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Leselupe.de > Kurzprosa
Nachklang
Eingestellt am 21. 08. 2009 19:28


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anbas
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Nachklang

Das zerfurchte Gesicht des alten Mannes sah aus, als wĂ€re es aus Borke der knorrigen Eiche gefertigt, an deren Stamm gelehnt er saß. Ganz entspannt hatte er seine Beine ausgestreckt, wĂ€hrend die gefalteten HĂ€nde auf seinem Bauch ruhten. Mit kleinen, wachen Augen schaute er versonnen den eigenen Gedanken nach. Von Zeit zu Zeit bewegten sich tonlos seine Lippen. Er atmete ganz ruhig, und gelegentlich zauberte ein kleines LĂ€cheln weitere Runzeln und Falten in sein Gesicht.

Leichter Wind strich durch die Wipfel der BÀume. Durch das dichte BlÀtterdach fanden immer wieder einzelne Sonnenstrahlen ihren Weg in den Wald. Sie zeichneten geheimnisvolle Schattenbilder auf den laubbedeckten Boden, und Insekten tanzten verspielt in ihrem Licht. Es war still. Kein fremder Laut störte das Klangspiel des Waldes.

Frische WĂ€rme umhĂŒllte den Alten. Ohne den Blick von seinen Gedanken abzuwenden, griff er nach der kleinen Flöte, die neben ihm lag. BedĂ€chtig fĂŒhrte er sie an den Mund und ließ seine Lippen das MundstĂŒck erkunden. Dann hielt er inne.

Der Wald verstummte nun ganz. Er schien den Atem anzuhalten. Nach einer Weile erhob sich aus der Stille behutsam ein zarter Ton. Sanft entwich er der Flöte und stieg entlang der Sonnenstrahlen zu den Wipfeln der BĂ€ume empor. Von dort breitete er sich aus und durchflutete den Wald. Nur dieser eine Ton war zu hören, leise und sacht gespielt. Erst, als jeder Zweig, jedes Blatt und jeder Krumen Erde von ihm erfĂŒllt war, kehrten die GerĂ€usche des Waldes zurĂŒck, stimmten mit ihm ein und nahmen ihn als einen der ihren in sich auf. Doch er war weiterhin deutlich aus all den KlĂ€ngen des Waldes heraus zuhören. Selbst, als der alte Mann die Flöte schon lĂ€ngst abgesetzt und neben sich gelegt hatte, tönte er immer weiter. Der Ton war nun untrennbar mit den KlĂ€ngen des Waldes verbunden und gehörte dazu, wie auch die Sonnenstrahlen, die Schattenbilder und die tanzenden Insekten.

Die Lippen des alten Mannes bewegten sich nicht mehr. Doch sein Mund zeichnete ein LĂ€cheln unendlichen GlĂŒcks in runzlige Haut, und sein Blick war den eigenen Gedanken bis an deren Ziel gefolgt.

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 21. 08. 2009 19:28
Version vom 03. 01. 2010 19:14
Version vom 17. 01. 2010 00:34
Version vom 06. 02. 2010 01:22

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suzah
Guest
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hallo anbass,
ein schöner text, man sieht den alten mann dort sitzen und erfĂŒhlt die atmosphĂ€re des waldes. das bild ist gut gelungen!

"Nach einer Weile erhob sich aus der Stille behutsam ein leiser Ton. Spielend leicht entwich er der Flöte. Zart und weich. Er stieg entlang der Sonnenstrahlen zu den Wipfeln der BÀume empor. Von dort breitete er sich aus und durchflutete den Wald. Nur dieser eine Ton war zu hören, leise und sanft gespielt."

wie nachts schon erwĂ€hnte: "das "spielend" ist an sich ĂŒberflĂŒssig, es steht aber fĂŒr den klang des satzes.

du könntest z.b. auch sagen: zart und leicht entwich er der flöte.
er stieg entlang....
... war zu hören, weich und sanft gespielt.

das ist natĂŒrlich nur ein vorschlag, um das doppelte "leise" zu vermeiden, vielleicht fĂ€llt dir noch etwas besseres ein.
dann wÀre der text absolut vollkommen!

liebe grĂŒĂŸe suzah





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anbas
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Hallo nachts, hallo suzah!

