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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Mutmaßungen über die Zukunft des Menschen
Eingestellt am 18. 05. 2008 11:47


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Heiden Steffen
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2007

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Mutmaßungen über die Zukunft des Menschen

Die einfachste Lösung der Zukunftsfrage lasse ich einmal weg: Dass die Menschheit verschwindet, ohne überhaupt eine Zukunft zu haben – entweder durch kosmische Einwirkung oder durch eigene Dummheit. Nach den Maßstäben des Universums wäre das nichts Besonderes, wohl kaum eine Fußnote in der Geschichte des Weltalls wert.
Aber was passiert mit dem Menschen, wenn er doch eine Zukunft hat? Ich meine nicht morgen oder in hundert Jahren, sondern auf lange Sicht. Mir geht es auch nicht um die Zukunft der Freizeit oder ähnliche Themen der sogenannten Zukunftsforscher. Ich frage mich: Was würde ein Beobachter von außerhalb sehen, der die Geschichte der Erde von Anfang an mitverfolgt hat? Wohin geht die Reise, die vor Milliarden Jahren begonnen hat?

Die Vergangenheit unserer Zukunft
Wenn wir auf die Erdgeschichte zurückblicken, dann haben einige Milliarden Jahre lang ausschließlich physikalische und chemische Gesetze bestimmt, was auf der Erde passierte. Dann gab es einige Milliarden Jahre, in denen das Leben sich entwickelte. Jetzt gab es auch biologische Gesetze, vor allem die Gesetze der Evolution.
Nach diesen beiden Phasen, die heute unendlich lang erscheinen, gibt es nun seit vergleichsweise kurzer Zeit eine dritte Phase. Es gibt ein neues Gesetz auf der Erde. Und dieses Gesetz wird durch den menschlichen Geist bestimmt. Dieser löst die bisher gültigen Gesetze nicht ab, er lässt sie für sich arbeiten. Er setzt sie für seine eigenen Ziele ein und bestimmt auf diese Art, was auf der Welt geschieht.
Er nutzt die Gesetze der Kernspaltung, um Atomstrom zu gewinnen. Er nutzt die Gesetze der Schwerkraft, um zum Mond zu fliegen und die Gesetze der Genetik, um Schafe zu klonen. Dinge, die es nie vorher auf der Erde gab, auf welche die Natur selbst nie gekommen wäre.
Wir können die Geschichte des Menschen als eine Geschichte des Kampfes gegen die Natur betrachten. Schon die frühesten Menschen waren nicht zufrieden mit dem, was die Natur ihnen gab. Sie waren nicht mit der Kraft ihrer Arme zufrieden, sie bauten sich Waffen und Werkzeuge. Sie waren nicht mit ihrer Haut zufrieden und erfanden die Kleidung. Sie waren nicht mit dem Klima zufrieden und bändigten das Feuer, um sich daran zu wärmen.
Sie zwangen der Natur ihren Willen auf. Und das ohne Rücksicht auf Verluste: Wo immer die frühen Menschen mit ihren Waffen und „hinterlistigen“ Jagdmethoden hinkamen, sah es schlecht aus für die Großtiere. Sie wurden reihenweise ausgerottet, wenn die Menschen kamen.
Später griffen sie auch in die biologischen Abläufe ein, für die eigentlich die Evolution zuständig war. Sie züchteten Pflanzen und Tiere, welche die Natur allein nicht hervorgebracht hätte.
Und so ging es weiter, bis zu Atombombe und Antibabypille, bis zu Wolkenkratzern und Raumschiffen. Im Vergleich mit den gemächlichen Fortschritten der Evolution ging und geht diese Entwicklung in einer geradezu irrwitzigen Beschleunigung voran. Was allein in den letzten 500 Jahren geschah – eine Zeit, in der die Evolution am Menschen nichts Erkennbares mehr zustande brachte, der Mensch aber den gesamten Erdball mit seiner modernen Zivilisation überzog.


