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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Muhammad
Eingestellt am 14. 06. 2016 09:59


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Benni
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Es ist Markttag in Mekka, auf den Straßen herrscht wuseliges Treiben. Tausende sind unterwegs, drängeln sich dicht an dicht die Stände entlang. Man hört Kinder lachen, Frauen schnattern und Männer grölen. In der Luft liegt ein strenger Geruch, eine Mischung aus herrlich duftenden Gewürzen, Tierexkrementen und stinkendem Fisch, der in der prallen Mittagssonne vor sich hin fault. Ein verirrtes Schwein stößt wild grunzend gegen das Tischbein vom Obststand. Der Tisch bricht zusammen, dutzende Melonen rollen in alle Richtungen davon. Der Händler glotzt zunächst ungläubig, doch schon im nächsten Moment sieht man ihn laut fluchend hinter dem schrill quiekenden Schwein herjagen. Umher stehende Juden rümpfen die Nase. Von den Nachbarständen ertönt schadenfreudiges Gelächter.
„Tomaten, hier gibt’s frische Tomaten!“ versucht ein Gemüsehändler die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken.
„Frisch?“, ruft der Gemüsehändler von Stand gegenüber, „diese runzeligen Dinger? Die stinken bis hier hin!“
„Was hier stinkt ist dein Atem!“, schallt es zurück, „hast dir vom eigenen verfaulten Gemüse den Magen verdorben!“
„Ach ja, verfaultes Gemüse? Dann probier` doch mal!“
Der Gemüsehändler wirft eine Tomate, die treffsicher im Gesicht des rüpelnden Standnachbarn landet. Dieser nimmt die Einladung gerne an und antwortet mit einem Auberginenhagel, begleitet von allerlei unschönen Verwünschungen. Unschuldige Passanten, die das Pech haben, sich gerade jetzt zwischen den beiden Ständen hindurch zu schlängeln, finden sich plötzlich in einer Gemüseschlacht wieder. Tomaten schlagen ein und besudeln die hübsch weißen Gewänder. Den größten Pechvögeln knallt eine ausgewachsene Papaya gegen die Stirn. Zum Obst und Gemüse mischt sich fauler Fisch, den der Fischhändler auf diese Weise endlich loswerden will, da er den Gestank selbst kaum noch aushält. Die Menge treibt fluchtartig auseinander. Weinende Kinder werden von meckernden Ziegen umgerissen, diese wiederum von meckernden Männern, wobei die meckernden Männer reihenweise auf den glatten Fischen ausrutschen und dabei laut stöhnend zu Boden krachen.

