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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Nachbarn
Eingestellt am 22. 02. 2006 21:37


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spookymulder
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Martin sah aus dem Fenster zu dem Haus gegen├╝ber. Wie jeden Morgen ├Âffnete sich die T├╝re und der Alte Mann trat heraus, einen Zigarillo in seinem Mundwinkel. Der Stock auf den er sich st├╝tzte, war so alt und knorrig wie er selbst. Er bog sich gef├Ąhrlich durch, als er sich b├╝ckte und die Zeitung aufhob, die auf der grauen, fussligen Fu├čmatte lag. Seit Martin vor zwei Monaten eingezogen war, kam der alte Mann jeden Morgen aus seiner Haust├╝re und hob seine Zeitung auf. Unausweichlich den Gesetzen der Schwerkraft folgend, kippte er nach vorne. Knarrend bog sich der Stock und fing ihn auf, bevor er auf die Fu├čmatte fallen konnte. Und jeden Morgen seit zwei Monaten hielt Martin den Atem an in der Bef├╝rchtung, der Stock m├╝sste unweigerlich unter der Last der Jahre zusammenbrechen und den alten Mann auf direktem Weg zu Boden f├╝hren. Aber jedesmal kam er schnaufend wieder nach oben und stand auf wackligen Beinen, die Zeitung in den Fingern, und sog heftig an dem Zigarillo, als k├Ânnte ihn dieser mit
dem n├Âtigen Sauerstoff versorgen, den er so dringend brauchte.

Sein Kopf pendelte dabei hin und her, die Lippen fest zusammengeknifen, aus Angst, ihren wertvollen Inhalt zu verlieren. Dabei glitten seine Augen suchend ├╝ber die Stra├če und ihre H├Ąuser und blieben schlie├člich an Martins Fenster h├Ąngen.
Die Augen des Alten blinzelten und er verzog den Mund zu einem L├Ącheln. Dabei brachte er es fertig, den Zigarillo nicht zu verlieren. Er brachte es sogar fertig, den Arm zu heben und mit der Zeitung zu winken. Obschon ihn diese Geste das letzte bisschen seiner Kraft zu kosten schien, wartete er darauf, dass Martin seine Geste erwiederte, bevor er schlurfend und auf seinen Stock gest├╝tzt zur├╝ck in sein Haus ging.

Eines Abends sa├č Martin mit der Zeitung in der Hand im Wohnzimmer. Die Schlagzeile, die seit Tagen die Meldungen beherrschte, lautete: ┬źImmer noch keine Spur des Vorstadtkillers - wann schl├Ągt er das n├Ąchste Mal zu?┬╗

Obwohl er Sensationsgier in jeder Weise verabscheute, konnte er ein wohliges Schaudern bei der Lekt├╝re nicht unterdr├╝cken. Der Killer, hinter dem die Polizei erfolglos her war, hatte sein f├╝nftes Opfer wie seine anderen auf bestialische Weise gefoltert und nach ihrem Tode in kleine Portionen zerst├╝ckelt in einer M├╝lltonne entsorgt. Zu seinen Opfern geh├Ârten ausschlie├člich allein lebende M├Ąnner Mitte drei├čig, die au├čer ihrem Beruf nicht viel in ihrem Leben hatten. Au├čer den Menschenleben war jedoch nie etwas geraubt worden, we├čhalb die Ermittler darauf schlossen, dass der T├Ąter einzig Spa├č am T├Âten hatte.

Mittlerweile war er so drei├čt geworden und schickte der Polizei Nachrichten, in welchem M├╝lleimer er die Leiche versteckt hatte. Bei dem Gedanken daran, dass er zu der Zielgruppe des Killers geh├Ârte, wurde der wohlige Schauer eine Spur k├Ąlter.
In diesem Moment klingelte es an der T├╝re. Martin zuckte zusammen und schimpfte sich in Gedanken einen Angsthasen, w├Ąhrend er Aufstand und zur T├╝re ging.
Er ├Âffnete und der alte Mann aus dem Haus gegen├╝ber stand vor ihm. Im Licht der Au├čenbeleuchtung waren die Runzeln und Falten des Alten noch tiefer und verwinkelter als bei Tag. Sein faltiger Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen, dass ein Perlwei├čes Gebiss offenbarte.

