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Leselupe.de > Humor und Satire
Morgenstund'
Eingestellt am 23. 08. 2002 10:15


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junior
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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Kling, Glöckchen, klingeling!

Nein, nein! Keine Angst, hier ist jetzt nicht zum hunderttausendsten Mal davon die Rede, wie sehr mir alljĂ€hrlich die Verkommerzialisierung des Weihnachtsfestes die Laune verdirbt. Vielmehr ist von einem Ärgernis die Rede, das mir tagtĂ€glich die Lebensfreude nimmt.
Ich meine das Aufstehen in der FrĂŒh, wo das Bett am wĂ€rmsten, der Polster am weichsten und der Schlaf im Allgemeinen, und mein Schlaf im Besonderen, am tiefsten ist.

FrĂŒher, als ich noch ein junger und dummer Taugenichts und SiebenschlĂ€fer war, da habe ich mir mein Leben und meinen Beruf sĂŒĂŸ und lecker vorgestellt. Wollte ich doch nichts Anderes als ZuckerbĂ€cker, hochdeutsch Konditor, werden. Als leuchtendes Vorbild hatte ich meinen Onkel vor Augen.
Er ist seines Zeichens BĂ€cker- und Konditormeister. Als ich noch ein kleiner Pforzer war, erschien er mir so unglaublich groß und stark, und jedes Mal beteuerte er, seine vielen Muskeln kĂ€men nur vom Pudding-Essen.

Nun, wie gesagt, ich war jung und dumm und glaubte ihm die Fabel unbesehen. Heutzutage ist mir natĂŒrlich bekannt, dass man von zu viel Pudding keine Mukis bekommt, aber jede Menge Karies und einen dicken Bauch. Seine MĂ€rchen habe ich meinem Onkel natĂŒrlich nicht ĂŒbel genommen, wiewohl ich bis heute nicht schlĂŒssig belegen kann, woher sein nicht unbetrĂ€chtlicher Bizeps wirklich kommt. Ich kenne alle MĂ€nner unseres Familienzweiges, und genetisch bedingt kann die Angelegenheit nicht sein.

DarĂŒber hinaus ist mir auch unerklĂ€rlich, wie sich besagter Onkel schon im zarten Alter von 17 Jahren eines prĂ€chtigen Vollbartes rĂŒhmen konnte, wohingegen bei mir bis heute an Kinnlade und Wange eher babypopoĂ€hnliche ZustĂ€nde herrschen.

Der Punkt, warum ich meinen frĂŒhkindlichen Berufstraum nicht zu meinem Traumberuf gemacht habe, lag in der wohlbekannten Tatsache begrĂŒndet, dass die Torten und Brot backende Zunft gar so frĂŒh aufstehen muss, um ihr Tagwerk zu beginnen. Und dieses war mir schon von jeher ein Grauen.

Was ich damals allerdings nicht wissen konnte - in meinem spĂ€terhin gewĂ€hlten Beruf sollte ich mich vom Regen in die Traufe begeben. In der Sparte, in der ich tĂ€tig bin, ist es keine Seltenheit, bis weit nach Mitternacht zu arbeiten, bzw. schon um vier Uhr in der FrĂŒh mit unserer hochinteressanten Profession zu beginnen. Unnötig hinzuzufĂŒgen, dass natĂŒrlich auch in der Zeit zwischen ein und drei Uhr morgens viel Arbeit anfĂ€llt, die leider mitunter auch von mir erledigt werden muss.
Hier möchte ich allerdings betonen, dass mich die Arbeit an sich nicht im Geringsten anficht, die Uhrzeit ist’s, denn schließlich heißt es nicht umsonst „zu nacht-schlafener Zeit“. Und in Morpheus Armen liege ich fast noch lieber als in denen meiner lieben Gattin.

Dieser Umstand ist es eben, der das morgendliche Munterwerden fĂŒr mich so erschwert. Wenn die Nacht ohne berufliche ArbeitseinsĂ€tze vorrĂŒber-gegangen ist, und mir das UnglĂŒck drĂ€ut, die FrĂŒhschicht in meiner ArbeitsstĂ€tte zu reprĂ€sentieren, dann fĂ€ngt in aller HerrgottsfrĂŒhe der erste Wecker zu lĂ€uten an.

Der erste Wecker, denn ich benötige derer gar Viele, ertönt als Radioweckruf, in Form eines unertrĂ€glich gut gelaunten Sprechers, der unertrĂ€glich fröhliche MusikstĂŒcke in seinen CD-Player stopft und in unertrĂ€glicher LautstĂ€rke unertrĂ€gliche Bonmots von sich gibt.
Man merkt schon, in der FrĂŒh bin ich oft meistens nicht wirklich gut aufgelegt.

Sei es drum, den ersten Weckruf höre ich ohnehin zu hundert Prozent nicht. Allerdings hat dieser Radiowecker die ungute Angewohnheit, sich nicht automatisch von selber wieder auszuschalten. Nun, da ich ohnehin fest weiterschlafe, bekomme ich davon Nichts mit. Lediglich meine Chefin hat diesbezĂŒglich schon die eine oder andere gallige Bemerkung fallengelassen. Selber schuld. Was wird sie denn auch davon munter.

