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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Morpheus
Eingestellt am 20. 03. 2007 14:38


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brain
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„Ach, Biggy soll sich ins Knie ficken! Die hat doch noch nie┬┤n Kerl ohne M├Âsenschau gehn lassn! Un Maadn hatt┬┤se aach! … sacht de Kurt … geile Futt, was se is, aber … neeeeee Danke! Da mach ich┬┤s mir lieber selber!“
Peer untermalte die Aussage des Abends mit einem Seenotblick und sch├╝ttelte ├╝bertrieben angeekelt den Kopf.
„Soll gut blasen, s Biggyleinsche!“, gr├╝belte Gunther.
„Au …….. ja! Kann ich best├Ątische!“, meinte Paul.
„Die kannste knicken, k├Ânn┬┤n wir nich ma das Thema wechseln? Is langweilig …“
„Ich sach nur: Sehnscheidentz├╝ndung!“, kicherte Tim.
„Eyh, verdammt, wie oft soll┬┤n ich das noch sag┬┤n, h├Ąh? Meine Sehne is entz├╝ndet, weil ichn K├╝nstler bin, Mann! ICH BIN GIETARRISST! KEIN WIXROOBOTTER!“
„Mensch, Peer, mach┬┤s Loch zu! Du an der Klampfe und Biggy an der Fl├Âte!“, wohlfeilpreiste Gunther.
„Peer und Biggy!“, posaunte Tim ausgelassen.
„G├Ąb┬┤n geiles Konzert!“, stimmte Paul ihnen zu.
„Biggy und Peer!“, meinte Tim, mit vertr├Ąumtem Blick.
„Also, ich w├╝rd┬┤s mir anguckn!“, war Pauls Beitrag zum Geschehen.
„Ach, geh weg mit der Alten!“ Peer war zwar noch nicht auf der Palme, hatte aber schon ein gutes St├╝ck des Stammes hinter sich. Die Schwerkraft war verdammt hartn├Ąckig!
„Du hast damit angefangen!“, lachte Tim, w├Ąhrend er sich den schmerzenden Bauch hielt.
„Womit? … hab ich angefangen?“ Er konnte schon fast an eine der Kokosn├╝sse heranreichen. Nur noch ein kleines St├╝ckchen weiter, dann…
„Mit Biggy!“, raunte Paul, mit einem Timbre in der Stimme, das so trocken war wie ein gut durchgesch├╝ttelter James-Bond-Martini.
„Ach …“
„Egal, schickt eh jetze!“, beendete Gunther den noch ungeborenen Zoff und f├╝gte nach einer kleinen Pause hinzu: „Viel interessanter w├Ąr doch: was tun … nun?“
„Saufen!!!“, gr├Âhlten sie fast unisono, und als das folgende R├╝lpskonzert beendet war, verharrten sie und … dachten nach!
Was tun, nun?
„Ma so Kino, oder so was?“, schlug Paul achselzuckend vor.
„Da hat auch┬┤n neuer Puff aufge…“
„Hat Euch schon Mal jemand hypnotisiert?“ sagte … wer hatte das gesagt?
Die Blicke der Jungens fuhren durch den Raum und entdeckten einen jungen Kerl, der in der Ecke hockte und auf den Boden blickte. Sein Gesicht lag im Schatten. Er trug ein verwaschenes, ehemals hellgr├╝nes Sweatshirt, eine dunkelblaue Kordhose und knallgelbe Turnschuhe. Robert oder so, wenn Peer das noch richtig im Sch├Ądel hatte. Dieser Typ, schoss es ihm durch denselbigen, hat nix gesagt … seit …wie viel Stunden?, und wie er so dasa├č, geduldig das Interesse auf sich ziehend, schien es fast so, als h├Ątte er nur auf seinen Einsatz gewartet.
„Wie jetzt … hypnotisiert?“, vertrieb Gunther das betretene Schweigen, was Peer mit einem Seufzen quittierte. Zumindest ging es jetzt nicht mehr um ihn und die Schulmatratze.
„So richtig … richtig weggeschossen?“, fragte Paul ungl├Ąubig und erwartungsvoll.
Der Kerl mit dem verwaschenen Sweatshirt blinzelte zur Antwort und deutete ein Nicken an; keine Floskel, eine Reaktion, doch sie wog schwerer, als tausend „Jas“ der ganzen Welt auf einmal: sie wirkte erhaben.
„Ich kann das!“, sagte er, und als er aufstand, war es fast so, als wichen die Schatten des Raumes ein wenig dichter zusammen, so als w├╝rde er das Spektrum des Lichtes straffen, durch die blo├če Masse seines schm├Ąchtigen K├Ârpers.
„Leute, habt Ihr das ge…“
„Kack die Wand an, Gunther!“
Peer trat vor und musterte den Fremdling.
Wo kam der denn jetzt her?
Aber … er lie├č doch niemanden in seine Wohnung, den er nicht kannte! So besoffen war er doch gar nich … oder etwa doch? Robert, vielleicht? Oder Roland? Oder so?
Wahrscheinlich war┬┤s der Wodka!
„Du … bist …“
„Ronald, aber Du kannst mich Ronnie nennen, ist mir ohnehin lieber! Hatte ich das nicht schon erw├Ąhnt?“
„Doch, doch … klar … Ronald … ah … Ronnie …“, so als h├Ątte er sich gerade eben wieder an den Namen erinnert, „… wie … haste das gemeint? Als Du vorhin gesagt hast: Ich kann das! … Wie war das gemeint?“
„So wie ich es gesagt habe!“
„Und …“, stotterte Paul, „… was … kannst Du?“
Der Mund des fremden Jungen verschwamm zu einem unnat├╝rlich breiten Grinsen, das sein Gesicht unterhalb der Nase zu zerschneiden schien, und als er wieder sprach, konnten sie in sein Innerstes sehen.
„Ich kann es!!!“