┬źGuten Abend! Bitte Entschuldigen Sie die sp├Ąte St├Ârung, aber ich w├╝rde Ihre Hilfe bei einem schweren Paket ben├Âtigen, dass ich alleine nicht in den Keller tragen kann. Ich w├╝rde ja warten bis mein Sohn Morgen kommt, aber es sind verderbliche Lebensmittel in dem Paktet, die dringend in die K├╝hltruhe m├╝ssen.┬╗

Seine Stimme hatten einen angenehm tiefen Klang, der Martin an die Besuche bei seinem Gro├čvater erinnerten und die Geschichten, die ihm dieser erz├Ąhlt hatte. Er legte die Zeitung aus der Hand und nickte.
┬źNat├╝rlich helfe ich Ihnen. Wozu hat man denn schlie├člich Nachbarn?┬╗
Ihn fr├Âstelte bei dem kurzen Gang ├╝ber die Stra├če. Es war neblig und Feuchtigkeit und K├Ąlte krochen durch seine Kleidung hindurch in ihn hinein. Genau die richtige Nacht f├╝r einen Mord, ging es ihm durch den Kopf. Er sch├╝ttelte unwillig den Kopf und beeilte sich, dem Alten zu folgen. Allem Anschein nach schien ihm das Wetter nichts auszumachen, denn er bewegte sich erstaunlich schnell und gewandt f├╝r sein Alter.

Im Flur des Hauses stand eine kleine Kiste mit der Aufschrift ┬źVerderblich - K├╝hl Lagern┬╗. Eine steile Treppe f├╝hrte hinab in den Keller. Martin griff sich die Kiste und ├Ąchzte. Sie war schwerer als sie aussah. Mit der Kiste auf dem Arm ging er langsam die Treppe hinunter, der Alte hinter ihm her. Eine einzige Gl├╝hbirne unter der Decke warf einen fahlen Lichtkreis, der kaum einen Meter weit schien.
Unten angekommen stellt er seine schwere Last auf den Boden und rieb sich den R├╝cken. Er war doch mehr au├čer Kondition, als er gedacht hatte.
┬źDas sind aber ganz sch├Ân schwere Lebensmittel, die Sie da haben.┬╗

┬źIn der Tat, ├Ąu├čerst schwer┬╗, erwiederte sein Nachbar und hob gem├Ąchlich eine schweren Holzkn├╝ppel, der unbemerkt am Fu├č der Kellertrappe gelegen hatte. Er richtete sich auf, schwang den Kn├╝ppel und lies ihn auf Martins Hinterkopf sausen. Martin riss die Augen auf und sackte mit einem leisen ┬źOh!┬╗ zu Boden. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck seichter Verbl├╝ffung. Den Mund hatte er ein wenig ge├Âffnet, als wollte er noch etwas sagen und hatte keine Gelegenheit mehr dazu gehabt.

Der Alte wartete einige Sekunden, ob Martin wirklich bewusstlos war. Als er sich sicher f├╝hlte, zog er aus einer Ecke des weitl├Ąufigen Kellers einen OP-Tisch auf Rollen. Wie durch ein Wunder waren das Alter und die Gebrechlichkeit von ihm abgefallen. Es bereitete ihm nur wenige M├╝he, Martin auf den Tisch zu heben und mit einigen starken Seilen zu fesseln. Ein Halogenstrahler und eine schwarze Ledertasche machten das Szenario perekt.

In diesem Moment erwachte Martin aus seiner Bewusstlosigkeit. St├Âhnend drehte er den Kopf von einer Seite zur anderen, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Als die bunten Schlieren vor seinen Augen und das H├Ąmmern in seinem Kopf nachliesen, sah er sich um und blickte diretk in den Halogenstrahler. Murrend drehte er den Kopf aus dem Licht. Der Alte lachte.
┬źNa? Aufgewacht? Sch├Ân, dann k├Ânnen wir ja anfangen.┬╗
Er ├Âffnete die schwarze Ledertasche und entnahm ihr einige metallische Gegenst├Ąnde, die er s├Ąuberlich auf einem Metallst├Ąnder neben dem Tisch ablegte. Aus seiner Hosentasche zog er ein Stofftaschentuch und begann die Instrumente auf dem Tisch zu polieren. Sorgf├Ąltig pr├╝fte er jedes einzelne und hielt es ins Licht des Strahlers, bevor er es wieder zur├╝ck legte.

