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Leselupe.de > Ungereimtes
Morgen suche ich Blau
Eingestellt am 03. 09. 2006 02:36


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ENachtigall
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MORGEN SUCHE ICH BLAU

├╝berall stellen sich mir diese
                                H├Ąuser
in den Weg g├Ąhnen unverhohlen
ihren verwohnten Atem in meinen
Dunstkreis drehen sch├╝sselige
Ohren in die nachdenkliche
Landschaft rauchen ihren
schlechten Stoff in den
rauhreifen Morgen
kaum dass sie ihre
                    T├╝ren
zum ersten schiefen
L├Ącheln verziehen
                Klinken
halten sie mir auch
schon lange keine
mehr hin Die haben
sie sicherheitshalber
nach innen gezogen
damit ich nicht zugreife
wenn ich sie auf den
                Treppen
wenigsten ├╝berqueren
statt mich verschlucken
lassen will - oder zum
Durchgehen; wof├╝r
haben sie schlie├člich
einen Hinterausgang
Nicht mal an ihre
            Mauern
darf ich mich
schmiegen
ohne dass sie
sich bel├Ąstigt
f├╝hlen von meinen
Spuren Anders als die
freundlichen B├Ąume mit
dem offenen Ge├Ąst
Wohin m├Âgen sie die
sanften H├╝gel verbannt
haben Nicht einmal mehr
Katzen gehen samtpfotig
auf diesen kantigen
                D├Ąchern
spazieren Mein Blick
haftet an vergitterten
                    L├Âchern
in der harten Schale
die meine Schritte
verhallt So klein ist
der Himmel geworden
und sein Blau l├Ąngst
ausgewandert Selbst
sein Fu├č ber├╝hrt hier
die Erde nicht mehr denn
Gehen ist etwas Anderes
als dieses Trotten auf
                    Steigen
dass mich niederschl├Ągt
wenn ich nach etwas
Leben in den Augen
suche die mal als
                Fenster
geplant waren
finde ich nur
Heimweh
nach
Blau

┬ę Elke Nachtigall
3. September 2006




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Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Melusine
Guest
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Sch├Ân! Gef├Ąllt mir sehr gut - sowohl der Inhalt als auch die Form. Gibt einem beim Lesen das Gef├╝hl, selber an einer undurchdringlichen H├Ąuserzeile entlang zu gehen, die einem Weg und Blick versperrt. Auch die Eigensinnigkeit des LyrI spiegelt sich gut in der eigenwilligen Form.

LG Mel

P.S.: Vielleicht braucht Walther noch einen Text f├╝r seine Stadtantho ...?

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nachtlichter
Guest
Registriert: Not Yet

H├Ąuserzeilen,

die abweisen und gleichzeitig so treffend Bilder und Gef├╝hle schildern. Einladendes Blau ist inmitten einer gro├čen grauen Stadt in einer Stra├če mit H├Ąusern ohne Seele (70er Jahre-Betonverhaue) selten zu finden.
Ich liebe die 100 Jahre alten H├Ąuser in meiner N├Ąhe, die mir Geschichten erz├Ąhlen, wenn ich an ihnen vorbeigehe, deren verspielte T├╝rmchen gro├če Fenster haben, die das Blau des Himmels spiegeln.

Deine H├Ąuser-Zeilen dr├╝cken unerh├Ârt gut das anonyme, absto├čende, verschlossene Grau kalter Stra├čenz├╝ge aus.

Ich w├╝nsche Dir einen blauen Sonntag,

liebe Gr├╝├če

nachtlichter

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Liebe Mel,

ich hatte tats├Ąchlich Gedichte f├╝r die Stadtantho eingereicht, aus meinem vorhandenen Fundus, und kramte in meinen Schwarzwei├čfotos (die man dazu beisteuern kann) nach relevanten Motiven. So kam ich drauf, dass die eingereichten Texte nur unmittelbar mit dem Thema zu tun haben, und hatte Lust, was Konkretes dazu zu schreiben; ganz abgesehen davon ob dort noch Bedarf an mehr Lyrik besteht oder nicht. Jedenfalls war es klasse, es zu schreiben und daran zu feilen. Die Form hat mir zeitlich doch Einiges abverlangt. Schade, dass man es nicht quer einstellen kann. Danke f├╝r Deine lobende Kritik.

Herzliche Gr├╝├če

Elke
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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

"Schade, dass man es nicht quer einstellen kann."
Das dachte ich mir auch schon, liebe Elke - hab schon einen steifen Hals vom Kopf schief legen :-).
LG Mel

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ENachtigall
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Liebe nachtlichter,

tats├Ąchlich wohne ich in einer bunt gemischten Gegend mit einer Ghettosiedlung, alten Zechenh├Ąusern und gem├╝tlichen winzigen Reihenh├Ąusern mit verh├Ąltnism├Ą├čig gro├čen G├Ąrten. Eine Zeit verbrachte ich bei meinen Gro├čeltern in Calgary/Kanada wo die City gigantische Wolkenkratzer hat und ich erkundete die Stadt kreuz und quer mit dem Fahrrad. Da f├╝hlt man sich manchmal wirklich wie eingesperrt, weil man sich dieser Architektur kompromisslos unterordnen muss. Einmal wohnte ich in einem Haus und das Fenster meines Zimmers zeigte nur eine graue Wand vom Nachbarhaus etwa zwei Meter Abstand dazwischen. Da bekommt man fast eine Ahnung von Dunkelhaft.
Gleichzeitig kenne ich auch - zum Gl├╝ck - das einladende Wesen der H├Ąuser. Bei uns im RH ist es so, dass wenigstens eine der T├╝ren meistens offen steht, sehr zur Freude der Katzen, Kinder, Fliegen, Grash├╝pfer, selbst Eidechsen haben sich schon hineinverlaufen, Kaninchen im Keller gesessen (von der Katze eingeschleppt).

Das Gedicht ist auch ein wenig beeinflu├čt von der Lyrik Laurie Andersons, an die ich unweigerlich denke, im Zusammenhang mit dem Thema Stadt:

"...
You're walking. And you don't always realize it,
but you're always falling.
With each step you fall forward slightly.
And then catch yourself from falling.
Over and over, you're falling.
And then catching yourself from falling.
And this is how you can be walking and falling
at the same time.

Laurie Anderson
Album: Big Science"


Liebe Gr├╝├če

Elke
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