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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Murr' s Vermächtnis
Eingestellt am 10. 04. 2011 03:16


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Nachtigall
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Murr‘ s Vermächtnis

Angestrengt studierte ich die Anweisung auf dem Kübel mit Wandfarbe als mich ein freundliches hallo zusammenfahren ließ. „Ach, auch am renovieren“ fragte ich immer noch geistesabwesend und etwas zu laut zurück. Georg, mein Nachbar lachte fröhlich. „Nein, nein, nur das Übliche, was man halt so braucht als dauernd beschäftigter Heimwerker“. Georg betrieb eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Da gab es immer etwas zu richten und zu reparieren. Beruflich arbeitete er im Finanzamt der nahen Stadt. Neugierig starrte ich in seinen Einkaufswagen. Er musste unter einer wahren Mäuseplage leiden. „Mein Gott, wie viele Mausefallen sind das denn?“ fragte ich ihn fassungslos. „Ich kaufe sie zwanziger Weise“, meinte Georg. „Sie verschwinden einfach immer, lösen sich sozusagen in Luft auf“.
Etwas verlegen schwieg ich. Mein schlechtes Gewissen plagte mich plötzlich. Natürlich hätte ich ihm sagen können, wer der Dieb war. Eilig und etwas verstört verabschiedete ich mich und lief schnell auf das nächste Regal zu.

Mein Kater Murr, ein fleißiger Mäusefänger, war in die Jahre gekommen und vom Jäger zum Wilderer mutiert. Wenn er mit stolz erhobenem Kopf seine Maus anschleppte, an der noch die Falle baumelte und er sie mir mit einem kleinen Brummlaut vor die Füße legte, dann mochte ich ihn besonders gern. Er war eben ein echter Kerl, der sich zu helfen wusste. Nachdem ich die Maus aus der Falle genommen hatte, verspeiste er sie immer mit Wonne. Sie war meistens noch warm. Es liegt die Vermutung nahe, dass Murr die ausgelegten Fallen des anderen Jägers immer besonders gut im Auge hatte. Schnappte eine Falle zu, war er zur Stelle.
Da ich nicht wusste, wer dieser eifrige Fallensteller war, sammelte ich die Mordinstrumente in einem Pappkarton. 167 Fallen hat Murr im Laufe der Jahre nach Hause gebracht.
Vor acht Tagen ist dann mein Murr einfach für immer eingeschlafen. Ich habe ihn standesgemäß beerdigt. Sein Vermächtnis, die 167 fast neuwertigen Mausefallen, kann ich Georg schon aus Solidarität zu Murr nicht aushändigen. Er wird wohl auch keine seiner neuen Fallen mehr einbüßen.

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Die Schönheit erklärt man nicht, man empfindet sie (Peter Rosegger).

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