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Leselupe.de > Kurzprosa
Nachklänge.
Eingestellt am 22. 03. 2008 14:31


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LydiaG
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2006

Werke: 3
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Für einen, der (nur) einmal zu Besuch war.

Kalt ist es noch einmal geworden zum Frühlingsbeginn.
Mein Atem vermischt sich silbern mit der Dämmerung.
Ich habe den Weg durch den Park gewählt, mir Eintritt verschafft mit dieser entschlossenen, raschen, klitzekleinen Hin- und Herbewegung, die das große Drehtor doch noch in Bewegung setzt, obwohl es für alle, die diesen Trick nicht kennen, schon seit über einer Stunde verschlossen ist.

Ich laufe die Allee entlang zum Hauptausgang unterhalb des Schlosses Favorite, das Herz klopft mir dabei bis zum Hals; ich liebe dieses gerade noch beherrschbare Grausen, das mich angesichts der drohenden Dunkelheit mit all ihren fremden Geräuschen anfliegt und sich erst im Licht der breiten Auffahrt wieder legen wird; fast zu schnell kann ich die Laternen sehen und muss im gleichen Augenblick lachen über ein erschrecktes Eichhörnchen, das noch viel schneller als ich zum Ausgang stürmt. Hinaus lassen sie einen immer, das Tor aufzudrücken bringt mich allerdings noch mehr ins Schwitzen. Schwer atmend erreiche ich die B27, die sechsspurig die Stadt in zwei Hälften zerschneidet.

Hinter mir liegen sie, die kleinen, hell erleuchteten Häuser am Hang, zwischen ihnen und mir nun der Park, vor mir am Horizont die schlimmste Bausünde der Stadt, himmelhoch ragend und scheußlich, unser allseits gehasstes Marstall-Center. In diese Richtung zieht es mich, nur ein Glas Wein in einer der Kneipen, danach vielleicht noch ein Spätfilm. Ich bin früher gerne ins Kino gegangen, inzwischen sagen mir die in den Programmzeitungen angebotenen Filme nichts mehr. Die Scheinwerfer der Autos blenden, spiegeln sich im nassen Asphalt; ich könnte diesen breiten, ruhelosen Strom von Lichtern mit einem Knopfdruck an der Fußgängerampel zum Stillstand zwingen, aber mir ist nicht danach. Unangenehm ist mir vielmehr der Gedanke an Augenpaare im Dunkeln, die beobachten könnten, wie ich im Schneeregen die Straße überquere, eilig und bemüht, trotzdem elegant zu wirken - nein, ich nehme lieber die Unterführung.

Eigentlich nehme ich jedes Mal die Unterführung, trotz der unwirklichen Beleuchtung und des allgegenwärtigen Geruchs von Urin und Hundekot. Wie immer vermeide ich es, mich am rostigen Geländer festzuhalten, obwohl die Stufen glatt zu sein scheinen. Vorsichtig, unsicher mache ich einen Schritt nach dem anderen. Hier unten sind wir zusammen gewesen, aber weiter in Richtung Park gingen wir nicht, vielmehr kehrten wir an dieser Stelle um und nahmen den steilen Weg unterhalb des Einkaufszentrums zurück in die Stadt, ich erinnere mich an den vielen Schnee, der in dieser Nacht fiel, an deine langen Beine und deine großen, schnellen Schritte, es war gar nicht so einfach, mit dir mitzuhalten, bis du endlich deinen Arm um mich gelegt hast.

Der erste, vorsichtige Kuss auf dem Marktplatz, am Brunnen. Kitschig war es, aber das störte mich nicht.
Im Übrigen habe ich auf diesem Marktplatz vor und nach deinem Besuch andere Männer geküsst, danach allerdings nur noch den einen Mann, wegen dem ich einige Wochen später, im Frühling, die Umzugskartons gepackt habe. Vielleicht bist du einfach einige Wochen zu spät vorbei gekommen, vielleicht war unser gemeinsamer Abend und vor allem der trunkene Spaziergang nur ein letztes Aufbäumen angesichts einer längst getroffenen Entscheidung.

Und doch sehe ich dich noch immer hier, dein jungenhaftes Gesicht mit der kleinen Brille, deinen schmalen, erstaunlich weichen Mund; und ich spüre noch deinen schlanken, fast mageren Körper, die Wärme dieser an sich eiskalten Nacht. In dieser Unterführung ist sie noch, diese Ahnung um das, was wir hätten sein können, und trotz allen Lärms von der großen Straße oben wird es hier unten in mir still.