Die Zukunft unserer Vergangenheit
Wer auf eine solche Vergangenheit zurückschauen kann, der braucht an der Zukunft nicht zu zweifeln: Der Kampf gegen die Natur wird weitergehen. Die Fronten dieses Kampfes werden überall dort sein, wo wir heute noch sagen, die Natur sei stärker als der Mensch. Taifune und Tsunamis, Vulkanausbrüche und Erdbeben, Dürren und Überflutungen – der Mensch wird versuchen, sie in den Griff zu bekommen.
Wir können gespannt sein, wie lange es dauern wird, bis unsere Nachfahren das Wetter, die Meeresströmungen und die Tektonik der Erde in ihrem Sinne umgestaltet haben. Bisher haben wir ja eher unbeabsichtigte Wirkungen wie das Ozonloch oder die globale Erwärmung geschafft. Aber nicht wenige Techniken sind aus der Beobachtung solcher negativen Wirkungen entstanden. Das wird wohl auch hier so sein.
Eine andere Front, an der schon viele Siege erzielt wurden, ist der Kampf gegen Krankheiten. Gegen die Malaria, an der jedes Jahr Millionen sterben, und auch gegen Aids kämpft der Mensch schon einige Zeit – bisher weitgehend vergebens. Aber wer wollte daran zweifeln, dass diese Krankheiten – wie auch andere - eines Tages besiegt werden?
Die heute wichtigste Front aber ist der Eingriff in die genetischen Bedingungen, die durch die Evolution geschaffen wurden, ob es nun um unsere Nahrungsmittel oder um den Menschen selbst geht.
Die Herrschaft über die Gene ist die logische nächste Stufe des Kampfes gegen die Natur. Pflanzen und Tiere werden so wachsen, wie der Mensch es will. Schon heute essen wir fast nur Nahrungsmittel, die der Mensch durch Züchtung geschaffen hat. Mit dem Angebot der Natur könnten wir gar nicht mehr überleben. Es ist nur folgerichtig, dass der Mensch diesen Weg nun mit noch wirksameren, eben genetischen Methoden fortsetzt.
Wie viele andere bevorzuge auch ich biologisch gewachsene Nahrungsmittel, aber ich bin mir sicher, dass diese keine Zukunft haben – allenfalls in landwirtschaftlichen Museen. Unsere Nachkommen werden von Nahrungsmitteln leben, die mit den Pflanzen und Tieren der Natur nicht mehr viel zu tun haben.
Mag sein, dass sich manche dagegen wehren und dass es soziale Konflikte gibt, mag sein, dass die alten Methoden noch Jahrhunderte daneben existieren. Aber die Bedenken einzelner Gruppen konnten in der Vergangenheit die Entwicklung nie dauerhaft aufhalten. Und das wird in der Zukunft nicht anders sein. Heute mag es uns wegen der laufenden ethischen Debatten so vorkommen, als sei die Zukunft der Gentechnik noch offen. Spätere Generationen werden darüber nur noch lächeln.
Die dritte Phase der Erdgeschichte nach der physikalischen und der biologischen wird durch den Menschen zu einer technischen Phase - nach der griechischen Ursprungsbedeutung zu einer „künstlichen“, eben nicht „natürlichen“ Phase.
Die technische Phase unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der bisherigen Erdgeschichte. Technik ist immer auf einen Zweck, auf ein Ziel ausgerichtet, d.h. sie funktioniert so, wie sich die frühen Menschen die Erdgeschichte vorgestellt haben: als ein planvolles Handeln des Schöpfers. Nur dass eben der Mensch die Ziele setzt.
Das Ziel der Umgestaltung unserer Welt ist allerdings eher banal. Es geht eigentlich nur um eins: Die Erde soll dem Menschen angepasst werden. Alles, was uns gefährlich werden kann, soll getilgt, alles, was unserem Wohlleben dient, gefördert werden. Na gut, man kann es auch edler ausdrücken. Das Ziel könnte heißen: Einrichtung einer humanen Welt. Das klingt deutlich besser, aber auch undeutlich wolkig.

