Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95246
Momentan online:
295 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mozart
Eingestellt am 02. 11. 2014 12:20


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Ann-Britt
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2014

Werke: 6
Kommentare: 36
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ann-Britt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mozart

Er r├╝ckte die Partitur auf dem Notenst├Ąnder zurecht, das war ein Ritual, und darauf mochte er nicht verzichten, niemals, als ob es davon abhinge, wie ├╝beraus pr├Ązise die Eins├Ątze der Musiker erfolgen w├╝rden. Er konnte nicht anders, bevor er den Dirigentenstab in die Hand nahm, musste die Partitur neu ausgerichtet sein. So wie jetzt. Er nahm das Holz in die rechte Hand, seine Finger umschlossen den Stab, bevor sie sich auf die Oberfl├Ąche des Materials einstimmten und die in langen Jahren ausgekl├╝gelte Haltung einnahmen. Nur so konnte die Auff├╝hrung gelingen, den kleinen Finger abgespreizt und den Daumen genau gegen├╝ber dem Mittelfinger. Das geh├Ârte auch dazu, die Hand zu beobachten, die wie im Traum in die richtige Haltung fand. Noch rasch ein Blick auf die Noten, Haffner-Sinfonie, Mozart. Eigentlich brauchte er die Noten nicht, er hatte sowieso meistens die Augen geschlossen, solange er den Taktstock schwang, f├╝hrte oder pointiert in die Luft stach. Atemlose Stille, kein St├╝hler├╝cken, kein Husten.
Jetzt! Er griff noch einmal zum Notenst├Ąnder, dann holte er aus und gab routiniert den Einsatz. Dabei runzelte er die Stirn. Eine der beiden Fl├Âten war nicht ganz genau gestimmt und die Pauke war nicht laut genug. Es gab Verbesserungspotential, aber insgesamt war er zufrieden. Er genoss die Musik, Mozart war das gr├Â├čte f├╝r ihn und eine Auff├╝hrung sinfonischer Komposition sowieso. Der erste Satz n├Ąherte sich dem Ende, schade, aber es gab ja noch mehr. Doch wie immer hatte er das Gef├╝hl, dass alles gut war, wenn der Anfang stimmte. Nun ja, es konnte passieren, dass ein Musiker zwischendurch schw├Ąchelte, aber dann fiel das meistens nur dem absoluten Kenner auf und ein fulminanter Schluss riss wieder alles raus.
├ťberhaupt musste man von sich ├╝berzeugt sein und Begeisterung zeigen, dann war der Rest ein Klacks. Er wirbelte den Dirigentenstab durch die Luft, ein gelungener Auftakt des zweiten Satzes. Dann das Menuett. Es passierte, was nicht passieren durfte, ein Klingeln st├Ârte das Schluchzen der Violen. Ein Handy! Er zuckte zusammen, der Dirigentenstab flog in Richtung erste Geige. Noch schmerzlich ber├╝hrt von diesem Sakrileg erkannte er, was da erklang: es war Bachs 1. Brandenburgisches Konzert, folglich sein eigenes Handy. Er angelte es aus seiner Hosentasche und warf einen Blick aufs Display. Die Nummer geh├Ârte seiner Vermieterin, und was sie sagte, lie├č ihn zusammenbrechen: ÔÇ×Ich habe Ihnen hundertmal gesagt, dass Sie den CD-Player leiser stellen, wenn Sie unbedingt sone schwere Musik h├Âren m├╝ssen!ÔÇť
__________________
Ann-Britt
unterwegs im deutschen Sprachraum

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ann-Britt
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2014

Werke: 6
Kommentare: 36
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ann-Britt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo vagant,
der vorgebliche Dirigent ist ja keiner und darum f├Ąllt er gegen Ende aus der Rolle...

aber vielen Dank f├╝r deinen Beitrag!

MFG
Annette
__________________
Ann-Britt
unterwegs im deutschen Sprachraum

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung