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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Musik
Eingestellt am 19. 10. 2011 21:35


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FrankS
Hobbydichter
Registriert: Oct 2011

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Fröhliche Lieder verabscheue ich nicht deshalb, weil ich Trauer der Freude, das Negative dem Positiven, die Resignation der Vorfreude auf die Erfüllung eines Wunsches vorziehe, sondern weil ich traurige, düstere, dunkle Musik für ehrlicher halte. Es gibt gewisse Kreise, in denen man gefälligst die Mundwinkel nach unten zu ziehen und sich dem Tod hingezogen zu fühlen hat. Das ist ein noch größeres Affentheater als das dumme Hüpfen und Gröhlen auf Ü30-Partys, wo keine Musik primitiv genug ist, wo jeder ernsthafte, persönliche, emotional ehrliche Gedanke so weit von sich zu halten ist wie die Mongolen im Mittelalter. Scheinoptimistischer Stumpfsinn – eine Kombination aus Selbstverarschung und Gefühlsdeprivation – gilt als Maßstab für psychische Gesundheit. Wie eklig! Und den Nächsten, der mich auf einer Feier zum Lächeln auffordert, bringe ich auf taktile Weise zum Weinen, versprochen.
Sie werden es kaum glauben: heute ist einer meiner guten Tage. An den meisten ist mein Bett mein einziger Freund, alle und alles andere sind Feinde. An diesen Tagen sehe ich noch etwas klarer als jetzt. Unter anderem, dass meine Gedanken in Papierform zu bringen mein Energie- und Zeitbudget nutzlos leert. Heute mache ich mich der Selbstverarschung schuldig. Zudem höre ich gerade Musik, die eher Sonnenschein als Gewitter repräsentiert. Am liebsten mag ich übrigens den Sonnenschein direkt nach dem Gewitter. Auch in der Musik.
Seit dem Alter von 16 hielt ich mich für einen überaus begabten Gitarristen. Tatsächlich war ich bald schon schneller auf der Gitarre als die Möchtegerns Eric Clapton und Slash, und meine Freunde lobten das, was sie von mir hörten. Eine Nachbarin sagte einmal „Das meiste, was du spielst, ist sehr gut. Manches aber auch schräg!“. Sie meinte sicherlich Experimente, die richtige Musiker nun mal durchführen. Dachte ich damals. Außerdem haben meine Mitmenschen – und damit meine ich einen Großteil der ganzen Welt - einen ärgerlich niedrigen Grad von Musikverständnis.
Heute sehe ich das folgendermaßen: ich habe damals schräg gespielt und mein selbstgebauter Verzerrer war eine Katastrophe. Die musikalische Legasthenie meiner näher bekannten Mitmenschen kam mir damals zugute, denn wenn sie so kritisch wären wie heutzutage der Internetpöbel selbst zu den besten der besten Opernsänger der Welt, dann hätte ich zehn Minuten gespielt, danach zwei Tage geheult und danach nie mehr Töne erzeugt. Seit einigen Jahren bemühe ich mich, singen zu lernen. Ich sage dazu nur: im Singen zeige ich noch weit weniger Talent als im Gitarrespielen. Die Lernfähigkeit nimmt mit dem Alter auch nicht gerade zu.
Genug davon. Ich bin in einer unseligen Lage: Fast jede Musik scheint mir schal. Jahrzehntelang konnte ich mich darauf verlassen, dass mich Musik mit elektrischen Gitarren, Anspruch und etwas Innovation zumindest beim Autofahren unterhält. Sogar elektronische Musik hörte ich mir der Abwechslung halber einige Zeit lang an, obwohl ich ihrer früheren Beliebtheit zufolge ein ganzes Jahrzehnt musikalisch verabscheue. Na stellen Sie sich vor, sie üben jeden Tag – wenn auch schräg, so doch eifrig - für Stunden Tonleitern und schwere Lieder und werden mit der Tatsache konfrontiert, dass gewisse Neandertaler mit den Worten „Ice, ice, Baby“ oder „Uh, can’t touch this“ Millionen verdienen.
Jedes Wochenende gab ich Geld aus, um in Discos hereingelassen zu werden, in denen diese Musik gespielt wird. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist das folgendes: Frauen lassen uns Männer wirklich dumme Sachen tun und unsere Vorsätze so schnell vergessen wie eventuell folgende Jubiläumsdaten. Und in dem Alter wurde ich dafür nicht mal mit Sex belohnt! Aber das ist eine andere Geschichte.

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