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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nachbarn
Eingestellt am 18. 05. 2014 22:55


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Eselsohr
Hobbydichter
Registriert: May 2014

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Eigentlich interessiert mich der Garten nicht – der Garten mit seinen kĂŒhlen, grauen Terrassen und BĂ€nken und Springbrunnen. Das gleiche gilt fĂŒr Deine Nachbarn, die ihren Garten pflegen, eifrig die Terrassen fegen und alles in Schuss halten. Eine mĂ€ĂŸig interessante Einsamkeit.

Vermutlich hat sie Freunde, von denen sie sich wĂŒnscht, sie hĂ€tten sie öfter besucht. Vermutlich denkt sie an ihre Freunde und stellt sich vor, wie sie bei ihr im Garten sitzen und reden. Ihr Mann wĂŒrde ihnen dann ein Eis oder ein kĂŒhles GetrĂ€nk bringen, denn es wĂ€re Sommer und warm, es wĂŒrde blĂŒhen und nach Gras riechen, nach Blumen und angenehmen GesprĂ€chen.
Die beiden wohnen in einem schönen Haus in der Stadt. Sie waren sicher stolz und aufgeregt beim Einzug, hatten zahllose Möbel und HaushaltsgegenstĂ€nde. Aus zwei Haushalten. Sogar BĂŒcher hatten sie möglicherweise doppelt. Und es hatte lange gedauert, bis sie bereit war, sich von Sachen, die ihr gehörten, zu trennen. An den meisten GegenstĂ€nden hingen Erinnerungen, an anderen WĂŒnsche. Die Sachen waren Beschwörungen, und es wird sie verunsichert haben, sie wegzugeben.
Das Haus ist groß und hat einen langgestreckten Garten, fĂŒr den sie offensichtlich geplant haben. Rasen schied aus. Macht auch keinen Sinn, wenn man daran denkt, wie oft Rasen gemĂ€ht werden muss und dass man keinen Tisch und keinen Stuhl hinstellen kann, dass alles kippelt und Ameisen an allem hochkrabbeln. Sie legten Steinfußböden und pflanzten BĂŒsche, StrĂ€ucher, Stauden. Sie achteten darauf, dass auch im Winter grĂŒnes Laub darunter ist und ausreichend BlĂŒhendes. Dabei hatten sie eine gute vorausschauende Hand, denn Ihnen ist ein ausgewogener Bewuchs gelungen, der den PlĂ€tzen zum Verweilen einen parkĂ€hnlichen Rahmen gibt.

Wenn man Dich besucht und aus dem Fenster guckt, schaut man auf ihren Garten. Es wÀre verwirrend, jemanden in dem Garten zu sehen. Er ist immer leer.
Also stelle ich mir gescheiterte Besuche vor. Wie Freunde kamen, die neugierig waren. Wie eine Freundin ihrem Mann eine kleine leise Szene machte, einen vernehmbaren Vorwurf, weil sie auch gerne mit ihm zusammengelebt hÀtte, in einem Haus mit Garten, einer Bank und einer kleinen Terrasse. Sie wird den Neid ihrer Freundin gesehen haben, ihren Streit, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er ihr gut getan hat.
Auch ihre Eltern kamen sicher, voller Stolz. Wie ihre Tochter doch schön wohne. Sie blieben mehrere Tage und die bestÀtigenden Blicke ihrer Mutter und ihres Vaters erstickten ihre versuchte Freude.
Vielleicht kam auch ein Freund, auf den sie sich freute. Sie war aufgeregt vorher, wollte sich gut vorbereiten. Aber aus irgendeinem Grunde begann ihr das schwer zu fallen. Beim Einkaufen ging sie durch die Reihen des Ladens und wusste nicht, was sie kaufen sollte. Es schien ihr kein Kuchen recht, Brot zu fade, fruchtige GetrĂ€nke zu aufgesetzt. MĂŒhsam legte sie das ein oder andere in den Wagen. Ihr Mann war vielleicht schon da, als sie nach Hause kam, auspackte und ihren phantasielosen Einkauf besah.
Ihr Freund kam ungewöhnlich pĂŒnktlich. Er brachte Blumen mit und ĂŒberreichte sie höflich. Es wurde etwas zu trinken angeboten. Kaffee? Sherry? Sekt? Er dankte. Einen Kaffee. Er mĂŒsse noch fahren. Sie lĂ€chelte und entschuldigte sich, schnitt die Blumen an, stellte sie in eine Vase und fĂŒhlte das UnglĂŒck der ErnĂŒchterung sich Bahn brechen.
Er ließ sich von ihrem Mann den Garten zeigen. Als sie hinzukam, besah er sich die Terrassen, die vielen Besonderheiten, eine Bank, einen Brunnen. Er kommentierte lachend und wohlwollend, wĂ€hrend sie schweigend mit ihnen um die Bank herum stand und weiter lĂ€chelte und gerne stolz gewesen wĂ€re.
Sie war erleichtert, dass sie den Kuchen holen konnte und dass sich die beiden angeregt unterhielten. Sie hatten ja auch gemeinsame Interessen. Als ihr Freund nach den Toiletten fragte, stand sein Aufbruch schon fest. Er bedankte sich fĂŒr den netten Nachmittag und ihr Mann verlor spĂ€ter kein Wort ĂŒber den Besuch und den frĂŒhen Aufbruch. Sie rĂ€umte auf.
Ihr Freund rief sie bald darauf an und bat sie, seine Blumen zu gießen, er fahre in den Urlaub. Nein, nicht alleine. Ja. Er habe nicht gewollt, dass sie es zwischen TĂŒr und Angel erfahre. Nein, noch nicht lange.
Sie wird sich gesagt haben, dass es zu erwarten gewesen war und erzĂ€hlte es ihrem Mann, auch dass sie sich freue, er habe nicht ewig alleine bleiben können. Ihr Mann hatte die beiden in der Stadt gesehen. Sie fragte nicht, wo, oder wie sie aussieht. Sie hatte zu tun. Ihre Eltern wollten kommen und es musste noch Klar Schiff gemacht und das Laub im Garten aufgesammelt werden. Sie holte sich den Besen und begann die BlĂ€tter von den Terrassen zu fegen. Das Laub verkriecht sich immer unter der Bank und auf dem Wasser des kleinen Springbrunnens. Sie sammelt die BlĂ€tter ab und fegt. Sorgsam und grĂŒndlich.

Wenn ich an Deine Wohnung denke, sehe ich mich aus dem Fenster gucken. Auch nachts. Ich stelle mir vor, dass es eine helle, warme Nacht ist, in der Jugendliche ĂŒber ZĂ€une klettern, sich auf BĂ€nke setzen, rauchen und Bier trinken. Und ich stelle mir vor, wie ich zu dem Haus gucke, in dem alle Zimmer dunkel sind und ich trotzdem erkennen kann, wie sie aus einem Fenster auf den Garten sieht. Sie schaut auf die Fremden, die dort sitzen und die kleine Überschreitung ihrer Grenzen feiern.

Ein seltsamer Blick. Nicht unbehaglich mit Deinem Leben fĂŒr einen kurzen Moment in meinem RĂŒcken, Dein reizvolles Alleine-sein, Deine Art der Verweigerung. Eventuell fehlen mir auch die Übung und Phantasie, in Deiner Einsamkeit den tĂ€glichen Trott zu entdecken, das MĂŒhsame und die Begrenztheit. Ich bin nur ein Besuch, auf angenehme Art nicht ersehnt, aber willkommen.

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