Martin sah ihm zu und verstand nicht, was da vor sich ging. Der Alte, mit seiner Arbeit zufrieden, nahm eines der Instrumente zur Hand und n├Ąherte sich seinem Opfer. Das Skalpell glitt m├╝helos durch Martins Kleider hindurch in seinen Oberschenkel hinein. Er br├╝llte und warf sich in seine Fesseln. In diesem Moment begriff er, dass er den Keller nicht mehr Lebend verlassen w├╝rde.

Einige Monate nach dem das sechste Opfer gefunden worden war, bezog ein neuer Mieter das Haus, dem der Alte gegen├╝ber wohnte. Jeden Morgen beobachtete er den Alten, wie er auf seinen Stock gest├╝tzt die Zeitung holte. Eines Abends klingelte es an der Haust├╝re und der neue Mieter ├Âffnete. Vor ihm stand der Alte Mann und l├Ąchelte ihn freundlich an.
┬źGuten Abend. Bitte Entschuldigen Sie die sp├Ąte St├Ârung, aber k├Ânten Sie mir wohl bei einem schweren Paket behilflich sein?┬╗




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Sheila McLane
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Hi,

die Geschichte ist soweit gut und fl├╝ssig geschrieben. Allerdings sind noch eine Menge KOmma und Rechtschreibfehler drin.

Vom Inhalt selbst ist sie leider ab der Schlagzeile vorhersehbar und daher dann langweilig. Martin wird ab dem Aufwachen f├╝r mich unglaubw├╝rdig. Er wird niedergeschlagen und gefesselt, sieht zu, wie Skalpelle etc. hergerichtet werden und f├Ąngt erst an zu br├╝llen, als er aufgeschlitzt wird? Der n├Ąchste Haken kommt, als du erw├Ąhnst, dass der Alte den n├Ąchsten Mieter der Wohnung aufs KOrn nimmt. Wenn alle Opfer zuvor in der Wohnung gewohnt haben, w├Ąre das ein gemeinsamer Nenner und ich sch├Ątze die Polizei nicht sooo doof ein, dass sie dann nicht einen Lockvogel dort unterbringen w├╝rden. Oder die umliegenden H├Ąuser/Keller etc. genau durchsuchen w├╝rden.


quote:
Wie jeden Morgen ├Âffnete sich die T├╝re und der Alte Mann trat heraus

der alte Mann

quote:
Der Stock auf den er sich st├╝tzte, war so alt und knorrig wie er selbst. Er bog sich gef├Ąhrlich durch, als er sich b├╝ckte und die Zeitung aufhob,

So, wie du es geschrieben hast, b├╝ckte sich der Stock - Vorschlag ..., als der Alte/der alte Mann sich b├╝ckte

quote:
Sein Kopf pendelte dabei hin und her, die Lippen fest zusammengeknifen, aus Angst, ihren wertvollen Inhalt zu verlieren.

Wer bewertet das? Wer wei├č von der *Angst*? Martin kann es nicht wissen, er kann es nur vermuten

quote:
letzte bisschen seiner Kraft zu kosten

liest sich umst├Ąndlich, Vorschlag: den Rest seiner Kraft oder die restliche Kraft oder die letzte Kraft

quote:
Die Schlagzeile, die seit Tagen die Meldungen beherrschte, lautete: ┬źImmer noch keine Spur des Vorstadtkillers - wann schl├Ągt er das n├Ąchste Mal zu?┬╗

Sorry, so wie du es bringst, ist es keine *Schlagzeile*.

quote:
Der Killer, hinter dem die Polizei erfolglos her war, hatte

Wenn sie schon erfolg gehabt h├Ątte, g├Ąbe es nicht die Schlagzeile. Der Zusatz ist also ├╝berfl├╝ssig

quote:
Au├čer den Menschenleben war jedoch nie etwas geraubt worden,


und was hat er mit den geraubten Menschenleben angefangen? Vertickert? *g* konnte ich mir nicht verkneifen. Aber so kannst du es nicht bringen

quote:
Mittlerweile war er so drei├čt geworden und schickte der Polizei Nachrichten, in welchem M├╝lleimer er die Leiche versteckt hatte.


Wenn er sie versteckt h├Ątte, w├╝rde er es nicht der Polizei mitteilen, entsorgt - w├╝rde besser passen

quote:
Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck seichter Verbl├╝ffung.


Unter: Seichter Verbl├╝ffung kann ich mir nichts vorstellen

quote:
Murrend drehte er den Kopf aus dem Licht.