Version vom 22. 03. 2008 14:31
Version vom 26. 03. 2008 09:57

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Lydia,

ein ansprechender Text, der mir sehr gut gefallen hat. Hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik top, da ist mir absolut nichts aufgefallen. Vielleicht ein paar Neuzeilen mehr, dann, wenn etwas Beschreibendes durch Handelndes abgelöst wird - für den besseren Lesefluss. Anbei ein paar Vorschläge. Vielleicht kannst Du das eine oder andere verwenden:
(Cut=Neue Zeile, rot=Kommentar, blau=Vorschlag)

Kalt ist es noch einmal geworden zum Frühlingsbeginn. (Cut) Mein Atem vermischt sich silbern mit der Dämmerung. Ich habe den Weg durch den Park gewählt, mir Eintritt verschafft mit dieser entschlossenen, raschen, klitzekleinen Hin- und Herbewegung, durch einen entschlossenen Ruck am Tor die das große Drehtor doch noch in Bewegung setzt, obwohl es für alle, die diesen Trick nicht kennen, schon seit über einer Stunde verschlossen ist.
(Nur Idee, weil mir der Satz so lang vorkam)

Schnell laufe ich (Laufe impliziert bereits schnell)
Ich laufe die Allee entlang zum Hauptausgang unterhalb des Schlosses Favorite, das Herz klopft mir dabei im bis zum Hals; ich liebe die gerade noch beherrschbare Furcht, die mich angesichts der geheimnisvollen Laute aus der herabsinkenden Nacht (angesichts von Lauten - das geht nicht), der schimmernden Augen halbwilder Tiere, der Silhouetten der noch kahlen, mächtigen, alten Bäume anfliegt und sich erst im Licht der breiten Auffahrt wieder legen wird; fast zu schnell kann ich die Laternen sehen und muss im gleichen Augenblick lachen über ein keckerndes Eichhörnchen (Eichhörnchen schnalzen oder brummen, Jungtiere pfeifen), das noch viel schneller als ich zum Ausgang stürmt. (Cut)
Hinaus lassen sie einen immer, das Tor aufzudrücken bringt mich allerdings noch mehr ins Schwitzen. Schwer atmend erreiche ich die B27, die sechsspurig die Stadt in zwei Hälften zerschneidet.

Hinter mir liegen sie, die kleinen, hell erleuchteten Häuser am Hang, zwischen ihnen und mir nun der Park, vor mir am Horizont die schlimmste Bausünde der Stadt, himmelhoch ragend und scheußlich, unser allseits gehasstes Marstall-Center. In seine dessen Richtung zieht es mich, nur ein Glas Wein in einer der Kneipen, danach vielleicht noch ein Spätfilm. (Cut)
Ich bin früher gerne ins Kino gegangen, inzwischen sagen mir die in den Programmzeitungen besprochenen angebotenen Filme nichts mehr. (Cut)
Die Scheinwerfer der Autos blenden mich, zumal spiegeln sie sich im nassen Asphalt spiegeln; ich könnte diesen breiten, ruhelosen Strom von Lichtern mit einem Knopfdruck an der Fußgängerampel zum Stillstand zwingen, aber mir ist nicht danach. Unangenehm ist er mir vielmehr, der Gedanke an Augenpaare im Dunkeln, die mich beobachten könnten, wie ich im Schneeregen vor ihnen die Straße überquere, eilig und bemüht, trotzdem elegant zu wirken - nein, ich nehme lieber die Unterführung.

Eigentlich nehme ich jedes Mal die Unterführung, trotz der unwirklichen Beleuchtung und des allgegenwärtigen Geruchs von Urin und Hundekot. Ich vermeide es wie immer Wie immer vermeide ich es, mich am verrosteten rostigen Geländer festzuhalten, obwohl die Stufen glatt zu sein scheinen sein könnten. Vorsichtig, unsicher mache ich einen Schritt nach dem anderen. (Cut)
Hier unten sind wir zusammen gewesen, aber weiter in Richtung Park gingen wir nicht nie, vielmehr kehrten wir an dieser Stelle immer um und nahmen den steilen Weg unterhalb des Einkaufszentrums zurück in die Stadt, ich erinnere mich an den vielen Schnee, der in dieser Nacht fiel, an deine langen Beine und deine großen, schnellen Schritte, es war gar nicht so einfach, mit dir mitzuhalten, bis du endlich deinen Arm um mich gelegt hast.

Der erste, vorsichtige Kuss auf dem Marktplatz, am Brunnen. Kitschig war es, aber das störte mich nicht.
Im Übrigen habe ich auf diesem Marktplatz vor und nach deinem Besuch andere Männer geküsst, danach allerdings nur noch den einen Mann, wegen dem ich einige Wochen später, im Frühling, die Umzugskartons gepackt habe. (Cut)
Vielleicht bist du einfach einige Wochen zu spät vorbei gekommen, vielleicht war unser gemeinsamer Abend und vor allem der trunkene Spaziergang nur ein letztes Aufbäumen angesichts einer längst getroffenen Entscheidung.

Und doch sehe ich dich noch immer hier, dein jungenhaftes Gesicht mit der kleinen Brille, deinen schmalen, erstaunlich weichen Mund; und ich spüre noch deinen schlanken, fast mageren Körper, die Wärme dieser an sich eiskalten Nacht. (Cut)
In dieser Unterführung ist sie noch, diese Ahnung um das, was wir hätten sein können, und trotz allen Lärms von der großen Straße oben wird es hier unten in mir still.

So, fertig. Es ist Dein Text und er gefällt mir auch so schon sehr gut.
Wenn meine Vorschläge unberechtigt sind, dann ist es auch okay. Von mir eine dicke "8".

Man liest sich,

liebe Grüße,KaGeb

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LydiaG
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2006

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@KaGeb

auch dir vielen Dank - für die Punkte, aber vor allem für die Arbeit, die du dir gemacht hast. Einiges habe ich (gerne) übernommen. Grüße an dich!

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