Licht!
Es brennt in den Augen. Du schlie├čt Deine Lider und wartest … dann ├Âffnest Du sie wieder, doch sehen kannst Du nicht. Noch nicht. Das Bild der Welt wird nur langsam scharf, bleibt zun├Ąchst beschr├Ąnkt auf matschige Formen in der Mitte des Raums und einem intensiven, Ekel erregenden Gestank, den Du als schmerzhaft verzerrtes Pochen in Deiner Magengegend registrierst. Vorsichtig kehren die Differenzierungsmerkmale der Au├čenwelt zur├╝ck, zwingen die Wirklichkeit ins Hier und Jetzt und die Bruchkanten der Realit├Ąt werden wieder scharf und gerade, das F├╝hlen wieder zu einer verl├Ąsslichen Konstante. Einzig die Farbe, die den Raum beherrscht, scheint fehl am Platz zu sein und muss einfach einer optischen Halluzination entspringen, denn die Welt, die Du siehst, ist rot, und langsam wird Dir klar, dass Du in einer Blutlache sitzt und die amorphen Klumpen in der Mitte des Raumes aus den zerst├╝ckelten ├ťberresten Deiner Freunde bestehen. Dein Schrei begleitet Dich auf dem Weg in den Wahnsinn.

„… doch schon gesagt: er war da! Der Schei├čkerl war da, verdammt!!!“
„… ja … klaro! … also, kommen wir doch noch mal auf …“
„Ach, Schei├če! Fick Dich, Bulle!“
„Hey!!!“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich mach das schon.“
„ER WAR DA!!!“
„Im Traum vielleicht, Du Spinner!“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich mach das schon.“
Kraftlos sank Peer auf dem Stuhl zusammen und weinte hemmungslos. Geroldstein, ein Berg von Kerl, und Genosse Eichel, ein glatzk├Âpfiger Schmalhans, hatten ihn eingekreist, wie W├Âlfe es tun w├╝rden. Langsam.
„… er war da und … er war so echt, wie ich … oder sie … und … ich hab mit ihm geredet, verdammt!!!“
„Da war aber nix! Und die Jungs von der Spurensicherung ├╝bersehn so was nich! Wenn da noch einer war, dann h├Ątte da was sein m├╝ssen! Haare, Kleidungsfasern, Dreck ausm Schuhprofil, Rosettengel, Ohrnschmalz … was wei├č ich … irgendwas … aber da war nix! Klar?“
„Wird Zeit, dass Du mal Tacheles redest und … endlich … AUSPACKST, MANN!!!“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich mach das schon.“
„Ich wei├č schon, was ich tu, Herr Eichel! Lassen┬┤se mich ma machen!“
Peer schluchzte und durch den Rotz und die Tr├Ąnen hindurch, presste er m├╝hsam hervor: „Aber … auf … in dem … Haufen … war da …“
„Gunther Meyrink, Tim Funke, Paul Seller“, sagte der Berg, ohne in die Akte sehen zu m├╝ssen. „Wir konnten sie anhand … mehrerer Charaktermerkmale eindeutig identifizieren. Da war sonst keiner! Nicht mal ein St├╝ckchen von irgendjemand anderem als den genannten Dreien…“
„… den … genannten Dreien …?“
„… ganz recht… war┬┤n alles nur Teile von Deinen drei…“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich...“