Aggression als Treibsatz
Was treibt die Menschen so an? Warum wird der Machtkampf gegen die Natur weitergehen? Warum leben wir nicht friedlich mit der Natur zusammen, wie es ja einzelne Minderheiten getan haben, die Aborigines in Australien sogar über Zigtausende von Jahren?
Hand aufs Herz: Wie halten Sie’s denn damit? Würden Sie gern tagein, tagaus Beeren sammeln und Wurzeln auskratzen? Und abends in eine dunkle Höhle kriechen? Wohl kaum! Sie wollen es schon bequemer und komfortabler haben! Sie wollen mehr vom Leben haben! Sie wollen Ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen! Sie wollen etwas „Sinnvolles“ tun! Sie wollen weiterkommen!
Sehen Sie! So sind wir Menschen! Diese Unrast, dieser Eigenwille, dieser Angriffsgeist. Das ist unser Erbteil, seit wir aus dem „Paradies“ des instinktgesteuerten Lebens verstoßen wurden oder ausgebrochen sind.
Schon unsere Primaten-Vorfahren waren keine Waisenkinder, was den Aggressionstrieb anging. Aber beim Menschen verbindet sich die Aggression mit intelligentem Verhalten. Die Entdeckung des Ich und der unerbittliche Durchsetzungswille hängen zusammen. Das können wir an Kindern beobachten: Kaum dass sie ein Bewusstsein ihrer Person entwickeln, geht es auch schon los mit den Trotz-Phasen, in denen sie ihren Willen geradezu krankhaft durchsetzen wollen.
Niemals hätten unsere Primaten-Vorfahren, nachdem sie in den Savannen zurechtkommen mussten, mit all ihren körperlichen Nachteilen überlebt, wenn sie nicht eine Extraportion Aggression gehabt hätten. Und nie wären sie in der Lage gewesen, in alle Erdteile vorzudringen. Dazu war ein Durchsetzungswille und Unternehmungsgeist notwendig, der schon damals einzigartig unter allen Lebewesen war.
Aber das war ja nur der Anfang. Die Evolution hatte seit dem ersten Auftauchen von Waffen 2 Millionen Jahre Zeit, den Aggressionstrieb unserer Vorfahren weiter zu schärfen. Selbst Konrad Lorenz, der die biologischen Funktionen der Aggression heftig verteidigte, nannte den menschlichen Aggressionstrieb „hypertroph“ – über alles Maß hinausgewachsen.
Das maßlose Aggressionspotential können wir an den tausenden von Kriegen der Menschen gegeneinander ablesen. Eine unter allen Lebewesen beispiellose Aggressionsorgie!
Die Kraft der Aggression wird nicht nur im Krieg wirksam, sondern überall, wo wir unseren Willen durchsetzen wollen, wo wir nach Macht über andere oder über unsere Umwelt streben. Auch die Antriebe von Wissenschaft und Kunst wachsen nach Freud aus Aggression.
Der Aggressionstrieb sorgt dafür, dass der Mensch keine Ruhe geben kann. Auch wenn er seinen Hunger und Durst und sämtliche anderen körperlichen Bedürfnisse gestillt hat, treibt es ihn um. Ein Löwe ist aggressiv, wenn er Hunger hat oder Hunger nach Sex. Danach legt er sich auf die faule Haut. Zugegeben, das tun wir alle auch mal ganz gern. Aber aufs Ganze gesehen, lässt sich der Mensch so leicht nicht ruhigstellen. Seine Aktivität, sein Angriffsgeist sind unabhängig von Hunger und Durst.
So etwas wie das letzte Gefecht im Machtkampf der Menschen betrifft die Natur in uns selbst. Denn mit den natürlichen Bedingungen unseres Lebens sind wir in vielen Bereichen auch nicht zufrieden. Schmerzen, körperliche Unzulänglichkeiten, die Gebresten des Alters – wieso sollten wir uns das alles von der Natur aufzwingen lassen? Der Kampf dagegen hat schon vor langer Zeit begonnen. Schon die alten Ägypter und die Inkas haben Gehirnoperationen ausgeführt.
Aber es ist offensichtlich, dass die Verbesserung der Natur am menschlichen Körper in eine neue Phase getreten ist. Zunehmend werden künstliche Teile wie Zähne, Knochen, Gelenke, auch schon Herzen eingebaut. An der sogenannten Schönheit wird nach Belieben herumgebastelt. Die Entscheidungen der Natur über neues Leben werden nicht mehr anerkannt. Wo eine Geburt nicht erwünscht ist, wird sie verhindert, wo Zeugung und Geburt auf natürliche Weise nicht zustande kommen, werden sie künstlich herbeigeführt. Dass Babys nicht mit Behinderungen auf die Welt kommen, dafür beginnt sich ein Rechtsanspruch durchzusetzen.