Hier musste ich lachen. Martin wurde ko geschlagen, wacht auf, stellt fest, dass er gefesselt ist und *murrt* nur?

quote:
metallische Gegenst├Ąnde, die er s├Ąuberlich auf einem Metallst├Ąnder

Ww: metallische/Metallst├Ąnder

quote:
Martin sah ihm zu und verstand nicht, was da vor sich ging.

Und ich wundere mich, dass Martin sooo ruhig und teilnahmslos bleibt

quote:
In diesem Moment begriff er, dass er den Keller nicht mehr Lebend verlassen w├╝rde.

Also seit er aufgewacht ist, wurde er f├╝r mich immer unglaubw├╝rdiger.

quote:
Einige Monate nach dem das sechste Opfer gefunden worden war, bezog ein neuer Mieter das Haus, dem der Alte gegen├╝ber wohnte.


Hm, wohnten die anderen Opfer auch alle in dieser Wohnung? Dann m├╝sste doch die Polizei den M├Ârder in dieser Gegend intensiv suchen. Klar, ein alter, gebrechlicher Mann wird vielleicht nicht auf Anhieb in den Kreis der Tatverd├Ąchtigen kommen, aber die gleiche Wohnung w├Ąre eine Gemeinsamkeit.

__________________
Liebe Gr├╝├če
Sheila

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spookymulder
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Hallo Sheila,

was die Rechtschreibung betrifft, k├Ânnten meine Schreibereien ja bei der neuen (alten) Regelung durchaus richtig sein ;-) Aber Spa├č beiseite. Erstmal vielen Dank f├╝rs Lesen und ├╝berarbeiten.

Deine Anregungen habe ich gr├Â├čtenteil umgesetzt, aber nach dem k.o.-Schlag die Geschichte ver├Ąndert. Keine Angst, einen Mord gibts nach wie vor.

Hier ist die ├╝berarbeitete Fassung. Viel Spa├č damit.

Gr├╝├če,

SpookyMulder

Martin sah aus dem Fenster zu dem Haus gegen├╝ber. Wie jeden Morgen ├Âffnete sich die T├╝re und der alte Mann trat heraus, einen Zigarillo in seinem Mundwinkel. Der Stock auf den er sich st├╝tzte, war so alt und knorrig wie er selbst. Er bog sich gef├Ąhrlich durch, als der alte Mann sich b├╝ckte und die Zeitung aufhob, die auf der grauen, fussligen Fu├čmatte lag. Seit Martin vor zwei Monaten eingezogen war, kam der alte Mann jeden Morgen aus seiner Haust├╝re und hob seine Zeitung auf. Unausweichlich den Gesetzen der Schwerkraft folgend, kippte er nach vorne. Knarrend bog sich der Stock und fing ihn auf, bevor er auf die Fu├čmatte fallen konnte. Und jeden Morgen seit zwei Monaten hielt Martin den Atem an in der Bef├╝rchtung, der Stock m├╝sste unweigerlich unter der Last der Jahre zusammenbrechen und den alten Mann auf direktem Weg zu Boden f├╝hren. Aber jedes Mal kam er schnaufend wieder nach oben und stand auf wackligen Beinen, die Zeitung in den Fingern, und sog heftig an dem Zigarillo, als k├Ânnte ihn dieser mit dem n├Âtigen Sauerstoff versorgen, den er so dringend brauchte.

Sein Kopf pendelte dabei hin und her, die Lippen fest zusammengekniffen, damit sie ihren wertvollen Inhalt nicht verlieren konnten. Dabei glitten seine Augen suchend ├╝ber die Stra├če und ihre H├Ąuser und blieben schlie├člich an Martins Fenster h├Ąngen.
Die Augen des Alten blinzelten und er verzog den Mund zu einem L├Ącheln. Dabei brachte er es fertig, den Zigarillo nicht zu verlieren. Er brachte es sogar fertig, den Arm zu heben und mit der Zeitung zu winken. Obschon ihn diese Geste den Rest seiner Kraft zu kosten schien, wartete er darauf, dass Martin seine Geste erwiderte, bevor er schlurfend und auf seinen Stock gest├╝tzt zur├╝ck in sein Haus ging.