Geroldstein war aufgesprungen und ├╝ber den Tisch gehechtet, noch ehe Peer auch nur ahnte, dass der Riese sich bewegen w├╝rde, hatte dieser schon mit einer einzigen Hand seinen Hals umklammert. „Verdammt noch mal! Wen zum Geier willst Du hier eigentlich verarschen, Du Punk? So┬┤ne Schweinerei anzurichten und dann so┬┤ne Schei├če auftischen wollen!!! Hast┬┤n Puzzlespiel aus Deinem M├Ądchen gemacht, gell?… ICH HAB┬┤S MIR MAL ZUM SPIELEN AUSGELIEHEN!!!“
„Herr von Stein! Ich bitte Sie!“
„… M├Ądchen?“, stammelte Peer. Und dann kam die saubere Rechte von unten, gezielt aufs Kinn gedroschen! Blut spritzte ├╝ber sein T-Shirt.
„PACK AUS, VERFLUCHT!!! DU ARSCHLOCH!!!“
Genosse Eichel seuzte schwer. „Ach … Herr von Stein!“, tadelte er, „Sie sind sooo unberechenbar“.
Die Faust traf auf den Nasenr├╝cken, auf die Wangenknochen, auf die Augen … ganz besonders auf die Augen … Blut, das ├╝ber die Schl├Ąfe lief …und etwas brach lautstark …
Der Genosse wartete seelenruhig, bis Geroldstein sich ausgetobt hatte. Dann versuchte er es noch mal, auf die Subtile.
„Du bl├Âde Arschgeige! Du willst uns also hier allen Ernstes erz├Ąhlen, dass in Deiner Wohnung irgendein Kerl rumhockt, Deine Freunde zerhackt, Dir kein Haar kr├╝mmt und sich dann einfach verpisst, ohne auch nur den Hauch einer Spur zu hinterlassen? Keine Fingerabdr├╝cke? Kein Schiss! Kein Garnix? Und das alles, als Du …“, Aktenbl├Ąttern, „ … was? …“, Zeigefingersuche, „… weggeschossen warst? Woran auch dieser omin├Âse Kerl Schuld sein soll?“
Unf├Ąhig zu antworten nickte Peer mit dem Kopf. Das Bluten erforderte fast seine gesamte Aufmerksamkeit. „Er hat uns ... mich ... hypnotisiert.“
„Ich habe keine weiteren Fragen!“, und damit drehte sich der Genosse um, und … blieb in der Bewegung h├Ąngen. „Aber … da w├Ąre noch etwas, das ich nicht verstehe…“, betrat er die B├╝hne, die er eben verlassen hatte, erneut, „… also … Ihr trefft Euch, Ihr trinkt, Ihr kifft, Ihr labert Kacke … und die ganze Zeit ist jemand im Zimmer, den keiner kennt?“ Er wartete einen Moment, lie├č die Worte wirken, und bevor er weiter sprach, hatte sich die Atmosph├Ąre wie ein Schwammkopf mit seiner Frage voll gesaugt. „Die ganze Zeit ├╝ber … also von Nachmittag 4, bis abends um 9 … f├╝nf volle Stunden lang … und niemand kommt auf die Idee ihn zu fragen wer er ist, oder wie er hei├čt?“
Robert, oder so?
„Doch, er hie├č…“
„Ja, hatten wir schon … aber vorher!“
Genosse Eichel richtete sich zu seiner vollen Gr├Â├če auf und blickte auf das H├Ąufchen Elend herab, das auf dem Stuhl lag, wie eine abgeworfene Zweithaut.
„Ich meine … war er unsichtbar? Oder hat er sich irgendwie getarnt? Ham wir┬┤s hier vielleicht sogar mit dem Predator zu tun? Oder mit Captain Jean L├║c Picard auf LSD?“
Ein kurzer, keuchender Lacher von Geroldstein machte deutlich, dass zumindest er anderer Meinung war, die Semantik zwischen ihnen aber noch funktionierte.
„Ich wei├č nicht, wie … oder warum … keiner von uns… aber is doch schei├čegal, SCHEI├čE! Er …er hat mich angel├Ąchelt … und dann …“