Die letzte Grenze
Und dennoch sind dies alles nur erste Schritte. Späteren Zeiten wird diese Phase so urig vorkommen wie uns die mittelalterliche Vollnarkose mit dem Holzhammer. Denn der Mensch wird wachsen lassen, was er an neuen Teilen braucht. Dies ist die Logik der Herrschaft über die biologischen Gesetze. Als Nachfolger der Evolution, als Herr der Gene wird der Mensch bestimmen, welche Zellen wann, wo und wie wachsen. Das wunschgemäße Funktionieren des Körpers wird menschlicher Macht unterworfen werden.
Damit gerät auch die letzte Grenze, nämlich der Tod, ins Visier des Kampfes gegen die Natur. Seit er sich seiner selbst bewusst wurde, kommt der Mensch mit seinem sicheren Tod nicht zurecht. Lange Zeit hat er ihn als Eingang in ein besseres Leben im Jenseits verklärt und damit für sich erträglich gemacht.
Nachdem diese Trost-Konstruktion immer brüchiger wird, liegt der Grund-Widerspruch des menschlichen Lebens offen zutage. Denn der Mensch lebt in zwei Welten, die nicht zusammenpassen: Einerseits ist er ein biologisches, andrerseits ein geistiges Wesen. Einerseits ist er dem Gesetz der Natur unterworfen, wird alt und muss sterben. In seinem anderen Leben, in der Welt des Geistes gibt es kein Sterben. Gedanken und Ideen, die Werke von Kunst und Wissenschaft sind den biologischen Gesetzen nicht unterworfen. Die Welt des Geistes ist nicht sterblich.
Das Ich-Bewusstsein des Menschen gehört der geistigen Sphäre an. Deshalb empfindet der Mensch den Tod seines Bewusstseins als einen ewigen Widerspruch. Er wird dagegen anrennen, solange er der ist, der er heute ist. In gewisser Weise ist dies die Entscheidungsschlacht in seinem Kampf. Und sie hat begonnen mit den genetischen Manipulationen rund um das menschliche Erbgut.
Es gibt weltweit schon Forschungen, welche die genetischen Programme des Alterns entschlüsseln wollen, um sie außer Kraft zu setzen. Ob es dabei um Unsterblichkeit geht oder „nur“ darum, dass die Menschen ihre Lebensdauer selbst bestimmen können, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist, dass der Mensch anscheinend unausweichlich in diese Richtung getrieben wird.
All die uralten Diskussionen über eine Ablösung von Gott, über Hybris und Allmachtsphantasien werden wieder lebendig bei dieser Zukunftsvision. Der Mensch akzeptiert sich endgültig nicht mehr als Geschöpf, er will selber Schöpfer sein – genau das, was Adam und Eva schon in der Bibel vorgeworfen wird.
Der Himmel weiß, wohin das alles führen soll. Der Himmel? Nein, niemand weiß es.




