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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nach einem realen Geschehen !
Eingestellt am 13. 10. 2011 00:51


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Felix Victor Bremer
Hobbydichter
Registriert: Oct 2011

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Das Opfer

Sie war gerade 18 geworden, als sie den Aushilfsjob im einzigen Supermarkt des Ortes bekam. Es war ein Gl├╝cksfall, denn um ein Taschengeld zu verdienen, standen Sch├╝ler und Studenten im Sommer Schlange. Klar, auch Ina war wie alle ihre Freunde nicht scharf auf richtige Arbeit. Aber ohne Zaster konnte sie nicht am Wochenende in die Disco oder sich in einer Bar mit ihren Freunden treffen. Man musste eben was tun, wenn man nicht mit reichen Eltern gesegnet war.
Solange Herr Berner Filialleiter war, konnte sie es ja noch aushalten, aber mit seiner Nachfolgerin, der Frau Bop, war es der reine Stress. Die Frau war extrem herrschs├╝chtig und ehrgeizig, ihr Laden sollte der Beste in der Kette sein oder werden. Lange dauerte es nicht, da war keiner der alten Angestellten, au├čer Ina, noch dort. Entweder waren sie von selbst gegangen oder von Frau Bop entlassen worden. Auch die Neueinstellungen hielten sich nicht lange auf, da gab einer dem anderen die Klinke in die Hand. Mit Ina kam jeder aus, wenn man sich auch ├╝ber ihre papageienfarbige Strubbelfrisur und den vielen Piercingringen in Nase, Ohren und Lippen lustig machte. Das M├Ądchen hatte Humor und konnte sogar mit den anderen ├╝ber sich selber lachen. Ihr Wahlspruch war: ÔÇ×Nur nichts so eng sehen!ÔÇť
Mit der neuen Filialleiterin hatte sie wenig Ber├╝hrung, denn, wenn sie zum Arbeiten kam, sa├č Frau Bop meistens im B├╝ro ├╝ber Abrechnungen und Bestellungen.
So hatte Ina Ruhe vor der ÔÇÜTyranninÔÇÖ. Ihre Arbeit war auch mehr im Lager und das Auff├╝llen der Regale, da bekam sie das ÔÇÜscharfe WeibÔÇÖ wie sie sie im Stillen nannte, kaum zu Gesicht.
Zwei Laster hatte Ina, das Rauchen und das Biertrinken.
Wollte sie mal ÔÇÜEine durchziehenÔÇÖ, machte sie es drau├čen vor dem Markt, aber oft trank sie unbek├╝mmert eine Dose Bier dazu, trotzdem sie von Kollegen vor der allbekannten allergischen Reaktion der Chefin gewarnt wurde. Dass Frau Bop schon oft, noch gerade an der Grenze der Gewaltt├Ątigkeit die Bremsen gezogen hatte, war ihr bekannt. Diese Frau hatte nicht nur gegen├╝ber Angestellten ihre Hand drohend erhoben, auch Kunden waren nur haarscharf an einer brennenden Backe vorbei gekommen, es fiel ihr sichtbar schwer, sich zu kontrollieren.
Frau Bop war eher schmal zu nennen, auch ihre dunkelblonden Haare waren schon sehr d├╝nn, man meinte, dass es vom vielen Haare raufen kam. Am Alter konnte es nicht liegen, denn mit Mitte drei├čig war sie noch jung zu nennen. Ihren kleinen grauen M├Ąuseaugen entging nie etwas und die scharf geschnittene, spitz auslaufende Nase war wie ein Geierschnabel, immer auf Beute aus. Nicht mal vor dem gr├Â├čten und st├Ąrksten Mann steckte sie zur├╝ck, schon manchen Kunden hatte sie gezeigt, wer hier im Laden den Ton angab. Die Angestellten respektierten sie nicht als Vorgesetzte, aber f├╝rchteten sich h├Âllisch vor ihr, denn die kleinste Widerrede wirkte so, als w├╝rde man Benzin ins Feuer sch├╝tten, sie explodierte augenblicklich.
Sie liebte es, Angestellte ├Âffentlich zu dem├╝tigen.
Stand dann einer mit h├Ąngendem Kopf vor ihr, umspielte ein satanisches L├Ącheln ihre schmalen Lippen, ihre Pupillen verengten sich noch mehr und gl├Ąnzten wie polierte Stahlkn├Âpfe.
Sie brauchte Publikum um sich allen als Herrscherin zu zeigen!
ÔÇ×Bei mir gibt es kein langes Gerede, wer sich querstellt, den lass ich ├╝ber die Klinge springen! Der geht ├╝ber den Jordan!ÔÇť
Au├čer einigen kleinen Wortwechseln hatte es noch nichts Ernstes zwischen Ina und Frau Bop gegeben.