Finsternis!
Vor Dir, hinter Dir, um Dich herum, unter Dir: das Nichts. Es tr├Ągt Dich m├╝helos, doch Du bef├╝rchtest, Du k├Ânntest hinein sinken, tiefer, hinab, und schlafen, ein Leben lang. Schwarze Watte! Dann erkennst Du Mittelstreifenbegrenzungsstreifen der A5 bei Nacht, das Licht abgeblendet, der Motor noch weit entfernt von seinem Maximum – wohin Du willst und weiter – und Du wirst schneller, erst z├Âgerlich, doch dann … geschieht es… aber …Du h├Ąttest Sie gar nicht sehen k├Ânnen, es war viel zu dunkel, und umkehren? Es war ohnehin zu sp├Ąt! Bestimmt war es das! Und wie sieht das denn dann aus? Warum erst jetzt die Idee umzukehren? Stinkt das nicht verd├Ąchtig nach Schuld??? Nur weg! Weg! Die Stra├če wird enger, verliert ihre gestreifte Mitte und erheblich an Komfort. Auch die H├Ąuser, an denen Du vorbeif├Ąhrst, sind verfallen und staubig, wie Relikte aus Stummfilmzeiten, obwohl sie mit Sicherheit nicht einmal halb so alt sind, wie sie wirken. Es ist etwas mit ihnen geschehen, etwas, das nichts mit Zeit oder Raum zu tun hat, sondern mit etwas g├Ąnzlich anderem.