Eines Abends sa├č Martin mit der Zeitung in der Hand im Wohnzimmer, als es an der T├╝re klingelte. Er runzelte die Stirn und stand auf. Wer konnte um diese Zeit etwas von ihm wollen? Hoffentlich war es nicht Jasmin. Seit er vor zwei Monaten ausgezogen war, sah er ihre Beziehung als beendet an. Nur Jasmin schien das nicht zu verstehen. Sie wollte immer wieder mit ihm ÔÇ×RedenÔÇť, da sie ihre Beziehung noch nicht aufgegeben hatte. Er hatte keine Lust mehr auf diese ewigen Diskussionen, die immer in einen Streit m├╝ndeten. Gereizt ging er zur T├╝r. Wenn sie es war, w├╝rde er ihr klipp und klar sagen, das es endg├╝ltig aus und vorbei war. Er ├Âffnete die T├╝r mit einem Ruck und blaffte ein unfreundliches ÔÇ×Ja?ÔÇť, ohne genau hinzuschauen, wer vor der T├╝re stand.

Doch vor ihm stand nicht Jasmin, sondern der alte Mann aus dem Haus gegen├╝ber. Im Licht der Au├čenbeleuchtung waren die Runzeln und Falten des Alten noch tiefer und verwinkelter als bei Tag. Sein faltiger Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen, dass ein perlwei├čes Gebiss offenbarte.

ÔÇ×Guten Abend! Bitte Entschuldigen Sie die sp├Ąte St├Ârung, aber ich w├╝rde Ihre Hilfe bei einem schweren Paket ben├Âtigen, dass ich alleine nicht in den Keller tragen kann. Ich w├╝rde ja warten, bis mein Sohn Morgen kommt, aber es sind verderbliche Lebensmittel in dem Paket, die dringend in die K├╝hltruhe m├╝ssen.ÔÇť

Seine Stimme hatte einen angenehm tiefen Klang, der Martin an die Besuche bei seinem Gro├čvater erinnerten und die Geschichten, die ihm dieser erz├Ąhlt hatte. Er legte die Zeitung aus der Hand und nickte. Seine schlechte Laune verflog.
ÔÇ×Nat├╝rlich helfe ich Ihnen. Wozu hat man denn schlie├člich Nachbarn?ÔÇť
Ihn fr├Âstelte bei dem kurzen Gang ├╝ber die Stra├če. Es war neblig und Feuchtigkeit und K├Ąlte krochen durch seine Kleidung hindurch in ihn hinein. Er beeilte sich, dem Alten zu folgen. Allem Anschein nach schien ihm das Wetter nichts auszumachen, denn er bewegte sich erstaunlich schnell und gewandt f├╝r sein Alter.

Im Flur des Hauses stand eine kleine Kiste mit der Aufschrift ÔÇ×Verderblich - K├╝hl LagernÔÇť. Eine steile Treppe f├╝hrte hinab in den Keller. Martin griff sich die Kiste und ├Ąchzte. Sie war schwerer als sie aussah. Mit der Kiste auf dem Arm ging er langsam die Treppe hinunter, der Alte hinter ihm her. Eine einzige Gl├╝hbirne unter der Decke warf einen fahlen Lichtkreis, der kaum einen Meter weit schien.
Unten angekommen stellt er seine schwere Last auf den Boden und rieb sich den R├╝cken. Er war doch mehr au├čer Kondition, als er gedacht hatte.
ÔÇ×Das sind aber ganz sch├Ân schwere Lebensmittel, die Sie da haben.ÔÇť

ÔÇ×In der Tat, ├Ąu├čerst schwerÔÇť, erwiderte sein Nachbar und hob gem├Ąchlich eine schweren Holzkn├╝ppel, der unbemerkt am Fu├č der Kellertreppe gelegen hatte. Er richtete sich auf, schwang den Kn├╝ppel und lies ihn auf Martins Hinterkopf sausen. Martin riss die Augen auf und sackte mit einem leisen ÔÇ×Oh!ÔÇť zu Boden. Den Mund hatte er ein wenig ge├Âffnet, als wollte er noch etwas sagen und hatte keine Gelegenheit mehr dazu gehabt.

Der Alte wartete einige Sekunden, ob Martin wirklich bewusstlos war. Als er sich sicher f├╝hlte, zog er aus einer Ecke des weitl├Ąufigen Kellers einen OP-Tisch auf Rollen. Wie durch ein Wunder waren das Alter und die Gebrechlichkeit von ihm abgefallen. Es bereitete ihm nur wenige M├╝he, Martin auf den Tisch zu heben und mit einigen starken Seilen zu fesseln. Ein Halogenstrahler und eine schwarze Ledertasche machten das Szenario perfekt.