Bis an dem Tag vor Weihnachten, an dem sie Ina befahl beim Abladen von Tannenb├Ąumen zu helfen. Da war sie ja gerade an die Richtige geraten! Befehle l├Âsten bei Ina eine Antibefehlsallergie aus, sodass sie auch im gleichen Ton von Inas Echo getroffen wurde.
ÔÇ×Chefin, ich bin nicht Ihre Sklavin, mit der Sie umspringen k├Ânnen wie Sie wollen! Merken Sie sich das!!ÔÇť dann als sie sah, dass Frau Bop kurz vor der von allen gef├╝rchteten Explosion stand, f├╝gte sie noch hinzu:ÔÇť Ich werde f├╝r eine Bitte Ihrer Entlassung, mal Unterschriften sammeln, bei Kunden wie bei Kollegen und sie an die Zentrale schicken. Sie geh├Âren in eine Zwangsjacke, Sie sind doch eine Gefahr f├╝r jeden!ÔÇť
Ina hatte nicht mal die Stimme erhoben, sondern in ganz normalen Tonfall, dass ausgesprochen, was alle dachten.
Trotz Drohungen von Entlassung und sogar eines Prozesses, blieb Ina bei der Verweigerung, da gen├╝gend kr├Ąftige M├Ąnner zur Hilfe bereit standen. Vor allen Leuten drehte sie sich einfach um, lie├č die Chefin in den Wind wettern und ging seelenruhig in das Lager zur├╝ck, um dort weiter zu arbeiten.
An dem Tag sah sie Frau Bop nicht mehr, war sich aber gewiss, dass da noch ein richtiges Gewitter ├╝ber sie hereinbrechen w├╝rde.
Nach diesem Zwischenfall sahen sich die Beiden mehre Tage nicht, das hie├č aber nicht, dass Frau Bop alles zu den Akten gelegt hatte. Im Gegenteil, sie war dabei einen Plan zu schmieden auf welche Weise sie sich der ungeliebten Hilfskraft entledigen und gleichzeitig ihre Position noch festigen konnte.
Kurz vor den Feiertagen war es denn so weit, nachdem sie morgens den Besuch des Bezirksleiters bekommen hatte. Dieser kam mit der Nachricht ihrer K├╝ndigung, der Grund war, dass sie untragbar f├╝r die Firma sei. Man gab ihr noch zwei Wochen, in denen sie ihren Nachfolger einarbeiten sollte, um dann in den Urlaub zu gehen. Damit w├Ąre die K├╝ndigungsfrist eingehalten worden.
Sofort kam ihr die Drohung von Ina in den Sinn, von wegen des Sammelns von Unterschriften. Hatte diese kleine Hexe es doch wirklich gemacht, daf├╝r musste sie empfindlich bestraft werden. Hatte Ina, ihrer Ansicht nach doch ihre Karriere und damit ihre Zukunft zerst├Ârt. In ihrem Hirn tickte ab dann eine Zeitbombe, wie sie Rache nehmen w├╝rde, war ihr schon klar, sie musste nur den richtigen Moment abpassen. Im Markt selber war es nicht ratsam, aber wenn Ina abends in der Dunkelheit den Weg durch die Anlage nahm, wo es mit Sicherheit keine Zeugen geben w├╝rde.
Wenn sie nur den bunten Schopf von Ina vor dem Fenster des B├╝ros sah, kochte sie vor Wut. Am liebsten w├Ąre sie auf der Stelle hinausgerannt, um dem M├Ądchen den Hals umzudrehen.
Die w├╝rde eine Lektion bekommen, die sie nie vergessen sollte und sich nicht mehr in die Angelegenheiten anderer einmischen w├╝rde. Was bildete sich diese arrogante Hilfsarbeiterin ├╝berhaupt ein? Ihre Abreibung war schon gebucht!!
Einige Tage, bevor Ina in den Weihnachtsurlaub ging, verlies Frau Bop den Markt vor den anderen. Sie hatte dem Personal befohlen p├╝nktlich abzuschlie├čen und die Schl├╝ssel im Briefkasten zu deponieren. Es war nicht zum ersten Mal und darum wundert es auch niemanden. Sie fuhr mit ihrem Wagen ein St├╝ck und parkte ihn nicht weit von Markt im Schatten einiger Tannen. Es war stockdunkel, nur alle hundert Meter hingen gelbliche Kugeln an einem Laternenpfahl, die gerade an die zwei Quadratmeter unter sich beleuchteten.
Ina konnte nur diesen Weg nehmen, denn die Nebenwege gingen alle im Kreis um den Hauptweg. Die Filialleiterin hatte sich einen Platz zwischen einem Geb├╝sch am Anfang des Weges ausgesucht, von da hatte sie noch einen guten Blick auf die Stra├če, die vom Markt kam. Sollte Ina nicht alleine kommen, w├╝rde sie ihr Unternehmen auf einen anderen Moment verlegen m├╝ssen.
