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Leselupe.de > Humor und Satire
Mücke und Elefant
Eingestellt am 22. 11. 2001 09:56


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Sebastian Dalkowski
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2001

Werke: 33
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Mücke und Elefant

Vierundvierzig Beine jagen das Leder. Zwei Beine sorgen dafür, dass es beim Leder bleibt. Trainer in wichtigen Anzügen bearbeiten den ihnen eingeräumten Raum wie die Reinkarnation des Rumpelstilzchen. Fernsehkommentatoren überschlagen sich in ausgetretenen Phrasen und meinen, den Überblick zu haben. Siebzigtausend Kehlen schreien im weiten Rund ihr Team nach vorne. Die halbe Welt hockt am Fernsehgerät und verliert sich in apathisch erscheinendem Zittern.
Der Flügelmann wühlt sich bis zur Eckfahne durch, schlägt einen eleganten Haken und flankt den Ball in den Strafraum. Der Stürmer löst sich von seinem Gegenspieler, richtet sich auf, steigt zum Kopfball hoch und erwischt den Ball mustergültig mit der Stirn. In hohem Bogen segelt das Leder...der Mann im ausgewaschenen Jogginganzug vergisst vor Schreck den Schokoriegel zu kauen und hofft auf die Stärke des Torwarts. 90. Minute. 0:0. Wenn dieser Balls ins Tor segeln würde, wäre das Spiel verloren. Welchen Sinn macht sein Leben dann noch?
Der Junge hört auf, sich die Zähne zu putzen. Den muss der Keeper doch haben. Er denkt an sein Date, ihre blonden Haare, ihr süßes Lächeln. Er denkt an eine Niederlage und schon sind ihre Haare grau und das Lächeln mürbe. Nein, im Falle einer Pleite kann er unmöglich einem Date nachkommen.
Die Frau lässt den Löffel im Brei stecken und analysiert die Situation. Kaum Aussichten auf Abwehren des Balles, aber der Torhüter ist bekannt für seine großartigen Reflexe. Warum soll sie das Baby noch füttern, wenn der Ball im Tor landet?
Der Blick des Bauers klebt auf dem kleinen Fernseher im Stroh. Die Hände lassen vom Euter der ungeduldigen Kuh ab. Der würde doch etwa nicht...erschreckt verwirft er den grausamen Gedanken an den Supergau. Aber mal im Ernst: Verpflichtet eine Niederlage ihn dazu die Kühe weiterzumelken?
Er steht am Rande der Brücke und blickt durch die Fensterscheiben der Kneipe auf den Fernseher. Unter ihm grinst der Tod. Ein Versagen seines Teams kann nur eines bedeuten.
Der Familie steht das Entsetzen bereits ins Gesicht geschrieben. Der Vater verschluckt nervös seine glimmende Zigarette. Die übrigen erwarten ihr Schicksal voller Tapferkeit, obwohl oder gerade deshalb, weil sie wissen, wozu der Hausherr bei einer Niederlage fähig ist: Na denn, gute Nacht.
Der Ball schlägt ein wie eine Bombe. Am nächsten Tag findet man zwei tote Männer, ein am Boden zerstörtes Mädchen, ein verhungertes Kind, achtzehn eutergeplatzte Kühe und eine blutgebadete Familie. Ein Plakat verkündet gut sichtbar: Sport fördert die Gesundheit.

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