Version vom 18. 05. 2008 11:47

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Thys
Guest
Registriert: Not Yet

Naja Heiden Steffen,

ganz hübsche Geschichte. Leider nur krankt sie an der
üblichen menschlichen Selbstüber- und Falscheinschätzung.
Um auf den ganzen Text detailliert einzugehen, fehlt mir
Zeit und Lust. Deswegen greife ich hier nur einige
Bruchstücke raus, die mir besonders ins Auge stechen.

Menschheit wird so oder so verschwinden, wie wir Menschheit
heute "sehen". Was wir hier haben, ist ein Schnappschuss,
ein temporärer Blick auf die Entwicklungsgeschichtes eines
biologischen Wesens, dass sich über Millionen von Jahren
entwickelt hat. Und dieses Wesen wird und kann sich
niemals, im Gegensatz zu dem was Du da schreibst, der
Evolution entziehen. Und da das so ist, wird, falls
Homo Infantilis sich nicht selbst ausrottet oder ausgerottet
wird, in einer Million Jahre nichts mehr vorhanden sein von
dem, was an Homo Infantilis Stand 2008 erinnert. Dieses
biologische Wesen verändert sich ständig und stetig. Der
einzige Grund, warum Homo sich als eine feste Größe
betrachtet, ist seine extrem kurze Lebensdauer und noch
sein extrem kürzerer Horizont im Vergleich zu der
verändernden Geschwindigkeit der Evolution.


Was allein in den letzten 500 Jahren geschah – eine Zeit,
in der die Evolution am Menschen rein gar nichts mehr
zustande brachte


Das ist Quatsch. Evolution wirkt immer. Wenn Dein zeitliches
und wahrnehmungstechnisches Auflösungsvermögen nicht
ausreicht um eine Änderung wahrzunehmen heißt das nicht,
dass keine Änderung vorhanden ist. Homo Infantilis scheint
schon seit 130.000 Jahren quasi stabil zu sein. Seit der Zeit
bezeichnt sich der Primat nämlich selber fälschlicherweise
als Homo Sapiens. Davor war der Homo habilis. So, und wenn
die Evolution so gemächlich vor sich hinarbeitet, dass der
gute Homo geschlagene 130.000 Jahre quasi stabil erscheint,
dann sind die wahrnehmbaren Veränderungen in 500 Jahren
mehr als nur marginal. Die Uhr läuft trotdem, obwohl ich dem
Zeiger bei kurzem hinsehen keine Bewegung ansehen kann.

Zu den Gesetzen:

Es bestimmen keine Gesetzte hauptsächlich eine Zeit lang
und dann plötzlich bestimmern andere Gesetze. Gesetze sind
vorhanden und wirken immer und gleichermaßen. Chemische
und pysikalische Gestzmäßgkeiten gelten und wirken heute
genau so wie zu Zeiten der Dinos und zu den Zeiten, als
die Erde noch ein glühender Feuerball war. Und mehr noch:
Die galten und wirkten schon, als die Erde noch gar nicht
war. Alle Gesetze, egal ob von Homo erkannt oder nicht
erkannt, sind einfach vorhanden und wirken. Sonst wären es
keine Gestze.


Zeit eine dritte Phase. Es gibt ein neues Gesetz auf der
Erde. Und dieses Gesetz wird durch den menschlichen Geist
bestimmt. Dieser löst die bisher gültigen Gesetze nicht ab,
er lässt sie für sich arbeiten.


Auch das ist Quatsch. Die mehr oder weniger sinnvolle und
geschickte Anwendung von erkannten Gesetzen ist kein neues
Gesetz. Es ist nur die Anwendung eines Gesetzes eben.
Wenn der Polizist die Gesetze der StVo anwendet, schafft
er dadurch kein neues Gesetz. Der menschliche Geist kann
keine Naturgesetze erschaffen oder verändern.