Es war feuchtkalt und der Wind stand genau auf dem Geb├╝sch der Frau. Sie rieb sich ihre kalte Nase und trampelte sich die F├╝├če warm.
ÔÇ×Wegen der erwischt mich noch eine Grippe! Sonst ist sie doch immer p├╝nktlich, wo bleibt sie nur!ÔÇť fragte sie sich ungeduldig.
Aber da sah sie ein Fahrrad langsam in ihre Richtung kommen.
Das musste ihr Opfer sein!
Und wirklich, es war Ina, die jetzt langsam in Sicht kam. Sie fuhr ohne Licht und hatte ihre Strickm├╝tze weit ├╝ber Ohren und Stirn gezogen.
Frau Bop fieberte gespannt wie eine Stahlfeder dem M├Ądchen entgegen. Vorsichtig machte sie einen Schritt aus dem Busch vorw├Ąrts, sie wollte doch nicht im letzten Moment noch ├╝ber einen Zweig oder einer Wurzel stolpern.
Als Ina greifbar nahe war, sprang sie vor und stie├č sie samt Fahrrad um, in ihrer geschlossenen rechten den Baseballschl├Ąger, mit dem sie Ina bestrafen wollte. Damit, dass das M├Ądchen reaktionsschnell sofort wieder auf die F├╝├če kam, hatte sie wohl kaum gerechnet. W├Ąre Ina jetzt gefl├╝chtet, w├Ąre ihr bestimmt nichts passiert, denn Frau Bop konnte ja unm├Âglich Baseballschl├Ąger schwingend hinter ihr herrennen. Ina erhob sich blitzschnell, um ihrerseits mit einem gro├čen Metzgermesser auf den Angreifer aus dem Busch loszugehen. Es lag immer gegen eventuelle Attacken in ihrem Korb an der Lenkstange bereit.
Die w├╝tende Frau, vor Aufregung fast blind, bemerkte nicht, was Ina da in ihrer Hand hielt.
Ein Stich in ihren Unterarm lie├č sie aufschreien und mit ganzer Kraft zuschlagen. Der Schlag ging ins Leere, lie├č sie aber durch die Wucht eine halbe Drehung nach Links machen, sie rutschte auf der feuchten Erde aus und fiel schwer auf ihre rechte Schulter. Der Schl├Ąger entglitt ihrer Hand und verschwand schlingernd unter dem Busch.
Blind vor Wut, dass es jemand wagte, sich ihr entgegen zu stellen, verlor sie vollkommen den Verstand. Wie ein Stehaufm├Ąnnchen war sie sofort wieder in der Senkrechten und st├╝rzte sich, ohne auf das Messer in Inas Hand zu achten auf das M├Ądchen. Instinktiv packte sie die Hand mit dem Messer und biss blindlings zu. Das Messer viel zu Boden, sie stie├č Ina vor die Brust, sodass diese r├╝ckw├Ąrts auf den Kiesweg landete. Ihr Kopf streifte heftig die Bank am Wegrand. Es wurde ihr schummrig vor den Augen und machte sie f├╝r einen Moment bewegungsunf├Ąhig. Sie sah, dass Frau Bop mit dem Messer auf sie st├╝rzte, die schwache Rolle nach links brachte sie aber nicht au├čer Gefahr. Quietschend und keuchend landete die Frau schwer auf dem K├Ârper des M├Ądchens und stach zu. Die ersten Hiebe gingen vorbei in den Kies, der dritte Hieb traf Ina mitten ins Herz. Das M├Ądchen wand sich zuckend im Todeskrampf, aber die Frau hieb immer wieder und wieder auf das schon tote M├Ądchen ein. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und streckte sich ersch├Âpft schluchzend ├╝ber Inas leblosen K├Ârper.
ÔÇ×Ich wollte dich doch nur bestrafen, ich wollte dich nicht umbringen!ÔÇť laut schrie sie das tote M├Ądchen w├╝tend an, ÔÇťDu hast selber Schuld, du st├Ârrisches Weib!ÔÇť M├╝hsam richtete sie sich auf, die Kleidung, die H├Ąnde, das Gesicht verschmiert vom Blut ihres Opfers.
Die Sirenen der Polizeiwagen h├Ârte sie gar nicht, ohne jegliche Regung lie├č sie sich die Handschellen anlegen. Sie merkte gar nicht, was mit ihr passierte. Sichtlich befand sie sich geistig nicht mehr auf unserem Planeten. Willenlos stolperte sie schl├╝rfend vom Polizisten gef├╝hrt zum Wagen, immer wieder murmelnd: ÔÇ×Ich wollte dich nicht t├Âten! Ich wollte dich nicht t├Âten!ÔÇť
Wegen heimt├╝ckisch und aus niedrigen Beweggr├╝nden begangenen Mordes wurde sie einige Monate sp├Ąter zu lebenslanger Haft verurteilt und erstmal in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.





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