***

Ein paar Ecken entfernt geht es nicht weniger triebig zu. Eine bunte Schar langbärtiger Gelehrter hat sich im Schatten eines Olivenbaums versammelt, um lauthals miteinander zu disputieren. Mitten drin ein Mann namens Muhammad.
„Ihr mit euren Steingöttern und Quellgöttern“, schimpft er „ihr seid verblendet, es kann nur einen Gott geben, und das ist Allah!“
„Du wagst es, unseren Glauben in den Dreck zu ziehen?“, schlägt es ihm mehrstimmig entgegen, „den Glauben unserer Väter und Vorväter? Wer bist du, dass du denkst, du könntest uns ungestraft beleidigen?“
„Ich bin ein Mann mit Verstand, und ich sage euch noch einmal, es gibt nur einen Gott!“
Jemand mit hochrotem Kopf will antworten, doch ein anderer ist schneller. „Recht hat er, es gibt nur einen Gott, und das ist Jesus!“
„Und das ist Jesus?“ empört sich Muhammad, „ein Gott, der essen, trinken und auf den Abort muss? Das ist Gotteslästerung!“
„So ja auch nicht“, erwidert der andere nun etwas kleinlaut, „kein Gott muss essen und trinken und schon gar nicht auf den Abort, er hat nur so getan als ob, eine Rolle gespielt!“
„So ein Quatsch!“ rufen gleichzeitig Muhammad und zu dessen Verwunderung auch ein Bischof in Amtsrobe, dem er neugierig den Vortritt lässt.
„Natürlich war Jesus auf dem Abort“, stellt dieser klar, „schließlich ist er nicht nur Gott, sondern auch Mensch, ein Halbgott, gezeugt von Gott Vater und der Gott Mutter Maria.“
Muhammad steht am Rande eines Schlaganfalls. „Gott Mutter Maria, jetzt habe ich aber endgültig genug!“
Noch ein anderer Disputant mischt sich ein. „Wehret dem Bösen!“, ruft er mystisch dreinblickend und in völliger Missachtung des vorausgehenden Dialogs. „Ich sage euch, Ahura Masda, der Wächter des Lichts, wird jeden vertilgen, der vom Bösen nicht lässt!“
„Du nennst uns böse?“ schreit nun einer aus der Stein- und Quellgötterfraktion, „na warte, dir zeig` ich, wer hier böse ist!“
Und während er noch redet, stürmt er auch schon auf den Mann los, der auf einmal gar nicht mehr mystisch dreinblickt, sondern eher etwas verstört, und verpasst ihm mit der Faust eins auf die Nase. Der Getroffene schwankt hin und her, findet aber schnell wieder ins Gleichgewicht, um nun seinerseits dem Angreifer eins überzubraten. Doch dieser duckt sich pfeilschnell weg, so dass die Faust nicht in seine Nase, sondern in die Nase des verdutzen Gnostikers dahinter einschlägt. Die anderen Christen eilen diesem zur Hilfe, dabei munter auf jeden einprügelnd, der sich ihnen in den Weg stellt. Es entwickelt sich eine derbe Schlägerei, an dessen Ende Muhammad so unglücklich an der Schläfe getroffen wird, dass er zur Seite weg kippt und benommen liegen bleibt. Das ganze Szenario wird von einem Jungen beobachtet, der anfänglich noch interessiert dem Disput lauscht, dann aber, als der Streit ins Uferlose ausartet, Zuflucht unter einem naheliegenden Tisch sucht. Von dort aus sieht er Muhammad wie tot im Staub liegen. Er sieht drei Männer, wie sie sich über den regungslosen Körper beugen. „Ergreift ihn!“ hört er den einen rufen. Hilflos muss er mit ansehen, wie sie Muhammad packen und wegschleifen. Er will hinterher, doch die Angst lähmt seine Beine.