In diesem Moment erwachte Martin aus seiner Bewusstlosigkeit. St├Âhnend drehte er den Kopf von einer Seite zur anderen, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Als die bunten Schlieren vor seinen Augen und das H├Ąmmern in seinem Kopf nachlie├čen, sah er sich um und blickte direkt in den Halogenstrahler. Er wollte die Hand vor die Augen heben, doch es ging nicht. Irgendetwas oder jemand hielt sie fest. Vorsichtig drehte er den Kopf und sah, dass um seine Arme dicke Seile geschlungen waren, die ihn auf einen Tisch fesselten. Verbl├╝fft starrte er auf die Seile und versuchte sich aufzurichten. Auch das ging nicht. Um seine Brust waren ebenfalls Seile gespannt. Martin riss an den Seilen, wand sich und versuchte, seine Fesseln zu l├Âsen ÔÇô vergeblich. Mit seinen Versuchen zog er sie nur noch fester. Der Mann lachte.

ÔÇ×Ich an Ihrer Stelle w├╝rde mich nicht mehr bewegen, sonst schn├╝ren Sie sich noch die Arme und Beine ab.ÔÇť

Martin starrte ihn an. Er verstand nicht, was der Mann von ihm wollte. Ohne auf ihn zu h├Âren, riss er weiter an seinen Fesseln. Seine Bem├╝hungen schienen seinen Peiniger zu am├╝sieren, denn er lachte noch mehr. Den Kopf weit zur├╝ckgelegt, den Mund ge├Âffnet hielt er sich die H├Ąnde vor den Bauch und lachte, als w├Ąre Martin das komischste, dass er je gesehen hatte. Keuchend hielt Martin inne. Dieser Mann machte ihm Angst ÔÇô Todesangst. Er sah sich nach etwas oder jemandem um, dass ihm helfen konnte, aber er war mit dem Alten allein.

ÔÇ×Hilfe! Hallo, h├Ârt mich jemand? Hilfe! Hilfe!ÔÇť

Martins Schreie gingen in dem Gel├Ąchter unter. Verzweifelt warf er sich in seine Fesseln, schrie und zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen. Nur allm├Ąhlich beruhigte sich der Mann, w├Ąhrend Martin ersch├Âpft auf dem Tisch lag. Er war schei├čbedeckt. Seine Kleidung klebte ihm am K├Ârper und die Fesseln schnitten scharf in seine Hand- und Fu├čgelenke. Der Alte trat aus dem Licht heraus und kam mit einem Infusionsst├Ąnder zur├╝ck, an dem ein durchsichtiger Beutel mit einer klaren Fl├╝ssigkeit hing. Aus der Tasche nahm er einen Schlauch mit einer Nadel. Den Schlauch befestigte er an dem Beutel und zog die Kappe von der Nadel.

Er trat an den Tisch zu Martin, der ihn die ganze Zeit ├╝ber beobachtet hatte. Sein Atem ging schneller, als der Alte nach seinem Arm griff und die Nadel hinein stechen wollte. Er zuckte und versuchte, seinen Arm wegzuziehen, aber die Fesseln hinderten ihn daran.

ÔÇ×Was wollen Sie von mir? Bitte, ich kann Ihnen Geld geben! Ich habe viel Geld, dass k├Ânnen Sie haben, aber bitte, bitte lassen Sie mich Frei! Ich habe Ihnen doch nichts getan!ÔÇť

Tr├Ąnen liefen sein Gesicht hinab, die Schluchzer vermischten sich mit seinem Flehen. Er konnte nicht verstehen, was er dem Mann getan hatte, dass er ihn hier festhielt. Einen Moment hielt der Mann tats├Ąchlich inne und hob die Hand. Martin glaubte, dass er ihn Frei lassen w├╝rde. Aber der Alte wischte ihm nur die Tr├Ąnen aus dem Gesicht und strich ihm die schwei├čnassen Haare aus der Stirn.

