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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Nachdenken über das Eigentliche
Eingestellt am 14. 08. 2005 19:21


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dubidu
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Eigentlich könnte es uns sehr gut gehen zwischen Rhein und Oder. Oder etwa nicht?

Und eigentlich müssten Neuwahlen zwischen Ostsee und Bodensee ins Wasser fallen, weil sie eigentlich verfassungswidrig oder zumindest äußerst fragwürdig sind.

Warum vernachlässigen wir Deutschen eigentlich das Eigentliche? Eigentlich liegt die Antwort klar auf der Hand. Seit Jahrzehnten sind den verantwortlichen Politikern die Hände gebunden und sie machen nicht das Eigentliche, sondern sie machen das Uneigentliche, weil sie vor lauter Eigennutz sehr eigen sind.

Der Eigennutz hat Bund, Länder und Kommunen hoffnungslos in die Überschuldung getrieben; unsere Kinder können eigentlich Zins und Tilgung niemals bewältigen. Apropos Kinder: aufgrund der mangelnden aktuellen Gebärfreudigkeit werden uns die Kinder nicht nur zum Schuldenabbau fehlen, sondern zusätzlich auch nicht die bankrotte Sozialversicherung sanieren. Und die meisten Jugendlichen, die in Kürze die Hauptschulen verlassen, fürchten sich vor der Massenarbeitslosigkeit. Massen sind arbeitslos, während die Berufstätigen massig zu tun haben und sich dabei ängstigen, bald nichts mehr zu tun zu haben.

Eigentlich kommen die Neuwahlen doch zur rechten Zeit: Eine neue Regierung wird die heißen Eisen schon anpacken, die seit einer halben Ewigkeit im Feuer glühen - jawohl, packen wir es endlich an!

Aber zunächst schauen wir uns unsere Spitzenkandidaten einmal etwas näher an. Da gibt es eine etwas weltfremde Quantenfrau, die sich in Brutto- oder Nettofragen ab und zu ein wenig verhaspelt. Bleiben wir beim Verhaspeln, denn hier existiert ein wahrer Weltmeister des Sprachausdruckverhaspelns, darüber hinaus ein ausgezeichneter bajowarischer Lokalpatriot mit exzellenten Verleumderqualitäten. Dann haben wir noch den jugendlichen Pennäler, der vorzugsweise in Unterschichtfernsehshows zu Hause ist. Drehen wir nun die Medaille um und betrachten uns die Kandidaten der Gegenseite. Da sitzen zwei ganz tolle Exemplare einträchtig nebeneinander: der eine Kandidat ist ein gescheiterter Minister und heutiger Schlossherr, der Wein trinkt und Wasser predigt. Sein Komplementär ist ein windiger Rechtverdreher mit Vergangenheit und Hang zur Selbstdarstellung in unvermeidlichen Talkshows. Verlieren wir abschließend noch ein paar Worte über die
Mannschaftsführer der Regierung: da regiert ein blendender Politprofi mit einem ehemaligen Steinewerfer und heutigen Visaspezialisten im Schlepptau.

Eigentlich können wir keinen der Kandidaten wählen. Eigentlich können wir auch keine Partei wählen. Doch machen wir es wie unsere Politiker: tun wir das Uneigentliche und geben wir den Uneigentlichen unsere Stimmen.
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Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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jon
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Wortgewandt. Aber…

Sehr locker und „süffig“.

Aber ich mag solche Polemik nicht – was bringt die schon außer ein weiteres Mal "Ist doch alles große Sch…!" Bei allen Misständen – aufgezählt, was alles in Argen liegt, haben wir lange genug und wir kriegen es ja auch immer wieder – mit den entsprechenden Schuldzuweisungen – "neu" präsentiert. Ich lass mir das bestenfalls noch gefallen, wenn nach konkreten Gründen (und nicht einfach nur: Weil XY einfach unfähig ist!) gesucht wird, die bieten immerhin einen Ansatz, wie es zu ändern ist. Aber das Aufzählen selbst bietet nicht die allergeringste Hilfe bezüglich keiner Entscheidung! "Nur" weil sich "alle" auf dieser medienwirksamen Schuldzuweisungsschlammschlacht (, die schon vor der Neuwahl-Aussicht begonnen hat, das soll der Gerechtigkeit halber gesagt werden) "ausruhen", gibt's so wenig Wahl-Entscheidungshilfe.

Ich mag auch nicht, wenn Leute auf diese Weise "charakterisiert" werden – abgesehen davon, dass es faktisch wahr sein mag, sagt es gar nichts: Was bitte hat die Info "ehemalige Steinewerfer" für einen Aussagewert bezüglich der geschilderten Situation? Das ist ungefähr so wie wenn man über mich sagte: "Als ehemalige Jeans-Verweigerin ist ihre Werbeglaubwürdigkeit in Sachen Denim sehr fraglich." Oder: "… mit Vergangenheit" – ja wie denn auch nicht, der Mann ist schon längst keine 18 mehr (, wie alle Kandidaten übrigens)! (Ich rede mal nicht über die transportierten Wertungen, die zu diskutieren gehört nicht zur Textarbiet.)

Ich mag vor allem nicht, wenn wie hier genau das bedient wird, was das Problem ausmacht: Für die Entscheidung ist die Sache längst unwichtig geworden*, selbst die Kompetenz der Personen wird zunehmend unwichtiger**, bestenfalls die "Glaubwürdigkeit" ist noch ein Kriterium, wobei diese weniger von Fakten sondern von Telegenität bestimmt wird. Natürlich kann man in so einem Text die Programme nicht hieb- und stichfest vergleichen, ja selbst auszugs- oder schlagwortweise nicht (, wobei letzeres ohnehin problematisch ist). Vor allem kann man's kaum, weil die Sachfragen* kaum noch zru Sprache kommen und wenn doch, dann achtet man mehr auf den Rahmen.
Und der Text macht genau das ebenfalls: Er redet nicht über die Sache, er transportiert leicht verdauliche, emotionsgeladene Bilder (nicht unoriginell, das gebe ich zu, aber das ändert nichts daran, dass es oberflächlich bleibt).

