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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mutti ziert ein Arschgeweih
Eingestellt am 16. 08. 2006 19:49


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GeisterFahrerÜberholer
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Mutti ziert ein Arschgeweih

Rivalinnen sind Karin Harmann und ihre einzige Tochter Anne, ein Wunschkind, dem sie ziemlich genau vor fĂŒnfzehn Jahren das Leben schenkte.

Seit das MÀdchen in tiefster PubertÀt steckt, ist nichts mehr so, wie es vorher war.
Da, wo frĂŒher VerstĂ€ndnis und Liebe herrschten, befindet sich jetzt ein gewaltiger GefĂŒhlsscherbenhaufen.
Der anfangs schleichende Prozess zwischen beiden Generationen setzte ein, als sich das Kind im zarten Alter von zwölf Jahren befand.

Trotz! Nein, eine gehörige Portion AufsÀssigkeit machte sich seitdem breit.

Was Karin auch immer tat, ihre Tochter Anne war strikt dagegen. Widerworte gehörten seitdem zu den harmlosesten Dingen des tÀglichen Steitprogramms.

Das also war der Preis!
Alle hatten die Alleinerziehende gewarnt, das Einzelkind nicht zu sehr zu verwöhnen. Nun drohten Kleinigkeiten tatsÀchlich in handfeste KrÀche auszuarten. So manches Mal fiel es Karin sichtlich schwer, die Pubertierende weiterhin zu lieben.

"Mama, du bist einfach nur peinlich. Deine Röcke sind viel zu kurz, deine lila gefĂ€rbten Haare lĂ€ngst nicht mehr "in". Und ĂŒberhaupt, mach doch nicht andauernd auf jugendlich. Meine Freunde lachen schon, wenn du in naiver Teeniesprache laberst, die vielleicht mal vor hundert Jahren angesagt war. Lass es sein!
Menschenskind Mutti, du hattest deine Zeit. Und die ist vorbei. Sieh es endlich ein."

Das ist nun zwei Jahre her.

Gerade heute bildet Karin sich ein, nichts als mitleidige Blicke von Annes Gang, die sich allabendlich auf der Friedhofsmauer zum AbhÀngen trifft, zu kassieren. Eben genau diese Clique verabredet sich nÀmlich nicht nur am Acker des Todes, sondern belagert immer hÀufiger ihr Haus, vor allen Dingen jedoch das "Kinderzimmer" der Tochter.
Das Herz rutscht der Alleinerziehenden jedesmal in die Hose, wenn sie die TĂŒr zur "RĂ€uberhöhle" öffnet.

Langsam, aber sicher, fĂŒhlt die Mutter sich dem Treiben der Jugendlichen nicht mehr gewachsen. Ihr SelbstwertgefĂŒhl ist auf dem Nullpunkt angelangt.

So kann es nicht weitergehen.

Karin beschließt, das Interesse der Umwelt zu testen. Sie will endlich wieder die Hauptrolle in ihrem eigenen Leben spielen, sich nicht lĂ€nger als frustriertes Muttertier fĂŒhlen.

Der Blick in den Ankleidespiegel des Schlafzimmers bestĂ€tigt der dreimal DreizehnjĂ€hrigen, dass sie noch keineswegs ĂŒbel aussieht fĂŒr ihr Alter. "Von wegen, du hattest deine Zeit," lacht Karin weinerlich auf: "Jetzt werde ich allen mal zeigen was ÂŽne echte Harke ist!"

Hat Anne nicht vor wenigen Monaten sogar mit weit aufgerissenen Augen neidisch geguckt, als sie ihr das kleine rotschwarz gestochene Tattoo in Form einer Rose am linken Oberarm prÀsentierte?
Ein spitzer Schrei war seinerzeit dem Schmollmund ihres Kindes entfleucht.

"Mama, du bist ja so gemein. Solch ein Tattoo finde ich schon lange toll. Ich will auch eins haben!", hatte sie sich beschwert und trotzig mit dem Fuß aufgestampft.

"DafĂŒr bist du noch viel zu jung. Warte, bis du sechzehn bist, dann können wir noch einmal darĂŒber reden", tröstete Karin an jenem Tag die Tochter. Insgeheim konnte sie sich ein spöttisches Lachen nicht verkneifen. Ätsch, damals hast du endlich mal den KĂŒrzeren gezogen.
Und das, du kleine NervensÀge, soll auch so bleiben, denkt Karin, wÀhrend sie ihrem Spiegelbild nun voller Stolz
zulÀchelt, die Kurven ihres durchaus attraktiven Körpers wohlwollend begutachtend.

