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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Nachdenken über Maria Magdalena
Eingestellt am 30. 06. 2007 22:57


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dubidu
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Immer lesen oder hören wir, dass es keine Christen mehr in Deutschland gäbe. Das ist natürlich Quatsch, denn die "Zehn Gebote" und die "Bergpredigt", also die "Christliche Moral", prägt unser Denken und Handeln viel stärker als wir glauben. Auch fest in unserem kollektiven Bewusstsein eingebrannte religiöse Ressentiments, wie beispielsweise unsere Einstellung gegenüber dem Islam, haben einen starken Einfluss auf unsere Meinungsbildung.

Wenden wir uns unseren religiösen und kulturellen Wurzeln zu, dann stoßen wir immer wieder auf eine "Heilige Frau", die uns in ihren Bann zieht, die uns fasziniert und nicht mehr los lässt. Maria Magdalena, die Frau, die Jesus treu ergeben war, als sich seine Jünger schon längst aus dem Staub gemacht hatten. Sie war die Person, der Jesus nach seiner Auferstehung zuerst begegnet war. Eine Heilige, die in apokryphen (nichtbiblischen, außerkanonischen) Texten als Jesus engste Vertraute, eifersüchtig von Petrus beobachtet, beschrieben wurde. Ob Petrus tatsächlich von Jesus als Fels auserwählt wurde, auf dem die Kirche gebaut werden sollte, ist zumindest zweifelhaft.

Im Neuen Testament finden wir in der "Hochzeit von Kana" einen versteckten Hinweis auf die Hochzeit von Jesus mit Maria Magdalena; auch andere Bibelstellen, wie zum Beispiel die Salbungen, weisen darauf hin. Zwar wurden durch Übersetzungsfehler und "Korrekturen" der Evangelisten ursprüngliche Ereignisse und Texte manipuliert, doch findet der Gläubige auch heute noch ausreichend biblischen Zündstoff, der auf eine starke Stellung Maria Magdalenas im Kreise Jesu hinweist. Das Studium apokrypher Evangelien verstärkt diese Ansicht.

Historiker und dogmenfreie Theologen neigen heute zur Ansicht, dass Maria Magdalena Jesus stärkste Bezugsperson war und nach seiner Kreuzigung mit apostolischen Aufgaben betreut werden sollte. Katholische Theologen, die dieser Meinung nicht folgen können, müssen jedoch anerkennen, dass Maria Magdalena zwar sehr spät, doch endlich 1969 vom Vorwurf der Hure freigesprochen worden war.

Dass Maria Magdalena nach einem verlorenen Machtkampf mit Petrus nach Frankreich geflohen war, den Heiligen Gral, möglicherweise Jesus Kind im Bauch getragen hatte, an der französischen Mittelmeerküste sesshaft geworden war, dann das Christentum gepredigt hatte, ist eine interessante spekulative Perspektive. Dennoch, drei Orte in Frankreich, die sich rühmen, die Gebeine der Heiligen zu bewahren, bekräftigen diesen Glauben.

Auch die Legenden, dass sich die Nachfahren Jesu über eine Linie der Merowinger bis zu den Kreuzrittern fortgepflanzt hatten und dass es heute noch Abkömmlinge des heiligen Stammes Jesu gäbe, gehören wohl eher ins Reich der Mythen wie beispielsweise die Artussage.

Aber eine andere Betrachtung verdient eine tiefere Analyse. Die ursprünglichen Gottheiten waren weiblich. Der Zyklus "Empfängnis-Vergehen-Wiedergeburt" wurde als göttliches und weibliches Vermächtnis angesehen. Im Laufe der Geschichte wurde dieser matriarchalische Glaube von den patriarchalisch dominierten Gesellschaften verdrängt. Die Macht des Mannes hatte sich spätestens vor fünftausend Jahren weltweit durchgesetzt.

Die Chinesen hatten dem weiblichen Prinzip das männliche Prinzip komplementär (ergänzend) zur Seite gestellt. Im Grunde finden wir diese Dualität zunächst bei den alten Ägyptern in den Gottheiten Isis und Osiris und anschließend auch im gnostischen Christentum: Jesus und Maria Magdalena, das göttliche Paar!

Über solche Spekulationen könnten noch riesige Bibliotheken gefüllt werden, deshalb sollten wir uns auf den außergewöhnlichen Charakter der Heiligen besinnen, auf die Gründe, warum wir ihr Andenken im Herzen behalten sollten. Sie war eine mutige, starke und gläubige Frau.

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Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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