***

Als Muhammad erwacht, findet er sich auf einem Bett in einem schlicht eingerichteten Zimmer wieder. Über sich entdeckt er das bärtige Gesicht eines Mannes mittleren Alters. Muhammad richtet sich auf. „Wo bin ich?“ Der Mann lächelt ihn an. „Ich weiß nicht, woran du dich erinnern kannst, aber zunächst einmal bist du in Sicherheit.“ Muhammad denkt nach. „Es gab Streit“, sagt er. „Wieder einmal“, fügt er hinzu. „Diese Ungläubigen, sie wollen nicht anerkennen, dass Gott Einer ist!“ Der Mann nickt. „Ich weiß, ich war dabei. Du hast deinen Standpunkt deutlich gemacht, kann man sagen, und bist am Ende dann doch eingeknickt.“ Das Lächeln verwandelt sich in ein breites Grinsen. Muhammad fasst sich an die Schläfe, er hat leichte Kopfschmerzen und wohl auch deswegen keinen Sinn für schlechte Scherze. Da er Gast in diesem Haus ist, lächelt er trotzdem.
„Wenn du dabei warst, auf welcher Seite stehst du?“, fragt er den Mann.
„Ich hoffe, und ich sage dies mit Furcht und Zittern, ich hoffe auf Gottes Seite.“
Muhammad wird hellhörig. „Dann glaubst du auch, dass Gott Einer ist?“
Der Mann steht auf, begibt sich zur Feuerstelle. „Ich mache Tee, willst du auch?“ Muhammad verneint. Der Mann setzt sich wieder hin, führt bedächtig die Teetasse zum Mund, pustet und nippt daran. „Ich glaube, dass Gott Liebe ist“, sagt er.
„Das habe ich schon einmal gehört“ erwidert Muhammad. „Von Christen. Bist du ein Christ?“
„Ich glaube an den Christus, ja.“
„Dann bist du einer von diesen Polytheisten und glaubst, dass Jesus ein Gott war? Gezeugt von Maria und...ich will es gar nicht aussprechen.“
„Ich glaube an den Gott der Liebe“, wiederholt der Mann, „an den unendlich großen Gott der Liebe. Aber wenn Gott uns liebt, die wir endlich und klein sind, und Liebe doch immer die Nähe des Geliebten sucht, muss Gott dann nicht selbst endlich und klein werden?“
„Aber Gott ist mir doch nah, er ist mir näher als meine Halsschlagader“, betont Muhammad.
„Und doch bleibt er der ewig Andere, der Unfassbare und damit immer auch der Fremde.“
Muhammad wirkt nachdenklich. „Dass aber Gott zum Menschen wird, dass der Unendliche endlich wird, das ist doch paradox, das ist doch mit dem Verstand gar nicht zu begreifen!“
Der Mann nickt zustimmend. „Und daher auch die vielen Legenden, dass Maria eine Göttin ist, dass Jesus nicht wirklich Mensch war, nicht wirklich gegessen und getrunken hat; die Menschen wollen verstehen, und wenn sie etwas nicht verstehen, dann legen sie es sich zurecht, zerlegen es in kleine Happen, die zwar bekömmlich sind, aber nicht satt machen.“
„Und dennoch weigere ich mich, einen Menschen Gott zu nennen“, sagt Muhammad mit fester Stimme. „Gott ist Gott, allmächtig und allwissend. Du willst doch nicht behaupten, dass Jesus allmächtig war?
Der Mann pustet und nippt ein weiteres Mal an der Tasse. „Den Dampf, den du siehst, kann man ihn Wasser nennen? Nein, Dampf ist Dampf. Und dennoch besteht beides, Wasser und Dampf, aus derselben Substanz. Wenn du mich also so fragst, dann sage ich, Jesus war genauso allmächtig wie ein Tropfen tief ist, und dennoch ist der Tropfen ein Teil vom Meer so wie Jesus ein Teil von Gott ist.“
Eine kleine Pause entsteht, der Mann trinkt seinen Tee, Muhammad starrt zum Fenster auf die StraĂźe hinaus.
„Die Menschen“, überlegt er laut, „sie sind so beschäftigt mit ihrem täglichen Treiben, so abgelenkt von den kleinen Dingen des Lebens, so voller Sorgen, dass sie das Große, das Göttliche überhaupt nicht wahrnehmen.
„Vielleicht deswegen“, sagt der Mann, „vielleicht wird Gott deswegen Mensch. Wenn der Mensch es nicht schafft, die Hand vom Pflug zu nehmen, dann legt Gott eben seine Hand an den Pflug. Was der Mensch alleine nicht schafft, das schaffen sie dann zusammen.“
Muhammad schaut vom Fenster weg, jetzt dem Mann tief und eindringlich in die Augen. „Ich danke dir, dass du mich aufgenommen hast. Ich danke dir für deine Worte, über manches werde ich nachdenken. Jetzt aber muss ich gehen. Raus aus Mekka. Ich bin diese Menschen überdrüssig. Ich bin die Stadt überdrüssig. Das Laute und Enge. Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel zu beginnen.“
Es sagt es und erhebt sich schwerfällig von seinem Platz. Das Becken schmerzt immer noch, aber das macht nichts. An der Tür umarmen sich die beiden Männer. Dann wünschen sie einander Frieden, bevor sich Muhammad im Schatten der Abendröte auf den Weg macht.

***

Als der Staub sich legt, kommt der Junge zögerlich aus seinem Versteck wieder hervor. Alle sind weg. Muhammad ist auch weg, verschleppt von bösen Männern. Der Junge kennt ihn schon lange, bewundert ihn und ist stolz darauf, denselben Namen zu tragen. Jeden Tag begibt sich der kleine Muhammad von nun an auf den Markt, um Ausschau nach dem verschollenen Namensvetter zu halten. Doch die Tage vergehen und mit den Tagen wächst die Gewissheit, dass er ihn niemals mehr wiedersehen wird. Im Laufe der Zeit wird aus dem Jungen ein Mann. Irgendwann zieht es ihn hinauf auf den Berg Hira. Als er wieder hinabsteigt, hält er eine Schriftrolle in der Hand.