Auf zu neuen Taten!

Respekt und Aufmerksamkeit gewisser Leute gilt es zu erringen, lassen Karin Harmann die Höllenqualen beim Stechen der neuen TÀtowierung ertragen.
Sie ist sich sicher, bewundernde Augen werden sie fĂŒr jede Pein entschĂ€digen.

Es ist soweit!

Die Sonne strahlt gnadenlos vom unverschÀmt blauen Himmel dieses Jahrhundertsommers. Dicht an dicht liegen die Nackedeis im hellen Sand des örtlichen Baggersees.

Und da passiert es!

Karin dreht sich aus der RĂŒckenlage auf den Bauch.
Schwarz und mĂ€chtig prangt es ĂŒber prallen Pobacken, ihr neues, riesengroßes Arschgeweih!

FĂŒr Sekunden herrscht Totenstille.
Der Schrei eines röhrenden Elches durchdringt peinliches Schweigen.
Dann erblickt Karin die Friedhofsgang!
In einiger Entfernung hat sie sich unbemerkt von ihr niedergelassen.
Sascha, der vermeintlich Coolste der "Zahnspangenfraktion", Ă€fft den Brunftruf eines gehörnten Tieres wieder und wieder verblĂŒffend echt nach. Er ĂŒbertönt damit sogar das nun einsetzende gellende GelĂ€chter der gaffenden BadegĂ€ste.

Karin schÀmt sich fast zu Tode.

"Ich dumme Kuh! Wie ĂŒblich habe ich mal wieder genau das Falsche getan," schluchzt sie leise in ihr Badetuch hinein.
Sie schÀmt sich, hat nur noch den einzigen Wunsch, nÀmlich den, ganz tief auf den Grund der Kieskuhle zu versinken.

Aus der grölenden Menge hebt sich die Gestalt eines jungen MÀdchens ab.
Ruhig und mit trÀnenfeuchten Augen tritt Anne auf die Mutter zu, spricht erst mit zitterndem Stimmchen, um dann immer lauter und lauter zu werden:
"Na und, ihr ach sooo tollen Halbstarken! Was ist dabei?
Meine Mama schmĂŒckt ein wunderschönes Arschgeweih. Und ich finde es Klasse!"

Mutter und Tochter liegen sich in den Armen.


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Perry
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Hallo GfÜ,
flĂŒssig zu lesen und durchaus spannend geschrieben. Auch wenn die Personen etwas klischeehaft wirken ist der Schluss versöhnlich, wenn auch etwas Happyend lastig (lĂ€chel).
LG
Manfred

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GeisterFahrerÜberholer
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Generationskonflikt

Hallo Manfred,

vielen Dank fĂŒr deinen lobenden Kommentar. Ich freue mich sehr darĂŒber.
Den Schluß meiner kleinen Geschichte habe ich absichtlich zum Happyend erklĂ€rt, weil es zum leidigen Thema PubertĂ€t (zwischen Kindern und Eltern) leider nur allzu oft Unversöhnliches zu berichten gibt.

LG
GFÜ
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flammarion
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hm,

eine clique, die sich am liebsten am friedhof aufhÀlt, geht zum fkk? und auch noch mit der mutter eines mitglieds der gruppe? das glaub ich nicht!
lg
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Old Icke

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GeisterFahrerÜberholer
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Hallo flammarion,

wie kommst du darauf, dass Karin gemeinsam mit der Friedhofsgang zum Badestrand ging? Ich glaube, ich habe deutlich gemacht, dass sie mehr als ĂŒberrascht war, die Clique der Tochter dort zu treffen. Sie wĂ€hnte sich unter Unbekannten.
Liebe flammarion, warum sollten die Protagonisten an einem herrlichen Sommertag nicht einmal die HĂŒllen fallen lassen? Heutzutage braucht es dazu keinen FKK-Strand mehr.

Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar und die Gedanken, die du dir gemacht hast.

LG
GFÜ
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GeisterFahrerÜberholer
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Hi flammarion,

ich habe die Geschichte nun noch etwas umgeĂ€ndert. Vielleicht kommt die von mir beschriebene Situation so besser rĂŒber. Was meinst du dazu?

LG
GFÜ
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flammarion
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ich

habe nischt gegen fkk. ich finde es nur sehr kurios, dass gruftis da hin gehen. die lassen doch sonst keinen sonnenstrahl an ihre haut. lass die jugendlichen ihren treffpunkt woanders haben und alles ist in schönster ordnung.
lg
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Old Icke

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