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Leselupe.de > Kurzprosa
Nach Mitternacht
Eingestellt am 26. 09. 2010 01:26


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Hochgiftig
Hobbydichter
Registriert: Jul 2009

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Es ist nach Mitternacht. Ich sitze auf dem Boden der Dusche, hunderte von Litern Wasser fallen auf mich herab. Den Kopf zwischen den Beinen versunken warte ich darauf, dass ich mich auflöse. Das Wasser ist mal warm, mal heiß, ich höre nichts außer dem steten Prasseln, es erfĂŒllt meine Ohren und gibt mir ein gutes GefĂŒhl. Mein ZeitgeĂŒhl ist vollkommen verschwunden. Wie lange sitze ich hier nun schon? Zehn Minuten? Zwanzig Minuten? Zwei? Ich weiß es nicht. Es tut gut, das ist alles, was ich im Augenblick wissen muss.
Ich warte darauf, dass du die TĂŒr aufstĂ¶ĂŸt und mich hier sitzend findest. Was soll die Scheiße?, höre ich dich in Gedanken schreien. Ich gucke dich an, du siehst meine TrĂ€nen, wohl wissend sie sind da, trotz des Wassers. Du kniest dich zu mir herunter, schaltest mit der einen Hand das Wasser ab, mit der anderen holst du ein Handtuch her. Du wickelst mich in den weichen, warmen Stoff ein, drĂŒckst mich fest und besitzergreifend an dich. Es wird alles gut, sagst du.
Doch nichts ist gut. Ich öffne die Augen und sitze immer noch alleine im Regen. Aus lauter Langeweile fange ich an, mich selbst zu befriedigen. Es ist unbefriedigend. Leicht benommen beobachte ich viele winzige Ichs, wie sie verloren ins Nirvana geschwemmt werden. Bye bye, Leben. Wenn es nur so einfach wÀre.
Kraftlos schlage ich nach dem Hebel, der Wasserfluss versiegt und ich sitze im halbtrockenen. Ich bleibe noch etwas sitzen, das einzige GerĂ€usch kommt von der LĂŒftung. Ich stehe auf und trockne mich ab, betrachte dabei Gottes Werk im Spiegel. Eine Trauergestalt schaut mir in die Augen, ich wende den Blick ab, kann das nicht ertragen. Ich möchte weinen, doch die Quelle ist versiegt, leer.
Ich ziehe meine UnterwĂ€sche wieder an und verlasse das Badezimmer, gradewegs in die KĂŒche. Der Sambucca steht auf dem KĂŒhlschrank, ich hole ihn herunter, nehme ein Glas aus dem Schrank und setze mich auf die Couch. Auf dem Tisch liegen Zigaretten, ich nehme mir eine und zĂŒnde sie an. Zieh, zieh, zieh, zieh, zieh, aus. Die nĂ€chste. Zieh, zieh, zieh, zieh, zieh, aus. Nach wenigen Minuten ist die Schachtel leer. Mittlerweile kippe ich mein zweites Glas. Es brennt wie Feuer, aber es tut gut. Es wird erst warm, dann wieder kalt, also fĂŒlle ich wieder auf und schĂŒtte es runter. NatĂŒrlich mit Feuer, Traditionen sollten bewahrt werden.
Ich schaue Richtung Schlafzimmer, wo du grad schlĂ€fst. Du hast keine Ahnung, was jetzt im Moment in mir vor geht, woran ich denke, was ich will. Na gut, ich weiß selber nicht was ich will. Nur Liebe. Die du mir nicht gibst. Die du mir nicht geben willst. Denn da ist noch jemand anderes, der sich mir in den Weg stellt. Der sich uns in den Weg stellt. Du kannst ihn nicht vergessen, willst dich mir nicht öffnen. Das tut mir weh. Ich gebe dir alles, gebe dir einhundert Prozent von mir, und doch habe ich das GefĂŒhl es reicht nicht im Geringsten. Du lĂ€sst mich nicht an dich heran, ich will dir so nah sein. Und doch kann ich nicht.
Der Kater streift umher, streichelt meine nackten Beine mit seinem Fell. Ich will ihn hoch heben, doch er lĂ€uft weg und brummt. Ich möchte jetzt nicht mit dir spielen, Kuschelmaus, dazu bin ich grad nicht fĂ€hig. Beleidigt setzt er sich auf den Sessel und schaut mich an, Minuten spĂ€ter ist er weg geschlummert. Ich gehe zu ihm und kraule ihm die Ohren, er fĂ€ngt sofort an selig zu schnurren und dreht seinen Kopf in alle Richtungen. Ja, das gefĂ€llt dir, was? So leicht kann ich dich glĂŒcklich machen.
Die Uhr piepst, eine Stunde ist vergangen, so schnell, dass ich sie nicht halten konnte. Es stimmt mich traurig. Warum weiß ich nicht. Ich stehe auf und gehe zu dir, ins Bett. Ich lege mich neben dich und schaue dich an. Deine Hand wandert zu meinem Bauch, umschlingt mich, hĂ€ltmich fest, drĂŒckt mich an dich. Ich will es nicht, aber es tut so gut. Ich verschrĂ€nke die HĂ€nde hinter dem Kopf und schaue aus dem Fenster.
Es ist nach Mitternacht.

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