„Ich sach nur: Sehnscheidentz├╝ndung!“, kicherte Tim.
„Eyh, verdammt, wie oft soll┬┤n ich das…!“
„Kack die Wand an, Peer!“, t├Ânte Gunther. „Du an der Zupfe und Biggy an der Tr├Âte!“
„Peer und Biggy!“, posaunte Tim ausgelassen.
„G├Ąb┬┤n geiles Konzert!“, stimmte Paul ihnen zu.
„Biggy und Peer!“, meinte Tim, nun mit fast verliebtem Blick.
„Also, ich w├╝rd┬┤s mir anguckn!“, sagte Paul Bond trocken.
„Leute … ich hab … voll den Schei├čfilm am Laufen!“
„Aber … Du hast doch selber damit angefangen!“, lachte Tim, w├Ąhrend er sich den schmerzenden Bauch hielt.
„Verdammt, h├Ârt doch mal … ich hab Euch gesehn, also was von Euch … aber … danach … also kurz bevor ich … aber …“
Er erstarrte! … „HIER IST NOCH JEMAND IM ZIMMER!!!“
„Mann, das nervt ab.“, raunte Paul, mit einem Sound in der Stimme, der so cool war wie ein Kojak-Lutscher.
„HIER IST NOCH JEMAND IM ZIMMER!!! HIER IST NOCH EINER!!!“
„Kerle! s schickt jetze, meinste net?“, polterte Gunther wieder ins Bild. „Viel interess…“
„ER HOCKT IN DER ECKE!!! DA HINTEN!!!“, und er stierte panisch durch den Raum und wies mit dem Finger in die Ecke. „ER IS DA, VERDAMMT!!! ICH WEI├č ES!!!“
Die Blicke der Jungs fuhren durch den Raum und entdeckten den vertrauten Umriss einer Gestalt. Sie hockte auf dem Boden in der Ecke des Zimmers und starrte hinab auf ihre knallgelben Turnschuhe.
„LASST NICHT ZU, DASS ER MICH NOCHMAL ANL├äCHELT!!! BITTE!!! LASST ES NICHT…“
„Hallo Peer!“
Die Kreatur erhob sich in den Schatten, war eins mit ihnen, und betrat zielstrebig das Licht.
Sie trug noch immer die dunkelblaue Kordhose, aber das Sweatshirt war weg. Nichts verdeckte die Sicht auf unz├Ąhlige Narben und Wucherungen, auf faustgro├če Bluterg├╝sse und die Spuren Jahrzehnte ertragener Gei├čelung.
Der Mund hatte kein Ende, und das L├Ącheln wuchs ├╝ber alles andere hinweg und lie├č die Welt schweigen.
„Ich soll sch├Ân von Biggy gr├╝├čen!“
Zwielicht.
Im Nebel. Du h├Ârst Stimmen, die Deinen Namen rufen, wieder und wieder. Der widerliche Geruch schwebt in der Ferne und wird mit jedem gefahrenen Meter st├Ąrker. Fl├╝chtende Mittelstreifen, doch dieses Mal l├Ąuft der Film von hinten nach vorne, spult sich zur├╝ck zu den Gr├╝nden, deren Konsequenzen Du bereits erlebt hast. Du h├Ąttest Sie gar nicht sehen k├Ânnen, es war viel zu dunkel! Es war ohnehin zu sp├Ąt! Bestimmt war es das! Und wie sieht das denn dann aus?Ja, verdammt! Wie sieht das denn aus? Entschuldigen Sie, Herr Wachtmeister, ich h├Ątte da ein kleines Problem! Gestern Abend hab ich die Schulmatratze ├╝berfahren, aber ich h├Ątte sie eeeecht nich rechtzeitig sehen k├Ânnen, is mir einfach vors Auto geh├╝pft! Kann man nix machen!
Mit einem Mal schweigt die Stimme.
Jemand z├Ąhlt r├╝ckw├Ąrts …5-4-3-2-1-…und Du ├Âffnest zum letzten Mal in Deinem Leben die Augen.

„Deutlich schizoide Tendenzen, deutlich, oh ja! Man k├Ânnte ein Buch ├╝ber ihn schreiben!“
Geroldstein blinzelte verwirrt. „Schizo-WAS?“
„Er glaubt, jemand anderer zu sein, erfindet Personen, l├Ąsst sie verschwinden – nat├╝rlich nur in seinem Kopf.“
„So ein Wichser! Ich wusste es! Ich...“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich mach das schon.“
Der Psychologe schmunzelte am├╝siert. Nicht nur der Angeklagte, der noch benommen auf der Behandlungsliege lag, h├Ątte B├╝cher f├╝llen k├Ânnen; auch die Polizisten hatten unterschwellige Geschichten zu erz├Ąhlen.
„Und die Frau?“, hakte der Genosse nach.
„Brigitte Bauer, ja, die hat er in echt verschwinden lassen. Die war echt tot. Aber f├╝r ihn war das nur einer mehr auf seiner Laufbahn. Augustus Vanderstr├│m hat den Unfall wahrscheinlich ├╝berhaupt nicht mitbekommen und wenn doch, dann hatte er ihn verdr├Ąngt. Sogar die Konfrontation mit seiner eigenen Identit├Ąt war zu viel f├╝r ihn. Seine Reaktion l├Ąsst sich positiv formuliert als KONFRONTATION bezeichnen, als permanente Projektion einer nicht erf├╝llbaren Verantwortungserwartung der Gesellschaft, welche er dahingehend subliminierte, einen neuen Charakter zu erfinden. In diesem Fall handelte es sich um einen l├Ąchelnden Jungen, der, wie ich bei aller Vorsicht vermuten m├Âchte, sein eigenes, idealisiertes Alter-Ego darstellt.“
„Warum haben Sie ihn hypnotisiert?“
„Ich musste sein ES aus der Tiefe zerren, seine unbewusste, triebgesteuerte Natur. Seine wahre Natur, wenn Sie so wollen.“
„Aber...“
„Immer ruhig, Herr von Stein. Ich mach das schon.“
Der Psychologe seufzte schwer. „Falls sie mich nicht mehr brauchen w├╝rde ich dann jetzt gerne gehen. Ich werde noch anderenorts … gebraucht. Sie haben das Gest├Ąndnis des Jungen. Meine Nummer haben Sie auch. Sollten Sie noch…“
„Nein, nein. Wir haben, was wir brauche, um Anklage erheben zu k├Ânnen.“
“Sch├Ân“, meinte der Psychologe trocken. „Dann w├╝nsche ich noch gutes Gelingen, und ... empfehlen Sie mich weiter.“ Lachend sch├╝ttelte er den Beamten die H├Ąnde und verlie├č den Raum.
„Sowas“, meinte Genosse Eichel kopfsch├╝ttelnd. „Tr├Ągt nen Designeranzug und Turnschuhe.“
„Leut gibt’s!“
„Ja! Leut gibt’s!“