Das fĂŒhrt zur zweiten Stufe meiner morgendlichen Weck-Prozedur. Um den laut plĂ€rrenden Radiowecker wieder auszuschalten, muss mein geliebtes Eheweib ĂŒber mich hinwegklettern, und eine raffinierte Kombination mikroskopisch kleiner Tasten drĂŒcken. Das dauert naturgemĂ€ĂŸ eine ganze Weile, wĂ€hrend der die Knie meiner Chefin bequem auf meiner Milz bzw. Leber ruhen.

Viel merke ich davon allerdings nicht, da ich mich gerade in meiner zwölften REM-Phase befinde (mir trĂ€umt, ich werde gerade zwischen MĂŒhlsteinen zermalmt, ersatzweise gerate ich unter eine Dampfwalze oder werde von einer Steinlawine verschĂŒttet).

Aufröchelnd sinkt meine Dampfwalze in ihre Kissen zurĂŒck und Sekunden spĂ€ter schnarchen wir beide, ich weiter, sie wieder.
Doch kaum beginnt sich wieder der erste Sabbertropfen an meiner Chefin Kinn zu sammeln, ertönt mit lautem Geschrill der zweite Wecker, die dritte Stufe der morgendlichen Weckprozedur.

Der kleine rote Krachmacher aus japanischer Herkunft ist, was den von ihm verursachten LĂ€rm anbelangt, ein ganz Großer seiner Gattung. Er schrillt monoton und ohne Unterlass ca. 20 Zentimeter neben meinem linken Ohr in einer LautstĂ€rke, die dem Nebelhorn der Titanic zur Ehre gereicht hĂ€tte.
Dieser Wecker wird von mir selber zum Schweigen gebracht, allerdings befinde ich mich zu diesem Zeitpunkt zumeist immer noch im Halbschlaf. Ein tieferes Vordringen in Schlafes Wattewelt wird mir jetzt allerdings durch Stufe Vier verleidet.
Stufe Vier sind direkte Interventionen der nunmehr leider vollstĂ€ndig erwachten Chefin. Beginnend mit Vier A (ein zĂ€rtlicher Kuss und ein „Guten Morgen Schatzi, Aufwachen!“) ergreift sie nun selbst die Initiative, um mich in die grausame und harte Welt der RealitĂ€t zu befördern.

Da ich aber erfahrungsgemĂ€ĂŸ auf Vier A selten bis gar nicht reagiere, geht sie anstandslos zu Vier B ĂŒber. Nonverbal.
Mit einem krĂ€ftigen Stoß ihres spitzen Ellenbogens in meinen zarten, ungeschĂŒtzten Rippenbogen.
FrĂŒher glaubte ich oft noch zu trĂ€umen, mittlerweile bin ich mir aber sicher, des Öfteren einen fernöstlichen Kung-Fu-Ruf vernommen zu haben, der mit dieser rĂŒden Attacke einhergeht.

Die folgenden Handlungen verĂŒbe ich im Zustand einer milden Trance. Meine Brille aufsetzen (eigentlich unnötig, denn die ersten fĂŒnfzehn Minuten bin ich ohnehin fast blind), Morgenmantel ĂŒberwerfen und unser neues Familienmitglied zur TĂŒr hinauswerfen, damit es seine Notdurft verrichten kann.

Da die verehrten Leser zu Recht annehmen können, dass ich kein brutaler Rabenvater bin, zur ErklĂ€rung: es handelt sich hier um einen kleinen weißen Hund weiblichen Geschlechtes mit schwarzem Kopf und ebenso geringeltem Wedel. Cindy, so ihr origineller Name, verhilft mir dazu, wirklich aufzuwachen.
Kaum hat sie sich vom ersten Druck befreit, stĂŒrmt sie in gestrecktem Schweinsgalopp hĂŒgelab zum Hause unseres Nachbarn, um zu ĂŒberprĂŒfen, ob er nicht versehentlich den einen oder anderen Knochen in seinem Garten liegen lassen hat.

Dies tut sie nicht ohne triftigen Grund, denn wie der unglaubliche Zufall es will, kommt es tatsĂ€chlich öfters vor, dass er eine Lammrippe oder ein HĂŒhnerbein neben seinem WirtschaftsgebĂ€ude „vergisst“.
Sollte unser Nachbar einmal versehentlich keine Leckerei im Garten verlieren, bleibt immer noch das Àltere Ehepaar im nÀchsten Haus, das einen Delikatessenladen neben seiner Thujenhecke kultiviert. Ignoranten sagen Komposthaufen dazu.

Bis ich meinen kleinen KlĂ€ffer eingeholt habe, liegt mein Ruhepuls bei 120 und der Wauzer hat bereits gefrĂŒhstĂŒckt. Es folgt die unendliche Geschichte der RĂŒckkehr in den heimischen Haushalt, denn erstens geht es nun hĂŒgelan, und zweitens bewegt sich unser Vierbeiner nunmehr im Schneckentempo, jetzt, da die Stimulans der zu erwartenden Komposthaufen-ĂŒberraschung fehlt.

Berstend vor Energie betrete ich nunmehr mein Badezimmer. WĂ€hrend ich mich rasiere und meine drei verbliebenen Haare wasche, bin ich dank zweier Wecker, den Kniescheiben und dem Ellenbogen meiner Chefin und Hund Cindy vollkommen munter.

Hoffentlich schlafe ich bei ZĂ€hneputzen nicht wieder ein!

__________________
mb

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