ÔÇ×Ich w├╝rde dich wirklich gerne Frei lassen, glaub mir, aber dann wirst du als erstes zur Polizei gehen und das kann ich nicht zu lassen. Ich habe schon zu lange auf eine Gelegenheit wie diese gewartet. F├╝nfzig Jahre um genau zu sein.ÔÇť

Er nahm die Nadel mit dem Schlauch und stach sie Martin in den Arm, ohne sich die M├╝he zu machen, die Stelle zu Desinfizieren. Die Nadel befestigte er mit Leukoplast. Dann ├Âffnete er den Hahn unter dem Beutel und die Fl├╝ssigkeit lief durch den Schlauch in Martins K├Ârper. Marti sch├╝ttelte den Kopf und murmelte ÔÇ×Nein, nein! Bitte, nein!ÔÇť. Es fiel ihm immer schwerer, die Worte auszusprechen. Seine Zunge wurde zu einem harten Klumpen, den er nicht mehr bewegen konnte. Die Worte verschwammen zu einem unsinnigen Brei und schlie├člich konnte er gar nichts mehr sagen. Jeder Muskel in seinem K├Ârper wurde schwer und entzog sich seine Kontrolle und sogar seine Augen fielen zu. Ein Kribbeln lief durch ihn hindurch, dass bei den F├╝├čen begann und sich bis in den Kopf fortsetzte. Dem Kribbeln folgte v├Âllige Erschlaffung. Er war von Kopf bis Fu├č gel├Ąhmt.

Zufrieden beobachtete der Alte Martin. Als sich seine Augen schlossen, riss er zwei Streifen Leukoplast ab. Er hob Martins Augenlieder und klebte sie fest, dass sie sich nicht mehr schlie├čen konnten. Aus der Tasche nahm er eine kleine Ampulle, aus der er ihm Fl├╝ssigkeit in Augen tropfte. Martin konnte sich nicht r├╝hren und musste mit ansehen, wie sein Peiniger aus der Tasche mehrere Skalpelle und chirurgische Instrumente nahm, die er ihm auf die Brust legte. Seine Gedanken rasten. Er konnte nicht fassen, was mit ihm geschah. Der Mann musste vollkommen verr├╝ckt sein. Das konnte nicht wahr sein. Und doch lag er hier. Regungslos. Gefesselt. Ausgeliefert.

Sorgfaltig begann der alte Mann die Instrumente zu putzen und zu Desinfizieren. Er nahm jedes Einzelne hoch, s├Ąuberte es und hielt es gegen das Licht, das sich in dem Stahl brach und scharf in Martins Augen stach.

ÔÇ×Du musst keine Angst haben. Sp├Ątestens wenn ich deinen Brustkorb ge├Âffnet habe, wirst du vor Schmerzen Ohnm├Ąchtig. Das Mittel, dass ich dir gegeben habe, ist lediglich ein Muskelrelaxans. Das hei├čt, du kannst dich nicht bewegen, aber immer noch Schmerz empfinden. Ein wirklich sehr gutes Mittel, um Versuche am lebenden Objekt zu machen. Ich war fr├╝her Arzt, wei├čt du. Dr├╝ben, in der Sowjetunion. Stalin war ganz verr├╝ckt nach Versuchen mit Menschen. Damals dachten wir noch, Mivacron w├Ąre auch ein Narkotikum, aber der einzige Proband, der ├╝berlebte, hat uns eines besseren belehrt.ÔÇť

Er sch├╝ttelte den Kopf, als k├Ânne er ihren Irrtum von damals immer noch nicht so recht glauben.

ÔÇ×Nach Stalins Tod hat Chruschtschow dann die Versuche verbieten lassen. Ich bin darauf hin den Westen gegangen, um als Arzt mein Dasein zu fristen.ÔÇť

W├Ąhrend er sprach, ging er um den Tisch herum. Er hielt eines der Skalpelle in den H├Ąnden und benutzte es wie ein Dozent einen Zeigestock. Am Fu├čende blieb er stehen und deutete mit dem Instrument auf Martin, der ihn weiterhin anstarrte. Das Muskelrelaxans war so gut, dass selbst sein Atem langsam und gleichm├Ą├čig ging. Die Panik, die ihn bei den Worten des Mannes ├╝berkam, schwappte durch seinen Verstand und er fragte sich, welche Experimente dieser Verr├╝ckte mit ihm vorhatte.