Wir können die Geschichte des Menschen als eine Geschichte
des Kampfes gegen die Natur betrachten.

Jo, genau. Und deswegen können wir hier eigentlich auch
schon aufhören, weil sich Dein Text darauf weiter aufbaut.
Genau, weil dieser Primat meint gegen die Natur kämpfen zu
müssen, darf man ihn auch nur als Homo Infantilis bezeichnen.
Das ist nämlich der größte Unsinn, dem er überhaupt
verfallen kann. Und sollte er nicht irgendwann mal nur so
eine kleine Ahnung, einen kleinen Hauch von Intelligenz in
sein Hirn eingeblasen bekommen, dann wird die Evolution sich
wirklich nicht mehr mit ihm beschäftigen, weil er nicht
mehr ist. Was bedeutet das denn, gegen die Natur zu kämpfen?
Das bedeutet, dass er gegen sich selbst kämpft. Der Homo
Primat ist ein Teil der Natur, ist aus ihr entstanden und
ein Teil von ihr. Er muss ihr und den darin herrschenden
Gesetzmäßigkeiten gehorchen. Wenn er meint, dies nicht tun
zu müssen, dann kämpft er eben gegen sich selbst, gegen seine
eigenen Wurzeln und wird sich seinen eigenen Ast absägen.

Und was sagen wir dann? Hasta la vista, babe.

Soweit die heiligen Worte. Amen!

Thys

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jon
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Rein vom Handwerk her erscheint mir der Text viel zu ausufernd. Und zwar im Sinne von breitgelaufen: Vieles wird einfach nur (inhaltlich) wiederholt und wiederholt …
Der Fluss selbst wird dadurch nur breiter – nicht tief(sinniger) und nicht länger (kein wirkliches "Mutmaßen" über die Zukunft mit was-wäre-wenn-Konstrukten sondern eher ein sehr kurzes Extrapolieren heutiger populärer Ängste). Schade eigentlich.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Heiden Steffen
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Na ja Thys , zunächst wollte ich hier nicht antworten, weil mir Deine Kritik wenig auf Argumentation abgestellt schien. Was soll man gegen „Quatsch“ sagen?
Aber nun dann doch – und gerade zu den Quatsch-Stellen:
Mein Text: Was allein in den letzten 500 Jahren geschah – eine Zeit,
in der die Evolution am Menschen rein gar nichts mehr
zustande brachte
Dein Text: dann sind die wahrnehmbaren Veränderungen in 500 Jahren
mehr als nur marginal.
Eine Aussage davon soll also Quatsch sein! Vielleicht könntest Du der Leserschaft einfach einmal mitteilen, was die Evolution in den letzten 500 Jahren konkret beim Menschen zustande gebracht hat–und sei es nur eine klitzekleine Veränderung , die allerdings bei unserer Art allgemein eingetreten sein müsste. Mutationen, mit denen einzelne Individuen oder Gruppen herumlaufen, sind keine Evolution!

Mein Text: Dieser (der menschliche Geist) löst die bisher gültigen Gesetze nicht ab,
er lässt sie für sich arbeiten.
Dein Text: Es ist nur die Anwendung eines Gesetzes eben.
Eine Aussage davon soll also Quatsch sein! Ich weiß schon, Du stößt Dich an meiner Verwendung des Begriffes „Gesetz“. Aber dieser Begriff steht eben nicht nur für Naturgesetze, denk an „Gesetz des Handelns“, „Gesetz der Straße“ u.s.w. Ich sehe meinen Text als ein Spiel mit den verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Gesetz“, welches das Handeln der Menschen mit den Naturgesetzen in eine Linie bringt. Stell Dir vor, ich hätte geschrieben: „Es gibt eine neue Kraft auf der Erde“. Wie kraftlos!
Grüße, Heiden Steffen

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Thys
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Heiden Steffen,

ok, mit dem "Quatsch" gebe ich Dir Recht. Das war unnötig.
Ab und zu gehen auch mit mir mal die Pferdchen durch. Da
sieht man mal wieder: "Niemand ist perfekt!" Also
Entschuldigung wegen "Quatsch".

