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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mr. Harper
Eingestellt am 14. 08. 2014 16:56


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LilyaLou
???
Registriert: Aug 2014

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Aufgrund der Tatsache, dass Mr. Harper wieder einmal seinen Namen vergessen hatte, beschloss er, diesem Spektakel auf den Grund zu gehen. Es gab doch f├╝r alles eine L├Âsung, so hatte man es ihm beigebracht. Mr. Harper war stolz darauf, bemerkt zu haben, wie seine leicht rundliche Nachbarin mit den Kringellocken und der blauen Brille, die eigentlich keine St├Ąrke hatte (was Mr. Harper ebenfalls zu seiner Genugtuung herausgefunden hatte), die gro├čen und kleinen Steinchen vor ihrer Haust├╝re z├Ąhlte und dabei die Stirn so sehr runzelte, dass Mr. Harper bef├╝rchtete, ihr Gesicht w├╝rde irgendwann in dieser Position stehen bleiben. Mr. Harper wusste sogar, warum seine Nachbarin sich jeden Tag so lange bei ihren Steinen aufhielt. Sie wollte Herbert nicht verlieren, den dicksten und gr├Â├čten Stein von allen, aber da Mr. Harper ziemlich schlau war, wusste er auch, dass die anderen Steinchen seiner Nachbarin beinahe genauso wichtig waren und deshalb wendete sie sich jeden Morgen dem Z├Ąhlen zu, um nachzusehen, ob auch wirklich noch alle da waren. Ihr Ehemann war ein alter K├Ąse, so nannte Mr. Harper ihn, wenn ein sch├Âner Tag war. An schlechten war er eine alte Wurst, denn Fleisch a├č Mr. Harper nicht gerne. Das erinnerte ihn an seine Katze ÔÇ×BallÔÇť, die er so getauft hatte, weil sie so dick war, dass man jeden Moment bef├╝rchtete, sie w├╝rde wie ein Ballon in die Luft schweben. Und nein-Mr. Harper hatte sie nicht gegessen, was man bei dem Stichwort Fleisch wohl vermuten k├Ânnte, aber das Gegenteil war hier der Fall. Mr. Harper meinte nicht, dass seine Katze ihn gefressen h├Ątte, was vollkommen unm├Âglich w├Ąre. Er erinnerte sich nur daran, wie ÔÇ×BallÔÇť das Fleisch verschlungen hatte, was Mr. Harper ihm jeden Tag zuwarf. Doch eines Tages war sie nicht mehr da und Mr. Harper war sich sicher, dass sie geplatzt war. Seine Nachbarin lachte dar├╝ber nur und dann wurde sie unglaublich w├╝tend, da sie meinte, die Katze h├Ątte ihre Steinchen gefressen.
Mr. Harper hatte dar├╝ber ebenfalls nur gelacht und der Frau gesagt, dass ihre Steinchen wohl seine Katze gegessen hatten. Das hatte er nur gesagt, damit die Nachbarin ein schlechtes Gewissen hatte, denn Mr. Harper wusste nat├╝rlich immer noch, dass ÔÇ×BallÔÇť geplatzt war. Insgeheim hoffte er, er w├╝rde sie irgendwo finden. (Man m├╝sste davon ausgehen, sie l├Ąge verteilt herum, aber bei diesem Gedanken ├╝berfiel Mr. Harper ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl, das er irgendwie nicht beschreiben konnte, weil er ja schlie├člich nicht wusste, wie es ist, zu platzen) Aber trotzdem w├╝rde er sich gerne auf die Suche machen, um seine Katze anschlie├čend bei den gestorbenen Steinchen seiner Nachbarin zu begraben. Das Problem war nur, dass er h├Ąufig verga├č, wie er denn zur├╝ck zu seinem Haus finden konnte und deswegen lie├č er es lieber bleiben. Manchmal aber verga├č er sogar, dass er eigentlich den Weg nach Hause verga├č und verlie├č deshalb seine sch├Âne Wohnung, die er jeden Tag pflegte und auch f├╝tterte wie seine Katze. Man k├Ânnte sich fragen, wie man ein Haus f├╝ttern kann, aber Mr. Harper war der einzige Mensch, der wusste, wie etwas dieser Art funktionieren konnte. Und weil er im Alter von f├╝nfunddrei├čig Jahren immer noch ziemlich clever war, wusste er nat├╝rlich auch, wie alt er morgen sein w├╝rde.