Mich stört, dass der Aspekt "eigentlich" unterwegs verloren geht. Mich stört, dass du zwar sagst, wir würden das Eigentliche vernachlässigen, aber nicht, was das ist. Oder dass die Politiker das Eigentliche vernachlässigen, dann aber doch genau aufzählst, worüber sie die ganze Zeit reden (, was anderes wäre es, würdest du machweisem, dass sie nur darüber reden, aber was ganz anderes – und zwar dies und jenes – tun).

Kurz und gut: Ein medienwirksamer, kurzweiliger, gewissermaßen unterhaltsamer Text, der „dem Leser aus dem Herzen spricht" – und ihm dabei keinen Schritt weiterhilft. Abgesehen davon, das ich es nicht mag, ist es m.E. nur eine Nebenaufgabe des Journalismus zu unterhalten (ohne bringt's bekanntlich nichts) – Journalismus soll informieren (der Text hier baut mit seinem Anspielungen und Andeutungen darauf, dass man die Infos/Fakten schon kennt) und/oder Gedanken wecken (, ich seh hier keine Stelle, wo man „Nachdenken zum Thema Wahl" anknüpfen könnte).


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* die Parteien gehen auch (! – es gibt noch einen anderen wesentlichen Gruns: Die Materie ist zu komplex, um sie publikumswirksam und/oder in 30-Sekunden-Spots dazulegen) deshalb immer seltener mit Fakten hausieren, weil man sich z.B. daran hochzieht, dass A.M. sich gelegentlich verspricht
** ob – um bei dem Beispiel zu bleiben – A.M. weniger kompetent ist, weil sie sich in Reden häufig verspricht, darf getrost bezweifelt werden.

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dubidu
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Liebe jon,

vielen Dank für die ausführliche Auseinandersetzung mit meinem Text.

Ich kann viele Punkte gut nachvollziehen und verstehe auch, warum du den Text nicht magst. Denn mir ist klar geworden, dass er nicht das halten kann, was ich mir von ihm versprochen habe.

Was ist das Uneigentliche? In diesem Zusammenhang das, was eigentlich politisch durchgesetzt werden sollte, aber leider nicht gemacht wird. Und das schon seit mehr als 20 Jahren. Nicht auszudenken, wo wir heute wären, wenn wir ähnlich wie die Schweden, die Dänen, die Briten und die Niederländer mit den unabänderlichen Reformen schon vor 20 Jahren angefangen hätten. So schrieb der "Economist" vor wenigen Tagen, dass die ökonomische Situation Deutschlands ja gar nicht so schlecht aussähe. Und dannn folgert er, dass eigentlich ein Machtwechsel sinnvoll wäre, um die Reformen vorwärts zu treiben, allerdings Merkels Mehrwertsteuererhöhung volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Um es mit meinen Worten zu sagen: scheißegal, wen ihr wählt, es wird sowieso nicht das Richtige gemacht, weil die Regierenden es einfach nicht verstehen, das Richtige zu tun. Sicher ist meine Einstellung wenig optimistisch, aber sie spiegelt auch das wieder, was der Economist schreibt: den Deutschen fehle der Optimismus. Da hat er Recht!

Liebe jon, gerne hätte ich etwas mehr vom Economist beschworenen Optimismus, wenn ich die Spitzenpolitiker sehe, dann schließe ich allerdings mit: "...allein mir fehlt der Glaube!"

Schönes Wochenende
gez. das dubidu
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gareth
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Ja, wenn Du doch selbst gemerkt hast, dubidu,

dass Dein Text nicht das halten kann, was Du Dir von ihm versprochen hast, warum löschst Du ihn dann nicht einfach und versuchst es noch einmal?

Es kann doch nicht wirklich sinnvoll sein, dass sich die Leselupen Mitglieder mit einem Text auseinander setzen, der von seinem Autor bereits als untauglich erkannt wurde.

Im Übrigen halte ich von solcherlei Ausführungen rein gar nichts und finde sie auch keineswegs (wie jon sich freundlicher Weise ausdrückt) süffig, kurzweilig oder gar unterhaltsam, sondern einfach niveaulos. Insofern hätte ich auch keine Erwartungen an einen Neuversuch, wie oben vorgeschlagen, wenn ich ehrlich bin.


gareth

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dubidu
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Lieber gareth,

vielen Dank für deinen Kommentar, allerdings empfinde ich ihn als nicht perfekt mit deiner Abstimmung abgestimmt: auf der einen Seite bewertest du das Werk mit "Geht so" und auf der anderen Seite schreibst du "niveaulos und überflüssig"
Ja, was denn nun?
Oder bewertest du grundsätzlich zu gut?

Auch wenn ich schreibe, dass der Text nicht das hält, was ich mir von ihm versprochen habe, heißt das keineswegs, dass er m.E. untauglich ist. Ich habe zwar nicht alle Dimensionen abgedeckt, allerdings bin ich mit meinem Schluss und den Konsequenzen meiner Aussage sehr zufrieden.

Gruß
gez. das dubidu


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jon
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Da ich – in dieser Sache – auch eher Pessimist bin, aber da ich gegen Braun zu wählen gedenke, bin ich froh über jeden Hinweis, was die am wenigsten schlimme wählbare Alternative ist. Wahrscheinlich hab ich auch deshalb so heftig reagiert.
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