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

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Hallo brain,

ein super Text, summa summarum. Vom Anfang h├Ątte ich mich fast abschrecken lassen, weil er so derb und b├Ąrbei├čig daherkommt. Aber in weiterer Folge wird er ungemein spannend, und er wird sch├Ân rund zu Ende erz├Ąhlt.

Eine Kleinigkeit noch: "Molek├╝le des Lichtes" w├╝rde ich ├Ąndern (die gibt es nicht), einfach "das Licht" oder "die Helligkeit".

Die Mileusprache und deren Inhalt muss nat├╝rlich so bleiben, ist allerdings dasjenige, was mich am Text noch am ehesten st├Ârt. Freu mich auf Deine n├Ąchsten Texte! (Und klick mich durch die ├Ąlteren...)

Beste Gr├╝├če,
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

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ÔÇ×Ich kann das!ÔÇť, sagte er, und als er aufstand, war es fast so, als wichen die Schatten des Raumes ein wenig dichter zusammen, so als w├╝rde er die Molek├╝le des Lichtes verdr├Ąngen, durch die blo├če Masse seines schm├Ąchtigen K├Ârpers.
hallo brain,
spitzentext, ohne zweifel, endlich mal etwas, da├č spielraum f├╝r interpretationen l├Ą├čt. aber genau wie Ohrensch├╝tzer bin ich ├╝ber diesen absatz mit dem licht und schatten gestolpert. wenn die schatten des raumes zusammendr├Ąngen, mu├č sich das licht ausbreiten. aber das licht wird durch die "blo├če masse seines schm├Ąchtigen k├Ârpers" verdr├Ąngt. paradoxe situation. und da├č der herr eichel st├Ąndig als genosse betitelt wird, passt irgendwie nicht.
und irgendwie scheint mir der text ein bruchst├╝ck aus einer l├Ąngeren sache zu sein.
die ich auch sofort lesen w├╝rde.
gru├č aus berlin.
knychen
__________________
kny

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brain
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Registriert: Jun 2004

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Lichtbrechung

Ja, dar├╝ber scheint man zu stolpern, ├╝ber die "Lichtmolek├╝le". Dass Licht gar keine Molek├╝le hat, wei├č ich erst seit eben. Mist! Das hat mir so gut gefallen. Na ja, daf├╝r dann lieber: "...so als w├╝rde er das Spektrum des Lichtes straffen...". Der schm├Ąchtige K├Ârper sollte ihn verharmlosen, den Morpheus, was aber auch nicht wirklich n├Âtig ist, aber der Text ist schon derma├čen komprimiert auf das Wesentliche, dass ich weder k├╝rzen noch hinzuf├╝gen m├Âchte, aber...mal sehen, wie das in ein, zwei Monaten aussieht, wenn ich mir das Ding aus der Distanz nochmal anschaue.

Danke f├╝r Eure Beitr├Ąge

LG:-)

Brain

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