Das w├Ąre siebenundvierzig, denn morgen war ein schlechter Tag. Heute war ein ziemlich guter, denn er war schlie├člich f├╝nfunddrei├čig.
Mr. Harper l├Ąchelte fr├Âhlich und gr├╝├čte seine Nachbarin, die heute eine gelbe Brille trug und ein Steinchen gr├╝n anmalte und er fragte sich, ob diese Brille nun eine St├Ąrke hatte oder nicht. Doch er hatte nicht mehr Zeit, dar├╝ber nachzudenken, denn da rutschte schon die geheimnisvolle Brille von der krummen Nase und landete auf ihren Steinchen und Mr. Harpers Nachbarin stie├č einen lauten Schrei aus und dr├╝ckte den Herbert-Stein fest an sich. Sicherlich musste er getr├Âstet werden, denn Mr. Harper wollte schlie├člich auch nicht, dass eine Riesenbrille vom Himmel fiel, ganz genau auf ihn drauf. Aber das war ja physikalisch nicht m├Âglich und Mr. Harper war stolz darauf, diesen Gedanken gefasst zu haben.
Er fragte sich, warum sie ihn damals im Chemielabor nicht an den roten Saft gelassen hatten, dabei wusste Mr. Harper doch, dass dieses Gebr├Ąu eigentlich giftig war und er wollte ja nur wissen, ob man Steinchen auch t├Âten kann. Nun ja, seine Nachbarin h├Ątte das wom├Âglich nicht verkraftet und Mr. Harper wollte doch nicht, dass sie verga├č, ihre Haare zu waschen. Das passierte n├Ąmlich immer, wenn sie traurig war, hatte Mr. Harper wieder mit Stolz herausgefunden. Jedoch hatten die komischen wandelnden Kittel im Chemielabor seine Begabung nicht erkannt und Mr. Harper war dann so traurig gewesen, dass er vor lauter Weinen seinen Weg nach Hause wieder einmal vergessen hatte. Irgendwie hatte er sich dann wie neunundneunzig gef├╝hlt, da das wirklich ein besonders schlimmer Tag gewesen war. Eigentlich war es ja nicht m├Âglich, an einem Tag das Alter zu wechseln, aber trotzdem fragte Mr. Harper sich, ob man sich denn wie eins oder zwei f├╝hlen konnte. Eigentlich w├Ąre das dann auch ein schlechter Tag, denn als kleines Kind wei├č man doch nicht, was man tut und darf nicht selber ├╝ber sein Leben bestimmen. Das machen schlie├člich die Eltern, aber Mr. Harper wusste leider nicht, ob seine Eltern nun die K├╝he auf der Weide neben seinem Haus waren oder die zwei Kr├Ąhen auf dem Gartenzaun. Also beschloss Mr. Harper dann, lieber zwei zu sein, denn er wollte ja noch nicht sterben, wie man es mit neunundneunzig gew├Âhnlich tat. Irgendwann kam dann eine Frau vorbei, die wissen wollte, woher er k├Ąme und Mr. Harper erwiderte nur, dass er irgendwie nicht mehr wusste, warum der rote Saft eigentlich rot war und nicht gelb. Und die Frau hatte den Kopf gesch├╝ttelt und ihn dann stehen gelassen.
Heute, wo er f├╝nfunddrei├čig war, war sich Mr. Harper sicher, herauszufinden, warum er nicht mehr wusste, wie er hie├č. Vielleicht sollte er den alten K├Ąse fragen, aber wenn der morgen eine alte Wurst w├Ąre, k├Ânnte er nat├╝rlich auch heute schon b├Âse sein und nur darauf vorbereitet, ihm eines auszuwischen. Aus diesem Grund beschloss Mr. Harper, selber nachzudenken und zog sich deswegen eine M├╝tze an, denn er wusste ganz genau, dass M├╝tzen ihm helfen, die schlauen Gedanken im Kopf zu behalten. Aber H├╝te sind nicht gut, denn Mr. Harper wollte nicht, dass sein Wissen zwischen seinem Kopf und dem Deckel des Hutes herumschwirrten. Also ging er zum zweiten Mal an diesem Tag an seiner Nachbarin vorbei, die zusammen mit dem alten K├Ąse vor dem Auto stand und darauf wartete, dass Mr. Harper nun vorbeikam. Zumindest vermutete er das, denn Nachbarn sind eigentlich ganz friedliche Menschen, doch wenn sie b├Âse gucken, musste das etwas mit ihm zu tun haben.
