wohnung. Ich wĂŒnsche Ihnen einen schönen Tag." , ertönte die sanfte aber elektronische Frauenstimme des Wohnungscomputers und registrierte nun den Beginn seines Weges zur Arbeit. Der Wohnungscomputer löschte selbststĂ€ndig das Licht und deaktivierte alle laufende GerĂ€te in der Wohnung.

Und die Heizung lĂ€uft weiter? Ökologie und ihre TĂŒcken;-)

quote:
Tief atmete Thomas die frische, kĂŒhle Luft ein und blickte in den inzwischen weisgrauen Himmel. Die Chemikalie.. er hatte ihren Namen vergessen, die die Menschen vor dem Ozon schĂŒtzen soll, verdeckte beinahe komplett die aufgehende Sonne.
Oder schĂŒtzte uns das Zeug vor CO2?, fragte er sich, wĂ€hrend er versuchte, sich an den natĂŒrlichen Himmel zu erinnern.

Eine Chemikalie die vor Ozon oder CO₂ schĂŒtzen soll? Ozon, O₃, schĂŒtzt uns, und zwar vor zu hoher UV-Strahlung, und wenn CO₂ so gefĂ€hrlich ist darfst du nie wieder Limonade trinken. In Wikipedia steht:

quote:
Kohlenstoffdioxid, auch Kohlendioxid oder in gelöster Form umgangssprachlich oft – besonders im Zusammenhang mit kohlendioxidhaltigen GetrĂ€nken – ungenau KohlensĂ€ure genannt, ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff mit der Summenformel CO₂. Kohlenstoffdioxid ist ein unbrennbares, saures, farb- und geruchloses Gas, das sich gut in Wasser löst. Mit basischen Metalloxiden oder -hydroxiden bildet es zwei Arten von Salzen, die Carbonate und Hydrogencarbonate genannt werden.
Kohlenstoffdioxid, ein wichtiges Treibhausgas, ist ein natĂŒrlicher Bestandteil der Luft, wo es derzeit (2013) in einer mittleren Konzentration von 0,040 Vol.-% (400 ppm) vorkommt. Es entsteht sowohl bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Substanzen unter ausreichender Sauerstoffzufuhr als auch im Organismus von Lebewesen als Produkt der Zellatmung. Pflanzen, manche Bakterien und Archaeen wandeln Kohlenstoffdioxid durch Fixierung in Biomasse um. Bei der Photosynthese entsteht aus anorganischem Kohlenstoffdioxid und Wasser Glucose. Kohlenstoffdioxid ist ein wichtiger Bestandteil des globalen Kohlenstoffzyklus. Kohlenstoffdioxid kann toxisch wirken, jedoch reichen die Konzentrationen und Mengen, denen man in der Luft oder durch Limonadengenuss ausgesetzt ist, hierfĂŒr bei weitem nicht aus. Es besitzt ein breites technisches Anwendungsspektrum. In der chemischen Industrie wird es zur Gewinnung von Harnstoff eingesetzt. In fester Form als Trockeneis wird es als KĂŒhlmittel eingesetzt, ĂŒberkritisches Kohlenstoffdioxid dient als Löse- und Extraktionsmittel.

quote:
Der gigantische, ĂŒber den U-Bahntunnel hĂ€ngende, Monitor brachte ihn plötzlich auf andere Gedanken. Auf dem Plasmaschirm flimmerten aktuelle Börsenergebnisse ...

 Thomas betrat die um diese Uhrzeit noch recht leere U-Bahn, wo sein Blick 


 anderem als NachrichtenbĂŒro der örtlichen Regierung in Benutzung.

Als die U-Bahn einfuhr, verfolgte Thomas die Berichterstattung auf den kleineren Monitoren im Inneren der Wagons weiter.

Plasma ist so was von 2000 :-( wie wÀre es mit OLED's (organic light emmiting diode, Organische Leuchtdiode) oder Hologrammen?
Zuerst betritt er den U-Bahntunnel, dann die leere U-Bahn, aber erst danach fÀhrt die U-Bahn ein. Die in der er sitzt? Eine andere? Ich bin verwirrt.

quote:
Thomas drĂŒckte nochmals den Daum auf den Scanner und ruckelte an der TĂŒr, doch anstatt das sie sich öffnete ging der Alarm los.

quote:
Nach zwei Stunden der PrĂŒfung und einer erneutebnn sogar intimen Leibesvisite durfte er dann endlich gehen, die Minen wurden allerdings beschlagnahmt und seine Firma unterrichtet.

Ich glaube das war's. ;-)
__________________
Wir wÀren alle besser dran wenn Eva keine Kinder hÀtte bekommen können (Edward Wellen)

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