ÔÇ×Aber ab und zu konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und habe meine Versuche an Obdachlosen weitergef├╝hrt. Niemand ist mir je auf die Schliche gekommen. Wer fragt auch schon nach einem Penner? Gott sei dank habe ich alle meine Aufzeichnungen von damals mitgenommen. Heute kann ich meine Versuche sogar mittels modernster Technik dokumentieren.ÔÇť

Abermals trat er in den Schatten und kam mit einer Videokamera, die auf einem Stativ stand, zur├╝ck. Er stellte sie am Fu├čende auf und schaltete sie ein. Das rote Licht blinkte auf und schien Martin wie ein ein├Ąugiger D├Ąmon zu verh├Âhnen. Der Mann trat zu ihm und legte die restlichen Instrumente auf einen kleinen Tisch, der neben der Liege stand, auf der Martin lag. Aus der Tasche nahm er Gummihandschuhe, die er anzog, bevor er Martins Hemd mit einer Schere zerschnitt. Dann hob er seinen Kopf an und legte einen Keil darunter, damit Martin alles genau mit ansehen konnte.

ÔÇ×Versuch Nummer 178b. Der Proband ist ein m├Ąnnlicher wei├čer, zwischen 30 und 35 Jahre alt, circa 1,80m und von normaler Statur. Bei diesem Versuch soll die Wirkung von Salpeters├Ąure auf die inneren Organe, besonders des Magen-Darm-Traktes, untersucht werden.ÔÇť

Das Skalpell glitt in Martins Haut und der Mann zog einen sauberen y-Schnitt vom linken und rechten Brustbein bis hinunter zum Bauchnabel. Der Schmerz war wie ein Schock. Martin schier innerlich auf und die Tr├Ąnen liefen ihm wieder ├╝ber das Gesicht. Schwarze Nebel kamen von allen Seiten ├╝ber seinen Verstand und zogen ihn langsam mit sich. Er sah, wie der Mann die Haut und das Gewebe auf seiner Brust aufklappte und seine Rippen freilegte.

Sorgf├Ąltig setzte er den Rippenspreizer an und legte, nachdem er die Rippen gebrochen hatte, die Lunge und das Herz frei. Martins Empfinden bestand nur noch aus Schmerz in den unterschiedlichsten Abstufungen und Variationen. Der Nebel wirbelte durch seinen Geist, riss ihn f├╝r wenige Sekunden mit und spuckte ihn aus, zur├╝ck in den Sturm aus Schmerz und Qual.

In einem hatte sich der alte Mann jedoch geirrt: Martin wurde erst Ohnm├Ąchtig, als die ersten Tropfen der S├Ąure auf sein innerstes trafen.

Die Polizei, die eine Woche sp├Ąter von Jasmin gerufen wurde, nachdem Martin auf keine ihrer Kontaktversuche reagiert hatte, fand keinerlei Spuren von Martin. Sie drehten jeden Stein um und befragten jeden der Nachbarn, aber keiner hatte etwas gesehen. Als letzten befragten sie den alten Mann. Er konnte dem ermittelnden Kommissar jedoch nicht helfen.

ÔÇ×Ich bin erst gestern von einem Kurzurlaub aus dem Schwarzwald zur├╝ckgekommen. Wissen Sie, ich habe da eine kleine H├╝tte mit einem St├╝ckchen Wald. Besonders jetzt im Fr├╝hjahr muss ich mich darum k├╝mmern, dass die Erde nach dem Winter gut durchl├╝ftet ist und gen├╝gend N├Ąhrstoffe bekommt. Ich habe da gerade so einen neuen D├╝nger auf nat├╝rlicher Basis ausprobiert. Au├čerdem ist nichts so gut f├╝r die alten Knochen, wie ausgedehnte Spazierg├Ąnge durch die Natur.ÔÇť

Einige Monate nach dem Martin verschwunden war, bezog ein neuer Mieter das Haus, dem der Alte gegen├╝ber wohnte. Jeden Morgen beobachtete er den Alten, wie er auf seinen Stock gest├╝tzt die Zeitung holte. Eines Abends klingelte es an der Haust├╝re und der neue Mieter ├Âffnete. Vor ihm stand der alte Mann und l├Ąchelte ihn freundlich an.
ÔÇ×Guten Abend. Bitte Entschuldigen Sie die sp├Ąte St├Ârung, aber k├Ânnten Sie mir wohl bei einem schweren Paket behilflich sein?

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Hi Spookymulder,

l├Ąsst sich wesentlich besser und fl├╝ssiger lesen.
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Liebe Gr├╝├če
Sheila

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hi,

das h├Ârt man doch immer wieder gern :-)

gru├č

spookymulder
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