ÔÇ×Entschuldigung, wie hei├če ich?ÔÇť, fragte Mr. Harper freundlich l├Ąchelnd, bevor der alte K├Ąse etwas sagen konnte. Mr. Harper beobachtete die Steinchen und war pl├Âtzlich wieder ganz stolz darauf, eine M├╝tze anzuhaben, denn die Steinchen hatten schlie├člich keine M├╝tze und waren deswegen zu dumm, um sich zu bewegen, da die ganzen schlauen Gedanken schlie├člich schon weggeflogen waren.
Vielleicht sollte er den Steinen seiner Nachbarin ganz viele kleine H├╝te basteln, denn die Steine sollten ja nicht schlauer werden als er. Nur nicht mehr ganz so doof wie jetzt, damit w├Ąre es schon getan. Nur woher sollte er denn die Gedanken nehmen, die eigentlich nicht mehr vorhanden waren?
ÔÇ×Mr. Harper, Ihren Namen haben Sie uns noch nie verratenÔÇť, sagte der alte K├Ąse.
ÔÇ×Also hei├če ich Mr. Harper?ÔÇť
ÔÇ×So ist es. Aber Ihren Vornamen kennen wir nicht.ÔÇť
ÔÇ×Ach soÔÇť, sagte Mr. Harper. ÔÇ×Dann bin ich eben ein Fridolin.ÔÇť
ÔÇ×Sch├Ân, Mister Fridolin Harper, wir w├╝rden gerne wissen, warum Sie abends um unser Haus herumschleichen und unsere Pflanzen pfl├╝cken.ÔÇť
Mr. Harper wusste das. Es hatte alles einen guten Zweck. Er wollte doch nur, dass es den Steinchen wirklich gut ging und nicht die Blumen die ganze Aufmerksamkeit der Nachbarn erlangten. Aber das konnte er seinen Nachbarn nat├╝rlich nicht sagen, also schwieg er einfach. Das hatte ÔÇ×BallÔÇť auch immer gemacht, wenn Mr. Harper mit ihm geschimpft hatte, weil er einfach weggelaufen war und erst mitten in der Nacht wiederkam ÔÇô eine Maus im Maul.
Die Maus hatte Mr. Harper dann immer liebevoll in seinem Garten vergraben, doch er hatte dann immer ein schlechtes Gewissen gehabt, weil seine Katze dann so traurig guckte und er bef├╝rchtete, sie w├╝rde sich wie siebundachtzig f├╝hlen, nat├╝rlich im Katzenalter. Und das war nicht gut.
Aber jetzt dachte Mr. Harper gar nicht mehr an seine Katze, denn er war gl├╝cklich, endlich wieder einen Namen zu haben. Also drehte er sich um und ging den Weg entlang, auf dem unendlich viele Steine lagen und Mr. Harper wunderte sich, warum der alte K├Ąse und seine Frau sie nicht bei sich aufnahmen und zu Herbert setzten. Die beiden riefen ihm irgendetwas hinterher, aber Mr. Harper war viel zu besch├Ąftigt, um darauf zu achten. Er sah lieber in den Himmel und fragte sich, was ÔÇ×BallÔÇť da oben wohl machte und ob er all diese unschuldigen M├Ąuse in Ruhe lie├č. Denn wenn Mr. Harper eines Tages sich wie zweihundert f├╝hlen w├╝rde, m├╝sste er ja theoretisch auch sterben und w├╝rde dann zu seiner Katze kommen und k├Ânnte sie von b├Âsen Taten abhalten, aber dann wiederum war er sich nicht sicher, ob es denn einen Himmel f├╝r Mr. Harpers und Katzen und M├Ąuse gab. Aber das w├╝rde er ja heute noch herausfinden, denn er hatte schlie├člich eine M├╝tze an. Die hatte zwar ein paar ganz kleine L├Âcher, aber so viel Wissen w├╝rde er dadurch auch nicht verlieren.
Und dann sah Mr. Harper die B├Ąume an und fragte sich, ob er darauf klettern k├Ânnte und ob er die Kraft dazu h├Ątte und ob er da oben auch noch ein Buch lesen k├Ânnte. Aber Mr. Harper war sich dann doch sicher, dass das funktionieren w├╝rde, denn heute war er schlie├člich f├╝nfunddrei├čig.

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