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rothsten
???
Registriert: Jan 2015

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Servus Benni,

quote:
Es ist Markttag in Mekka, auf den Straßen herrscht wuseliges Treiben. Tausende sind unterwegs, drängeln sich dicht an dicht die Stände entlang. Man hört Kinder lachen, Frauen schnattern und Männer grölen. In der Luft liegt ein strenger Geruch, eine Mischung aus herrlich duftenden Gewürzen, Tierexkrementen und stinkendem Fisch, der in der prallen Mittagssonne vor sich hin fault.

Die Passage langweilt mich. Ich schriebe sie -mit ungefähr Deinen Worten- ungefähr so:

Tausende sind unterwegs, drängeln sich dicht an dicht die Stände entlang. Kinder lachen, Frauen schnattern und Männer grölen. Hier stinkt es nach Tier und faulem Fisch, dazwischen riecht es nach Zimt, nach Kümmel und Knoblauch. Es ist Mittag. Die Sonne steht hoch auf dem Markt in Mekka.

Kein Meistwerk von mir, aber merkst Du den Unterschied, und worauf ich hinaus will?

Was dann jedoch folgt, ist eher eine Beschreibung aus dem Reich der Fantasie. Es mag auf den Märkten Mekkas heiß und hoch hergehen, doch warum

- läuft im Heiligtum der Muslime ein Schwein rum?
- laufen im Heiligtum der Muslime Juden rum?
- schmeißen Händler, die man getrost zu den geschäftstüchtigsten zählen darf, mit ihren Waren umher?

Sorry, aber in Saudi-Arabien mag man Tom & Jerry wohl eher nicht. Das ist eine wenig plausible Szene.

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quote:
Ein paar Ecken entfernt geht es nicht weniger triebig zu. Eine bunte Schar langbärtiger Gelehrter hat sich im Schatten eines Olivenbaums versammelt, um lauthals miteinander zu disputieren. Mitten drin ein Mann namens Muhammad.

Dein Text hätte eine Chance, wenn er diese Stereotypen aufs Korn nähme. Aber ich fürchte, du meinst es bitter ernst.

quote:
Muhammad steht am Rande eines Schlaganfalls.

Wer sich aufregt, bekommt vielleicht einen Herzinfarkt, aber sicher keinen Schlaganfall. Macht nix, Genauigkeiten sind was fĂĽr StĂĽmper.

quote:
Noch ein anderer Disputant mischt sich ein. „Wehret dem Bösen!“, ruft er mystisch dreinblickend und in völliger Missachtung des vorausgehenden Dialogs

Das ist gestelzt. Und wie bitte muss ich mir als Leser "mytisches Dreinblicken" vorstellen? Das musst doch DU als Schreiber darstellen! Das ist tote Sprache ...

Und:
Warum ĂĽberhaupt diskutieren in Mekka (!) christliche/jĂĽdiche Geistliche mit Muslimen?

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quote:
Muhammad denkt nach. „Es gab Streit“, sagt er. „Wieder einmal“, fügt er hinzu. „Diese Ungläubigen, sie wollen nicht anerkennen, dass Gott Einer ist!“ Der Mann nickt. „Ich weiß, ich war dabei. Du hast deinen Standpunkt deutlich gemacht, kann man sagen, und bist am Ende dann doch eingeknickt.

Warum ist er eingeknickt? Er wurde doch bewusstlos geschlagen ... Sorry, aber das ist Käse.


Insgesamt sind die Dialoge viel zu gestelzt - so redet kein Mensch, auch keine Geistlichen in Mekka. Der Text will eine Botschaft vermitteln: alle drei monotheistische Religionen wurzeln auf dem selben Fuß, also habt euch alle lieb; aber er scheitert grandios. Es ist nicht mehr als ein Wunschdenken, bar jeglicher Realität. Brauchbare Literatur hätte hier vielleicht ein winziges Detail aufgenommen, nur eine Kleinigkeit auf dem Markt und anhand dessen die große Bedeutung aufgezeigt. Das hätte mehr Wirkung als dieses Theater mit Darstellern, die so nie aufeinander träfen und sich sicherlich niemals derart stereotyp verhielten. Die Welt ist -gottlob!- bunter!

Alles viel zu dick aufgetragen, alles unplausibel, alles nix.

Sorry fĂĽr meine Deutlichkeit, aber Deinen Text halte ich fĂĽr beinahe grotesk.

lg

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