Ich danke Euch ganz herzlich fĂŒr Eure RĂŒckmeldungen und habe sie zum Anlass genommen, noch ein paar Änderungen vorzunehmen.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
__________________
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Wipfel
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Hallo anbas,

auch ich zolle dir Respekt - das wird ein guter Text! Bis dahin wĂŒrde ich jedoch noch weiter daran arbeiten. Ich will versuchen dir im Text zu zeigen, eas ich in etwa meine:

quote:
Das faltige Gesicht des alten Mannes sah aus, als wĂ€re es aus Borke der alten Eiche gefertigt, an deren Stamm gelehnt er saß. Ganz entspannt hatte er seine Beine ausgestreckt, wĂ€hrend die gefalteten HĂ€nde auf seinem Bauch ruhten. Mit kleinen, wachen Augen schaute er versonnen den eigenen Gedanken nach. Von Zeit zu Zeit bewegten sich tonlos seine Lippen. Er atmete ganz ruhig, und gelegentlich zauberte ein kleines LĂ€cheln weitere Runzeln und Falten in sein Gesicht.

Leichter Wind strich durch die Wipfel der BÀume. Durch das dichte BlÀtterdach fanden immer wieder einzelne Sonnenstrahlen ihren Weg in den Wald. Sie zeichneten geheimnisvolle Schattenbilder auf den laubbedeckten Boden, und Insekten tanzten verspielt in ihrem Licht. Es war still. Kein fremder Laut störte das Klangspiel des Waldes.

Frische WĂ€rme umhĂŒllte den Alten Mann, der am Fuße der knorrigen Eiche saß(wissen wir schon), als hĂ€tte er sein Leben lang dort gesessen, als sei er selbst ein Teil des Waldes. Ohne den Blick von seinen Gedanken abzuwenden, griff er nach der kleinen Flöte, die neben ihm lag. BedĂ€chtig fĂŒhrte er sie an den Mund und ließ seine Lippen das MundstĂŒck erkunden. Dann hielt er inne.

Der Wald (besser "Alles" verstummte nun ganz, da Wald schon hĂ€ufig und noch hĂ€ufig erscheint). Er schien den Atem anzuhalten. Nach einer Weile erhob sich aus der Stille behutsam ein zarter Ton. Sanft entwich er der Flöte und stieg entlang der Sonnenstrahlen zu den Wipfeln der BĂ€ume empor. Von da ort breitete er sich aus und durchflutete den Wald. Nur dieser eine Ton war zu hören, leise und sacht gespielt. Erst, als jeder Zweig, jedes Blatt und jeder Krumen Erde von ihm erfĂŒllt war, kehrten die GerĂ€usche des Waldes zurĂŒck, stimmten mit ihm ein und nahmen ihn als einen der ihren in sich auf. Doch er war weiterhin deutlich aus all den KlĂ€ngen des Waldes heraus zuhören. Selbst, als der alte Mann die Flöte schon lĂ€ngst wieder abgesetzt und neben sich gelegt hatte, tönte dieser Toner immer weiter. Er war nun untrennbar mit den KlĂ€ngen des Waldes verbunden und gehörte dazu, wie auch die Sonnenstrahlen, die Schattenbilder und die tanzenden Insekten.

Die Lippen des alten Mannes bewegten sich nicht mehr. Doch sein Mund zeichnete ein LĂ€cheln unendlichen GlĂŒcks in runzlige Haut, und sein Blick war den eigenen Gedanken bis an deren Ziel gefolgt.

Kein Anspruch auf VollstÀndigkeit - nur beim schnellen Lesen entdeckt und bedacht..

GrĂŒĂŸe von wipfel

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