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Leselupe.de > Kurzprosa
Moshammer. Bleibt etwas?
Eingestellt am 26. 01. 2005 12:19


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Inu
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Rudolph Moshammer
( ein Leben )

schuf sich sein Schlaraffenreich jenseits der Alltagspfade
hielt darin Hof

Kitschkönig
schlank gekleidet in dunklen Edelzwirn
oder seine Wohlstandsf√ľlle in barocke Prunkroben gezw√§ngt
die drallen bajuwarischen Z√ľge von Schminke umkleistert
betoniertes Lackhaar bombastisch
viel zu schwarz
'Geisha‚Äė-Frisur
sonderbar

Rudolph
altgewordener Muttersohn
die gro√üen Gef√ľhle
fr√ľh
eingemauert im Mausoleum mit Mama?

Schlauheit und Krämertalent hat sie ihm vererbt

die Lust an Spiel
Maskerade
stammt wohl vom Vater
und auch die manchmal aufblitzende ...
Simplizität

Mosi
merkw√ľrdiger Herrenschneider
auf seinem Arm Daisy
stets frisch shamponiertes
Wuschelknäuel
Kuschelh√ľndchen mit Schleife

schmusi und bussi-bussi
so kommen sie jetzt f√ľr immer
gemeinsam
in die Archive

Moshammer
die Medien mochten ihn gern
er war auf allen Kanälen präsent
verspr√ľhte mit sonorer Stimme
Schmäh ohne Ende

er konnte nerven
ging auf den Geist
UND
ans Gem√ľt
denn nichtsdestotrotz
war er angenehm
hat sich mit Optimismus
in die Herzen gelabert

er wollte gefallen
entz√ľcken
der Beifall der Menge und der 'Society'
war ihm jeden Marktschreiertrick wert
und
Aufsehen HAT er erregt
hat der Welt ein schrulliges
Märchen erzählt

auch meiner Erinnerung
prägte er
sein bizarres Bild ein
brachte mich zum Lächeln
denn
sein Selbstvertrauen war grenzenlos
echt
er stellte sich
und seine skurrile Person
niemals in Frage
das gab seinen Auftritten ...

W√úRDE

als Freund der Obdachlosen
sah ihn die Presse
ich hoffe nicht
dass er nur dann
ein Helfer war
wenn Kameras surrten

er hatte fr√ľh gelernt
dass den Menschen
ihr Schicksal LEICHT
aus Händen gleitet
wie seinem Vater

aber
sein EIGENES Leben
sollte
ein gelungenes Fest sein
mit Flitterfäden
aus Fantasie
hat er es durchwirkt

Rudolph
Sinnbild der Leichtigkeit
Buntheit des Seins
Prachtkarpfen im Zierteich
der Schönen und Reichen
so glitt er sicher dahin

er war bekannt
populär
wurde er geliebt?
brauchte er Liebe?

suchte er einfach nur Lust?
sollte Sex sein Bollwerk sein
gegen Alter Verfall und Tod?

nach Schwänzen gierte er
nach fremder deftiger Männlichkeit
oder doch nach dem rettenden Freund f√ľr die Seele?

vielleicht wollte er aber ewig die Mutter?

nur Zerrbild der Wahrheit ist das
was wir wissen

ein Sehnender war er bestimmt

*

dann kam jene Fahrt
stilvoll im Rolls
durch die Rotlichtstraßen der Stadt
Rudolf getrieben
verlangend
allein
reicher Freier in Luxuskarosse
von Strichjungen bewundert
man bot sich ihm an

irgend ein stämmiger Kerl unter vielen
aus dem Zufallsbecher des Schicksals
zu ihm hin√ľbergew√ľrfelt
war sein Erwählter
f√ľr eine Nacht

und dann?
was geschah?

Gewalt
brachialer Absturz ins Dunkel
und

alles vorbei

*

adieu
ein trauerndes Servus ihm
dem Verh√ľllten Verbr√§mten
dem exzentrischen Mimen
dem √ľberaus irdisch gestrickten ...
Idealisten

er wird zum Mythos werden
wie Ludwig der König in Bayern
so sagt man

- ich weiß nicht -

DAS aber bleibt er f√ľr mich:
nicht viel
nicht wenig

nur

ein freundlicher Mensch
der SEINEM Traum folgte
SEINEM Paradies auf Erden
zu Zeiten
recht nah kam
und es

um Millennien verfehlte

einer der
viel redend
doch

stumm blieb



*





Am 14. Januar 2005 wurde Rudolph Moshammer in seiner Wohnung in M√ľnchen ermordet. Er war 64 Jahre alt.