Also, zu den 500 Jahren Evolution. Was hat sich denn in den
129.500 Jahren vorher in der biologischen Evolution des
Menschen abgespielt? Da hatten wir nachweislich noch keine
modernen Gesellschaften, die die Effekte der Umwelt
abdämpften(!) Evolution oder besser gesagt, der Teilbestandteil
Mutation, ist ja kein gleichmäßig tickendes Uhrwerk, das
nach spätestens x Jahren oder periodisch alle y Jahre eine
nennenswerte Mutation hervorbringen müsste. Nehmen wir z.B.
die Krokodile. Das was man unter "moderne Krokodile" versteht,
existiert schon seit ca. 80 Millionen Jahren nahezu unverändert.
Die Tierchen sind wohl bisher so optimal an ihre Umwelt angepasst,
dass der "Umweltdruck" nicht so groß wird um nennenswerte
evolutionäre Veränderungen hervorzubringen. D.h. aber nicht,
dass ein Krokodil von der Evolution ausgeschlossen wäre.
Außerdem besagt Evolution auch nicht, dass sich jede Art
zwingend optimal und erfolgreich an neue Umwelten anpassen
muss. Wenn aus irgendeinem Grund die notwendige Anpassung
der Art an eine veränderte Umwelt nicht schnell genug
von statten gehen sollte, dann stirbt diese Art aus. Auch
das "Versagen" einer Art ist wirksame Evolution. Man weiss
aber, das z.B. drastische Änderungen in Biotopen oft
einhergehen mit der Bildung neuer Arten. Damit ist der
ausgeübte Umweltdruck wohl auch als ein treibender Faktor
des evolutionären Spiels zu sehen. Aber, dass biologische
Evolution auch heute noch auf dem Menschen verändernd wirkt,
dazu gibt es doch verstärkte Hinweise, die auch von Experten
so gesehen werden.
Stichwort menschlicher Kiefer.
. Zur schnelleren
Übersicht hier das entsprechende Zitat:


Die Evolution der menschlichen Zähne ist noch nicht beendet.
Nach Ansicht der Experten werden die dritten Backenzähne,
auch als Weisheitszähne bezeichnet, eines Tages verschwinden,
weil der menschliche Kiefer weiterhin kleiner wird und weil
diese Zähne zum Kauen der immer stärker verfeinerten modernen
Lebensmittel nicht mehr gebraucht werden.


Das wäre ein eindeutiges Indiz für biologische Apassung.
Der Grund dafür ist auch logisch. Biologische Körper arbeiten
energieeffizient. D.h. es wird keine Energie für Dinge
verschwendet, die keinen Vorteil bringen. Die Bildung von
Zähnen und die Aufrechterhaltung der Struktur kostet Energie.
Ein kleinerer Kiefer ist energetisch sparsamer im "Unterhalt"
als ein größerer.

Gesetze und nicht Gesetze.

Ok, wenn Du das als "Kraft" verstehst, dann habe ich
inhaltlich nichts dagegen. Dann könnte ich hier nur
Textkritik üben, da Du diese "Kraft" in einem Atemzug mit
Gesetzen nennst, wodurch sich bei mir der Eindruck ergeben
hat, dass Du die "Kraft", die Du aber als Gesetz bezeichnet
hast, wirklich als Gesetz auffasst. Ich würde den Text dann
anders formulieren, da er leicht zu Missverständnissen führt;
jedenfalls bei mir. Aber, da kann ich Dir keine Vorschriften
machen. Wie Du formulierst, formulieren willst, musst Du für
Dich entscheiden.

Gruß

Thys

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