*
Copyright Irmgard Schöndorf Welch Januar 2005




Version vom 26. 01. 2005 12:19

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alfi
???
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Inu

ein wunderbarer Nachruf-treffen geschildert.Nuja wer aus einer 10‚ā¨ Krawatte eine 150‚ā¨ Krawatte machen konnte-der ist f√ľr mich ein Genie. Er lebte von seiner eigentlichen Pers√∂nlichkeit -und das nicht schlecht. Er scheint niemanden betrogen zu haben-nur die M√∂chte gern-Promis ein bischen verarscht. Deswegen kann der Laden auch ohne Ihn nicht weitergef√ľhrt werden. Was seinen pers√∂nlichen Lebensstil betrifft kann ich nur sagen und mit der Bibel zitieren: Wer frei ist ohne Schuld-der werfe den ersten Stein.
__________________
alles was sich reimt ist nicht-
automatisch ein Gedicht. (alfi)

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Inu
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hallo Alfi

Du schreibst:

quote:
Nuja wer aus einer 10€ Krawatte eine 150€ Krawatte machen konnte-der ist f√ľr mich ein Genie. Er lebte von seiner eigentlichen Pers√∂nlichkeit -und das nicht schlecht. Er scheint niemanden betrogen zu haben-nur die M√∂chte gern-Promis ein bischen verarscht. Deswegen kann der Laden auch ohne Ihn nicht weitergef√ľhrt werden. Was seinen pers√∂nlichen Lebensstil betrifft kann ich nur sagen und mit der Bibel zitieren: Wer frei ist ohne Schuld-der werfe den ersten Stein.

Ja, so sehe ich das auch. Er hat sich selbst zu einer Pers√∂nlichkeit des √∂ffentlichen Interesses gemacht. Er war schrill, aber damit hat er uns ja auch am√ľsiert. Ich habe gern √ľber ihn geschrieben

Ich freue mich, dass Dir mein Nachruf gefällt.

Liebe Gr√ľ√üe
Inu

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Gagjack
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Mosi und Daisy

Hallo Inu,

Dir ist ein wahrhaft w√ľrdiger Nachruf gelungen.

Einzig Deine Vereinnahmung aller mit dem Satz:
"Langsam
zwangst du unserer Erinnerung
dein ausgefallenes Bild auf,
verstandst es gewaltig, zu nerven,
gingst auf den Geist
u n d
ans GEM√úT,"
will mir nichr recht gefallen. Ein jeder hat seine eigene Betroffenheit, oder auch nicht.
Wie dem auch immer sei, Dein Werk ist ein gelungener, reflektierter und dabei sehr gef√ľhlvoller Abgesang auf eine schillernde Pers√∂nlichkeit des Alltags in Deutschland.
Mosi hätte seinen Spass daran.

Viele Gr√ľsse

Christoph

__________________
nur wer auf den hund gekommen ist versteht und niemand kann sagen warum es mir schlecht ergeht, aber ich kenne den weg, das beste daraus zu machen

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Inu
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Hallo Christoph

quote:
Einzig Deine Vereinnahmung aller mit dem Satz:
"Langsam
zwangst du unserer Erinnerung
dein ausgefallenes Bild auf,
verstandst es gewaltig, zu nerven,
gingst auf den Geist
u n d
ans GEM√úT,"
will mir nichr recht gefallen. Ein jeder hat seine eigene Betroffenheit, oder auch nicht


Du hast Recht. Mal sehen, ich werde es wahrscheinlich umändern und nur von der Erzählerin und ihren persönlichen Gedanken ausgehen und die Allgemeinheit außer Acht lassen.

Danke Dir sehr f√ľrs Lesen und Kommentieren.

Gruß
Inu

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Inu
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Noch eine Frage, Gagjack... meinst Du, es w√§re besser, ALLES √ľber Moshammer nur aus Sicht der Erz√§hlerin zu schreiben und nicht zu verallgemeinern. Bin jetzt ein bisschen ratlos?

Inu

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